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Horn spielend mobilisieren – GWA im Bollerwagen

Von adigwe | 5.September 2007

Eine Auswertung des Bollerwagen-Spielmobil-Projektes

Um was es sich dreht

Im März 2007 rollt ein Bollerwagen von Spielplatz zu Spielplatz. Im Gepäck zahlreiche Spielgeräte und vorne ran Sozialpädagogen, die sich Gemeinwesenarbeit (GWA) auf die Fahnen geschrieben haben. Was aber versteht man unter GWA und ist dies mit einem Bollerwagen realisierbar und wurde dies in den nur vier Monaten ansatzweise realisiert? – Diesen Fragen möchte ich in dieser Arbeit nachgehen.

Die Fragen

Das Arbeitsprinzip Gemeinwesenarbeit ist wichtiger Bestandteil des Verbundes Horn. Die Möglichkeit dies Anhand der Ausgestaltung eines Stadtteilzentrums in Form eines Eisenbahnwaggons auszuprobieren reizte mich so sehr, dass ich diesen Verbund wählte. Nachdem klar wurde das eine Realisierung nicht möglich war und ich auf die praktische Anwendung der Gemeinwesenarbeit nicht verzichten wollte, musste ich etwas finden, dass in der nur noch sehr kurzen Zeit durchführbar wäre und GWA beinhalten würde.

Es war die Idee der Kontinuität des Gedankens Horner Express – der Gedanke Räume zu schaffen (zur Not halt virtuell), die Stadtzentrumsidee in Form eines Waggons, der irgendwie auch Bewegung und damit Veränderung implizierte und schließlich das Wortspiel „Waggon – Wagen“ (das mich bei Präsentationen auch dann regelmäßig heimsuchte), die mich an meine Zeit kurz vor dem Studium erinnern ließen, in der ich freiwillig im Jesus Center tätig war. Dort besuchten wir mit einem Bollerwagen unterschiedliche Spielplätze – und auch wenn Gemeinwesenarbeit kein ausgeschriebener Bestandteil war, fielen mir viele Merkmale ein, die an Gemeinwesenarbeit erinnerten. Etwas verändert wäre es durchaus Gemeinwesenarbeit, war mein erster Gedanke.

Aber konnte man dies in Horn durchführen und konnte man damit Gemeinwesenarbeit betreiben, die weiterging, als nur nach dem Arbeitsprinzip – also GWA, die Stadtteilarbeit und damit die Bewohner selbst ernst nahm? Das waren von Anfang an meine Bedenken, die aber, meiner Meinung nach, zunächst theoretisch erfüllbar waren. Bewahrheitet sich dies in der Praxis? Diese Frage, die immer mit schwang will ich nun versuchen nachzugehen.

Zunächst aber was ist überhaupt das Arbeitsprinzip GWA und was ist Gemeinwesenarbeit?

Die Theorie der GWA

Gemeinwesenarbeit entstand genau genommen schon in England. Ursprung der Gemeinwesenarbeit kann man die Settlementbewegung von 1870 sehen. Die Barnetts gründeten die Toynbee Hall in London, diese war eine Art Nachbarschaftszentrum, in dem die Menschen in einem Londoner Arbeiterviertel zusammen kommen konnten und gemeinsame Aktivitäten durchführen konnten – oft allerdings durchgeführt von den Barnetts oder Studierenden.
1889 gründete Jane Addams das Hull House in Chicago. Das Hull House war ein Zentrum für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Gemeinsam mit Studentinnen grundeten sie Gewerkschaften und leisteten politischen und sozialen Druck auf Politik und Wirtschaft aus. Im Hull House gab es politische Diskussionen, Lesungen und es wurden Streiks organisiert.

Eine etwas andere Form hat Paolo Freire mit seinem Alphabetisierungsprogramm entwickelt. Sein Programm kann durchaus, als Gemeinwesenarbeit verstanden werden, da diese Programm durch gegenseitiges Austauschen und Lernen, Menschen aus ihrer Unterdrückung befreit werden sollen und gemeinsam, von der Gesellschaft gesetzte, Grenzen überwinden.

Saul D. Alinsky entwickelte das Community Organising in Amerika.
Alinsky baute zunächst in einem Stadtteil in Chicago eine Organisation auf, die alle wichtigen Vertreter aller Bewohner, die Einfluß auf den gesamten Stadtteil hatten, versammelte. Diese Organisation konnte gemeinsam gefundene Ziele mit großer Geschlossenheit und damit enormen Druck auf Politik und Wirtschaft, durchsetzen.

In Deutschland gab um es 1900 die Nachbarschaftsheimbewegung, diese Bewegung, die unter anderem Volkshochschulkurse anbot, hatte keinen großen sozialpolitischen Einfluß. 1930 wurden diese Heime von den Nazis geschlossen.
Seit etwa 1960 existiert wieder Gemeinwesenarbeit in Deutschland und entstand vor allem in Sanierungsgebieten.

Stadtteilbezogene Gemeinwesenarbeit

Oelschlägel (Oelschlägel, 1994) beschreibt sehr eindrucksvoll wie Stadtteil bezogene Gemeinwesenarbeit in einem Armutsquartier aussehen könnte. Anhand eines Beispieles, dem Nachbarschaftstreff Duisburg-Bruckhausen wird deutlich wie seiner Ansicht nach GWA heute praktiziert werden sollte.

Zunächst stellt er fest, dass anders als viele radikale Linke es erwarten, die Menschen sich nicht erheben, sobald die Armut unerträglich wird (dies musste ich in Rumänien erfahren in einem Slum von Bukarest). Denn arme Menschen sind keine passiven Opfer. Sie sind Überlebensstrategen – die sich vor dem Risiko der Veränderung schützen wollen und so die Grenzen nicht überwinden wollen, sondern sie nur ausdehnen. Darum soll Soziale Arbeit die Handlungsfähigkeit erweitern und sichern. Dazu muss auch GWA für die Menschen nutzbare Ressourcen anbieten. Die Menschen wollen und können nur Veränderungen verwirklichen, wenn sie selbst weniger Kosten und mehr Nutzen davon tragen. Wenn sie dies erfahren, werden sie selbst aktiv und vergrößern dadurch ihre Handlungsspielräume. Dabei spielt die Veränderung der Lebensverhältnisse die tragende Rolle. Oelschlägel hält hierbei Soziale Kulturarbeit für eine wichtige Möglichkeit. GWA muss dann Hilfe leisten wenn die Probleme der Bewohner auf der politschen Ebene öffentlich gemacht werden sollen. Der GWA-Arbeiter muss hierbei immer die subjektiven Interessen der Menschen zum Ausgangspunkt und Basis der Veränderung des Stadtteils machen.

Aus diesen Gründen haben Oelschlägel und die Studierenden angefangen mit einigen aktiven im Stadtteil ein Nachbarschaftscafe anzubieten. Das heißt erst wurde den Menschen was nützliches zur Verfügung gestellt. Der Sozialarbeiter stellt seine Ressourcen zunächst dem Stadtteil zu gute. Aus diesem Raum heraus kann dann Gemeinwesenarbeit entstehen. Die Menschen sehen, das wenn sie sich im Nachbarschaftscafe engagieren mehr für sie raus springt. So entsteht in diesem Cafe einerseits Beratung und anderseits Beschäftigungsinitiativen, Mittagstisch und politische Aktionen (als Beispiel wird die Verhinderung der Schließung der Sonderschule angeführt).

Lüttringhaus hat, unter Rücksprache von Oelschlägel und Hinte folgende Leitstandards der GWA (nach Lüttringhaus, 2007, 277ff) formuliert , die dies noch einmal verdeutlichen sollen:

1. Zielgruppenübergreifendes Handeln
GWA arbeit an einem Thema, dass aus den Bedarfen entsteht, dabei trifft dies meist unterschiedliche Menschen im Gemeinwesen. Manchmal kann auch nur eine Zielgruppe an einem Thema betroffen sein.

2. Orientierung an den Bedürfnissen und Themen der Menschen
GWA greift die Themen der Menschen vor Ort und orientiert sich nicht an dem was von außerhalb als Problem des Stadtteil gesehen wird.

3. Förderung der Selbstorganisation und der Selbsthilfekräfte
GWA aktiviert und begleitet die Menschen bei der Verwirklichung ihrer Themen.

4. Nutzung der vorhandenen Ressourcen
Die vorhandenen Ressourcen des Stadtteils werden genutzt, aktiviert und gefördert und mit den Ressourcen der Institutionen verbunden.

5. Resortübergreifendes Handeln
GWA bezieht sich auf alle Bereiche des Lebens im Stadtteil und kümmert sich damit nicht nur um das „Soziale“. GWA arbeitet sektorenübergreifend, in allen Bereichen, dass auf soziale Räume aufbaut.

6. Vernetzung und Kooperation
GWA schafft und stärkt soziale Netzwerke von Bewohnern und Professionellen. Dies ist ein Mittel um in Kooperationen zu Lösungen zu kommen. Durch den Aufbau solcher Netzwerke sollen Bewohner in der Lage sein zu wichtigen Ereignissen mobilisierbar zu sein.

Arbeitsprinzip GWA

Das „Arbeitsprinzip GWA“ wurde als Konzeption von Oelschlägel eingeführt, um eine Grundlage für alle Berufsfelder der sozialen Arbeit zu schaffen. Hinte brachte dann den Begriff und das Konzept „Stadtteilbezogene Soziale Arbeit“ im Umlauf um den bereits schwammig gewordenen Begriff der GWA zu umgehen. Dieses Konzept heißt heute „Sozialraumorientierung“. Dieses Konzept versucht Erkenntnisse und Prinzipien der GWA zu präzisieren und für alle Felder der Sozialen Arbeit umsetzbar zu machen. Es geht dabei immer darum Lebenswelten und Verhältnisse (Hinte spricht von Arrangements) der Betroffenen zu gestalten, so dass Menschen mit ihrem Lebensumfeld zurecht kommen. Zu kritisieren ist hierbei, dass das Verändern zu einem neuen besseren Umfeld weggelassen wird.

Die fünf Prinzipien der Sozialraumorientierung sind folgende (nach Hinte/Treß, 2006):

1. Der Wille/die Interessen der Menschen
Dabei soll zwischen dem Wunsch des Gefragten und seinem Willen unterschieden werden. Der Wille, so Hinte, ist aktiv und der Wunsch passiv. So soll bei der Befragung die Aktivität des Befragten sichergestellt sein und seine Haltung vom Betroffenen zum Gestalter verändert werden. Am Ende, so jedoch meine Vermutung, entscheidet der Fragende was Wunsch und Wille ist und wohin gestaltet wird und der Befragte wird gezwungen Gestalter zu sein (dies ist aber Thema einer weiteren Arbeit von mir).

2. Aktivierung vor Betreuung
Menschen sollen soweit wie möglich selbst ihr Leben in die Hand nehmen, der Sozialarbeiter leistet Unterstützungsarbeit.

3. Ressourcenorientierung
Der Sozialarbeiter soll sich nicht an den Defiziten der Menschen sondern an ihren Ressourcen orientieren und diese stärken. Ressourcen sind hierbei vor allem auch Netzwerke. Hier soll der Sozialarbeiter helfen die potenziale zu sehen. Die Gefahr, die ich hierbei sehe, ist den Klienten nicht mehr zum Bittsteller des Staates sondern der eigenen Bekannten zu machen und ihn dabei zu begleiten diese Schamgrenze zu überwinden.

4. Zielgruppen und Bereichsübergreifend
Soziale Arbeit soll sich auch wenn sie sich auf eine Zielgruppe spezialisiert nicht nur auf diese fokussiert sein. Wer mit Kindern arbeitet soll auch mit deren Eltern arbeiten, wer mit Arbeitssuchenden auch mit Firmen.
Soziale Arbeit soll nicht nur im sozialen Bereich und mit einer Zielgruppe arbeiten, sondern den gesamten Stadtteil im Blick haben.
Auch Unternehmen, Politik, Vereine, Kirchen und Gewerbetreibende gehören dazu und sollten in die Arbeit mit eingebunden werden. Gesetze und Bürokratie zergliedert die Stadtviertel und Problemlagen in viele kleine Bereiche. Aufgabe der GWA ist diese wieder zusammen zuführen, da die Probleme meist aus verschiedenen Faktoren entstanden sind und auch nur durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise und Ressourcennutzung lösbar sind.

5. Vernetzung und Kooperation

Vergleicht man die verschieden Texte der Gemeinwesenarbeit untereinander – (vor allem z.B. Oelschlägel, 1994 mit Hinte, 2007) so erkennt man doch erhebliche Differenzen. Zwar versuchen Hinte und Oelschlagel mit dem Reader zur GWA (Hinte, Lüttringhaus, Oelschlägel, 2007) diese Unterschiede zwischen einander auszuräumen dennoch gibt es diese (evtl. nur zeitlich bedingt). Zum einen geht es Hinte zunächst nur um die aktiven Menschen des Stadtteils, den Aktivierung geht vor Betreuung, zum anderen würde er den Menschen im Stadtteil keinen Raum anbieten – sie müßten den Willen selbst äußern. Oelschlägel hingegen läßt auch die nicht aktiven am Nachbarschaftscafe teilhaben, die ja erst Kosten und Nutzen abwägen müssen und gibt die Idee des Raumes relativ vor. Oelschlägel geht es auch um eine Veränderung auf politischer Ebene, Hinte nur um die Veränderung der Arrangements, die sich Menschen im Stadtteil geschaffen haben.

Im Endeffekt kann man aber sagen, das Hinte die wichtigen Punkte der Gemeinwesenarbeit schlicht und einfach schärfer und konsequenter ausformuliert und durchführt. Oelschlägel in seinem Beispiel aber mehr mit alten Standards der Sozialen Arbeit – der Unterstützung und Versorgung – vermischt. Es wird deutlich, dass sehr oft eine radikale Umsetzung eines Konzept oft nicht die Resultate birgt die man sich erhofft, besser ist es wirklich daran festzuhalten, dass zu suchen und immer zu hinterfragen, was wirklich mein gegenüber für Sorgen und Nöte aber auch Stärken und Interessen hat und gemeinsam einen möglichen Weg auszuhandeln.

Bollerwagen und GWA

Wenn man sich die Geschichte der GWA anschaut, so erkennt man, dass GWA meist aus einem Raum aus agiert. Ein, wie es heute heißen würde, Stadtteilzentrum dient als Versammlungsraum. Irgendwo müssen sich die vielen Menschen treffen, um ihre Ideen und Probleme zu äußern. Das war ja auch ein Ausgangspunkt für den Eisenbahnwaggon, den „Horner Express“. Zwar lag eine (nicht repräsentative) Umfrage der Annahme zu Grunde, dass im Stadtteil Horn ein Versammlungsraum am meisten fehlte. Aber wenn man sich die zahlreichen Beispiele von Stadtteilbezogener GWA anschaut, dann steht dieser Raum am Anfang der Aktion. Nachdem Scheitern des Eisenbahnwaggons, mußte also eine andere Möglichkeit des Raumes gesucht werden. Es gab einige unter uns, die einen Raum mieten wollten, aber diese Möglichkeit schien mir nicht in dieser Zeitspanne realisierbar – und in der Tat brachte auch dieser Versuch keinen Erfolg. Außerdem wollte ich nicht den Anfang der GWA sehen sondern auch weitergehende Erfahrungen sammeln. Ein Cafebetrieb in anderen Räumen in Kooperation mit anderen Institutionen wäre ein sehr gangbarer und leicht realisierbarer Weg gewesen – viele Einrichtungen haben in Horn tatsächlich noch zeitweise freie Räume (Timotheusgemeinde, Bienenkorb (Rauhes Haus), Kirchgemeinde Horn uva.) und ich wundere mich heute warum keiner von uns diesen Weg versucht hatte – war die Kreativität der Studenten durch das „Scheitern“ versiegt oder wäre ein Nutzen von vorhandenen Räumen der totale Ausverkauf gewesen? Nach dem Motto: „Horn braucht doch auch kein Waggon?!“

Ich wollte irgendwie etwas neues schaffen – GWA, die im übertragenen Sinn virtuelle Räume schafft oder die vorhandenen virtuellen Räume nutzt. Wo treffen sich die Menschen im Stadtteil Horn? Wenn nicht alle, dann wenigstens ein Teil der Bevölkerung. Ein wichtiger Teil der Bevölkerung sind Familien und die treffen sich an Spielplätzen! Da ich die Vorerfahrung des Bollerwagens im Kopf hatte und die Assoziation „Waggon – Wagen“ auch eine gewisse Kontinuität in meinem Kopf wiederspiegelte überlegte ich wie ich mich an den Interessen der Menschen orientieren könne und wie ich den Bedarf ermitteln könne. Wir machten eine Analyse der Spielplätze. Da es Winter war, war an den Spielplätzen keiner anzutreffen und hier passiert ein sehr schwerwiegender Fehler. Anstatt an Schulen, Kindergärten oder einfach an Haustüren Menschen zu befragen und ihre Interessen zu klären, haben wir nicht nur einfach die Professionellen im Stadtteil befragt sondern ihnen gleich unsere Idee präsentiert und sie gefragt ob sie diese Idee gut und sinnvoll finden.

Nach Oelschlägel aber können wir uns ein wenig rüber retten in dem wir unsere eigenen Ressourcen zunächst angeboten haben, um den Eltern den Nutzen zu bringen, der sie zu Aktivität ermuntert und laut Oelschlägel muß unsere Arbeit nun mehr sich am Sozialraum orientieren, damit wir das Arbeitsprinzip wenigstens erfüllen.
Ausgehend von den sechs Punkten der Leitstandards der GWA möchte ich herausstellen welche Punkte wir daran beachtet haben und welche Auswirkungen wir dabei mit unserer Arbeit erlebt haben. Zum Teil dienen hier auch Befragungen, die wir am Ende des Projektes durchgeführt haben und quantitative Beobachtungen als Beleg hierfür. Zu einem großen Teil sind es natürlich auch eigene Subjektive Wahrnehmungen, mit denen ich unser Ergebnis reflektiere.

Zum ersten Prinzip: Wir, als Studenten, machten ein Bedarf aus und organisierten darum unser Thema und versuchten darum unsere Zielgruppen zu suchen. In dieser Hinsicht kann man also zwar von einem Zielgruppenübergreifendes Handeln sprechen, da wir unter anderem weder eine wirkliche Altersbeschränkung der Kinder vornahmen, die am Bollerwagen teilnehmen durften und auch die Eltern, Großeltern und älteren Jugendlichen versucht haben mit einzubinden, aber im Sinne der GWA hätten wir die Menschen direkt fragen müssen und uns nach ihrem Bedarf und Thema richten müssen.

Deswegen komme ich direkt auf das zweite Prinzip: Wie schon erwähnt haben wir nur die Professionellen mit unserer Idee konfrontiert und uns dann mit ihnen zusammengesetzt und versucht das Projekt durch zu führen. Dadurch haben wir zwar einerseits versucht uns in die Menschen vor Ort hineinzuversetzen und haben uns vorgestellt was für Interessen und Bedarfe die Kinder und Eltern haben werden, auch haben wir Spielgeräte nach und zusätzlich angeschafft je nach dem was gut ankam. So haben wir mehr Bälle, wie Basketball, Fußball, Volleyball- und Tischtennissets gekauft und weniger Jongliersets nachgekauft. Aber wir haben immer wieder versäumt die Eltern und Kinder direkt auf ihre Bedürfnisse anzusprechen und ihre Interessen abzufragen.

Zu 3: Ziel unseres Projektes war eine Selbstorganisation des Bollerwagens nach unserer Praktikumszeit. Darauf wollten wir von Anfang an aufbauen. Außerdem wollten wir den Austausch zwischen den Eltern und den Kindern fördern und damit zur Selbsthilfe animieren. Wir hatten erhofft, das der Kontakt zwischen den Kindern, die ja die Spielsachen des Bollerwagens nun gemeinsam nutzen würden auch den Kontakt zwischen den Eltern intensivieren würde.
Wir haben am Ende unseres Praktikums eine Umfrage bei den Eltern gemacht und müssen feststellen, dass beide dieser Ziele nicht verwirklicht werden konnten. Die Mehrheit der Eltern wünscht sich laut unserer Umfrage Kontakt zu anderen Eltern und sagen, dass dies einigermaßen Möglich ist, aber durch unsere Arbeit konnte diese Möglichkeit nicht erweitert werden.
Der Bollerwagen wird nicht weiterrollen. Wir haben es nicht geschafft Eltern dafür zu gewinnen, dieses Projekt weiterzuführen. Wir sagen uns das wir zu wenig Zeit hatten, dieses Ziel an Eltern heranzutragen.
In unserer Umfrage sagen … von … , dass selbst wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, sie den Bollerwagen nicht übernehmen hätten wollen, obwohl … von der Idee sehr angetan sind.
Hier ist wahrscheinlich wieder der Fehler zu entdecken, nicht die Bewohner nach ihren Interessen und ihren Ressourcen gefragt zu haben. Wenn von vorne rein klarer erkennbar gewesen wäre, dass obwohl wir unsere Zeit zur Verfügung stellen, wir nicht für sondern mit den Eltern etwas machen möchten, hätten wir eventuell ein anderes Ergebnis erzielt.

Zu 4: Wir haben die Ressourcen des Stadtteiles erheblich gesucht und genutzt – nicht aber die Ressourcen der Bewohner selbst!
Wir haben Spielplätze aufgesucht und damit auf vorhandenen Ressourcen zurück gegriffen. Wir haben das Geld für den Bollerwagen aus dem Fördertopf der Horner Geest geschöpft und die Lagerräume der Timotheusgemeinde genutzt um unseren Bollerwagen und die Spielgeräte abzustellen. Wir haben im Spielhaus Horner Landstraße Beratung und Kaffee genießen können und jede Menge Spielsachen von der Elternschule Horner Geest bekommen können.
Die Ressourcen der Bewohner konnten wir leider bis auf ein Ereignis – ein Vater brachte einen riesen Sack Sandspielzeug vorbei – nicht nutzen.

Zu 5: Wir wollten durch einen Sponsorenvertrag auch diejenigen mit einbeziehen, die für das Wohnumfeld in Horn maßgeblich verantwortlich sind: Die Wohnungsbaugenossenschaften und -gesellschaften. Leider brachten Telefonate und Briefe nicht das erhoffte Ergebnis. Der Versuch auch andere Bereiche mit einzubeziehen war also gegeben, darauf lag aber nicht unser Hauptaugenmerk und wurde deshalb nicht so intensiv verfolgt.

Zu 6 : Vernetzung und Kooperation sollte ein wichtiger Standard in unserer Arbeit sein und so gingen wir Kooperationen mit etlichen Institutionen ein: Beirat Horner Geest, Timotheusgemeinde, Pflegen & Wohnen, Elternschule Horner Geest und das Spielhaus Horner Landstraße. Diese Kooperationspartner halfen uns in vieler Hinsicht bei der Bewältigung unseres Projektes und standen uns tatkräftig zur Seite. Durch dieses Netzwerk konnten wir einiges schneller Probleme erkennen und Lösungen finden. Hätte unser Projekt länger angehalten hätten wir durch dieses Netzwerk sicher auch gemeinsam mit den Bewohner Lösungen finden können, wenn sie mit ihren Problemen zu uns gekommen wären, dazu war aber die Nähe noch nicht vorhanden. Durch Pflegen und Wohnen haben wir für den Spielplatz Spliedtring einen Nachfolger finden können. Die Mobile Spielaktion führt unsere Arbeit dort fort und kann auf unseren Früchten aufbauen.

Ein Fazit

Wir wurden von einigen anfangs belächelt und der Horner Spielexpress, als Spielzeug abgetan, dass nur dazu dienen sollte die Zeit nach dem Waggon abzusitzen. Aber auch wenn ich nun in dieser Arbeit eine harsche Kritik an der Durchführung des Bollerwagenprojektes ausformuliert habe, da ich hohe Erwartungen an mich und an ein GWA-Projekt stelle, bin ich fest davon überzeugt:
Ein Bollerwagen voll mit Spielgeräten kann GWA sein und kann ein kreatives, kostengünstiges, nützliches und eindrucksvolles Werkzeug sein, Menschen zu befähigen sich für Veränderungen im Stadtteil einzusetzen und zwanglose Netzwerkarbeit leisten. Hätten wir versucht die Menschen von vorn herein mehr einzubinden, hätten wir eventuell auch noch bessere Resultate erzielt, dass Argument der kurzen Zeit ist aber durchaus nicht zu wiederlegen und so bin ich auch so sehr zu frieden mit dem was wir mit dem Bollerwagen erlebt und erreicht haben.

Literaturverzeichnis

Hinte, Wolfgang; Lüttringhaus, Maria; Oelschlägel, Dieter (2001): Grundlagen und Standards der Gemeinwesenarbeit, 2. aktl. Aufl. 2007, Weinheim und München

Hinte, Wolfgang; Treß, Helga (2006): Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe, Weinheim und München

Oelschlägel,Dieter (1994): Gemeinwesenarbeit im Armutsquartier, in: np 1/94,

Schnee, Renate (2004): Skriptum Gemeinwesenarbeit,
http://www.telesozial.net/cms/uploads/tx_kdcaseengine/Skriptum_Gemeinwesenarbeit_Renate_Schnee_102004.pdf

Anhang

Auswertung der Fragebögen zum Abschluß des Projektes. 24 Eltern, ältere Geschwister und Großeltern wurden hierzu an den drei Spielplätzen Stengelestraße, Horner Landstraße und Pflegen & Wohnen Spliedtring befragt.

Anhang wird später hinzugefügt 

Themen: Horn, Texte | Kein Kommentar »

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