Drei Wochen Spanien und Frankreich, geplant bis ins Detail – und dann doch anders, wie es bei Zugreisen eben ist. Hier beginnt der erste Teil der Reise: von Hamburg bis in die Picos de Europa, gemeinsam mit meinem Bruder, seiner Familie und seinem zweijährigen Sohn.
Der Start: verschobene Bahnhöfe und ein verpasster ICE
Mittwoch, 8. Juli. Die Mädels hatten wegen der Zeugnisausgabe früh Schulschluss, ich hatte mir den halben Tag freigenommen. Kurz vor Abreise die erste Planänderung: Der Nachtzug sollte nicht wie gebucht von Berlin Hauptbahnhof abfahren, sondern zunächst von Spandau, dann letztlich von Gesundbrunnen. Unser ursprünglicher ICE nach Berlin war storniert. Wir nahmen stattdessen einen früheren Eurocity, hatten dadurch mehr Zeit in Berlin, aßen bei Vapiano, fuhren mit der S-Bahn zum Gesundbrunnen – und um 19:32 Uhr ging es endlich los, eine Stunde später als geplant.
Der Europeean Sleeper hat fünf-Betten-Abteile – auch wenn jedes Abteil eigentlich sechs Betten hat, wird nur mit fünf Personen belegt. Wir zu dritt in einem privat gebuchten Abteil, mit zwei Frühstücken dazugebucht. Die Fahrt und der Schlaf: ruhig und gut.
Paris mit Verspätung – und die Mona Lisa trotzdem
Frühstück am Wagen fanden die Kinder toll, auch wenn vieles in Plastik verpackt war – kaum vermeidbar bei dieser Art Verpflegung. Der Nightjet macht das an anderer Stelle etwas besser, zum Beispiel mit kleinen Marmeladengläsern statt Plastikportionen.
Statt der geplanten 10 Uhr kamen wir erst um 12:20 Uhr in Paris an. Weniger Zeit im Louvre als gedacht, aber es reichte trotzdem: Rucksäcke in die Schließfächer, viele der berühmten Gemälde gesehen, und Majas große Freude, die Mona Lisa live zu sehen.
Der TGV nach St. Jean de Luz hatte ebenfalls eine halbe Stunde Verspätung – Zeit genug für argentinische Empanadas direkt am Bahnhof. Um 20:30 Uhr, nach einer Fahrt ab 16:30 Uhr, kamen wir schließlich in Ciboure an, wo mein Bruder mit Familie bereits wartete. Ein toller erster gemeinsamer Abend mit Blick aufs Meer.
Baskenland: Berge, Meer, und die erste Wanderung
Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus nach Sare, von dort zu Fuß auf den Berg La Rhune in den Pyrenäen. Oben Pommes und Aussicht, unten in Sare Eis, dann zurück nach Ciboure zum Schwimmen im Atlantik. Abends ein gutes Restaurant in St. Jean de Luz und ein Spaziergang durch die Altstadt.
Auf den Wanderungen bis Barcelona war auch der zweijährige Sohn meines Bruders mit dabei – in der Kraxe, die wir Erwachsenen uns abwechselnd auf den Rücken schnallten. Das brachte auf längeren Strecken eine ganz eigene Dynamik in die Gruppe.
Über die Grenze: San Sebastián und Bermeo
Per Bahn weiter, mit Umstieg in Hendaye, nach Bermeo – mit einem langen Zwischenstopp in San Sebastián. Fünf Stunden reichten für die Altstadt, das Aquarium mit beeindruckenden Haien, Tapas und ein Bad im Meer am Stadtstrand. Abends in Bermeo angekommen: Nudeln mit Tomatensauce in der Ferienwohnung.
Moor, Höhlenmalerei und ein zu heißer Waldweg
Zug nach Forua, dann zu Fuß durch das Moor am Fluss bis zum Urdaibai Bird Center, weiter zur Höhle von Santimamiñe. Die Höhle selbst war ab 60 Metern gesperrt – stattdessen ein Film mit eindrucksvollen Höhlenmalereien, Mittagessen im Restaurant an der Höhle. Danach ein langer, in sengender Hitze anstrengender Weg zum Oma-Wald, der die Mädels sichtlich müde machte, bevor es über Kortezubi und Gernika weiter nach Sukarrieta ging – Abkühlung beim Schwimmen gegenüber der Insel Txatxarramendi.
Gaztelugatxe – die Insel mit der Treppe
Eine der schönsten Wanderungen der ganzen Reise: zu Fuß nach Gaztelugatxe, immer am Meer entlang, mit Blick auf die berühmte Insel samt Treppe. Danach Baden in Bakio, und am späten Abend noch ein zweites Bad für Maja und mich in der versteckten Bucht Aritzatxu.
Bilbao und ein technisches Problem im Zug
Guggenheim Museum in Bilbao: die Stahlkonstruktion wie ein Labyrinth, wirklich beeindruckend. Weiter nach Santander – wo eine Baustelle und zusätzlich die große Hitze, wegen der der Zugmotor abkühlen musste, für erhebliche Verspätung sorgten. Die zwei übrig gebliebenen Stunden reichten noch für einen Bummel durch Santanders Altstadt. Übernachtung in Unquera, inklusive Fußball-WM-Halbfinale im Fernsehen.
Picos de Europa: Wildziegen und eine spontane Routenänderung
Von Arenas de Cabrales mit dem Bus nach Poncebos, dem Ausgangspunkt für die Picos de Europa. Statt der ursprünglich geplanten Route entschieden wir uns spontan für eine kürzere, zeitweise etwas anspruchsvollere Alternative – die wir aber gut gemeistert haben, mit Wildziegen als Begleitung unterwegs.
Die Ruta del Cares – Highlight der Bergwanderungen
Über Sotres und Bulnes zurück nach Poncebos, entlang des Rio Cares durch eine der schönsten Berglandschaften der ganzen Reise. Am Ende ein eiskaltes, erfrischendes Bad im Fluss. Abends für mich ein bewusster „Cheat Day“ mit Pizza mit Ziegenkäse belegt.
Küstenwanderungen um Llanes
Mehrere Tage rund um Llanes: die Ostküste mit Stränden wie El Sablón, Puerto Chico, Playa del Toro. Ein Ausflug nach Ribadesella mit Picknick am Hafen. Eine 13,5 Kilometer lange Strandwanderung von Villahormes bis Celorio, vorbei am ungewöhnlichen Playa de Gulpiyuri – einem Strand ganz ohne direkten Meerzugang –, dem Surfstrand Playa de San Antolín und der versteckten Bucht Playa de Torimbia. In Celorio ein Dorffest mit Menschen in traditioneller Tracht. Zurück in Llanes verfolgten wir die erste Hälfte des WM-Finales mit anderen im Hafen.
Zum Abschluss dieses Teils: eine Wanderung zu den Bufones
Eine 16,4 Kilometer lange Wanderung von Llanes bis Vidiago, mit einem Bad am Playa de Bollota unterwegs. Highlight waren die Bufones de Arenillas – natürliche Meeresblaslöcher in den Felsen, ein beeindruckendes Naturschauspiel.
Von hier aus ging die Reise weiter nach Oviedo, Madrid, Barcelona und Marseille – dieser Teil, ab dem mein Bruder mit Familie eine eigene Route nahm, folgt im zweiten Beitrag.