Im Juli fahre ich mit meinen Töchtern nach Spanien. Maja ist 10, ihre Schwester Rosa 12. Wir fahren mit dem Zug. Kein einziger Flug.
Gleichzeitig reist mein Bruder mit seiner Frau und ihrem Kleinkind auf einer parallelen Route – wir treffen uns in Bayonne (St. Jean de Luz) und fahren gemeinsam die kantabrische Küste entlang bis Madrid. Dann trennen wir uns wieder und kommen auf verschiedenen Wegen zurück.
Sechs Personen, drei Generationen, sechs Länder, drei Wochen. Alles per Bahn.
Warum Zug und nicht Fliegen
Von Hamburg nach Bilbao dauert der Flug zwei Stunden. Der Zug braucht zwei Tage. Das ist kein kleiner Unterschied und ich will ihn nicht kleinreden.
Aber: Mit meinen Töchtern im Zug zu sitzen ist etwas anderes als mit ihnen einzuchecken. Im Zug sehen sie wie Norddeutschland in Frankreich übergeht. Wie die Landschaft flacher wird, dann hügeliger, dann gebirgiger. Wie die Sprache auf den Bahnhofsschildern wechselt. Das ist Erdkunde ohne Schulbuch.
Und der Nachtzug von Hamburg nach Paris – Schlafabteil, Morgen in einer anderen Stadt – das ist für Kinder ein Erlebnis das bleibt. Mehr als jeder Kurzstreckenflug.
Die Route
Wir starten mit dem Nachtzug. Paris ist der erste Stopp, dann Bayonne. Dort treffen wir meinen Bruder und seine Familie. Zusammen fahren wir weiter an die Atlantikküste nach St. Jean de Luz – direkt am Meer, mit Blick auf die Pyrenäen.
Dann Baskenland: San Sebastián, und weiter nach Bermeo im Urdabai-Biosphärenreservat. Küste und Gebirge gleichzeitig. Bilbao mit dem Guggenheim-Museum. Santander. Und dann in die Picos de Europa – Arenas de Cabrales, Wandern nach Sotres und Bulnes, die Schlucht des Río Cares. Das wird der anspruchsvollste Teil. Vier Nächte in Llanes an der asturischen Küste zum Ausruhen danach.
Von Llanes über Oviedo mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Madrid. Zwei Nächte in der Stadt.
Dann trennen wir uns: Mein Bruder und seine Familie fahren über Avignon – Camargue, Arles – zurück. Ich fahre mit den Mädchen über Barcelona und Marseille dann zurück nach Hamburg.
Wer noch dabei ist – und wie
Ab Madrid kommt meine Freundin Caro dazu. Sie fliegt dorthin – das ist ihr Entscheid, und ich respektiere ihn. Die Rückreise über Barcelona und Marseille machen wir dann gemeinsam per Zug. Es ist nicht das perfekte Bild einer emissionsfreien Reise, aber es ist das ehrliche: Sieben Menschen, vier verschiedene Lebensumstände, ein gemeinsamer Reiseabschnitt. So funktioniert das im echten Leben.
Was ich meinen Töchtern zeigen will
Nicht Sehenswürdigkeiten. Nicht Highlights. Sondern: dass die Welt größer ist als Lohbrügge, und gleichzeitig überall ähnlich – Menschen die arbeiten, einkaufen, streiten, lachen. Dass man weit reisen kann ohne zu fliegen. Dass das Ankommen schöner ist wenn man den Weg gespürt hat.
Und dass man mit einem Nachtzug einschlafen und in Paris aufwachen kann. Das ist Magie. Auch mit 10.
Im August schreibe ich den Reisebericht.