Unkürzbar – warum ich diesen Samstag auf die Straße gehe

Diesen Samstag 6. Juni, 12:45 Uhr, Gänsemarkt Hamburg. Ich werde dabei sein.
Nicht als Politiker der Parteipositionen demonstriert. Sondern als Sozialpädagoge, als Betriebsratsvorsitzender – und als jemand dem gerade ein Freund und Kollege erzählt hat, dass sein Projekt zum Ende des Jahres geschlossen wird.

Was das konkret bedeutet

Er hat 18 Jahre lang mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. 18 Jahre. In der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Hamburg. Er kennt seine Zielgruppe, er kennt die Strukturen, er kennt die Menschen die er begleitet. Das ist kein Job – das ist eine Berufung.
Der Jugendhilfeausschuss Hamburg-Mitte hat entschieden sein Projekt zu schließen. Um ein anderes Projekt zu retten. Man schließt das eine um das andere zu erhalten. Das ist keine Sozialpolitik – das ist Verwaltung von Knappheit, die politisch gemacht wurde.
Das trifft nicht nur meinen Kollegen. Das trifft die Kinder und Jugendlichen die seine Arbeit brauchen. Die Kontinuität verlieren. Die eine vertraute Bezugsperson verlieren. In einem Alter in dem Kontinuität und Vertrauen alles sind.

Was dahinter steckt

Während Milliarden für Aufrüstung von der Schuldenbremse ausgenommen werden, wird bei Gesundheit, Pflege, Familien und sozialer Sicherheit gekürzt. Für Waffen ist Geld da, für unser Leben angeblich nicht.
Das ist keine abstrakte politische Aussage. Das ist die Realität meines Kollegen. Das ist die Realität der Kinder mit denen er arbeitet. Das ist die Realität von Daseinsvorsorge in einer Stadt die reich ist – und trotzdem sagt: dafür ist kein Geld.
Hamburg hat gerade mit 54,9 Prozent Nein zu Olympia gesagt. Milliarden für ein Prestigeprojekt wollte die Stadt nicht. Gut so. Aber dieselbe Stadt kürzt in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Das ist kein Widerspruch den ich akzeptiere.
Reiche werden reicher. Armut steigt. Und gleichzeitig schließen die Projekte die diejenigen auffangen, die von dieser Entwicklung am stärksten betroffen sind.

Warum Samstag

Die Demo unkuerzbar läuft zum Anlass des Besuchs von Bundesministerin Karin Prien am Gänsemarkt – und sagt klar: Wer Ärger bestellt, bekommt Ärger. Gegen Kürzungen und Sozialabbau, für ein gutes Leben für alle.
Ich werde hin gehen weil Haltung zeigen manchmal bedeutet: aufzutauchen. Im Betrieb, bei der Demo, beim Lauf. Und weil mein Kollege 18 Jahre aufgetaucht ist – jeden Tag, für Kinder und Jugendliche die niemanden sonst haben.
Das ist das Mindeste was ich tun kann.
Samstag, 6. Juni · 12:45 Uhr · Gänsemarkt Hamburg
Mehr Infos: unkuerzbar-hamburg.de

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