Drei Wochen Spanien stehen bevor. Fünf Personen, mehrere Etappen, ein Nachtzug, mehrere Ferienwohnungen. Bevor es losgeht, hier das System nach dem wir packen – Teil eins einer kleinen Design-Serie über unser Bike- und Reise-Setup.
Koffer oder Rucksack? Bei uns klar: Rucksack
Ich liebe Kofferrucksäcke. Von Osprey nutze ich die Farpoint-Modelle in zwei Größen – 55 und 70 Liter, jeweils mit passendem Tagesrucksack der sich abnehmen lässt. Für Spanien nehme ich den kleinen, weil die Mädels inzwischen alt genug sind, ihre Kleidung selbst im eigenen Rucksack zu tragen. Früher steckte in ihren Rucksäcken nur Spielzeug und Malzeug – das hat sich geändert.
Rosa und Maja haben beide den Vaude Hidalgo 24.
Der Kofferrucksack ist für mich das beste aus beiden Welten. Gegenüber einem normalen Koffer hat er einen entscheidenden Vorteil: Er läuft auf keinen Rädern die auf Kopfsteinpflaster stottern, er passt in jede Gepäckablage im Zug, und er kann auf dem Rücken getragen werden wenn der Boden uneben ist, Treppen kommen oder man schnell sein muss. Wer viel mit der Bahn reist und mehrere Etappen hat, merkt schnell wie nervig ein rollender Koffer im Zug sein kann – beim Ein- und Aussteigen, beim Umsteigen, beim Navigieren durch volle Bahnhöfe.
Gegenüber einem normalen Trekkingrucksack hat der Kofferrucksack dagegen einen anderen Vorteil: Er öffnet von vorne wie ein Koffer, nicht von oben wie ein Rucksack. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist es aber nicht. Wer schon einmal versucht hat in einem vollgepackten Top-Loading-Rucksack etwas zu suchen das ganz unten liegt, weiß was ich meine. Der Kofferrucksack erlaubt es, alles auf einen Blick zu sehen und gezielt herauszu nehmen – ohne alles auszupacken.
Der einzige echte Nachteil: Er ist stabiler konstruiert als ein normaler Rucksack und dadurch etwas schwerer im Eigengewicht. Für Fahrradtouren oder Wanderungen wo jedes Gramm zählt würde ich ihn nicht nehmen. Für Zugreisen mit Ferienwohnungen ist er das perfekte Format.
Das Packsystem: Cubes von IKEA statt teurer Packing Cubes
Wir nutzen die Rensare-Kleidertaschen von IKEA als Packwürfel. Funktionieren genauso gut wie teure Markenprodukte, kosten einen Bruchteil. Jede Tasche bekommt ihre Kategorie. Das Ergebnis: alles ist sortiert, nichts wird zerknüllt durchsucht.
Tagesrucksack vs. großer Rucksack – die Aufteilung
Im Tagesrucksack ist alles für die aktuelle Situation. Alles andere bleibt im großen Rucksack, der oft erst am Etappenziel wieder geöffnet wird. Diese Trennung ist der eigentliche Kern des Systems.
Kleidung – ganz normal, ganz bewusst
Hier weichen wir bewusst von dem ab, was viele Reiseblogs empfehlen: Wir nehmen normale T-Shirts, keine Merino- oder Hightech-Funktionsstoffe.
Wo möglich und sinnvoll achte ich beim Kauf auf 100 Prozent Baumwolle – und auf Labels wie Fairtrade oder den Grünen Knopf, die zumindest eine gewisse soziale und ökologische Mindeststandards garantieren. Wo reine Baumwolle nicht praktikabel ist – etwa bei Funktionswäsche oder Outdoor-Kleidung – greife ich eher zu Materialien mit Recyclinganteil als zu komplett neu produziertem Synthetikstoff.
Für drei Wochen packen wir pro Person:
- 4 T-Shirts
- 2 kurze Hosen
- 1 leichte lange Hose für Zug und Abend
- 5 Unterwäsche
- 4 Paar Socken
- 1 leichte Kapuzenjacke
- 1 Badesachen
- 1 Paar bequeme Schuhe für den Alltag
- 1 Paar Sandalen
- 1 Cappy zum Sonnenschutz
Das reicht für drei Wochen, weil wir unterwegs waschen – in den Ferienwohnungen gibt es meistens eine Waschmaschine, notfalls geht auch Handwäsche im Waschbecken. Mehr Kleidung einzupacken würde nur mehr Gewicht bedeuten, ohne einen echten Vorteil zu bringen.
Hygiene – fest statt flüssig
Unsere Zahnbürsten sind aus Holz. Ich nutze feste Duschseife statt Duschgel und Zahnpasta-Tabletten statt Tube und Waschstreifen statt Waschmittel. Weniger Plastik, weniger Gewicht.
Essen für unterwegs – unser tatsächliches Notfallpaket
Kein Elektrolytpulver, keine Energieriegel, keine Trockenfrüchte aus der Tüte. Stattdessen das was wirklich bei uns mitkommt: ein Glas vegane Bionella, veganes rotes Pesto für den Notfall, Katjes, Äpfel im Stoffbeutel, ein Opinel Klappmesser zum Schneiden, belegte Brötchen für die erste Mahlzeit nach der Ankunft. Frühstück ist im Nachtzug bereits inklusive, dafür müssen wir also nicht vorsorgen.
Dazu ein Stoffbeutel und eine Metalldose für Vorräte unterwegs, und Trinkflaschen aus Metall von Klean Kanteen statt Plastik.
Für Pausen unterwegs: eine faltbare Picknickdecke
Kompakt, leicht, passt in jeden Rucksack. Praktisch für Parks, Wartezeiten am Bahnhof, spontane Pausen zwischen zwei Zügen.
Technik – bewusst minimal
Mein E-Book-Reader ist der Boox Color Go 7. Als Powerbank nutze ich die Anker mit 10.000 mAh. Für Madrid und Barcelona habe ich kleine, gebrauchte Reiseführer von DK Eyewitness – Travel Pocket Map & Guide, auf Englisch, über AbeBooks gekauft. Kompakt genug für die Tasche, ausführlich genug für die wichtigsten Orte.
Dokumente
Pässe, die europäische Krankenversicherungskarte, Zugtickets offline gespeichert, Ferienwohnungs-Buchungen, eine digitale und eine Papierkopie aller wichtigen Unterlagen.
Der eigentliche Trick
Bevor irgendetwas in den Rucksack kommt, gilt eine einfache Regel: jeden Gegenstand in die Hand nehmen und fragen – brauchen wir das wirklich, oder können wir es notfalls vor Ort kaufen? Im Zweifel bleibt es zuhause.
Das ist Design im selben Sinn wie beim Fahrrad-Setup das in den nächsten Teilen dieser Serie folgt: nicht das teuerste oder trendigste System, sondern eines das durchdacht ist und für uns tatsächlich funktioniert.