Hamburg klimaneutral bis 2040 – was Bergedorf dazu beitragen kann

Am 26. März war ich beim offenen Diskussionsabend des Hamburger Zukunftsentscheids im SerrahnEINS in Bergedorf. Rund dreißig Menschen aus dem Bezirk haben dort zwei Stunden lang diskutiert, Ideen gesammelt und auf Karten gepinnt: Was braucht Hamburg, um bis 2040 klimaneutral zu werden? Und was davon betrifft uns hier in Bergedorf direkt?

Was ist der Hamburger Zukunftsentscheid?

Am 12. Oktober 2025 wurde per Volksentscheid ein neues Klimaschutzgesetz für Hamburg beschlossen – mit dem Ziel Klimaneutralität bis 2040, fünf Jahre früher als bisher geplant. Der Senat muss jetzt konkrete Maßnahmen festlegen. Der Zukunftsentscheid begleitet diesen Prozess und macht ihn öffentlich – mit Diskussionsabenden in allen Bezirken, bei denen Bürgerinnen und Bürger ihre Ideen einbringen können.

Das klingt nach großer Politik. Ist es auch. Aber im SerrahnEINS wurde sehr schnell klar, wie konkret das alles ist.

Was die Menschen in Bergedorf fordern

Die Pinnwände füllten sich schnell. Ich habe mitgeschrieben. Hier die Ideen direkt aus dem Raum – sortiert nach den drei Ebenen die diskutiert wurden.

Für die Nachbarschaft: mehr Stadtradstationen und Lastenrad-Ladestationen, Car-Sharing in der Nachbarschaft ausbauen, überdachte Fahrradparkplätze, Foodcoops und Einkaufsgemeinschaften stärken, Wärmepumpen für Einfamilienhäuser fördern, Miniwälder anlegen, mehr Straßenbäume, insektenfreundliche Bepflanzung im öffentlichen Raum, Entsiegelung.

Für den Bezirk: eine direkte Fahrradstrecke Bergedorf–HH-City, die Bahnstrecke Geesthacht–Bergedorf (und Boizenburg) reaktivieren, Quartiersebene in der Infrastruktur stärken, ein Bergedorfer Klimazeichen setzen, gut gekennzeichnete Fahrradstreifen in der Fußgängerzone.

Für Hamburg gesamt: Tempo 30 in der gesamten Stadt, ein günstigeres Deutschlandticket – mehrfach kam die Forderung nach einer Wiederkehr des 9-Euro-Tickets, besserer ÖPNV, Straßenraum zugunsten von Fahrrad und Fußgänger umverteilen, PV-Anlagen auf alle öffentlichen Gebäude, Schwammstadt-Konzepte gegen Starkregen, Regenwasser sammeln, Wohnraum sozialverträglich schaffen und dem Spekulationsmarkt entziehen, keine Kreuzfahrtschiffe im Hamburger Hafen, Schließung des Flughafens, U-Bahn-Verlängerung Mümmelmannsberg–Bergedorf, Windparks mit Bürgerbeteiligung.

Das ist kein kleines Programm. Das ist eine ziemlich vollständige Agenda für eine klimagerechte Stadt.

Was mich bewegt

Vieles davon deckt sich mit dem, was ich aus meiner Arbeit im Umweltausschuss Bergedorf und aus meinen Haustürgesprächen in Lohbrügge kenne. Die durchgehende Fahrradverbindung nach Hamburg-City fehlt. Die Bahnstrecke nach Geesthacht ist seit Jahrzehnten ein offenes Thema. Entsiegelung und Bäume sind im Bezirk strukturell unterfinanziert.

Was mich an diesem Abend besonders beschäftigt hat: die Forderung nach dem 9-Euro-Ticket kam mehrfach und spontan – von Menschen ganz unterschiedlicher Hintergründe. Das ist kein linkes Nischenprogramm. Das ist Verkehrspolitik die Menschen direkt betrifft.

Was ich vermisst habe: mehr junge Menschen, mehr Vielfalt im Raum. Das Engagement war da – aber es war nicht repräsentativ für den ganzen Bezirk. Das ist ein Auftrag für alle politisch Aktiven, solche Formate auch in die Stadtteile zu bringen die nicht schon ohnehin gut vernetzt sind. Nach Lohbrügge zum Beispiel.

Als Mitglied im Umweltausschuss Bergedorf nehme ich die Ergebnisse dieses Abends mit in die weitere Arbeit. Der Zukunftsentscheid liefert Argumente – und Rückhalt.

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