Die Entwicklung in Deutschland und ihre Folgen für Community Organizing

Schon in der Vergangenheit hat man sich Alinskys Ideen nicht verschlossen, sondern über seine Idee diskutiert. Daraus entstanden vielfältige Formen der Gemeinwesenarbeit im sozialen und Stadtteilmanagement im Kommunalen Bereich. Dennoch fehlen bei all diesen Formen das systematisch politische Organisieren der Bevölkerung zur Durchsetzung ihrer Interessen.

In der Vergangenheit gab es vielfältige Gründe dies nicht zu tun. Ich werde auf die Argumente eingehen und die veränderte Situation in Deutschland beschreiben, und anschließend erläutern, warum Community Organizing jetzt doch einen Weg gefunden hat, erste Versuche zu starten.

Diskussionen und Versuche in der Vergangenheit

Schon lange Zeit liebäugelten viele Menschen mit einer Umsetzung von Community Organizing in Deutschland, doch immer wieder wurde diese Idee mit zahlreichen Argumenten verworfen. Ich möchte diese Argumente aufgreifen und zusammenfassen und schauen, in wieweit sich Deutschland gewandelt hat und ob die Argumente gegen Community Organizing in Deutschland heute noch zutreffen.

Es gab drei Wellen von Community Organizing in Deutschland, in denen die Idee neu aufflammte und ins Gespräch kam. Im Jahr 1960 war dies eher auf theoretische Art. Im 1970 wurden einzelne Taktiken Alinskys in die Gemeinwesenarbeit übernommen und wurden als radikalste Ansätze der Gemeinwesenarbeit beschrieben. Von 1990 bis heute wurde eine erneute Welle veranlasst durch eine Diskussion um Community Organizing und die Gründung des Forums für Community Organizing (FOCO) und des Deutschen Instituts für Community Organizing (DICO). In dieser neuen Phase sind mehrere Bürgerplattformen gegründet worden, die auch erste Erfolge gezeigt haben. Es zeigt sich nun Community Organizing ist in Deutschland wohl doch umsetzbar (Oelschlägel, 1999, S.179f.).

Die Gründe dafür, dass die Wellen 1960 und 1970 eher nur theoretisch waren und nur in Ansätzen praktisch umgesetzt wurden, lagen an vielerlei Begründungen und Bemerkungen die seinerzeit aufkamen.

Die hauptsächliche Begründung war, das die soziale Sicherung in Deutschland weitaus besser funktioniert als in den USA. In den USA ist diese inexistent und in Deutschland gab es mit der Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe und vielen anderen Förderungen ein Netz, das den Menschen in Deutschland Halt gewährte. Die Menschen in Deutschland waren dadurch zufrieden. Es schien keine Gefahr zu bestehen, dass weitere Sozialleistungen und Unterstützungen gekürzt würden (Romer, 2006, S.28)

Anders als in den USA ist hier die staatliche Verpflichtung am größten, wo die größte Armut herrscht. Der Staat greift mit vielfältigen Programmen (wie z.B. auch dem Programm „Soziale Stadt“) genau an der Stelle ein, wo es dringend benötigt ist (Behrendt, Nod, 1995, S.8).

Auch ist die Polizei an diesen Orten in Deutschland präsent. In den USA gibt es Quartiere, in die sich die Polizei nicht hineintraut und denen die Bürger eigene Wachdienste organisiert haben oder die Politiker und die Polizei dazu zwingen mussten, dass die Polizei dort wieder Präsenz zeigt (ebd.).

In Deutschland ist das Problem der Segregation von ethnischen Minderheiten nicht so gravierend, wie in den USA. Während in Deutschland ein Stadtteil wie Berlin-Kreuzberg mit einem Anteil von 35% Nichtdeutscher, als türkischer Stadtteil gilt, leben in Mid-South Chicago bis zu 90% Afroamerikaner (ebd.).

Weitere Gründe waren, dass der Politikapparat in Deutschland sehr umfangreich ist und Parteien und Parteimitglieder in allen gesellschaftlichen Kreisen vertreten sind. Diese Omnipräsenz der Parteien würde es schwer sein, eine unabhängige Bürgerplattform zu organisieren, da Parteifunktionäre immer unter den Mitgliedern wären und die für die Parteien, als Konkurrenz angesehene Veranstaltung für ihre Parteilichen Zwecke entfremden versuchen könnten (Goede, 2004).

Zum anderen ist Deutschland in gewisserweise auch eine Art Verbände-Demokratie, es gibt machtvolle Organisationen, wie den Gewerkschaftsbund, die Kirchenverbunde und die zahlreichen Dachverbände (Romer, 2006, S.28).

Der politische Stil in Deutschland ist sehr zentralistisch und autoritär, die Parteibasis nickt nur Personalentscheidungen ab und die Bürger sind devote Untertanen, die wenig Selbstbewusstsein haben und nur als Bittsteller der Politik entgegen treten dürfen (Goede, 2004).

Auf Grund der Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus scheinen die Menschen in Deutschland eine Angst vor Macht zu haben und können mit den Begriffen im Community Organizing wenig anfangen, sie haben eine Abneigung gegenüber den Begriffen „Power“ und „Leader“, die ja mit Macht und Führer übersetzt werden können – ich habe Leader in dieser Arbeit mit Schlüsselperson übersetzt (Romer, 2006, S.28).

Es ist auch schwierig mit einem Ansatz aus den USA in Deutschland Anhänger zu finden, da generell große Vorurteile vorherrschen gegenüber allem was mit Amerika zu tun hat. Dieser Anti-Amerikanismus macht es gerade dann schwer wenn Begriffe wie das Wort Community Organizing, Organizer und andere schwer sind ins Deutsche zu übersetzen (Stövesand, 2007, S.83).

Einer der wichtigsten Verbündeten des Community Organizing sind in den USA die vielen verschiedenen Kirchen, die es dort gibt. Die zwei großen Volkskirchen in Deutschland werden aber hierzulande als Teil des Staates aufgefasst, vor allem da sie als Körperschaft des Öffentlichen Rechts eigene Gesetze erlassen können und über den Staat Kirchensteuern eintreiben. Anders als in den USA sinkt die Popularität der Kirchen in Deutschland rapide und Einnahmen von Mitgliedern werden von Jahr zu Jahr weniger. Damit kann man die Kirchen nicht, wie in den USA, als größte Repräsentanten des Gemeinwesens zählen und so schnell und einfach eine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich wissen sobald ein wichtiges Kirchenmitglied als Schlüsselperson seine Bereitschaft zur Mitarbeit gegeben hat (Goede, 2004).

Gemeinwesenarbeit, als erster Versuch in den 70er Jahren Community Organizing Elemente in Deutschland zu etablieren, scheiterte auch daran, da sie fast ausschließlich in der Sozialen Arbeit verankert wurde. Die Gemeinwesenarbeit ist damit im sozialen System eingebunden und von ihm abhängig (Oelschlägel, 1999, S.184).

In den USA wird die Soziale Arbeit von Organizern kritisiert sie individualisiere und tue nur für Menschen etwas und nicht mit ihnen. Tatsächlich ist die Soziale Arbeit durchaus durch Einzelfallhilfe dominiert und obwohl Empowerment und Sozialraumorientierung zunehmend Gewicht bekommen haben, geht es in der Sozialen Arbeit kaum um politische Macht und Veränderung der gesellschaftlichen Bedingungen (Stövesand, 2007, S.82). Natürlich ist individuelle Förderung von Betroffenen wichtig für die Soziale Arbeit, aber ohne gemeinsames Handeln und der Herstellung von Macht, wird es nicht möglich sein gerechte Verhältnisse zu schaffen. Dies ist auch Sozialarbeitern bekannt und im internationalen Codex verankert und darum kann man die Soziale Arbeit nicht generell verteufeln (ebd., S.83).

Manchmal mangelt es bei den Sozialarbeitern einfach auch an politischem Bewusstsein oder sie sind abhängig von öffentlicher Finanzierung und können sich dementsprechend nicht gegen die staatlichen Institutionen agieren (ebd.).

Oft sehen sich Sozialarbeiter auch in einer anderen Rolle. Sie sehen sich eher als Dienstleister anstatt als Konfliktgeber. Sie sollen die Bedürfnisse decken und nicht wecken (ebd.).

Die seit 1970 entstande Idee der Bürgerinititiativen und Stadteilprojekte, die auch aus der amerikanischen Bürgerbewegung der 70er Jahre entstammte und heute in so vielfältigen Bereichen ihre Standpunkte durchzusetzen versucht und auch viele Veränderungen bewirkt hat, und am ehesten Ähnlichkeiten zu Community Organizing hat, hat ein paar Schwachstellen. Einerseits hat sie keine Methodik der Partizipation und Aktivierung entwickelt zum anderen sind ist immer auch eine „Ein-Punkt-Bewegung“, das heißt sie bearbeiten nur ein Thema und dann wieder von der Bildfläche verschwindet wenn das eine Thema gelöst wurde (Behrendt, Nod, 1995, S.6).

Oft wurden Bürgerorganisationen zu Lobbyorganisation, die öffentliche Finanzierung bekommen und nicht mehr wirksam und immun gegen politischen Druck sind. Hier werden auch oft die Vertreter professionell geschult, aber es findet keine Rückkoppelung wieder zurück zur Basis. Es kann so nicht zu einer Erneuerung von unten kommen (ebd.).

Aktuelle Lage in Deutschland

Wie man an den Begründungen gegen und für Community Organizing in Deutschland gesehen hat, gibt es bestimmte politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedingungen, die Community Organizing zumindest begünstigen, auch wenn sie diese nicht notwendigerweise braucht. Eine wachsende Armut und eine große Kluft zwischen Arm und Reich geben Community Organizing eine größere Chance Fuß zu fassen. Wie sieht es aktuell in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus? Das möchte ich in den nächsten Kapiteln genauer untersuchen.

Aktuelle politische Situation

Der Staat hat seit dem Fall des Eisernen Vorhangs seine Politik verändert. Spätestens nach den Gesprächen zwischen Gerhard Schröder und Tony Blair und dem daraus resultierenden „Schröder-Blair-Papier“ zeigt sich, wie der Staat in Zukunft handeln möchte. Ende der 60er Jahre, Anfang der 70er Jahre wurde der Wohlfahrtsstaat erheblich ausgebaut. Der Staat sollte alle gesellschaftlichen Bereiche steuern und planen und die Ressourcen effektiver managen. Der Staat wurde damit zum „Garant des Gemeinwohls“ (Lamping et. al., 2002, S.8). Er war Ausgleichs- und Umverteilungsamt und die Bürger hatten Rechte und Ansprüche ihm gegenüber. Der Staat gewährte nach seinem Ermessen und nach seinen Maßstäben Hilfen für problembehaftete Soziallagen (Lamping et. al., 2002).

Durch viele globale Veränderungen, vor allem durch den Wegfall des Sozialismus, wurde ein globaler Wirtschaftskampf ausgerufen, in dem es nicht mehr möglich war, die Gewinne in einem Staat umzuverteilen. Im weltweiten Konkurrenzkampf der Staaten und Firmen mußten Sozialabgaben und Löhne der arbeitenden Bevölkerung sich den der ganzen Welt anpassen und in einer ständigen Rückwärtsspirale heruntergeschraubt werden. Da war kein Platz mehr für einen Staat der für alle Fürsorge tragen könnte.

Mit dem „Schröder-Blair-Papier“ vor dem Regierungswechsel 1998 wurde ein Umdenken in der Sozialdemokratie vorgenommen. Der nun „aktivierende Staat“ sollte nicht „weniger Staat“ sein, wie von liberalen Kräften gefordert wurde, sondern liberale Gedanken in den Sozialstaat einfließen lassen. Der Staat sollte als Zentrum zur Herstellung von sozialer Gerechtigkeit bestehen bleiben, aber Sanktionen auf Hilfeempfänger aus üben und diese zur aktiven Mitwirkung zwingen. So wurden im Rahmen von Hartz I-IV Maßnahmen eingeführt in den Arbeitslose dazu aufgefordert werden eine Anzahl an Bewerbungen zu schreiben, und falls kein Beruf für sie gefunden werden kann, für einen Stundenlohn von einem Euro bei sozialen Beschäftigungsträgern zu arbeiten. Diese individuelle Bestrafung einzelner, die eigentlich nicht Schuld der Arbeitslosigkeit sind, führt dazu, dass Menschen bereit gemacht werden, für jeden Lohn arbeiten zu gehen und sich dem Markt anzupassen. In der Rentenpolitik wurde mit der Riester-Rente ein Programm geschaffen, dass zunächst zusätzlich zur Gesetzlichen solidarischen Rentenversorgung eine private Rente aufbaut. Die Gesetzliche Rente wird so zu einem Notnagel, wenn die private nicht mehr reicht. Ähnliches geschieht in der Gesundheitsvorsorge, bei dem Menschen Quartalsweise 10 Euro Gebühren zahlen müssen, wenn sie in diesem Zeitraum einen Arzt besuchen.

Wie der Staat mit Bürgerschaftlichem Engagement umgeht ist ein ähnliches Phänomen.

Einerseits schreibt die Bundesregierung in ihrem Konzept:

Staat und Verwaltung müssen ihre Aufgaben und ihre Verantwortung unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen neu definieren. Der Aktivierende Staat wird die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung dort fördern, wo dies möglich ist. (…) Eine darauf ausgerichtete Staats- und Verwaltungsreform muss eine neue Balance zwischen staatlichen Pflichten und zu aktivierender Eigeninitiative und gesellschaftlichen Engagement herstellen.“ (BMI, 1999)

Es hat den Anschein, als wolle der Staat Bürgerschaftliches Engagement fördern, dennoch wird durch die Programme, wie die Soziale Stadt und andere Beteiligungsformen deutlich, das der Staat des nur soweit zu läßt, als wie es seinem eigenen Interesse dient. Kostengünstigere Sozialleistung durch Ehrenamtliche Arbeit wird durchaus bejaht, aber wenn Bürgerschaftliches Engagement bedeutet Forderungen an den Staat zu stellen, so wird dies eher abgelehnt (vgl. Wendland, 2002, S.124ff.).

Aktuelle wirtschaftliche Situation und das Beispiel „Organizing in der Gewerkschaft“

Mit dem beginn der Massenarbeitslosigkeit ab 1980 veränderte sich die Arbeitswelt. War es früher üblich sein Leben lang eine Arbeitsstelle zu haben, so begann das Ende dieses Normalarbeitsverhältnisses. Immer weniger Arbeitszeit wird benötigt, um die gleiche Menge an Gütern herzustellen. Eine Ausweitung der Produktion über die Produktivitätssteigerung hinaus wird für viele nicht mehr als sinnvoll erachtet. Es gibt weitaus geringere Arbeitskosten im Ausland, so dass auch hochwertige Güter vermehrt in Schwellenländern produziert werden, da auch dort Entwicklung und Bildung ein höheres Niveau erreicht hat und durch Abbau von Zöllen und neuer Kommunikationswege Produktion und Waren günstiger gesteuert werden können. Während vor 35 Jahren fast die Hälfte der Menschen in der Industrie tätig waren, arbeiten dort heute nur noch ein Drittel. Der Dienstleistungsbereich steigt, nicht zu letzt auf Grund von Privatisierungen im öffentlichen Bereich in der Telekommunikation, Gesundheitspflege und anderswo (vgl. BPB, 2006, S. 60ff.).

Organizing in der Gewerkschaft

Es gibt eine Erneuerung in den Gewerkschaften, die mit einem Organizing-Modell für Gewerkschaften einhergeht. Bisher gibt es in Deutschland ein Projekt, welches in dem Hamburger Sicherheitsgewerbe durchgeführt wurde, dass ich kurz vorstellen möchte.

Peter Brehme beschreibt sechs Phasen, in denen Organizing im Sicherheitsgewerbe durchgeführt wurde, wie ich hier paraphrasiere (Bremme, 2007, S.203ff.):

In der ersten Phase, dem Aufbau von Kapazitäten und Beziehungen, werden zunächst Informationen gesammelt. Informationen zu den Betreibern, zu den Einsatzorten, Gebäuden, Kunden, Vermietern wurden recherchiert und zusammengestellt.

Dann wurden die Bewacher selbst zu ihren Themen befragt, zu Überstunden, Bezahlung und Schichtproblemen und so weiter. Dabei wurden die jeweiligen Beschäftigten einem Ratingsystem zugeordnet um zu erkennen, wie weit sie sich der gewerkschaftlichen Aktivität stellen würden. Die erste Stufe ist eine aktive Person, die ein Thema unterstützt und andere dafür gewinnen möchte, die zweite Stufe ist eine zugewandte Person, die Interessiert ist aber noch nicht selbst aktiv werden will, die dritte Stufe ist eine Person die der ganzen Sache neutral gegenüber steht, die vierte Stufe ist eine kritische Person, die zwar Chancen sieht, aber dennoch skeptisch ist und schließlich ist die fünfte Stufe eine Person die ablehnend bis feindlich den Themen gegenüber steht und auch andere davon überzeugen möchte. Mit diesem Verfahren wurden die Schlüsselpersonen gesucht mit denen man zusammenarbeiten konnte, dieses Ratingsystem ist nicht statisch, sondern verschiebt sich je nachdem wie ein zweites, drittes oder viertes Gespräch verlaufen ist.

In der zweiten Phase, der Phase der Vertiefung von Kapazitäten und Beziehungen, wurden aus der gewonnen Informationen Beziehungsnetze gebildet. Dieses Verfahren wird Mapping genannt. Daraus entstand ein klares Bild der Branche und so konnte erkannt werden welche räumlichen Gebiete eine größere Anhäufung von Sicherheitsdienstleistungen haben; jedem dieser unterschiedlichen Gebiete wurde ein Organizer zugeteilt.

So war es auch möglich die Gemeinwesen in den einzelnen Gebiete mit in die Arbeit mit einzubeziehen (Stövesand, 2007, S.89).

In der dritten Phase ging man an die Öffentlichkeit. Es wurde ein Faktenbericht erstellt, der die Situation in größere Zusammenhänge ordnete und soziale Themen beinhaltete.

Aus den Befragungen der Beschäftigten wurde ein Slogan für die Kampagne ermittelt und mit einer Pressekonferenz die erste Aktion ausgeführt. Anstatt Gewerkschaftsführern, sollten die Beschäftigten selbst ihre Stimme erheben; wegen befürchteter Repression, wollten die Sicherheitsleute ihre Gesichter nicht zeigen und so erschienen auf der Pressekonferenz die Bediensteten hinter Theatermasken.

In der vierten Phase, der Phase der Verhandlungen und Eskalation, wurden zunächst die Handlungsalternativen ausgeleuchtet. Man konnte einzelne Betriebe herausgreifen und individuelle Aktionspläne entwerfen und Lohnerhöhungen durchsetzen. Man konnte Großkunden der Sicherheitsfirmen auf ihre Gewinne hinweisen und ihnen die Forderungen der Lohnerhöhungen vermitteln. Man konnte die Stadt und die Politiker zur Rede stellen und ihnen erläutern, dass die Auftragsvergabepraxis nach dem billigsten Angebot, die geringen Löhne verursacht.

Die fünfte Phase ist die Phase der Druckverstärkung: Auf einer Kundgebung wurde das Hamburger Unternehmen Power exemplarisch herausgenommen, da es Betriebswahlen verhindert hatten und beteiligten Beschäftigten gekündigt hatte; auf der Kundgebung sprach der Betriebsrat von Gruner & Jahr, einem Kunden von Power, die anschließende Demonstration ging zur Allianz, deren Betriebsrat auch ihre Solidarität bekundigte, und auch die Allianz ist Kunde von Power. „Einzelne Sicherheitsunternehmen herauszunehmen und sie anzusprechen, das war neu und schockierend“ (Bremme, 2007, S.213). Schließlich wurde dem Vorsitzenden des Arbeitgeberverbands des Bundesverbands deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS) ein Präsentkörbchen überreicht mit dem Inhalt, von dem was sich ein Bewacher aus einem Stundenlohn leisten könnte.

Die sechste Phase ist die Siegesphase, beziehungsweise der Tarifvertrag. In diesen Verhandlungen wurden alle Verhandlungsschritte mit den Aktiven rückgekoppelt. Das Ergebnis war nicht gerade hervorragend (eine Gehaltserhöhung von 6,10 Euro auf 6,34 Euro), aber diese neue Form zeigt, wie Verhandlungen eine neue aktivere Form einnehmen können.

Nach diesem Ergebnis wurde ein sogenannter „Blitz“ durchgeführt, das heißt es wurde nun gezielt versucht, weitere Arbeitnehmer im Sicherheitsgewerbe für die Gewerkschaft zu gewinnen. Man konnte ja nun sehen, dass die Gewerkschaft einen Erfolg erzielt hatte und man wußte auch durch die Einzelgespräche im Vorfeld wen man ansprechen konnte.

Dieses Beispiel macht deutlich, wie Gewerkschaften aktivere Beteiligung ermöglichen können und in Zukunft verhandlungsfähig bleiben können.

Lerner hat eine weitere Vision für die Zukunft: Weltgewerkschaften als ein Gegengewicht zu den multinationalen Konzernen, dass ich auch hier darstellen möchte (Lerner, 2007, S.53ff.):

Gerade die ärmsten und schlecht qualifiziertesten Arbeitnehmer mit dem geringsten gewerkschaftlichen Organisationsgrad haben die beste Voraussetzung dafür, eine neue Weltgewerkschaft zu bilden. Es sind die Hausmeister, Sicherheitsleute und Reinigungskräfte, deren Arbeitsplätze unbeweglich in den globalen Städten zu finden sind und von denen es Global um die 40-50 gibt. In der Vergangenheit war Gewerkschaftskampf dazu nötig den Staat zu beeinflussen und unter Kontrolle zu bringen und so eine Vermittlerrolle zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer einzunehmen. Diese Vermittlerrolle kann oder will vielmehr, der Staat nicht mehr übernehmen, um im globalen Verteilungs- und Wettbewerbskampf stark zu bleiben. Nun muss ein neuer Druck auf den Staat gesetzt werden um direkt mit multinationalen Konzernen auf nationaler und internationaler Ebene verhandeln zu dürfen.

Arbeitsplätze in der Industrie können in die ganze Welt verlagert werden, aber die Infrastruktur des Finanz-, Versicherungs- und Immobiliensektors konzentriert sich auf die globalen Städte. Diese wirtschaftlichen Knotenpunkte können eine Angriffsfläche für Gewerkschaften werden.

Die Ausweitung der Weltwirtschaft führt zu einer großen Nachfrage nach Dienstleistungen, die diese koordinieren (Recht, Rechnungswesen, Versicherungen, Immobilien usw.) und diese Dienstleistungen werden vor allem von multinationalen Firmen durchgeführt, die sich wie gesagt, um die 40-50 globalen Städte konzentrieren. In diesen Städten wächst die Schere zwischen Arm und Reich und viele Migranten stoßen zu diesen Städten.

Büromieten und Profit sowie Gehälter und Zulagen der Vorstände steigen, aber die Gehälter der Angestellten orientieren sich am örtlichen Minimum.

Gebäude können sich nicht bewegen – es sind die Menschen, die in die globalen Städte kommen. Diese Migranten haben keine Angst vor einer Arbeitsplatzverlagerung, mit der in anderen Branchen gedroht wird.

Aktuelle gesellschaftliche Situation

Trotz des neuerdings angekündigten minimalen Wirtschaftsaufschwungs und die immer wiederkehrenden eindringlichen Beschwörungen der Politiker und Arbeitgeber, dass der Aufschwung allen gelte, kann nichts darüber hinweg täuschen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander fällt und immer mehr Menschen in Deutschland in Armut leben.

Dies ist bedingt durch den gewollten Konkurrenzkampf zwischen den Staaten um Standort und Wirtschaftskraft, der so genannten Globalisierung. Dieser Konkurrenzkampf ist verbunden mit Lohnsenkungen und wird damit auf Kosten der Arbeiter ausgetragen. Diese Profitmaximierung führt auch dazu, dass Firmen ihre Produktion ins billigere Ausland auslagern und ruft in Deutschland eine größere Arbeitslosigkeit hervor.

Seit 1980 gab es in Deutschland kein erhebliches Wachstum mehr (Dörner, 2006, S.25).

Die Ursache dieser Globalisierung hat immense Auswirkungen auf die Bevölkerung und geht einher mit sozialen Verwerfungen und Spannungen. Billige Arbeitsplätze werden unter dem internationalen Konkurrenzdruck weiter gedrückt, da sie sonst ins Ausland ausgelagert werden, aber Manager und Spitzenverdiener verdienen immer mehr Geld.

So entsteht ein großes Gerechtigkeitsproblem (vgl. Diakonisches Werk, 2007, S.5).

Bildung und Ausbildung wird zu einem immer größeren Kostenfaktor für Familien. Es wird Lehrmittelfreiheit in den Schulen abgeschafft, Studiengebühren in den Universitäten eingeführt. Anstatt zu fördern wird primär selektiert. Mit einem Hauptschulabschluß kann man immer weniger anfangen als früher, da wie schon erwähnt die billigen Arbeitsplätze ins Ausland ausgelagert werden oder es durch den Konkurrenzdruck zu sehr geringen Gehältern führt, sei es durch Zeitarbeit, 400€-Basis oder durch Arbeit in Branchen ohne festgelegte Tarife.

Da stellt sich die Frage nach der Zukunft der Erwerbsarbeit (Diakonisches Werk, 2007, S.5). Ist es nötig die Löhne so niedrig zu halten oder wird es in Zukunft dazu kommen, dass unterbezahlte Löhne durch staatlich garantiertes Einkommen ersetzt werden?

Im Moment werden Menschen in Armut durch sanktionierende Maßnahmen im Rahmen von Hartz IV „bei der Stange gehalten“ und müssen fast jeden Job (auch 1 Euro Jobs) annehmen um nicht ihre Mindestsicherung nach SGB II gekürzt zu bekommen.

Eine andere gesellschaftliche Veränderung ist verursacht durch die fortgeschrittene Medizin und dem fehlenden persönlichen Bedarf an Kindern. Es verändert sich die Demographie. Es gibt prozentual immer mehr ältere Menschen, weil die Lebenserwartung stetig steigt und immer weniger Kinder geboren werden, weil der Stellenwert der Familie keinen hohen Rang mehr besitzt. Die Rente basiert darauf, dass die Arbeitnehmergeneration die pensionierte Generation finanziert, durch die Abnahme der Arbeitnehmergeneration und die Zunahme der pensionierten Generation, wird dieser Generationenvertrag für die Politiker zu einem Problem (Götzelmann, 2007, S.197).

Früher waren die Menschen oftmals als Nachbarn, Kirchenmitglieder oder Gewerkschaftsangehörige miteinander verbunden und halfen einander aus, diese Zugehörigkeit ist zunehmend von Veränderung betroffen.

Solidaritäten werden durch soziale Probleme herausgefordert“ (Hondrich, Koch-Arzberger, 1994, S.30) und darum entstand im 19. Jahrhundert die Klassensolidarität. Durch die damalige Industrialisierung wurden die Menschen aus ihren damaligen traditionellen sozialen Bindungen herausgerissen, es gab niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen, Unsicherheit des Arbeitsplatzes. Dadurch entstand die Gewerkschaftsbewegung und es kam darauf hin zu Milieubildung und eigenen Wertvorstellungen (ebd., S.30f). Es entstanden dann darauf hin die staatlich garantierten und organisierten Versicherungssysteme. Je mehr Menschen in eine solche Solidaritätsverbindung eingeschlossen sind, um so schwächer werden aber die Soldaritätsgefühle. (ebd., S.38f.).

Durch die erneuerten veränderten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt (keine lebenslange Jobgarantie, die Erwartung sich flexibel dem Markt anzupassen und umzuziehen) ist nun wieder eine große Individualisierungstendenz zu beobachten. Menschen fühlen sich weder von Organisationen noch anderen Menschen unterstützt und vertreten. Sie versuchen sich immer mehr im Alleingang sich zu behaupten (vgl. Beck, 1994, S.44ff.).

Diese Individualisierung führt allerdings nicht zwangsläufig zu weniger Solidarität und erhöhtem Egoismus. Vielmehr schwindet der Altruismus zu Gunsten von „kontrolliert zurücknehmbaren Engagement“ (Hondrich, Koch-Arzberger, 1994, S.25). Individualiserung kann so als Handlungsgewinn des Einzelnen verstanden werden. Die traditionellen zwangvollen Sozialbindungen werden geringer und die Wahl von eigenen Lebensstilen eröffnet die Möglichkeit sich neuen Gruppen zu zu ordnen (ebd.).

Die Situation in den Landeskirchen

Die evangelischen Kirchen in Deutschland sind mit verschiedenen Aspekten konfrontiert. Einerseits findet eine Entkirchlichung und eine Entchristlichung der Gesellschaft statt, auf der anderen Seite sind viele Menschen auf der Suche nach religöser Orientierung (Diakonisches Werk, 2007, S.7).

Auf Entkirchlichung deuten die sinkenden Mitgliederzahlen hin. Dies hat zur Folge, dass die Überalterung in der Kirche noch stärker zunimmt, als es prozentual durch Geburtenrückgang in der Gesamtbevölkerung der Fall ist. Ganz besonders in ländlichen Gebieten (Diakonisches Werk, 2007, S.7).

Außerdem kann es in vielen Gemeinden zu einer Milieuverengung kommen, da viele Mitglieder der Kirche erhalten bleiben, die zu einem Traditions-Milieu gehören und aus der Familientradition heraus der Kirche treu bleiben (ebd.).

Zu diesem Milieu gehören vor allem auch ältere Menschen, das heißt, dass die Überalterung der Gesellschaft in einem besonderen Maße auf die Kirche Auswirkungen hat (Gözelmann, 2003, S.198). Altenarbeit und -hilfe wird einerseits somit zu einem sehr wichtigen Auftrag der Kirche. Das bedeutet aber nicht nur Nachbarschaftshilfe und -pflege sondern auch dass bei den Pensionierten ein hoher Anteil von ehrenamtlicher Arbeit zu erwarten ist, der durch seine Lebenserfahrung viel Potential für eine Kirche bieten kann (ebd., S.197). Anderseits ist es umso wichtiger die junge Generation im Blick zu halten und vermehrt darauf zu achten genügend Angebote für Kinder und Familien zu bieten, so dass diese nicht ganz der Kirche verloren gehen (ebd., S.198)

Diese und die anderen gesellschaftlichen Entwicklungen führen dazu, dass es ein immer kleiner werdender Anteil von Steuerzahlern als Kirchenmitglieder zur Verfügung stehen (ebd.).

Für die Kirche bedeutet dieses ein Bedeutungsverlust, sowie ein Verlust an Finanzmitteln (Diakonisches Werk, 2007, S.9). Dadurch entsteht ein enormer Druck auf die kirchlichen Strukturen und es entstehen zunehmend Verteilungs- und Konzeptionsdebatten. Dabei gibt es Kämpfe zwischen den funktionalen, also den übergemeindlichen Diensten und den parochialen, also den kirchengemeindlichen Diensten (Götzelmann, 2003, S. 198). Anstatt sich hier gegenseitig auszuspielen, wäre eine Integration der jeweiligen Dienste viel wichtiger. Dabei, so Götzelmann, sollte man nach dem Prinzip der Subsidiarität vorgehen, das heißt erste Priorität ist die Familie, Nachbarschaft, Selbsthilfegruppe, dann die Gemeinde und erst danach die regionalen oder überregionalen zentralen Dienste (ebd.).

Auf der anderen Seite bedeutet, die religiöse Suche der Menschen für die Kirche, dass vielerorts, neue Gemeindeformen entstehen. Kirche wird vielfältig und vielschichtig. Diese Pluralisierung macht die Kirche auf der einen Seite vielleicht schwammig und ihr Profil ist schwer zu erkennen, auf der anderen Seite öffnet sich die Kirche und kann so einer breiteren Masse Halt und Lebensorientierung bieten (Diakonisches Werk, 2007, S.7).

Von dieser Suche nach Orientierung spricht auch Reinhard Hempelmann. Er spricht dabei von zwei Pluraliserungsphasen; in der ersten Phase gab es innerkirchliche Gruppenbildung (mehrere Visionen von Kirche), während in der heutigen zweiten Phase alternative Formen in eigenständigen Gemeinden gebildet haben (Hempelmann, 2001, S.415). „Fortschreitende Individualisierungsprozesse moderner Geselschaften rufen paradoxe Effekte hervor. Je mehr sich Glaubenssysteme individualisieren, desto größer wird das Bedürfnis nach Bestätigung des eigenen Glaubens durch eine Gemeinschaft“ (ebd.).

Die Kirche kann aber weiterhin, auf Grund ihrer vielen sozialen Dienstleistungen der Diakonie, als zivilgesellschaftlicher Akteur eine sehr wichtige Stellung einnehmen und man sieht dadurch wie wichtig die Institutionen der Diakonie sind, es zeigt aber auch was für ein Potenzial die einzelne Kirchengemeinde als Sprachrohr des Stadtteils haben kann und sie könnte eine Stimme der Verarmten im Gemeinwesen sein (Diakonisches Werk, 2007, S.7).

Solch eine Öffnung der Kirchengemeinde für Außenstehende bedeutet nicht eine Säkularisierung, sondern dies soll mit dem biblischen Anspruch und Zuspruch geschehen, dass Gott für alle Menschen einsteht und insbesondere für die die suchen und Hilfe bedürfen (Arnhelm, 2001, S.2).

Bedeutung der Entwicklung in Deutschland für Community Organizing

Was haben diese politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen nun mit Community Organizing zu tun? Über Community Organizing wird in Deutschland mittlerweile nicht mehr nur debattiert, sondern erste Projekte sind bereits im Aufbau und haben bereits erste Erfolge erzielt. Das bedeutet, dass nicht nur der Wandel der Bedingungen in Deutschland dazu geführt hat, dass diese Idee nun auch in Deutschland umgesetzt wird, sondern wahrscheinlich auch, dass die genannten politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen etwas mit der Möglichkeit für Community Organizing zu tun haben.

Ein Beispiel ist auch Großbritannien: Nachdem Margret Thatcher neoliberale Reformen in England durchgesetzt hat, ist auch hier die soziale Schere zwischen Arm und Reich enorm gestiegen. Als Margret Thatcher im Jahr 1979 an die Macht kam, haben die reichsten Zehn-Prozent in England, drei mal so viel Einkommen gehabt wie die ärmsten Zehn-Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 1990, als ihre Zeit als Premierministerin endete, haben die höchst Verdiener viermal soviel verdient als die ärmsten Zehn-Prozent. Dies hat sich seitdem nicht verändert (Guardian Weekly, 11.04.08, S.14, zitiert den Office of National Statistics).

In England konnte Community Organizing erfolgreich angewendet werden und in England sind nun erste neue Ansätze von Bürgerplattformen vorhanden (vgl. Behrendt, Nod, 1995, S.8).

Dort wo Arbeitslosigkeit wächst, Löhne sinken, Mieten steigen, Vorsorge sinkt und eine Chancenungleichheit zu bemerken ist (und all diese Dinge sind in Deutschland zu beobachten), und wo durch Individualisierung der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Politikverdrossenheit wächst ist der Nährboden für Community Organizing vorhanden (ebd. S.9).

Die in der Vergangenheit relativ gut versorgte Soziale Arbeit steht im Zusammenhang mit der Privatisierung der öffentlichen Versorgung unter Druck. Die Markt- und Konkurrenzlogik hält Einzug in den Sozialen Sektor und oft haben Ausschreibungen nur noch befristete Zeiträume und haben Projektcharakter (Stövesand, 2007, S.84).

Wenn dabei Soziale Institutionen versuchen die noch vorhandenen Errungenschaften zu verteidigen, so ist dies der falsche Weg, den er führt nur zu weiterer Spaltung der Gesellschaft und der sozialen Versorgung. Stattdessen kann man in dem Abbau des Sozialstaates eine Chance und Herausforderung sehen (Behrendt, Nod, 1995, S.9).

Dabei ist Community Organizing kein Ersatz des Sozialstaates sondern mehr noch die letzte Instanz die ihn einfordern kann. Denn soziale Verantwortung erfordert eine kräftige und beständige, unabhängige Gegenmacht, die Gerechtigkeit für alle einfordern kann (ebd.).

Durch die Individualisierung der Bevölkerung und dem damit einhergehenden Egoismus ist positiv für Community Organizing zu sehen. Wie bereits beschrieben bedeutet dies, dass einerseits die Interessen des einzelnen Angesprochen werden können und sich Menschen frei von jeder sozialen Bindung sich einer Bürgerplattform anschließen können und sich ihre eigenen Interessen zu einem Gesamtinteresse zusammenfügen können.

Die Teilhabe aller Bürger erfordert ein Umdenken aller Organisationen, darum ist auch gut, dass Community Organizing in Deutschland, als „Broad-Based“-Organizing durchgeführt wird, den nur so können die beteiligten Organisationen dieses Umdenken praktisch erleben und erfahren (Meinung des Verfassers).

Es sind aber auch diese verschiedenen Organisation im Gemeinwesen, die notwendigerweise mitmachen müssen und auch dort gibt es neue Hoffnung. Die Kirchengemeinden zeigen vermehrtes Interesse an Community Organizing, da sie gegen Mitgliederschwund und Bedeutungsverlust angehen möchten und im Community Organizing ein Mittel sehen in der sie wieder Stimme und Gewicht bekommen könnten (vgl. Chrismon, 2005, S.61). So wird das Deutsche Institut für Community Organizing maßgeblich von Geldern der katholischen Caritas unterstützt. DICO selbst entstammt der katholischen Hochschule für Soziale Arbeit in Berlin (Penta, 2007, S.242). Außerdem ist Paul Cromwell, ein amerikanischer Stipendiat der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) und ein Vertreter des Community Organizing, dabei, mit der Unterstützung vom Forum für Community Organizing (FOCO) nach Möglichkeiten zu forschen, wie die Evangelischen Kirchen mehr im Stadtteil verankert sein können und mit den Methoden von Community Organizing Veränderung bewirken können (Chrismon, 2005, S.60f.).

Die vielen neuen verschiedenen Religionsgemeinschaften bieten Community Organizing ein breit gefächertes Abbild des Gemeinwesens darzustellen und ähnlich wie in Amerika, die Menschen aus den verschiedenen Religionen zu einem gemeinsamen Handeln zu ermuntern.

So sind in der Bürgerplattform Impuls-Mitte die Centrums Moschee, der CVJM, die Ev.-Luth. Kirchgemeinde zu Hamburg Hamm, die Methodistische Kirche in Hamm, die Katholische Kirchengemeinde Herz Jesu und die Kroatisch-Katholische Gemeinde unter den aktiven Mitgliedern.

Und auch die Gewerkschaften scheinen das Instrument Organizing für sich erkannt zu haben und im Rahmen von Organizing wird sich auch die Gewerkschaft dem Gemeinwesen öffnen und bei Aktionen mit unterstützen, in der Hoffnung die gleiche Unterstützung im Arbeitskampf zu erfahren.

Literatur

Alinsky, Saul D. (1999): Anleitung zum Mächtigsein. Ausgewählte Schriften.
, 2. Auflage, Lamuv Verlag, Göttingen.

Anhelm, Dr. Fritz Erich (2001): Rolle und Funktion von Kirchen und
Religionsgemeinschaften im Gemeinwesen, Loccum.

Behrendt, Thomas; Nod, Wilfried (1995): Eine mögliche Übertragung auf die Situation in
Deutschland; In: FOCO (Hrsg.) 1995; S. 6-9.

Beck, Ulrich (1994): Jenseits von Stand und Klasse?; in: Beck, Ulrich; Beck-Gernsheim,
E. (Hrsg.): Riskante Freiheiten
, Frankfurt am Main, 1994; S. 43-59.

BMI – Bundesministerium des Innern, Stabstelle Moderner Staat – Moderne
Verwaltung (Hrsg.) (1999):
Moderner Staat – Moderne Verwaltung. Das Programm der
Bundesregierung
, Berlin.

BPB – Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) (2006):Never work alone.
Organizing – ein Zukunftsmodell für Gewerkschaften
, VSA-Verlag, Hamburg.

Diakonisches Werk (Hrsg.) (2007): Die Rolle der Allgemeinen Sozialarbeit im Rahmen
gemeinde- und gemeindeorientierten Handelns der Diakonie (G2-Modell)
, Stuttgart.

Dörner, Prof. Dr. Dr. Klaus (2006): Kirche ohne Diakonie verliert die Erde – Diakonie
ohne Kirche verliert den Himmel; In: Chrismon (2005): 12/2005, Seite 60-62.

FOCO (Hrsg.) (1995): Forward to the roots… Community Organizing in den USA – eine
Perspektive für Deutschland?, Stiftung MITARBEIT
, Bonn.

Goede, Wolfgang C. (2004): Community Organzing – Ein Weg für Deutschland?
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