Seit einigen Jahren verleihe ich Geld über kiva.org. Nicht viel – meistens 25 Dollar pro Kredit. Aber inzwischen sind es 100 Kredite, 4.525 Dollar insgesamt, 31 Länder und 390 Menschen die ich damit ein Stück weit unterstützt habe.
Das klingt abstrakt. Es ist es nicht.
Was Kiva ist

Kiva ist eine amerikanische Non-Profit-Organisation die seit 2005 Mikrokredite vermittelt. Das Prinzip ist einfach: Menschen die ein kleines Unternehmen starten oder ausbauen wollen – eine Schneiderin in Ecuador, ein Gewächshaus-Bauer in Kosovo, eine Snack-Produzentin in Ghana – stellen ihren Kreditbedarf auf der Plattform ein. Andere Menschen weltweit leihen ihnen Geld, meist in Tranchen von 25 Dollar. Wenn der Kredit zurückgezahlt wird, kann das Geld weiter verliehen werden.
Es ist kein Geschenk. Es ist kein Investment das Zinsen abwirft. Es ist Solidarität mit Rückzahlung.
Was das mit mir zu tun hat
Ich bin Sozialpädagoge. Ich arbeite täglich mit Menschen in schwierigen Verhältnissen. Und ich glaube, dass strukturelle Armut nicht durch Almosen gelöst wird, sondern durch Zugang zu Ressourcen – Bildung, Infrastruktur, Kapital. Kiva ist kein Allheilmittel. Mikrofinanzierung ist kein Ersatz für gerechte Weltwirtschaftsstrukturen. Aber es ist ein konkreter, direkter Weg um jemandem Zugang zu etwas zu verschaffen das er sonst nicht hätte.
Naidelyn Juana in Ecuador näht. Sie braucht Stoffe, Fäden, Reißverschlüsse. Alberta in Ghana produziert Snacks und will ihre Produktion ausweiten. Elvis in Kosovo baut ein Gewächshaus für Paprika. Diese Menschen haben Ideen, Fähigkeiten und Arbeitswillen – was sie brauchen ist ein kleiner finanzieller Schub, zu Konditionen die eine Dorfbank ihnen nicht anbietet.

Was Kiva nicht ist

Kiva ist keine politische Lösung. Fairer Welthandel, Schuldenerlass für den Globalen Süden, gerechte Steuerstrukturen – das sind die wirklichen Hebel. Wer so denkt wie ich, dass globale Ungleichheit strukturell verursacht ist, sollte auch strukturell dagegen kämpfen. Aber das schließt das Kleine nicht aus. Beides ist nötig.
Ich finde auch: Wer in Bergedorf im Umweltausschuss sitzt und über lokale Gerechtigkeit redet, sollte auch erklären können was er global tut. Das hier ist mein Beitrag. Einer von mehreren.
Was du tun kannst
Kiva funktioniert mit 25 Dollar. Das ist kein Betrag der wehtut. Wenn du neugierig bist: kiva.org. Such dir jemanden aus den Kategorien Eco-Friendly, Women oder Agriculture. Lies die Geschichte. Dann entscheide.
Und wenn du schon dabei bist: Kiva hat gerade eine Earth-Day-Aktion laufen.
