Warum ich beim Olympia-Volksentscheid mit Nein stimme

Hamburg stimmt ab. Über eine Olympiabewerbung für 2036 oder 2040. Ich habe meine Briefwahlunterlagen ausgefüllt. Mein Kreuz ist bei Nein.
Nicht weil ich Sport nicht mag. Sondern weil ich weiß was Olympia mit Städten macht.

Was auf dem Spiel steht

Eine Hamburger Olympiabewerbung bedeutet geschätzte Kosten von rund 15 Milliarden Euro – Erfahrungen aus London, Rio und Tokio zeigen dass die tatsächlichen Kosten am Ende deutlich höher liegen. Die Schulden bleiben bei der Stadt, nicht beim IOC, nicht bei den Sponsoren, nicht bei den Unternehmen die von den Aufträgen profitieren.
Gleichzeitig stehen in Hamburg Hallenbäder vor der Schließung. Vereine können ihre Beiträge kaum noch finanzieren. Schulsport ist chronisch unterfinanziert. 40 Prozent der Hamburger Kinder sind nicht Mitglied in einem Sportverein.
Das ist kein Zufall. Das ist eine politische Entscheidung darüber wer Sport bekommt und wer nicht. Olympia würde diese Entscheidung weiter zugunsten des Hochleistungssports verschieben – und zulasten des Breitensports, des Vereinssports, des Schulsports.

Was Olympia mit der Stadt macht

Ich wohne in Lohbrügge. Meine Töchter gehen in Allermöhe zur Schule. Ich kenne den Wohnungsmarkt in Bergedorf. Und ich weiß was olympische Zonen bedeuten: Verdrängung. Wohnraum wird teurer, Gewerbetreibende werden verdrängt, Quartiere werden umgebaut für ein dreiwöchiges Sportereignis.
London, Rio, Tokio – überall dasselbe Muster. Die Infrastruktur die danach bleibt ist oft zu groß, zu teuer im Unterhalt, zu wenig genutzt. Die Schulden bleiben Jahrzehnte.
Hamburg hat andere Probleme die gelöst werden müssen. Und 15 Milliarden Euro hätten andere Verwendungen die mehr Menschen nützen.

Was stattdessen helfen würde

Sport für alle – das ist keine Utopie. Es ist eine politische Entscheidung. Hallenbäder modernisieren statt schließen. Vereinsbeiträge senken damit auch Kinder aus einkommensschwachen Familien dabei sein können. Schulsport finanzieren. Sportflächen in den Stadtteilen ausbauen – auch in Lohbrügge, auch in Bergedorf.
Das kostet Geld. Deutlich weniger als Olympia. Und es nützt den Menschen die hier leben, nicht den Sponsoren und dem IOC.

Warum ich per Briefwahl abstimme

Weil jede Stimme zählt. Weil Volksentscheide in Hamburg gezeigt haben dass Bürgerinnen und Bürger etwas bewegen können wenn sie sich einbringen – der Zukunftsentscheid für Klimaneutralität 2040 war so ein Moment.
Ich bin Mitglied im Bezirksvorstand der Linken Bergedorf und Mitglied im Umweltausschuss. Ich habe in den letzten Wochen Haustürgespräche in Lohbrügge geführt, Menschen erklärt warum wir gegen die Olympiabewerbung sind. Jetzt setze ich selbst das Kreuz.
Nein zu Olympia. Ja zum Sport. Für alle.

2 Kommentare zu „Warum ich beim Olympia-Volksentscheid mit Nein stimme“

  1. Es ist unrealistisch zu glauben, dass Hamburgs geplante Olympia-Ausgaben anderswo investiert würden, wenn die Spiele nicht stattfinden würden.

    1. Ja, ein Teil der Mittel würde ohne Olympia nicht nach Hamburg fließen. Aber ich finde, das ändert nichts an der Frage: Ist es der beste Einsatz dieser Gelder? Und die Folgekosten – Betrieb, Umwidmung, Rückbau – die landen am Ende im normalen Stadthaushalt, und da konkurrieren sie dann sehr wohl mit Schulen, Wohnungsbau und ÖPNV. Wenn Milliarden für Olympia mobilisiert werden können, zeigt es, dass Geld vorhanden ist – und dann muss die Frage erlaubt sein, warum es nicht von vornherein für Wohnungsbau, ÖPNV oder Schulen mobilisiert werden kann.

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