21 Prozent in Neuallermöhe – und wer dabei gar nicht mitgestimmt hat

Bei der Hamburger Bürgerschaftswahl am 2. März 2025 holte die AfD in Neuallermöhe 21,0 Prozent. Stadtweit waren es 7,5 Prozent. Die SPD lag im Stadtteil bei 32,3 Prozent. Die AfD wurde damit zweitstärkste Kraft, in einzelnen Stimmbezirken sogar stärkste.
Die Zahl ist real. Sie sagt aber nur etwas über die, die gewählt haben.

Wer überhaupt wählen durfte

In Neuallermöhe leben rund 23.200 Menschen. Wahlberechtigt waren 14.868, also etwa 64 Prozent. Rund 8.400 Menschen konnten nicht mitstimmen: Kinder und Jugendliche unter 16, Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, Menschen, die noch nicht lange genug in Hamburg wohnen.
Zum Vergleich: 66,3 Prozent der Einwohner haben einen Migrationshintergrund, in Hamburg sind es 41,2 Prozent. Bei den unter 18-Jährigen sind es in Neuallermöhe 80 Prozent. Ein Migrationshintergrund heißt aber nicht, dass jemand nicht wählen darf. Viele haben einen deutschen Pass.

Wer nicht gewählt hat

Die Wahlbeteiligung lag bei 51,6 Prozent. Von den 14.868 Wahlberechtigten sind also rund 7.200 gar nicht zur Wahl gegangen. Das ist mehr als das Vierfache der rund 1.600, die ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben.
Das ist keine Entwarnung. Aber es verschiebt den Blick: Die größte Gruppe im Stadtteil sind weder AfD- noch SPD-Wählende, sondern die, die sich nicht beteiligt haben.

Was ich nicht belegen kann

Warum die AfD hier so stark ist, weiß niemand genau. Die taz berichtet, dass Neuallermöhe hamburgweit die meisten Einwohner mit russischem Migrationshintergrund hat. Der Politikwissenschaftler Kai-Uwe Schnapp (Uni Hamburg) vermutet, dass das eine Rolle spielen könnte, sagt aber ausdrücklich: „Eine systematische Antwort gibt es da nicht.“ Wie viele Menschen mit Bezug zur früheren Sowjetunion in Hamburg AfD gewählt haben, ist laut taz nicht bekannt. Ein Forschungsprojekt war angekündigt, Ergebnisse habe ich nicht gefunden.
Auffällig ist außerdem: Arbeitslosigkeit, Kita- und Arztdichte liegen in Neuallermöhe laut taz unter dem Hamburger Durchschnitt. Die einfache Erklärung „abgehängter Stadtteil“ trägt also nicht.

Der Blick nach Sachsen-Anhalt

Am 6. September 2026 holte die AfD in Sachsen-Anhalt 43,8 Prozent der Zweitstimmen bei einer Wahlbeteiligung von 77,8 Prozent, dem höchsten Wert dort. Rund 30 Prozent ihrer Stimmen kamen laut Infratest-dimap-Daten von früheren Nichtwählenden. Das ist eine andere Wahl auf einer anderen Ebene. Aber es zeigt, dass Beteiligung in beide Richtungen wirken kann.

Was ich daraus mitnehme

Beteiligung ist ein Thema für sich. Wer in Neuallermöhe etwas verändern will, muss die erreichen, die nicht wählen gehen oder nicht wählen dürfen.
Wahlrecht ist eine Frage der Teilhabe. Dass rund jeder dritte Einwohner nicht mitstimmen konnte, gehört in jede Debatte über dieses Ergebnis.
Alltag zählt. Mieten, Kinderarmut und Perspektiven vor Ort sind meine Themen im Bezirk.

Quellen:

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