Mein Alltagsrad-Setup – durchdacht statt teuer

Ich werde oft gefragt wie mein Fahrrad eigentlich ausgestattet ist – nicht das Gravelbike für Orbit-Touren, sondern das Rad das ich jeden Tag fahre. Zur Arbeit, zum Einkaufen, mit den Mädels. Hier ist die Antwort, Teil eins einer kleinen Serie.

Das Rad selbst

Ein Kona Rove AL, Modelljahr 2025, in Braun, mit dünnen Reifen von Gravelking. Ich habe noch ein zweites, baugleiches Modell von 2022 in Blau mit dickeren Reifen – das ist mein Gravelbike für längere Touren. Dazu mehr in einem späteren Beitrag.

Gepäck vorne und hinten

Vorne: ein Gepäckträger von Fahrer Berlin, dazu die passende Tasche BOTE vom selben Hersteller. Aufeinander abgestimmt, sitzt perfekt, kein Wackeln. Die Tasche ist gleichzeitig Rucksack. Die Anbringung der Tasche am Gepäckträger erfolgt ohne Kunstoff-Halterungssysteme. Dadurch besitzt die Tasche einen glatten Rücken und kann komfortabel getragen werden. An meinem Faltrad (Vello Gravel) habe ich ebenfalls einen Frontgepäckträger von Fahrer-Berlin, so dass die Tasche dort ebenfalls passt. Mein Faltrad stelle ich in einem weiteren Beitrag in Zukunft vor.

Hinten: der Quick Rack von Ortlieb. Das Prinzip ist clever – in Sekunden montiert oder abgenommen, ohne Werkzeug. Wenn ich weiß dass ich nichts transportieren muss, ist er einfach ab. Für größere Einkäufe kommt zusätzlich eine Tüte von Copenhagenbags dran, die ich nur bei Bedarf anbringe. Gefaltet ist die Cobag in der Fronttasche immer dabei. Kein Gepäck das ständig mitfährt wenn ich es nicht brauche.

Für größere Transportmengen nutze ich zusätzlich die X-Berg-Tasche von Deuter – ein Hybrid aus Rucksack und Satteltasche. Wenn ich mehr mitnehmen muss als Front- und Hecktasche fassen, kommt sie zum Einsatz und lässt sich je nach Bedarf als Rucksack tragen oder am Rad befestigen.

Werkzeug für den Notfall

Ein Fahrrad-Werkzeug-Burrito von Blackburn – aufgerollt, kompakt, alles drin: Minipumpe von Zefal, Reifenheber, Flicken und Kleber von Tip Top, Kettenschloss, Bremsbeläge, eine kleine Zange, ein Ersatz-Schaltauge, ein Minitool mit Kettennieter von Rose Bikes, und ein Speichenschlüssel. Damit komme ich bei fast jedem Alltagsdefekt selbst klar, ohne dass ich groß nachdenken muss was ich dabei habe.

Eine Ergänzung die sich in der Praxis schon oft bewährt hat: eine kleine Akku-Minipumpe, die ich immer dabei habe. Schneller als jede Handpumpe, und bei einem Plattfuß unterwegs ein echter Unterschied.

Schutzbleche und Spritzschutz

Klassische Bluemels-Schutzbleche von SKS, ergänzt durch einen Spritzschutz von Fahrer Berlin. Nichts Aufregendes, aber zuverlässig – genau das was man bei Regen in Hamburg braucht.

Schloss

Ein Bordo-Faltschloss von Abus. Der eigentliche Trick: An jedem meiner Räder habe ich eine passende Halterung montiert. So brauche ich nur ein einziges Schloss und kann es zwischen den Rädern wechseln, statt mehrere Schlösser zu besitzen.

Licht

Sigma Aura vorne und hinten, per Funk gekoppelt – auf Knopfdruck gehen beide gleichzeitig an. Das Vorderlicht passt die Helligkeit automatisch an die Umgebung an, das Rücklicht hat ein Bremslicht. Kleine technische Spielereien, aber im Alltag wirklich praktisch, besonders im Winter wenn man oft im Dunkeln fährt.

Navigation

An jedem meiner Räder ist eine eigene Halterung für den Sigma ROX 11.1 EVO montiert – das Gerät selbst nehme ich mit, die Halterung bleibt am Rad. So brauche ich nur einen Computer für alle Räder, und er ist in Sekunden gewechselt.

Der ROX 11.1 EVO ist nicht das teuerste Gerät auf dem Markt, aber für meine Zwecke genau richtig. Hat eine Akkulaufzeit von 18 Stunden – für einen langen Tourtag mehr als genug. Navigation funktioniert über einen einfachen Strich auf dem Display, keine vollständige Karte. Das reicht für mich völlig aus, weil die Synchronisation mit Komoot unkompliziert funktioniert: Route planen, auf das Gerät laden, losfahren.

Was mich gelegentlich nervt: Der GPS-Satellitenempfang beim Einschalten braucht manchmal länger als man möchte – man wartet ein paar Minuten bis das Signal steht, bevor man wirklich losfährt. Kein Dealbreaker, aber eine reale Unschönheit.

Ansonsten: verlässlich, einfach zu bedienen, fünf große Tasten die auch mit Handschuhen funktionieren. Mehr braucht es nicht.

Klingel

Eine Knog Oi aus Metall. Schlank, elegant, deutlich besser hörbar als die meisten Plastikklingeln. Eine kleine Sache, aber ich mag sie sehr.

Ein Wort zur Nachhaltigkeit

Wer genau hinschaut, merkt: Nachhaltigkeit ist in dieses Setup eingebaut, ohne dass ich es vor mir her trage. Das Quick-Rack das ich nur montiere wenn ich es brauche, statt unnötig Gewicht mitzuschleppen. Der Reißverschluss der bei einer Schneiderin erneuert wurde statt die ganze Jacke zu ersetzen. Ein Schloss für alle Räder statt drei einzelne zu kaufen. Werkzeug das ich selbst benutze statt jedes Mal in eine Werkstatt zu fahren.

Das ist kein grünes Statement. Das ist einfach die logische Konsequenz wenn man Dinge lange nutzen und reparieren will, statt sie zu ersetzen sobald sie nicht mehr perfekt sind.

Was das Ganze verbindet

Keines dieser Teile ist das teuerste am Markt. Aber jedes ist bewusst gewählt – weil es ein konkretes Problem löst, nicht weil es gerade im Trend liegt. Das Quick-Rack das ich nur bei Bedarf montiere. Das eine Schloss für alle Räder. Das Werkzeug das wirklich alles enthält was ich je gebraucht habe.

Design heißt für mich: Dinge die funktionieren, ohne dass ich über sie nachdenken muss.

Im nächsten Teil dieser Serie geht es um Kleidung – und um eine Jeans-Geschichte mit einigen Umwegen.

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