Rumänien ist für mich kein fremdes Land – und Caro, meine Freundin, wollte verstehen warum. Also sind wir gemeinsam gefahren. Ich habe dort 20 Monate gelebt, die Sprache gelernt, Menschen kennengelernt, die mich bis heute begleiten. Als ich meinen Töchtern dieses Land zeigen wollte, war für mich von Anfang an klar: Wir fahren mit dem Zug. Nicht weil es bequemer wäre. Sondern weil die Reise selbst Teil der Erfahrung sein sollte.
Drei Wochen, Sommer 2025. Hamburg nach Rumänien und zurück, komplett ohne Fliegen. Hier ist, wie das aussah.
Tag 1: Hamburg – Prag – Budapest
Morgens um kurz vor sieben Bus in Boberg, dann ICE nach Berlin. In Berlin umsteigen in den EC nach Prag – Ankunft am frühen Nachmittag. Von Prag ging es mit dem Nachtzug weiter nach Budapest. Das sind zwei Städte, zwei Länder, ein Tag, kein Flughafen. Meine Töchter haben zum ersten Mal erlebt, wie weit man mit dem Zug kommt wenn man früh genug aufbricht.
Budapest und der Einstieg nach Rumänien
Budapest war der Auftakt – Caro und ich haben die Stadt zu Fuß erkundet, uns orientiert, angekommen. Dann der erste Zug nach Rumänien: über Brașov, wo wir in der Casa Bia übernachteten, weiter in die Berge nach Rasnov und Bran, zur Burg Peleș in Sinaia, nach Busteni.
Rumänien per Zug bedeutet: langsamer als mit dem Auto, dafür mit Ausblicken die man durch eine Windschutzscheibe nicht sieht. Die Zugstrecke durchs Prahova-Tal, zwischen Bușteni und Sinaia, gehört zu den schönsten Bahnstrecken die ich kenne.
Siebenbürgen: Sighișoara, Cluj, Sibiu
Die drei großen Städte Siebenbürgens – nacheinander, per Regionalzug. Sighișoara mit der mittelalterlichen Altstadt auf dem Hügel. Cluj mit dem jungen, lebendigen Stadtbild. Sibiu mit dem Brukenthal-Museum und dem Freilichtmuseum Astra, das ich meinen Töchtern unbedingt zeigen wollte – Hunderte von originalen Bauten aus ganz Rumänien auf einer riesigen Waldfläche.
In Sighișoara haben wir im The One gewohnt, direkt in der Altstadt. Meine Töchter wollten am zweiten Tag nicht mehr weg.
Bukarest und das Schwarze Meer
Von Sibiu Nachtzug nach Bukarest. Bukarest kenne ich wie meine Westentasche – ich habe hier gelebt, gearbeitet, Freunde gefunden. Meinen Töchtern die Stadt zu zeigen die ich damals kennengelernt habe, war einer der schönsten Momente der Reise.
Von Bukarest ans Meer: Eforie Sud, Constanța, Sonne und Schwarzes Meer. Und dann das Highlight, das selbst ich noch nicht kannte: die Donaudelta.
Das Donaudelta – das Unerwartetste der ganzen Reise
Von Constanța mit dem Zug nach Tulcea, von dort mit der Fähre drei Stunden den Donauarm entlang bis nach Sulina – dem östlichsten Punkt Rumäniens, direkt am Schwarzen Meer. Sulina ist eine andere Welt: kaum Autos, kaum Tourismus, Pelikane, Riedgras, das Ende Europas.
Wir haben eine Nacht in der Remina in Sulina übernachtet und am nächsten Morgen die Fähre zurück genommen. Das war der Moment, in dem sowohl Caro als auch meine Töchter verstanden haben, warum ich dieses Land so mag.
Rückfahrt: Bukarest – Wien – Hamburg
Über Bukarest und Wien zurück nach Hamburg. Den letzten Abschnitt von Wien nach Hamburg mit dem Nightjet – Schlafwagen, Ankommen am Hamburger Hauptbahnhof, von dort direkt nach Lohbrügge.
Gesamtdistanz: mehrere tausend Kilometer, komplett auf Schienen und Fähren. Kein einziger Flug.
Was die Reise uns gelehrt hat
Meine Töchter haben Rumänien kennengelernt – nicht als Urlaubskulisse, sondern als echtes Land mit echter Geschichte, echter Armut und echter Schönheit. Sie haben erlebt, dass Zugfahren nicht Einschränkung bedeutet, sondern Freiheit. Dass die Strecke selbst etwas ist, nicht nur das Ziel.
Und ich habe ihnen ein Stück von mir gezeigt. Das ist schwer in Worte zu fassen.