54,9 Prozent Nein – und warum das kein Zufall war

Hamburg hat Nein gesagt. 54,9 Prozent gegen die Olympiabewerbung. Gegen den Senat. Gegen die Wirtschaft. Gegen ein Millionenbudget an Werbung das an jeder Ecke klebte.
Ich bin stolz. Und ich will erklären warum dieses Ergebnis kein Zufall war.

Was die anderen nicht gesehen haben

In den letzten Wochen vor dem Volksentscheid war Olympia überall – auf Plakaten, in U-Bahn-Stationen, im Radio, in Anzeigen. Der Senat und seine Unterstützer aus der Wirtschaft haben alles daran gesetzt die Stimmung zu drehen. Moralische Erpressung war dabei: Wer Nein sagt, ist gegen Sport. Wer Nein sagt, denkt klein. Wer Nein sagt, gönnt Hamburg nichts.
Aber während die Werbemaschinerie anlief, war in Lohbrügge und anderen Stadtteilen bereits etwas passiert. Wir waren vorher da.
Ehrenamtlich. An Haustüren. Mit Flyern in Briefkästen. In Gesprächen mit Menschen die einfach wissen wollten: worum geht es hier eigentlich?
Und dann kamen die Briefwahlunterlagen – früh. Viele Menschen haben ihr Kreuz gesetzt bevor die Werbeflut überhaupt erst richtig begonnen hatte. Das war kein Glück. Das war Planung.

Was die Menschen verstanden haben

Hamburg hat genug Erfahrung mit großen Versprechen. Und genug Erfahrung damit, am Ende die Rechnung zu bezahlen. 15 Milliarden Euro für Olympia – während Hallenbäder schließen, Mieten explodieren und sozialer Wohnungsbau auf der Strecke bleibt.
Die Menschen in dieser Stadt haben erkannt worum es wirklich geht: um Prioritäten. Wem gehört diese Stadt? Wer profitiert? Wer zahlt?
54,9 Prozent haben geantwortet.

Was das mit Bergedorf zu tun hat

Ich habe in den Wochen vor dem Volksentscheid Haustürgespräche in Lohbrügge geführt – nicht als Parteifunktionär der Plakate klebt, sondern als Nachbar der erklärt. Viele Menschen wussten gar nicht was auf dem Spiel steht. Die hatten noch nichts von den Milliarden gehört. Noch nichts vom Widerspruch zwischen Olympia-Plänen und bezahlbarem Wohnraum.
Nach dem Gespräch wussten sie es.
Das ist Demokratie. Nicht Plakat gegen Plakat – sondern Gespräch gegen Kampagne. Und Gespräch hat gewonnen.

Was jetzt kommt

Das Nein ist ein Anfang, kein Ende. Die Fragen die hinter dem Olympia-Streit stecken, bleiben: Wie wird Hamburgs Wohnungspolitik gemacht? Wer entscheidet über Stadtentwicklung? Wie werden Gelder priorisiert?
Das Geld das für Olympia zurückgehalten wurde, muss jetzt woanders hinfließen. Für sozialen Wohnungsbau. Für einen Mietendeckel. Für eine Stadt die nicht für Eventkulissen umgebaut wird, sondern für die Menschen die hier leben.
Heute darf man kurz stolz sein. Morgen geht die Arbeit weiter.

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