Im Beitrag Wem gehört Deutschland – und wer zahlt dafür? ging es um die Vermögensverteilung: zehn Billionen Euro privates Geldvermögen, während die ärmste Hälfte der Bevölkerung nur 3,4 Prozent davon besitzt. Solche Zahlen wirken abstrakt. Deshalb schauen wir näher hin: nach Hamburg, in die einzelnen Stadtteile, und dann nach Bergedorf.
Eine Stadt, zwei Welten
Das Statistikamt Nord veröffentlicht für jeden Hamburger Stadtteil ein Profil. Die Unterschiede im Berichtsjahr 2023 sind enorm: In Nienstedten lebten nur 2,7 Prozent der unter 15-Jährigen in Mindestsicherung, in Billstedt 33,5 Prozent, in Hammerbrook 43,6 Prozent. In Billbrook, einem Stadtteil mit nur rund 1.900 Einwohnerinnen und Einwohnern, waren es 83,2 Prozent. Der Hamburger Durchschnitt liegt bei 18,9 Prozent.
Beim Einkommen ist der Abstand ähnlich groß: Je Steuerpflichtigen lag es 2020 in Nienstedten bei 167.671 Euro, auf der Veddel bei 21.064 Euro, also beim knapp Achtfachen. Hamburg insgesamt: 48.035 Euro.
Und Bergedorf?
Alle drei Bergedorfer Stadtteile, die ich geprüft habe, liegen über dem Hamburger Durchschnitt. In Neuallermöhe lebten 2023 25,0 Prozent der unter 15-Jährigen in Mindestsicherung, das ist jedes vierte Kind (1.057 Kinder). In Lohbrügge waren es 20,1 Prozent (1.624 Kinder), in Bergedorf 19,3 Prozent (1.086 Kinder). Lohbrügge und Bergedorf liegen damit nur knapp über dem Durchschnitt, Neuallermöhe deutlich. Zum Vergleich: In Billstedt sind es 33,5 Prozent (30 Minuten Beratung).
Neuallermöhe ist zugleich der Stadtteil mit dem höchsten Anteil an Haushalten mit Kindern: Ende 2025 lebten dort in 27,5 Prozent aller Haushalte Kinder unter 18 Jahren, hamburgweit sind es 17,5 Prozent. Es leben dort also besonders viele Kinder, und jedes vierte davon unter 15 wächst mit Mindestsicherung auf.
Gleichzeitig steigen die Mieten: In Lohbrügge und Neuallermöhe zuletzt um jeweils über sieben Prozent innerhalb eines Jahres (Wer profitiert von steigenden Mieten).
Was das mit der Vermögenssteuer zu tun hat
Hier schließt sich der Kreis zum Vermögensbeitrag. Während in Hammerbrook fast jedes zweite Kind in einem Haushalt mit Mindestsicherung aufwächst, gibt es in Deutschland zehn Billionen Euro privates Geldvermögen, das sich bei einem kleinen Teil der Bevölkerung konzentriert.
Eine Vermögenssteuer ab einer Million Euro, wie sie ver.di, GEW und die Linke fordern, würde nach dem Antrag der Linken 99 Prozent der Menschen nicht betreffen. Sie könnte aber Geld für Schulsozialarbeit, Ganztagsbetreuung und Frühförderung bereitstellen, also für das, was Kindern aus armen Haushalten die Startchancen verbessert.
Was ich mir wünsche
Kinderarmut ist kein Naturphänomen. Sie ballt sich in bestimmten Stadtteilen, und dahinter stehen politische Entscheidungen über Löhne, Mieten und soziale Infrastruktur.
Für Bergedorf wünsche ich mir, dass die Bezirksversammlung diese Zahlen regelmäßig auf dem Tisch hat, Stadtteil für Stadtteil und nicht nur als Hamburger Durchschnitt. Dann kann sie auf Grundlage von Zahlen entscheiden und nicht auf Grundlage von Vermutungen.