Alle zwei Wochen habe ich das Lastenrad vollgepackt und bin zum Onkel Emma gefahren – dem Unverpackt-Laden in Bergedorf. Pasta, Getreide, Nüsse, Öle, Obst, Gemüse, Putzmittel – alles in eigene Behälter abgefüllt, alles ohne Plastik. Das war kein Lifestyle-Projekt. Das war Einkaufen, wie es funktionieren sollte.

Onkel Emma hat 2023/24 geschlossen. Florian Giese hat danach versucht, das Prinzip als Foodcoop weiterzuführen – monatliche Sammelbestellungen, gemeinschaftliches Aufteilen, ähnlicher Geist. Auch das ist seit 2025 Geschichte. Und der Hofladen Neun Linden, der für mich eine wichtige Quelle für regionales Obst und Gemüse war, hat ebenfalls dichtgemacht.
Was bleibt, ist ein Flickenteppich. Hier ist er, ehrlich aufgelistet.
Was ich heute tue – und warum es komplizierter ist als früher
Für Trockenwares – Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Pasta – bestelle ich bei Kornkiste. Das System funktioniert gut: Memobox per Post, Stoffbeutel zurückschicken, kein Plastik. Aber es ist Online-Versand, kein Laden um die Ecke. Kein Gespräch, kein Schauen was gerade da ist, kein spontaner Griff ins Regal.
Obst und Gemüse kommen vom Bio-Hoflieferanten – seitdem der Hofladen Neun Linden zu ist, die sinnvollste Alternative für regionale und biologische Ware direkt nach Hause.
Für Konserven und Flüssiges – Passata, Senf, Mais, rote Bohnen, saure Gurken, Erdnussmus, Tomatenmark, Kokosmilch, Sojasoße – kaufe ich in Pfandgläsern bei Denn’s in Bergedorf oder bei Alnatura in Wandsbek. Nicht um die Ecke, aber machbar und verlässlich.
Das Alltagsgemüse, das kurzfristig gebraucht wird, kommt vom Lohbrügger Wochenmarkt. Und was wirklich schnell gehen muss und keine Alternative hat, landet im Edeka/Netto – oftmals Plastikverpackung inklusive.

Zwei Alternativen, die ich erkundet habe – mit gemischtem Ergebnis

Bode Naturkost in Bergedorf ist ein Großhandel, der sich inzwischen auch für Privatkunden geöffnet hat. Das klingt vielversprechend – der Laden ist nicht weit, das Sortiment ist umfangreich. Aber: Man muss bestellen, und die Mindestmengen sind auf Großeinkäufe ausgelegt. Für einen Einzelhaushalt oder eine kleine Familie ist das nur bedingt praktisch. Ich habe es noch nicht selbst ausprobiert, behalte es aber im Blick – vielleicht als Option für eine Sammelbestellung mit Nachbarn oder im Rahmen einer Foodcoop-Idee.
Ursprünglich Unverpackt aus Wentorf habe ich einmal ausprobiert. Das Konzept überzeugt: Lastenbike-Lieferung, plastikfrei, regionaler Ansatz. Das Problem für mich: Das Liefergebiet reicht nicht nach Lohbrügge, und die Abholzeiten am Lager in Wentorf sind mit meiner Vollzeitstelle nicht kompatibel. Also habe ich den Versand gewählt – und damit genau das erreicht, was ich vermeiden wollte: Papierverpackung statt Plastik ist besser, aber es ist kein echtes Unverpackt mehr. Das ist keine Kritik am Angebot, sondern an meiner geografischen und zeitlichen Situation. Wer flexibler ist als ich, sollte es ausprobieren.
Was das mit Politik zu tun hat
Dieser Flickenteppich ist nicht das Versagen von Einzelnen. Onkel Emma ist nicht geschlossen, weil die Bergedorfer keine Lust auf Unverpackt-Einkaufen hatten. Die Foodcoop hat nicht aufgehört, weil Florian Giese es nicht wollte. Strukturen machen solche Angebote schwer: Gewerbemieten, fehlende Förderprogramme für alternative Handelsmodelle, mangelnde kommunalpolitische Unterstützung.
Als Mitglied im Umweltausschuss Bergedorf frage ich mich, was der Bezirk tun könnte. Günstige Gewerbeflächen für Läden mit sozialer und ökologischer Funktion. Unterstützung für Foodcoops und Genossenschaften.
Das ist keine Utopie. Es ist Kommunalpolitik.

Fazit: Plastikfrei ist möglich – aber es kostet mehr Aufwand als es sollte
Ich lebe nicht plastikfrei. Ich lebe plastikärmer, mit mehreren Bezugsquellen, mehr Planung und gelegentlichem Kompromiss. Das ist die Realität in Lohbrügge 2026.
Ich schreibe das nicht um zu klagen. Ich schreibe es, weil ich denke: Diese Lücke ist politisch schließbar. Und weil ich jeden ermutigen möchte, der ähnlich denkt, die vorhandenen Alternativen zu nutzen – und laut zu sein, wenn sie wieder wegbrechen