Acht Jugendliche, ein Kollege, fünf Tage Tegernsee. Eine ganz normale Ferienfahrt der offenen Jugendarbeit in Sonnenland – und gleichzeitig eine der letzten ihrer Art. Mein Kollege, mit dem ich diese Fahrt begleitet habe, wird zum Jahresende aufhören. Das Angebot in Sonnenland, das er über Jahre mit aufgebaut hat, wird geschlossen.
Aber der Reihe nach.
Mit dem Zug von Hamburg nach Bayern
Mit dem Zug von Hamburg nach Bayern
ICE von Hamburg nach München, weiter mit der Regionalbahn und dem Bus bis zur Jugendherberge am Tegernsee. Acht Jungs, viel Gepäck, viel Energie – und ganz selbstverständlich alles mit Bus und Bahn, hin wie zurück. Für die meisten der Jugendlichen war es die erste längere Zugreise ihres Lebens.
Tag eins: die Wolfsschlucht
Direkt am ersten Tag eine anspruchsvolle Wanderung – die Wolfsschlucht, steil, fordernd, mit echtem Bergerlebnis. Die Gruppe hat sie gemeinsam bezwungen. Genau die Art von gemeinsamer Anstrengung, die aus acht einzelnen Jugendlichen für ein paar Tage eine echte Gruppe macht.
Tag zwei: Wallberg und Ruderboot
Mit der Seilbahn auf den Wallberg, mit Blick über den Tegernsee. Anschließend schwimmen – mit dem Ruderboot sind wir zum Strand übergesetzt, eine kleine Extra-Abenteuer-Etappe vor dem eigentlichen Baden.
Tag drei: Sommerrodelbahn, Boot und Sprünge in den See
Ein Actiontag: Sommerrodelbahn, danach eine Bootsfahrt auf dem Tegernsee, anschließend Tretboote geliehen – und natürlich Sprünge ins Wasser, so oft wie möglich.
Tag vier: Therme Erding
Zum Abschluss ein entspannter Tag in der Therme Erding, wieder komplett mit Bus und Bahn erreicht. Nach drei aktiven Tagen genau der richtige Ausklang.
Zurück mit dem ICE
Die Rückfahrt lief wie die Hinfahrt: ICE ab München, zurück nach Hamburg. Fünf Tage, viele Erlebnisse, kein Auto, kein Flug – so wie ich auch privat reise.
Warum dieser Beitrag mehr ist als ein Reisebericht
Solche Fahrten sind für viele der Jugendlichen die einzige Gelegenheit im Jahr, überhaupt aus Hamburg herauszukommen. Berge sehen, in einem See schwimmen, eine Woche lang Teil einer Gruppe sein, die gemeinsam etwas übersteht und feiert – das ist offene Kinder- und Jugendarbeit in ihrer besten Form.
Und genau dieses Angebot in Sonnenland wird zum Jahresende geschlossen. Mein Kollege, der diese Fahrt mit mir begleitet hat, verlässt seine Stelle, weil es sie bald nicht mehr gibt. Das ist kein Einzelfall – ich habe in anderen Beiträgen bereits über die Kürzungen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit geschrieben, über das drohende Ende von Angeboten, die für Kinder und Jugendliche ohne große finanzielle Möglichkeiten oft die einzige verlässliche Anlaufstelle sind.
Diese Tegernsee-Fahrt war für die acht Jugendlichen eine unvergessliche Woche. Für mich war sie auch ein Abschied – von einem Kollegen, von einem Angebot, das über Jahre gewachsen ist und jetzt endet, nicht weil es nicht gebraucht würde, sondern weil das Geld dafür fehlt.
Ich hoffe, dass es nicht die letzte Ferienfahrt aus Sonnenland war. Aber sicher bin ich mir nicht.