Die Sitzung des Fachausschusses für Umwelt und Klimaschutz am 16. September hatte es in sich – zwölf Tagesordnungspunkte, von der Nutria-Bekämpfung bis zu Bleirohren in Bergedorfer Leitungen. Hier die wichtigsten Punkte im Überblick.
Nutria: keine Entspannung in Sicht
Die BUKEA berichtete zur Nutria-Population: Der harte Winter 2025 hat die Tiere zwar zunächst zurückgedrängt, die Reproduktionsrate bleibt aber hoch – und das Auftreten hat sich inzwischen auf ganz Hamburg ausgeweitet, nicht mehr nur auf ländliche Gebiete. Naturschutzfachlich richten die Nager keinen Schaden an, wirtschaftlich schon: rund 100 Meldungen hamburgweit, davon 42 Sichtungen auf Grundstücken, 30 Unterhöhlungen und 11 Fraßschäden an Pflanzen.
Die Stadt reagiert: Die Aufwandsentschädigung pro erlegtem Tier steigt hamburgweit einheitlich von 7 auf 14 Euro, 100 weitere Lebendfallen sind aufgestellt worden, die Gebühr für die Schießerlaubnis entfällt. 2025/26 wurden rund 4.920 Tiere in Hamburg erlegt – Fallen-Fang und Abschuss halten sich dabei etwa die Waage. In dicht besiedelten Gebieten kommen Stadtjäger allerdings kaum zum Einsatz.
Bei diesem Punkt war auch Ernst Heilmann, DGB-Vorsitzender Bergedorf, zu Gast – regulär zugewählter Bürger für die Linke im Regionalausschuss, für diesen Punkt zusätzlich eingeladen.
Auf unsere Nachfrage nach den Kosten wurde deutlich: Seit 2023 ist durch die dreifach gestiegene Uferpflege ein sechsstelliger Betrag zusammengekommen, dazu kommen rund 60.000 Euro für Fallen und 70.000 Euro an Prämien. In Nettelnburg sind zuletzt vermehrt Löcher in Uferböschungen entstanden – dort werden jetzt Gitter eingebaut, ergänzend zu den Plänen des Wasserverbands Bergedorf für weitere Uferbereiche.
Interessant am Rande: Die genaue Zahl der aufgestellten Fallen ist gar nicht bekannt, weil die Fallen den Jägerinnen und Jägern selbst gehören und nicht meldepflichtig sind.
Freizeitfläche und Spielplatz am Schleusengraben
Für rund 800.000 Euro entstehen am Schleusengraben ein Skatepark, eine Kletterwand, ein Tanzplatz mit Bühne und Tribüne sowie eine rund 200 Meter lange Rundbahn. Die Skateanlage wurde nach Angaben der Verwaltung bereits mit Jugendlichen gemeinsam geplant. 17 Bäume sollen künftig für Schatten sorgen, die konkrete Baumart steht noch nicht fest.
Ich habe nach der Barrierefreiheit und Zugänglichkeit der Fläche gefragt – das wurde positiv beantwortet – und mich bedankt, dass unser alter Antrag für eine Tanzfläche hier nun tatsächlich umgesetzt wird. Baubeginn ist im Frühjahr.
Beim in der Nähe neu entstehenden Spielplatz an der neuen Brücke über den Schleusengraben wird ein Wasserspielplatz gebaut. Weil das Wasser dort Trinkwasserqualität hat, wird sogar auf Initiative der Politik ein Trinkhahn installiert.
Klimaschutz: Maßnahmenkatalog bis Mai 2027
Die Stabsstelle Klimaschutz berichtete zu drei Schwerpunkten im Integrierten Klimaschutzkonzept: einem Infostand beim Hamburger Tag der Familie, einem Energiemonitor für den Bezirk und einer Machbarkeitsstudie zur Energieversorgung.
Bei der Klimaanpassung liegt der Fokus auf Hitze, Starkregen und Stürmen. Ziel sind ein Handlungsleitfaden und eine Praxishilfe, ein Maßnahmenkatalog mit Controlling soll bis Mai 2027 stehen. Ergänzend sollen Refill-Stationen für Trinkwasser in Bergedorf ermittelt und eine Karte kühler Orte erstellt werden. Am 1. Oktober findet dazu von 17:30 bis 20:00 Uhr eine Werkstatt im Rathaus Bergedorf statt.
Meine Forderung, soziale Indikatoren mit in den Blick zu nehmen, wurde grundsätzlich bejaht – wie genau das konkret aussehen wird, bleibt aber noch offen. Die SPD merkte zusätzlich an, dass das Thema Klimaanpassung von anderen Fraktionen bislang eher als nicht notwendig oder manchesmal belächelt werde, und bat ausdrücklich darum, die Wichtigkeit des Themas ernst zu nehmen.
Kurz notiert
Die Freundschaftsbänke am Annenfleet stehen jetzt. Für den Schleusengrabenweg am Sander Damm kommt eine smarte Beleuchtung für die komplette Wegeführung vom CCB bis zum Ende. Bei der Wechselbepflanzung im Bezirk habe ich – auf Grund eines Antrages der Grünen – nachgefragt, warum trotz der Klimaanpassungsziele nicht stärker auf Stauden gesetzt wird – die Verwaltung verwies auf die höhere Anfälligkeit von Stauden gegenüber Auto- und Salzbelastung im Straßenbegleitgrün.
Bei den Bleirohren in Bergedorf bleibt die Antwort der Verwaltung insgesamt dünn: keine Bestandszahlen, keine aktive Kontrolle, keine Bußgeldverfahren trotz 163 Meldungen. Der Umweltausschuss ist für das Thema formal nicht zuständig – das Thema Mieterschutz bei Bleileitungen ist damit nicht erledigt, nur an den falschen Ausschuss verwiesen.
Zwei eigene Anliegen – eines abgelehnt, eines vertagt
Unseren Antrag auf einen Prüfauftrag für Umkleidemöglichkeiten an den Bergedorfer Badeseen – ausdrücklich als Prüfauftrag, nicht als Bauvorhaben, und mit Sichtschutzlösungen ohne Angriffsfläche für Vandalismus gedacht – haben nur Linke und Grüne unterstützt. Alle anderen Fraktionen stimmten dagegen.
Beim Pumptrack Neuallermöhe (Überdachung, Ausschilderung) verweist die Verwaltung weiterhin auf fehlende Finanzierung, obwohl es sich um einen bereits von der Politik beschlossenen Antrag handelt, den die Verwaltung eigentlich umzusetzen hätte. Die Diskussion wurde wegen fortgeschrittener Uhrzeit abgebrochen. Beide Themen werde ich weiterverfolgen.