Im Juni habe ich über das BG Klinikum Boberg geschrieben, über die Verlagerung des Akutbereichs und darüber, was bleibt und was fehlt. Heute geht es um die Frage dahinter: Wer pflegt, wenn wir alt oder krank sind?
Die Zahlen sind eindeutig
2025 hatte jede fünfte Pflegekraft in Deutschland eine ausländische Staatsangehörigkeit: 352.600 von 1,76 Millionen Beschäftigten, fünfmal so viele wie 2013. In der Altenpflege liegt der Anteil bei 23 Prozent, in der Krankenpflege bei 18 Prozent. Seit 2022 geht das Beschäftigungswachstum in der Pflege ausschließlich auf ausländisches Personal zurück. Die Zahl der Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit nimmt seit 2021 ab.
Zählt man alle Menschen mit Migrationshintergrund, liegt der Anteil höher: 33,1 Prozent in der Krankenpflege und 37,4 Prozent in der Altenpflege.
Der Bedarf wächst weiter. Nach der Vorausberechnung des Statistischen Bundesamts fehlen 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte (Modellrechnung mit konstanten Annahmen von 2019).
Was ich für Bergedorf sagen kann und was nicht
Wie viele der Beschäftigten im BG Klinikum Boberg oder in Bergedorfer Pflegeeinrichtungen eingewandert sind, weiß ich nicht. Zahlen dazu habe ich nicht gefunden, und ich will sie nicht schätzen. Regional ist der Unterschied groß: In der Altenpflege hat in der Metropolregion München und in Frankfurt am Main mehr als die Hälfte der Beschäftigten eine ausländische Staatsbürgerschaft, in Ostdeutschland ist der Anteil deutlich geringer.
Belegen kann ich, dass in Bergedorf besonders viele ältere Menschen leben: In Lohbrügge sind 22,4 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner 65 Jahre oder älter (9.233 Menschen), in Bergedorf 20,1 Prozent (7.566 Menschen). Der Hamburger Durchschnitt liegt bei 17,8 Prozent. Neuallermöhe, der kinderreichste Stadtteil Hamburgs, liegt mit 13,3 Prozent (3.081 Menschen) darunter (Stadtteil-Profile 2023).
Was die Verbände sagen
Ärzte- und Pflegeverbände haben 2025 in einem gemeinsamen Aufruf festgestellt: Ausländische Fachkräfte seien unverzichtbar für eine flächendeckende Versorgung, viele seien aber zutiefst verunsichert angesichts rechtspopulistischer Migrationsdebatten.
Die Forschung zeigt, was zugewanderte Pflegekräfte hält: ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld, Karrierechancen und die Lösung alltäglicher Probleme wie Wohnraum und Mobilität (Studie der Universität Erlangen-Nürnberg, 2025).
Was ich daraus schließe
Das ist meine Meinung: Wer im Alter gut versorgt werden will, sollte sich fragen, was Hetze gegen Zugewanderte für die Pflege bedeutet. Auf Pflegekräfte sind alle angewiesen, auch Menschen, die Zuwanderung ablehnen.
Ich wünsche mir deshalb schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse, bezahlbaren Wohnraum für zugewanderte Pflegekräfte und eine politische Kultur, die ihnen das Gefühl gibt, willkommen zu sein.
Quellen:
- Mediendienst Integration: Mehr ausländische Pflegekräfte und Ärzte (Stand 08.05.2026)
- Statistisches Bundesamt: Pflegekräftebedarf bis 2049
- Bundesärztekammer: Gemeinsamer Aufruf für ein weltoffenes und tolerantes Land (2025)
- Universität Erlangen-Nürnberg: Teilhabe von Pflegekräften mit Migrationsgeschichte (2025)
- Statistikamt Nord: Hamburger Stadtteil-Profile, Berichtsjahr 2023