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Die Zeit verinnt wie im Fluge – Rundbrief Nr.7

Von adigwe | 10.November 2003

10. November 2003
Andreas Adigwe Pilot

Liebe Freunde und Unterstützer,
wieder sehr viel später als geplannt, schreibe ich meinen neuen Rundbrief.
In den letzten sechs Monaten ist sehr viel passiert, nach meinem Besuch in Deutschland erschien ein Artikel im Göttinger Tageblatt, der auf große Resonanz traf, darauf fingen in Rumänien die Schulferien an und unser Projekt fuhr ans Meer. Danach hies es 3 Wochen Ferien für mich, die ich mit zwei Freunden aus Deutschland verbrachte.
Nun bin ich wieder zurueck in Bukarest und mit dem Schulanfang kehrte der Alltag wieder ein. Alltag heisst Arbeit von 8:00 – 16:00 Uhr jeden Tag und dann ist der Nachmittag mit vielen anderen Dingen vollgestopft, die sponntan auf einen zukommen, so dass jede Woche immer stressig und etwas besonderes ist. Doch die Zeit läuft davon und ich möchte noch so viel tun. Dafür freue ich mich in 3 Monaten wieder meine Eltern und Geschwister und meine Freunde wiederzusehen.
Aber nun einiges aus der letzten Zeit etwas detailierter:

Freizeit am Meer
Für vier Tage fuhren wir 3 Kollegen, 15 Kinder und Johannes, ein Freund aus Deutschland nach Eforie Sud, ans schwarze Meer. Viele Spiele und Diskusionen haben wir mit den Kindern durchgefuehrt. Wettbewerbe, Puppentheater, Stehgreiftheater und ein Disco besuch und ein Schlambad dienten der Unterhaltung. Der schwarze Schlamm, den man sich auf dem ganzen Koerper einreibt, ist uebrigens beruehmt und soll gegen Rheuma helfen.
Es war eine wunderschöne Zeit mit viel Sonne und in der die Kinder viel neues Erlebten, es war schön einmal länger mit ihnen zusammen zu sein.

Kerzen giessen
Eine besondere Aktion haben wir vor ein paar Wochen unternommen. Auf Einladung des Projekts Strassenengel haben wir Kerzen gegossen.
Unter Anleitung der Jugendlichen des Projekts haben die Kinder wunderschoene Kerzen gegossen, die sie stolz mit nach Hause tragen durften. Ein koestliches Mahl beendete dann den Tag, den ich jeweils mit beiden Schulen durchfuehren durfte. Über eine weitere Zusammenarbeit wird nun sogar Nachgedacht.
Strassenengel ist ein Projekt, das von einem Deutschen gegründet wurde und Jugendlichen ohne Schulabschluss hilft, in dem es ein Zuhause und eine sinnvolle Beschäftigung, nähmlich das Kerzen giessen, bietet. Die Jugendlichen werden von einer Sozialarbeiterin begleitet und versucht wieder integriert zu werden. Die Kerzen, auf Basaren in Deutschland verkauft, finanzieren einen Teil des Projekts.
Für Jugendliche, die nicht mehr in einen normales Arbeitsverhältnis eingegliedert werden können, soll nun ein zweites Haus eröffnet werden. Für weitere Informationen kann man sich in auf www.strassenengel.de in den Newsletter eintragen – es lohnt sich!

Ionut Prothesen
Wie ich im Tageblatt und in meinen Rundbriefen erzählt hatte, hatte ich versucht für Ionut Prothesen Geld zu sammeln. Der Betrag für die Materialien aus dem Ausland wollte der Staat nicht übernehmen. Mittlerweile hat sich das aber geändert und die ganzen Kosten werden übernommen. Das kommt überraschend und ist eine grosse Erleichterung. 250 Euro hatte ich zu diesem Zeitpunkt, wenn gewünscht werde ich sie zurück überweisen. Viel lieber aber würde ich damit mit der Fussballliga eine Freizeit in den Bergen mit anschliesendem Tunier veranstalten. 10 Organisationen werden daran beteiligt sein mit 100 Kindern und so würde ich da nur einen kleinen Beitrag beisteuern. Bis jetzt ist dieses Projekt aber nur in den Köpfen.
Ionut wird in den nächsten Wochen seine Prothesen bekommen und ich werde euch über den weiteren Verlauf berichten.

Mein Englischunterricht
Viermal in der Woche gebe ich nun wieder regelmässig Englischunterricht. Die grossen Kinder machen ganz gute Fortschritte, allerdings sind die Kinder alle auf unterschiedlichen Nivau, so dass die einen sich teilweise langweilen und andere nicht hinterher kommen, das Versuche ich aber durch viele Kreativaufgaben zu vermeiden. Bei den kleinen Kindern muss ich nach einer Woche oft wieder von vorn anfangen, weil sie sich einfach die Vokabeln nicht merken können. Da ich das ja auch aus meiner Schulzeit noch kenne habe ich dafür Verständnis, aber es ist doch oft sehr nervig. Ich hoffe das sie zum Ende meiner Zeit wenigstens die doch öfters erscheinenden ausländischen Gästen begrüssen können und mit ihnen ein paar Worte wechseln können.
(Wäre dann ja auch etwas leichter für mein Nachfolger 🙂 )

Neues aus Fussballliga
Nachdem wir in der letzten Saison mit dem zweiten Platz und einem Pokal nach Hause gehen konnten sind die guten Spieler alle zu alt für die Liga, so dass sie nun in einer älteren Klasse mitspielen. Die neuen Kinder die frisch ins Projekt gekommen sind bilden nun eine neue Mannschaft, so dass ich nun zwei Tage in der Woche Fussballtraining mache. Die letzten vier Wochen habe ich sie alleine trainiert und diese Zeit mit einem Freundschaftsspiel gegen eine andere Organisation mit 6:2 erfolgreich abgeschlossen
Die neue Saison beginnt am kommenden Samstag mit einem neuen System. Wir werden an diesem Samstag gegen alle teilnehmenden Mannschaften in einem Tunier spielen. Weitere Tuniere folgen und wer am Ende die meisten Tuniere gewinnt geht dann als Sieger hervor – das werde ich nicht mehr Erleben!

Weihnachtszeit
Nun beginnt wieder die Weihnachtszeit und in beiden Zentren wird fleissig für die alljährliche grosse Weihnachtsfeier geprobt. Im letzten Jahr hatte ich das Theaterstück beigesteuert, in diesem Jahr singe ich mit den Kindern zusammmen im Chor. Den nun kann ich die romänischen Texte verstehen und schneller und besser Auswendig lernen. Wie im letzten Jahr werden die Kinder von Haus zu Haus ziehen und Weihnachtslieder singen im diesem Jahr werde ich mich anschliessen.
Obwohl ich mich sechs Monate mich kaum noch in Deutschland gemeldet habe, freue ich mich dass die Bereitschaft da ist wieder die Paketaktion zu Weihnachten durch zu führen. Ganz besonders danke ich Marcus Meissner, der wieder die Organisation übernimmt. Wie im letzten Jahr bekommt jedes Kind ein Schuhkarton, das von einer Person in Deutschland gepackt wird. In diesem Paket sollten Spielsachen, Hygenemittel und andere Dinge enthalten sein.
Wer sich beteiligen möchte sollte sich Marcus Meissner oder an mich wenden.

Schlägertypen?
Schlagen und Geschlagen werden gehört bei den Kindern im Ghetto zum Alltag, sei es von den Eltern, den Mitschülern oder den großen Jungs vom Viertel. Oft hört man das sie sich mal wieder zusammen rotten um jemanden zu verprügeln für viele ist das schon ein Hobby geworden. Vor ein paar Tagen aber kam Cristi, ein 11 jähriger Junge, der viel vom Projekt gelernt hat, zu mir und erzaehlte mir, dass er von einem Mädchen ohne Grund geschlagen werde und was er den zu tun hätte. Er war verzweifelt, weil er doch nicht zurückschlagen wollte. Vor den allen anderen Kindern lies er sich blossstellen, weil er von einem Mädchen sich schlagen lies. Es ist schön solche Veränderungen an den Kinder zu sehen. Darauf traf ich den Bruder eines Kindes auf der Strasse mit Krazern im Gesicht. “Was machst du hier” – “Ach, ich schlag mich mit ein paar Kindern” entgegnete er mir gelassen.
Ein anderes Mal, kam Paul, ein Junge von 12 Jahren, auf mich zu und erzählte mir er haette letzte Nacht folgenden Traum: Er hätte in der Kueche Hausaufgaben gemacht, als der Vater von ihm seine Mutter und seine Schwester verpruegelt haette. Mit einemal stand ich in der Tuer und haette das alles gesehen, aber wusste nichts zu machen.

Veraenderungen im nächsten Jahr im Projekt
Das Projekt wird sich zum naechsten Jahr noch mehr mit den Eltern beschaeftigen, so dass Gewalt, Alkohol und andere Drogensuechtigkeit, Arbeitslosigkeit, Hygiene usw. in Familien mit den Eltern diskutiert werden kann und auch auf der Familienebene etwas erreicht werden kann. Die Eltern sollen auch Nachmittage zusammen mit den Kindern im Zentrum verbringen.
Das Programm jedes Kindes wird von 6 Monaten auf ein Jahr erhoeht um laenger die Entwicklung der Kinder zu folgen.
Ich halte diese Veraenderungen fuer sehr sinnvoll und bin weiterhin von dem Projekt und dem Team begeistert. Im Moment wird wieder dafuer einen Traeger gesucht.
Nachfolger von meinem Projekt wird fuer 3 Monate Nora, die als Praktikum die Zeit “ueberbrueckt” bis im Sommer wieder ein Freiwilliger von Eirene kommt.

Nun, dann hoffe ich euch wieder endlich mal einen kleinen Einblick gewährt zu haben. Ich bin wie immer für jede Fragen offen und freue mich auf eure Meinung zu dieser Rundmail. Geht auf meine Homepage und schaut euch die Fotos an und tragt euch ins Gästebuch. Denkt und betet für mich und dem Projekt, eure Mitarbeit war und ist super wichtig und gibt mir die Kraft.
Danke und liebe Gruesse,
Euer Andreas Adigwe Pilot.

Themen: Rundbriefe | Kein Kommentar »

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