BG Klinikum Boberg – was bleibt, was geht, und warum das nicht reicht

Seit dem 9. Juni ist es offiziell. Bürgermeister Peter Tschentscher hat die Pläne persönlich im Hamburger Rathaus vorgestellt – gemeinsam mit Gesundheitssenatorin Melanie Schlotzhauer, Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal, den beiden Klinikchefs und der Bergedorfer Bezirksamtsleiterin Cornelia Schmidt-Hoffmann. Eine Pressekonferenz für eine Entscheidung die Tschentscher selbst eine „Jahrhundertentscheidung“ nennt. So berichtet der NDR.

Ich wohne in Lohbrügge. Das BG Klinikum ist keine abstrakte Einrichtung für mich. Es ist das Traumazentrum für den Hamburger Südosten. Der größte Arbeitgeber in Bergedorf. Und es ist das Haus das erreichbar ist, wenn hier jemand schwer verunglückt.

Jetzt zieht ein erheblicher Teil davon ab.

Was konkret wegzieht

Die akutmedizinischen Kernbereiche des BG Klinikums verlassen Bergedorf: die Erstversorgung und akutmedizinische Behandlung schwerer Unfallverletzungen, die traumatologische Behandlung, das Spezialzentrum für Brandverletzte, die Unfall- und Handchirurgie. Das alles zieht in einen 600-Millionen-Euro-Neubau mit 350 Betten auf dem UKE-Gelände in Eppendorf.

Das BG Klinikum investiert gleichzeitig weitere 600 Millionen Euro in Neubauten auf dem bisherigen Gelände in Boberg. Dort bleiben das Querschnittgelähmten-Zentrum, Reha-Einrichtungen und ein sportmedizinisches Zentrum. Die Notaufnahme wird durch eine ambulante Unfallbehandlungsstelle ersetzt – auch für Kinder – sowie ambulante OPs.

Und: Der ADAC-Rettungshubschrauber und ein Notarzteinsatzfahrzeug bleiben in Boberg.

Das ist die Version die der Senat als Erfolg verkauft.

Was das in der Realität bedeutet

Die Notaufnahme – also die stationäre Akutversorgung für schwere Verletzungen – verschwindet aus Bergedorf. Wer im Hamburger Südosten schwer verletzt wird, soll künftig ins UKE nach Eppendorf. 20 Kilometer entfernt. In einem Notfall zählen Minuten.

Als Auffangnetz soll die Notaufnahme des Agaplesion Bethesda Krankenhauses ausgebaut werden. Das klingt nach einem Plan – bis man weiß was in Geesthacht passiert ist. Nach der dortigen Schließung der Notfallversorgung platzt der Akutbereich am Bethesda bereits heute aus allen Nähten. Jetzt soll dasselbe Krankenhaus noch mehr übernehmen.

Gleichzeitig wächst Bergedorf. Oberbillwerder wird 15.000 neue Einwohnerinnen und Einwohner bringen. Mehr Menschen, weniger Akutversorgung vor Ort. Das ist kein Plan – das ist ein Widerspruch.

Wie die Entscheidung zustande kam

2.500 Mitarbeitende des BG Klinikums wurden in den Entscheidungsprozess so gut wie nicht eingebunden. Die Bergedorfer Bevölkerung wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Johan Graßhoff, stellvertretender Vorsitzender der Bergedorfer Linksfraktion, hat es klar formuliert: „Das Klinikum Boberg ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung in Hamburgs Osten und zudem einer der größten Arbeitgeber der Region. Diese Entscheidung über die Köpfe hinweg von Arbeitnehmern und der betroffenen Bevölkerung ist einfach unfassbar und nicht hinzunehmen.“

Ich teile diese Einschätzung vollständig.

Bezirksamtsleiterin Schmidt-Hoffmann sagt, die Bergedorfer könnten darauf vertrauen, dass die medizinische Versorgung im Bezirk im Blick behalten werde. Das ist eine höfliche Formulierung. Was sie nicht sagt: Die Krankenhausplanung liegt nicht in der Verantwortung des Bezirksamts. Bergedorf wurde informiert – nicht gefragt.

Was ich fordere

Erstens: Eine öffentliche Informationsveranstaltung mit dem Vorstandsvorsitzenden des BG Klinikums und Vertretern der Sozialbehörde. Die Bergedorfer Bevölkerung und die Beschäftigten haben ein Recht darauf zu verstehen was diese Entscheidung für sie konkret bedeutet – und das Recht gehört zu werden.

Zweitens: Ein verbindlicher Plan wie die Akutversorgung im wachsenden Bergedorf tatsächlich sichergestellt wird. Nicht Versprechen. Verbindliche Zusagen.

Drittens: Eine ehrliche Antwort auf die Frage wie das Bethesda die zusätzliche Last tragen soll wenn es schon heute überlastet ist.

Das BG Klinikum ist ein bedeutender Arbeitgeber für Bergedorf. Diese Entscheidung betrifft nicht nur die medizinische Versorgung – sie betrifft Arbeitsplätze, Familien und die Zukunft eines ganzen Bezirks. Das verdient mehr als eine Pressekonferenz im Rathaus.

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