Im Rathaus zum Maiempfang – warum ich in beide Räume gehe

Es gibt zwei Arten von politischem Raum. Den Saal – mit Rednerpult, Protokoll und Anzug. Und die Straße – mit Transparent, Megafon und Lärm. Ich gehe in beide.

Gestern war ich beim Maiempfang im Hamburger Rathaus. Morgen bin ich auf der Demo.

Was der Maiempfang ist

Der Maiempfang ist eine Tradition. Gewerkschaften, Betriebsräte, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft kommen zusammen – im Rathaus, formell, mit Reden und Programm. Es ist kein Protestformat. Es ist ein Moment der Anerkennung: dass Arbeit zählt, dass Gewerkschaften zählen, dass die Geschichte des 1. Mai nicht vergessen wird.

Ich bin Betriebsratsvorsitzender und ver.di-Vertrauensperson. Solche Räume sind Teil meiner Arbeit. Nicht der aufregendste Teil – aber ein wichtiger. Wer nur auf der Straße ist, hat keinen Zugang zu den Gesprächen im Saal. Wer nur im Saal sitzt, verliert den Kontakt zur Straße.

Was ich mitnehme

Der 1. Mai ist kein Feiertag den man feiert indem man ausschläft. Er erinnert an Menschen die für Arbeitnehmerrechte gekämpft haben – für den Achtstundentag, für Tarifverträge, für das Streikrecht. Das sind keine Selbstverständlichkeiten. Das sind Errungenschaften die verteidigt werden müssen.

In einer Zeit in der Tarifverträge ausgehöhlt werden, Betriebsräte unter Druck geraten und Leiharbeit zur Norm wird, ist der 1. Mai aktueller als je zuvor.

Morgen, auf der Straße, werde ich das weiter denken.

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