Am vergangenen Wochenende war ich beim Ifeoma Fest am Werner-Neben-Platz in Nettelnburg. Veranstaltet von der Igbo-Gemeinschaft in Hamburg – Musik, Tanz, Essen, Folklore, Begegnung. Ein Fest für alle, so stand es auf dem Plakat. So war es auch.
Ifeoma bedeutet auf Igbo „gute Sachen“. Der Name ist Programm. Ngozi Utoh-Samuel, die Organisatorin, hat das Fest bewusst so konzipiert dass alle dazugehören – nicht nur die Igbo-Gemeinschaft, nicht nur Afrikaner, nicht nur Menschen mit nigerianischen Wurzeln. Neben den afrikanischen Ständen gab es Kaffee und Kuchen vom SerrahnEINS, einen türkischen Stand, Folkloregruppen aus aller Welt. Musik und Tanz kamen nicht nur aus Nigeria sondern aus verschiedenen Kulturen. Das ist kein Zufall und keine Kompromisslösung. Das ist die Haltung hinter dem Fest: Gemeinschaft bedeutet dass alle dazugehören.
Wir waren am Samstag da – Caro, ihre Mutter die gerade für drei Wochen aus Argentinien zu Besuch ist, meine Töchter und ich. Uns wurde erzählt dass am Freitag richtig viel los war. Am Samstag Mittag war es ruhiger, familiärer. Wir haben Jollof Reis mit Plantain gegessen – lecker. Meine Töchter haben sich Zöpfe flechten lassen und am Glücksrad gedreht. Und wir haben Kuchen von Ernst Heilmann vom SerrahnEINS gekauft, was irgendwie das perfekte Symbol für dieses Fest war: nigerianische Gemeinschaft, Bergedorfer Institutionen, alles zusammen auf einem Platz.
Ich habe kurz mit der Organisatorin Ngozi Utoh-Samuel gesprochen. Sie hat länger mit Caro und ihrer Mutter geredet. Was Caros Mutter danach sagte, hat mich mehr bewegt als alles andere an diesem Nachmittag: dass es sie emotional beeindruckt hat – Menschen aus verschiedenen Ländern die zusammenkommen um ein Fest zu organisieren das an die Heimat erinnert. Sie sagte das als jemand die selbst weit weg von ihrer Heimat lebt, zumindest für diese drei Wochen. Aber der Gedanke gilt natürlich für alle die hier leben und deren Heimat woanders ist.
Ich habe in diesem Moment verstanden warum dieses Fest wichtig ist. Nicht als Veranstaltung. Als Aussage: Wir sind hier. Wir erinnern uns. Wir laden alle ein.
Mein Name
Ich heiße Andreas Adigwe Pilot. Der Name Adigwe ist Igbo – er kommt aus Nigeria, aus dem Südosten des Landes.
Meinen Großvater habe ich nie wirklich gekannt. Er kam aus Izeleku, einem Ort im heutigen Delta State in Nigeria. Was ich von ihm habe, ist ein Name – aber nicht auf offiziellem Wege. Als ich 14 Jahre alt war, fragte ich ihn danach. Er gab mir den Namen Adigwe. Nicht eingetragen, nicht amtlich, nicht auf irgendeinem Dokument.
Seitdem trage ich ihn. In meinem Alltag in Lohbrügge, in diesem Blog.
Adigwe bedeutet auf Igbo: „Gemeinsam sind wir stark.“ Ich hätte mir keinen passenderen Namen wünschen können. Nicht für jemanden der in Gewerkschaften organisiert, Betriebsrat macht, auf Demos geht und in der Bezirkspolitik sitzt. Mein Großvater wusste das nicht über mich – er kannte mich kaum. Aber der Name passt.
Mein Onkel lebt noch in Nigeria – er ist Arzt und Inhaber eines Krankenhauses in Asaba, der Hauptstadt des Delta State. Eine Verbindung die existiert, auch wenn sie weit weg ist.
Was dieses Fest in Bergedorf bedeutet
Das Ifeoma Fest wird von Menschen veranstaltet die diese Verbindung nach Nigeria nicht als ferne Geschichte tragen, sondern als gelebten Alltag. Sie leben hier, in Hamburg, in Bergedorf. Sie feiern hier. Sie laden alle ein – und meinen das ernst.
Das SerrahnEINS, die Buhck Stiftung, SAGA, das Spielhaus FFB – Bergedorfer Institutionen stehen dahinter. Das Fest ist nicht importiert. Es ist hier gewachsen.
Ich werde wiederkommen. Und ich trage einen Namen der dazu passt.