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Gemeinde und Gemeinwesen

Von adigwe | 2.April 2008

Neue Hoffnung für Kirche und Rückbesinnung auf den theologischen Auftag von Kirche trotz sinkenden Mitgliederzahlen und sinkenden Finanzmitteln 

Gemeinwesenarbeit – Eine neue Option für die Gemeinde?

Suchet der Stadt Bestes,
dahin ich euch habe wegführen lassen,
und betet für sie zum HERRN;
denn wenn’s ihr wohlgeht,
so geht’s auch euch wohl.
Jeremia 29,7

Durch vielfältige gesellschaftliche Veränderungen hat sich auch die Kirchengemeinde verändert. Diese Veränderungen müssen berücksichtigt werden und neue Konzepte für die Zukunft ausgearbeitet und immer mit der theologischen Betrachtungsweise überprüft werden. Viele Ideen wie sich Gemeinde verändern könnte wurden in der Vergangenheit beschrieben. Ich halte das Konzept der Gemeinwesenarbeit für ein sehr sinnvolles Konzept, dass sich an den gesellschaftlichen Veränderungen orientiert. Kirchengemeinde ist meiner Meinung nach immer auch eine diakonische Gemeinde und sollte sich an den Bedürfnissen ihrer Mitglieder und aber vor allem um ihrer Nächsten kümmern. Eine Kirchengemeinde kann durchaus Mitgestalter des Gemeinwesens sein und die Soziale Integration aller Menschen fördern. Dabei darf und soll die Kirche nicht säkularisiert werden, sondern die säkularisierte Welt muß mit dem Glauben der Bürger leben. Ich werde untersuchen und erläutern ob Gemeinde diakonisch sein sollte und ob Gemeinwesenarbeit theologisch wie konzeptionell eine stimmige Form von Gemeindearbeit sein kann.
Zunächst will ich die Probleme beschreiben die, die Gesellschaft betreffen und somit auch Auswirkungen auf die Kirchengemeinden und die Diakonie haben und auch diese beschreiben. Dann erläutere ich die Theorie der Gemeinwesenarbeit und beleuchte die theologische und sozialarbeiterische Sicht dazu zu. Ich stelle konkrete Konzepte für kirchliche Gemeinwesenarbeit vor und fasse am Ende zusammen, in wieweit Gemeinde und Gemeinwesenarbeit möglich ist.

Gesellschaftliche Veränderungen
Trotz des neuerdings angekündigten minimalen Wirtschaftsaufschwungs und die immer wiederkehrenden eindringlichen Beschwörungen der Politiker und Arbeitgeber, dass der Aufschwung allen gelte, kann nichts darüber hinweg täuschen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander fällt und immer mehr Menschen in Deutschland in Armut leben. Dies ist bedingt durch den gewollten Konkurrenzkampf zwischen den Staaten um Standort und Wirtschaftskraft, der sogenannten Globalisierung. Dieser Konkurrenzkampf ist verbunden mit Lohnsenkungen und wird damit auf Kosten der Arbeiter ausgetragen. Diese Profitmaximierung führt auch dazu, dass Firmen ihre Produktion ins billigere Ausland auslagern und ruft in Deutschland eine größere Arbeitslosigkeit hervor. Seit 1980 gab es in Deutschland keinen erheblichen Wachstum mehr.
Die Ursache dieser Globalisierung hat immense Auswirkungen auf die Bevölkerung und geht einher mit soziale Verwerfungen und Spannungen. Da billige Arbeitsplätze unter Konkurrenzdruck sind, da sie sonst ins Ausland ausgelagert werden, aber Manager und Spitzenverdiener immer mehr Geld verdienen. So entsteht ein großes Gerechtigkeitsproblem.
Bildung und Ausbildung wird zum einen immer größeren Kostenfaktor für Familien. Es wird Lehrmittelfreiheit in den Schulen abgeschafft, Studiengebühren in den Universitäten eingeführt. Anstatt zu fördern wird primär selektiert. Mit einem Hauptschulabschluß kann man immer weniger was mit anfangen, da wie schon erwähnt die billigen Arbeitsplätze ins Ausland ausgelagert werden oder es durch den Konkurrenzdruck zu sehr geringen Gehältern führt, sei es durch Zeitarbeitsarbeit, 400€-Basis oder durch Arbeit in Branchen ohne festgelegte Tarife.
Da stellt sich die Frage nach der Zukunft der Erwerbsarbeit. Ist es nötig die Löhne so niedrig zu halten oder wird es in Zukunft dazu kommen, dass unterbezahlte Löhne durch staatlich garantiertes Einkommen ersetzt werden.
Im Moment werden Menschen in Armut durch sanktionierende Maßnahmen im Rahmen von Hartz IV bei der Stange gehalten und müssen fast jeden Job (auch 1 Euro Jobs) annehmen um nicht ihre Mindestsicherung nach SGB II gekürzt zu bekommen.
Eine andere gesellschaftliche Veränderung ist verursacht durch die fortgeschrittene Medizin und dem fehlenden persönlichen Bedarf an Kindern. Es verändert sich die Demographie. Es gibt prozentual immer mehr ältere Menschen, weil die Lebenserwartung stetig steigt und immer weniger Kinder geboren werden, weil der Stellenwert der Familie keinen hohen Rang mehr besitzt. Die Rente basiert darauf, dass die Arbeitnehmergeneration die pensionierte Generation finanziert, durch die Abnahme der Arbeitnehmergeneration und die Zunahme der pensionierten Generation, wird die pensionierte Generation von Politik und Wirtschaft zunehmend als Last bezeichnet.
Menschen, die früher in Milieus lebten, waren oftmals als Nachbarn, Kirchenmitglieder oder Gewerkschaftsangehörige miteinander verbunden und halfen sich aus, diese Zugehörigkeit ist zunehmend von Veränderung betroffen. Durch die veränderten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt (keine lebenslange Jobgarantie, die Erwartung sich flexibel dem Markt anzupassen und umzuziehen) ist eine große Individualisierungstendenz zu beobachten. Menschen fühlen sich weder von Organisationen noch anderen Menschen unterstützt und vertreten. Sie versuchen sich immer mehr im Alleingang sich zu behaupten.
Eine Integration der Kulturen und Religionen ist, seit dem Zuzug vieler Menschen aus verschiedenen Ländern in den 70er Jahren und durch die zunehmende Globalisierung, unabdingbar geworden. Politik und Gesellschaft tut sich hiermit immer noch sehr schwer und das Problem belastet viele der Hinzugezogenen, die nicht vollständig akzeptiert sind und sich nicht der Gesellschaft zugehörig fühlen dürfen.
Alle diese genannten gesellschaftlichen Veränderungen haben einen großen Einfluß auf Kirche und Diakonie, wie ich jetzt erläutern werde.

Evangelische Kirche und Gemeinden
Die evangelischen Kirchen in Deutschland ist mit verschiedenen Aspekten konfrontiert. Einerseits findet eine Entkirchlichung und eine Entchristlichung der Gesellschaft statt, auf der anderen Seite sind viele Menschen auf der Suche nach religöser Orientierung.
Auf Entkirchlichung deuten die sinkenden Mitgliederzahlen hin. Dies hat zur Folge, dass die Überalterung in der Kirche noch stärker zunimmt, als sie es prozentual durch Geburtenrückgang in der Gesamtbevölkerung entwickelt, besonders in ländlichen Gebieten.
Außerdem kann es in vielen Gemeinden zu einer Milieuverengung kommen, da viele Mitglieder der Kirche erhalten bleiben, die zu einem Traditions-Milieu gehören und aus der Familientradition heraus der Kirche treu bleiben.
Zu diesem Milieu gehören vor allem ältere Menschen, das heißt, dass die Überalterung der Gesellschaft in einem besonderen Maße auf die Kirche Auswirkungen hat. Altenarbeit und -hilfe wird einerseits somit zu einem sehr wichtigen Auftrag der Kirche. Das bedeutet aber nicht nur Nachbarschaftshilfe und Pflege sondern auch dass bei den Pensionierten ein hoher Anteil von ehrenamtlicher Arbeit zu erwarten ist, der durch seiner Lebenserfahrung viel potential für eine Kirche bietet. Anderseits ist es umso wichtiger die junge Generation im Blick zu halten und vermehrt darauf zu achten genügend Angebote für Kinder und Familien zu bieten, so dass diese nicht ganz der Kirche verloren gehen.
Diese und die anderen gesellschaftlichen Entwicklungen führen dazu, dass es ein immer kleiner werdender Anteil von Steuerzahlern, als Kirchenmitglieder zur Verfügung stehen.
Für die Kirche bedeutet dieses ein Bedeutungsverlust sowie ein Verlust an Finanzmittel. Dadurch entsteht ein enormer Druck auf den kirchlichen Strukturen und es entstehen zu nehmend Verteilungs- und Konzeptionsdebatten. Dabei gibt es Kämpfe zwischen den funktionalen, also den übergemeindlichen Diensten und den parochialen, also den kirchengemeindlichen Diensten. Anstatt sich hier gegenseitig auszuspielen, ist eine Integration der jeweiligen Dienste viel wichtiger. Dabei, so Götzelmann (vgl. Götzelmann, 2003, S. 198), sollte man nach dem Prinzip der Subsidiarität vorgehen, das heißt erst die Familie, Nachbarschaft, Selbsthilfegruppe, dann die Gemeinde und erst danach die regionalen oder überregionalen zentralen Dienste.
Die religiöse Suche der Menschen bedeutet für die Kirche, das Vielerorts neue Gemeindeformen entstehen. Kirche wird vielfältig und vielschichtig. Diese Pluralisierung macht die Kirche auf der einen Seite vielleicht schwammig und ihr Profil ist schwer zu erkennen, auf der anderen Seite öffnet sich die Kirche und kann so einer breiteren Masse Halt und Lebensorientierung bieten.
Durch das Auseinanderfallen von Wohn- und Arbeitsort ist die Kirche nicht in der Mitte des Lebens der Menschen. Oft ist der Wohnort nur der Schlafort und an dem Ort wo gearbeitet wird, da wird sich auch getroffen und dort findet auch das Leben statt. Kirche und auch Gemeinwesenarbeit definiert oft den Wohnort zum Lebensort, dies verändert sich und sollte viel stärker berücksichtigt werden.
Die Kirche kann aber weiterhin, auf Grund ihrer vielen sozialen Dienstleistungen der Diakonie, als zivilgesellschaftlicher Akteur eine sehr wichtige Stellung einnehmen und man sieht dadurch wie wichtig die Institutionen der Diakonie sind, es zeigt aber auch was für ein potenzial die einzelne Kirchengemeinde als Sprachrohr des Stadtteils haben kann und es könnte eine Stimme der verarmten im Gemeinwesen sein.
Die Frage bleibt aber ob eine Konzentration nur auf die Mitglieder und und eine Ausrichtung auf die Befriedung ihrer Bedürfnisse und damit verbunden Kürzung aller Hilfen für Nichtmitglieder der Weg aus der Mitglieder- und Finanznot ist. Die Kirche verkommt meines Erachtens so zu einer Interessenvertretung von wenigen, wie es Gewerkschaften sind, die nur den Kreis der Arbeitenden vertreten nicht aber die der Arbeitslosen. Kirche sollte gerade für die suchenden, nicht glaubenden eintreten, (sowie die Gewerkschaften gerade für die Arbeitslosen eintreten sollten). Eine Öffnung der Kirchengemeinde für Außenstehende bedeutet nicht aber Säkularisierung sondern dies soll mit dem biblischen Anspruch und Zuspruch geschehen, dass Gott für alle Menschen einsteht und insbesondere für die die Suchen und Hilfe bedürfen. Dieses werde ich aber im theologischen Teil noch weiter ausführen.

Kirche und Diakonie
Diakonische Einrichtungen gehören zur Kirche und sind spätestens seit der Gründung der Inneren Mission durch Wichern, fester Bestandteil der evangelischen Kirchen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Diakonischen Werke gebildet.
Diakonische Einrichtungen stehen heute einerseits in einem Wettbewerb zu anderen Anbietern und müssen sich dort positionieren. Dies wird weiterhin vehement gefordert, obwohl gesamtgesellschaftlich dadurch großer Schaden entstehen könnte, den unter Kosteneinsparungen, in einem Land in dem kaum Wachstum mehr entsteht, führt so etwas nur zu mehr Not und Armut.
Anderseits ist eine Zusammenarbeit von Gemeinden und Institutionen der Diakonie immer mehr vorstellbar und es wäre konsequent anlässlich der wachsenden Armut der Mitglieder in den Gemeinden. So enstehen viele armutsorientierte Projekte auf Gemeindeebene, wie Tafeln, Kleiderkammern und auch politische Initiativen.
Die Frage ist nur ob eine Konzentration auf staatliche Fördergelder und Zuschüsse richtig ist wo durch dann genau dem politischen Zeitgeist nachgegangen wird und damit auch in Konkurrenz um das billigste Angebot mit anderen Trägern tritt und ein Stechen um Hilfeangebote entsteht, so hat der Staat leichtes Spiel hat Sozialleistungen weiter runter zu kürzen, oder ob ein es angebracht wäre auf Kirchengemeinden zuzugehen. Durch eine Vernetzung der Angebote der Diakonie und der Kirchengemeinde könnten deren Angebote besser gefördert werden und deren ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützt werden und professionalisiert werden.

Gemeinwesenarbeit
Gemeinwesenarbeit beachtet den sozialen Problemen, den strukturellen Hintergrund und versucht sich daher auf die Bedürfnisse der Menschen in einem Gemeinwesen auszurichten. Gemeinwesenarbeit konzentriert sich daher auf die Ressourcen der Menschen und versucht diese zu aktivieren und in Netzwerken zu organisieren um die Anliegen und Interessen der Menschen öffentlich zu machen. In der Gemeinwesenarbeit geht es also um Linderung, Verhinderung oder Beseitigung der Probleme von Menschen zentral durch Aktivierung der Menschen.

Geschichte
Um die Verschiedenartigkeit der vorgestellten Konzepte zu erklären, will ich einen kurzen Ausflug in die Geschichte der Gemeinwesenarbeit machen, da so deutlich wird, das Gemeinwesenarbeit einerseits eine recht alte Idee ist, anderseits aber durchaus unterschiedlich gehandhabt und durchgeführt wurde.
Gemeinwesenarbeit entstand genau genommen zuerst in England. Den Ursprung der Gemeinwesenarbeit kann man in der Settlementbewegung von 1870 sehen, als die Barnetts die Toynbee Hall in London gründeten. Dies war eine Art Nachbarschaftszentrum, in dem die Menschen in einem Londoner Arbeiterviertel zusammen kommen konnten und gemeinsame Aktivitäten durchführen konnten – allerdings wurden diese oft von den Barnetts oder Studierenden durchgeführt.
1889 gründete Jane Addams das Hull House in Chicago. Das Hull House war ein Zentrum für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Gemeinsam mit Studentinnen gründeten sie Gewerkschaften und leisteten politischen und sozialen Druck auf Politik und Wirtschaft aus. Im Hull House gab es politische Diskussionen, Lesungen und es wurden Streiks organisiert.
Eine etwas andere Form hat Paolo Freire mit seinem Alphabetisierungsprogramm entwickelt. Sein Programm kann durchaus, als Gemeinwesenarbeit verstanden werden, da diese Programm durch gegenseitiges Austauschen und Lernen, Menschen aus ihrer Unterdrückung befreit werden sollten und gemeinsam, von der Gesellschaft gesetzte Grenzen überwinden.
Saul D. Alinsky entwickelte das Community Organizing in Amerika.
Im Jahr 1960 baute Alinsky zunächst in einem Stadtteil in Chicago eine Organisation auf, die alle wichtigen Vertreter der Bewohner, die Einfluß auf den gesamten Stadtteil hatten, versammelte. Diese Organisation konnte gemeinsam gefundene Ziele mit großer Geschlossenheit und damit enormen Druck auf Politik und Wirtschaft, durchsetzen.
In Deutschland gab um es 1900 die Nachbarschaftsheimbewegung, diese Bewegung, die unter anderem Volkshochschulkurse anbot, hatte keinen großen sozialpolitischen Einfluß. 1930 wurden diese Heime von den Nazis geschlossen.
Seit etwa 1960 existiert wieder Gemeinwesenarbeit in Deutschland. Sie entstanden vor allem in Sanierungsgebieten. Es gab und gibt verschiedene Formen der Gemeinwesenarbeit:
1.Die integrative Gemeinwesenarbeit, dessen Verfechter M. Ross ist. Sie ist mit den vorgegebenen Strukturen einverstanden. Chancengleichheit besteht für alle und es versucht mit den Bewohnern Kompromisse zu suchen um ihre Not zu lindern.
2.Die aggressive Gemeinwesenarbeit, vertreten durch Müller (wie auch Alinsky in Amerika), will die Bewohner im Stadtteil aktivieren, sich gegen ungerechte Strukturen zur Wehr zu setzen.
3.Die katalytisch aktivierende Gemeinwesenarbeit, zu denen Hinte zählt, möchte die akuten Probleme beseitigen und auch die strukturellen Probleme langfristig angehen.

Konzepte von Gemeinwesenarbeit
Zu diesen drei Formen gibt es verschiedene Konzepte, von denen ich drei Konzepte für eine kirchliche Gemeinwesenarbeit vorstellen werde. Aus diesem Grund werde ich diese drei Konzepte hier in der allgemeinen Theorie vorstellen. Es ist die Gemeinwesenorientierung, Community Organizing und Gemeinwesenarbeit als Stadtteilzentrum.
Gemeinwesenorientierung
Die Gemeinwesenorientierung ist ein Konzept, das Hinte und Oelschlägel propagieren um Gemeinwesenarbeit nicht als ein drittes Standbein zur Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit, sondern als eine Methode zu etablieren, die auf allen Ebenen der Sozialen Arbeit stattfinden kann.
Lüttringhaus hat, unter Rücksprache von Oelschlägel und Hinte folgende Leitstandards der Gemeinwesenarbeit (nach Lüttringhaus, 2007, 277ff) formuliert , und die wichtigsten Prinzipien dieser Methode aufgelistet:
1. Zielgruppenübergreifendes Handeln
Gemeinwesenarbeit arbeit an einem Thema, dass aus den Bedarfen entsteht, dabei trifft dies meist unterschiedliche Menschen im Gemeinwesen. Manchmal kann auch nur eine Zielgruppe an einem Thema betroffen sein.
2. Orientierung an den Bedürfnissen und Themen der Menschen
Gemeinwesenarbeit greift die Themen der Menschen vor Ort auf und orientiert sich nicht an dem was von außerhalb als Problem des Stadtteil gesehen wird.
3. Förderung der Selbstorganisation und der Selbsthilfekräfte
Gemeinwesenarbeit aktiviert und begleitet die Menschen bei der Verwirklichung ihrer Themen.
4. Nutzung der vorhandenen Ressourcen
Die vorhandenen Ressourcen des Stadtteils werden genutzt, aktiviert und gefördert und mit den Ressourcen der Institutionen verbunden.
5. Ressortübergreifendes Handeln
Gemeinwesenarbeit bezieht sich auf alle Bereiche des Lebens im Stadtteil und kümmert sich damit nicht nur um das „Soziale“. Gemeinwesenarbeit arbeitet Sektoren übergreifend, in allen Bereichen, dass auf soziale Räume aufbaut.
6. Vernetzung und Kooperation
Gemeinwesenarbeit schafft und stärkt soziale Netzwerke von Bewohnern und Professionellen. Dies ist ein Mittel um in Kooperationen zu Lösungen zu kommen. Durch den Aufbau solcher Netzwerke sollen Bewohner in der Lage sein zu wichtigen Ereignissen mobilisierbar zu sein.
Community Organizing
Community Organizing ist wiederum eine Methode der Gemeinwesenarbeit, die jedoch älter ist, die sich aber in Deutschland zunächst nicht durchgesetzt hatte, nun aber in Berlin und Hamburg erste Erfolge feiert. Hierbei geht es darum die Menschen im Stadtteil zu Organisieren und durch den hohen Anteil an der Bevölkerung Druck auf Politik und Wirtschaft ausüben zu können und positive Veränderung herbeizuführen. In diesem Ansatz geht es also in erster Linie nicht darum soziale Dienstleistungen anzubieten, sondern es werden Gespräche mit Bewohnern geführt, Beziehungen geknüpft, die zu einem den ganzen Stadtteil umfassenden Netz führen. In einem zweiten Schritt werden, dann von allen Bewohnern Themen zusammengetragen, die ihnen stören und die sie gerne in Angriff nehmen möchten. Diese Themen werden dann gemeinsam diskutiert und behandelt. Dabei unterstützten alle Bewohner jedes dieser Themen, damit genügend Beistand hinter den jeweiligen Anliegen ist. So wurde in einem Stadtteil Berlins, der von Arbeitslosigkeit betroffen war, dafür gesorgt das eine Technische Universität sich in diesem Stadtteil niederlässt und durch diesen Neuzuzug an Studenten und Know-how neue Gewerbe entstehen konnten und neue Chancen sich eröffneten.
Stadtteilorientierte Gemeinwesenarbeit
Gemeinwesenarbeit, als eine eigenständige Form sozialer Arbeit, wie sie in den 70er Jahren entstanden ist, war und ist eher eine Randerscheinung, obwohl diese von ihrem Konzept her, durchaus in der Lage ist, der Bevölkerung eines Stadtteils aus ihrer Lage herauszuhelfen. Oelschlägel (vgl. Oelschlägel, 1994) beschreibt sehr eindrucksvoll wie stadtteilbezogene Gemeinwesenarbeit in einem Armutsquartier aussehen könnte. Anhand eines Beispieles, dem Nachbarschaftstreff Duisburg-Bruckhausen wird deutlich wie seiner Ansicht nach Gemeinwesenarbeit heute praktiziert werden sollte.
Zunächst stellt er fest, dass anders als viele radikale Linke es erwarten, die Menschen sich nicht erheben, sobald die Armut unerträglich wird. Arme Menschen sind keine passiven Opfer, sie sind Überlebensstrategen – die sich vor dem Risiko der Veränderung schützen wollen und so die Grenzen nicht überwinden wollen, sondern sie nur ausdehnen. Darum soll Soziale Arbeit die Handlungsfähigkeit erweitern und sichern. Dazu muss auch Gemeinwesenarbeit für die Menschen nutzbare Ressourcen anbieten. Die Menschen wollen und können nur Veränderungen verwirklichen, wenn sie selbst weniger Kosten und mehr Nutzen davon tragen. Wenn sie dieses erfahren, werden sie selbst aktiv und vergrößern dadurch ihre Handlungsspielräume. Dabei spielt die Veränderung der Lebensverhältnisse die tragende Rolle. Oelschlägel hält hierbei Soziale Kulturarbeit für eine wichtige Möglichkeit. Gemeinwesenarbeit muss dann Hilfe leisten wenn die Probleme der Bewohner auf der politischen Ebene öffentlich gemacht werden sollen. Der Gemeinwesen-Arbeiter muss hierbei immer die subjektiven Interessen der Menschen zum Ausgangspunkt und Basis der Veränderung des Stadtteils machen.
Aus diesen Gründen haben Oelschlägel und die Studierenden angefangen mit einigen aktiven im Stadtteil ein Nachbarschaftscafe anzubieten. Das heißt erst wurde den Menschen was nützliches zur Verfügung gestellt. Der Sozialarbeiter stellt seine Ressourcen zunächst dem Stadtteil zu gute. Aus diesem Raum heraus kann dann Gemeinwesenarbeit entstehen. Die Menschen sehen, dass wenn sie sich im Nachbarschaftscafe engagieren, mehr für sie heraus springt. So entsteht in diesem Cafe einerseits Beratung und anderseits Beschäftigungsinitiativen, Mittagstisch und politische Aktionen (als Beispiel wird die Verhinderung der Schließung der Sonderschule angeführt).

Sozialarbeitstheoretische Notwendigkeit
Die Aufgabe von staatlicher sozialer Arbeit ist zum einen Kontrolle und zum anderen Hilfe von sozialbenachteiligten Menschen.
Bis vor Kurzem dachte man Kontrolle und Hilfe am besten durch das herausselektieren
der Probleme eines Menschen und damit durch das Zuführen zu verschiedenen Institutionen für verschiedene Probleme realisiert werden könnte. Dadurch konnten sich die einzelnen Professionen herausbilden und sie konnten sich spezialisieren und wurden zu Experten in einem kleinen abgesteckten Rahmen. Diese Selektion führt jedoch zu einer stärkeren Ausgrenzung der Personen und damit zu größeren Problemen, dies bedeutet immer mehr Kosten und mehr Aufwand.
Breitangelegte Dienste, die immer noch ausgliedern und verweisen können, führen zu einer besseren Konzentration auf eine ganze Bevölkerungsgruppe und fördern die Integration. Selbsthilfegruppen sensibilisieren um ein wesentliches die Motivation und das Engagement des Betroffenen, sein Problem zu lösen und führt zu einer positiven Veränderung. Gemeinwesenarbeit gibt den Bewohnern insgesamt eine Stimme, die also damit zusammenwachsen und gemeinsam für einander einstehen.
Auf der anderen Seite kanalisiert und kontrolliert man dabei natürlich auch die Hilfebedürftigen – sie sind von der Politik leichter anzusprechen und zu fassen, als wenn man immer eine spezielle Gruppe ansprechen müßte.
Die Kirche mit ihren unabhängigen Geldern und Status kann diese Kontrolle abfedern und damit einen großen Beitrag dazuleisten, dass Bürger wirklich ihre Anliegen durchsetzen können und nicht durch staatliche Gelder kontrolliert und erpressbar sind.
Ich möchte deshalb nun betrachten welche theologischen Grundlagen sich einer Kirchengemeinde für Gemeinwesenarbeit bietet.

Gemeinde und Diakonie (Theologische Aspekte)
Heinz Lorenz stellt in seinem Artikel „Diakonische Gemeinde?“ folgende These auf: „Eine diakonische Gemeinde wird immer wieder gefordert, aber kaum verwirklicht.“ (Lorenz, 1994, S. 333) Für Lorenz ist es wichtig auszudrücken, dass Diakonie ein Element von Christsein und Gemeinde ist. Diakonie kann nur dann eine Chance in der Gemeinde erhalten, wenn es als ein Element von vielen betrachtet wird. Die vierer Formel der Michaelsbruderschaft bringt dieses eindrücklich zur Geltung. Eine Gemeinde sollte immer diese vier Formen gleichmäßig beinhalten: Martyria (Zeugnis, Predigt, Mission, Bekenntnis), Leiturgia (Gebet, Anbetung, Feier, Lob, Gottesdienst, Spiritualität), Koinonia (Gemeinschaft, Kommunikation, Besprechung, Orientierung), Diakonia (Seelsorge, Beratung, Hilfe, Heilung, Politik).
Diese Aussage halte ich für sehr wichtig im Hinblick auf wie Gemeinde, Diakonie und Gemeinwesen zusammen wirken können.

Geschichte der Diakonie
Im alten wie im neuen Testament ist die „Option für die Armen“ eines der wichtigsten Aussagen der Schriften. Es ist Gott, der die Israeliten aus der Knechtschaft und Sklaverei befreit und aus Ägypten in ein neues Land führt. Viele der Gesetze in den Büchern Moses widerspiegeln, dass für die Armen, Witwen und Waisen sorge getragen werden sollte und nicht unendlich Reichtum angehäuft werden durfte ohne die Armen zu schützen (vgl. 5.Mose 24, 6ff).
Jesus sucht als Wanderprediger, die schlecht gestellten Menschen in der damaligen Gesellschaft auf und zählt diese zu seinen Jüngern. Er kritisiert die hochangesehenen Gelehrten und Reichen Menschen der Zeit und fordert die Liebe zu Gott und zu jeden Menschen. Christus, das heißt Gott selbst, wird schließlich Knecht und stirbt den Verbrechertod, um alle Menschen von aller Schuld zu befreien.
So ist es nicht schwer zu erklären warum die ersten Christen schon sehr früh ein Diakonenamt eingerichtet hatten (vgl. Apg. 6). Durch dieses Amt beginnt allerdings schon früh die Trennung von Hilfe und Gemeinschaft der Gläubigen.
Ab dem vierten Jahrhundert entstehen neben den Kirchen Hospitale für Kranke, Fremde und Obdachlose. Der Diakon erhält neben der Kirche somit ein eigenes Haus und Hausrecht.
Im 19. Jahrhundert wird die innere Mission gegründet, die im 20. Jahrhundert die Wohlfahrtsverbände werden. Dies ist ein großer Einschnitt in der Kirchengeschichte. Dadurch wird die Professionalisierung und die Trennung von Kirche und Diakonie weiter vorangetrieben. Diese gut gemeinte Trennung und Arbeitsteilung in Gottes- und Menschendienst, mit dem Wunsch professionell und effizient helfen zu können, konnte nicht erahnen, wie Dörner es ausdrückt, „dass somit die Kirche die Erde und die Diakonie den Himmel verlieren würde“ (Dörner, 2007, S.25) und die Kirchengemeinde so langsam an Bedeutung für die Menschen verlor und in den Diakonischen Diensten der Gottesbezug der Mitarbeiter und deren Hilfen oftmals zweitrangig wurde.

Diakonie und Gemeinwesen
Ich will nun den theologischen Aspekt, der für eine Gemeinwesenarbeit der Kirche spricht beleuchten und herausfinden in wieweit Gemeinwesenarbeit theologisch sinnvoll und wichtig ist.
Aus dem alten Testament, gleich zu Beginn in der Schöpfungsgeschichte in 1. Mose 1,27 und 28 heißt es:
„Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. (…) Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“

Der Mensch ist demnach Gottes Ebenbild und besitzt damit Würde, die unverletzlich ist.
Der Mensch hat außerdem einen Bewahrungsauftrag bekommen, er soll sich um die Welt und damit auch sein Umfeld bewahren und gestalten und die Würde anderer Menschen verteidigen. Nach Ulrich Bach ist es hierbei wichtig, dass es kein Helfenden und Hilfebedürftigen gibt. Die Würde des Menschen achten, bedeutet demnach nach Bach, dass jeder Mensch unterschiedliche Probleme und Hilfe nötig hat, aber jeder Mensch genauso auch unterschiedliche Begabungen hat und nur durch ein Zusammenwirken aller Menschen diese eine Einheit ergeben können. Es entsteht ein Geben und Nehmen aller und keine Hierarchie untereinander. Dieses Konzept nennt er Konzept Leib Christi, es gibt kein Gegenüber sondern ein Miteinander, es ist eine „Kirche im Unten“ (vgl. Bach, 1980).
Dieses Miteinander handeln geht auch aus dem Doppelgebot der Liebe hervor. Es ist die Gottesliebe, Selbst- und Nächstenliebe. Die erfahrene Liebe Gottes wirkt sich unweigerlich auf unser Gegenüber aus und wirkt sich auch darauf aus, eine Gesellschaft entstehen zu lassen, die jeden mit einschließt und gutes Leben allen zuläßt.
Den in Matthäus 25,34 heißt es:
„Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!“

Hier wird deutlich, dass die Menschen durch Jesus Christus eine neue Welt erleben, die Menschen sollen aber an der Gestaltung der neuen Welt mitwirken.
Jürgen Moltmann formuliert es so: „Diakonie im Horizont des Reiches Gottes ist Diakonie in der Nachfolge des Gekreuzigten (…) Aber Diakonie in der Nachfolge des Gekreuzigten ist Diakonie im Horizont des anbrechenden Reiches Gottes“ (Moltmann, 1989, S.23).
Anders gesagt heißt das, dass eine Gemeinde diakonisch sein sollte damit die Zukunft, die Gott vor hat, beginnen kann. Dieses, so Moltmann, ist eine Parteilichkeit bei den Armen, Kranken und Ausgesetzten. Dabei müssen diese ihre Würde behalten und als Ebenbürtige akzeptiert werden. Wichtig ist ein heilendes Handeln, dass die Barrieren im Menschen, zwischen den Menschen und zwischen Menschen und Gott beseitigt. Darum ist es wichtig, dass die Diakonie durch Gemeinschaft geschieht und das es das allgemeine Diakonat aller Gläubigen gibt. Die Gemeinden müssen in der Lage sein, dass sie nicht ihre Kranken und Opfer in Institutionen wegschafft, wie es die Gesellschaft tut, darin muß die Gemeinde unterstützt werden. Für Moltmann heißt das ein Neuaufbau der Gesellschaft von unten, eine selbstverwaltete und direkte basisdemokratische Gesellschaft und Gemeinschaft, zumindest Teilhabe und Teilgabe.
Eine Abkehr von Gott, ein Leben in Sünde, ist ein Leben, dass an seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Ein Leben, dass bewußt oder meist unbewusst und deswegen fremdbestimmt und unfrei ist, ist unsozial und nimmt den Menschen seine Selbsteinschätzung. „Ihm geht jegliche realistische Selbsteinschätzung verloren und damit auch die Einschätzung und Wahrnehmung des Gegenübers“ (Bruckdorfer, 2007, S. 11).
Der Mensch hat die freie Entscheidung und muss sich in seinem Lebensumfeld verhalten, er kann Geschehnisse ablehnen oder bejahen, sein Umfeld und seine Umwelt beachten und bewahren oder vernachlässigen und zerstören.
Diese Freiheit bedeutet für einen Christen auch Verantwortung für die Welt und das Gemeinwesen. Die Entscheidung nach dem Vorbild Jesus zu leben, bedeutet Verantwortung in der Politik wahrzunehmen, kritisch zu Hinterfragen, Stellung zu beziehen und dementsprechend in Aktion zu treten. Wenn Paulus schreibt (Römer 13) die Christen sollen der Obrigkeit untertan sein, meint er nicht, dass man sich ihr unterwirft, sondern eher das Gegenteil, der Staat und die Politik haben nicht die endgültige Wahrheit und können diese nicht beanspruchen. Letztlich steht Gottes Wort höher und die Politik muß sich an ihr messen.

Theologische Notwendigkeit von Gemeinwesenarbeit
Solange Armut besteht und in einem kapitalistischen System ist Armut unabdingbar um Lohnsenkung herbeizuführen und Produktion und damit Profit zu steigern, ist eine kirchliche Sozialarbeit unverzichtbar. Gott ist allen Menschen zugewandt und gerade für die Armen und Unterdrückten hat die Kirche den Auftrag, sowie im Alten und nochmal verstärkt im Neuen Testament, Hilfe und Unterstützung zu bieten.
Niemand kann allein Christ sein, um Christ zu sein braucht es auch die Gemeinschaft der Gläubigen einerseits und auch die gelebte Lebens- und Glaubenspraxis anderseits. Da ist das Gemeinwesen wie geschaffen für ein Erfahrungs- und Bewegungsfeld, in dem jeder Christ seinen Glauben leben und ausprobieren kann.
Die Geschichte zeigt deutlich, dass von Anfang an Diakonie und Kirchengemeinde getrennt von einander ihre Dienste geleistet haben. Aus theologischer, biblischer Sicht ist es aber unabdingbar, dass jeder Gläubige und damit vor allem in der Gemeinschaft der Kirche zu einem gewissen Teil diakonisch aktiv wird. Gemeinwesenarbeit kann diese scharfe Trennung überwinden und durch eine Vernetzung der gemeindlichen Aktivitäten mit den Diakonischen Institutionen, den theologischen Auftrag gerechter werden.

Konzepte
Da ich nun aufgezeigt habe was Gemeinwesenarbeit ist und heraus gestellt habe, dass die biblischen und geschichtlichen Grundlagen Gemeinwesenarbeit nicht ablehnen, sondern durchaus befürworten, will ich nun die drei vorgestellten Konzepte der Gemeinwesenarbeit an Kirchengemeinden anpassen und beschreiben, wie diese Konzepte in der Realität aussehen könnten. In der Vergangenheit haben Kirchengemeinden und Diakonie schon immer Ansätze von Gemeinwesenarbeit integriert. Vor allem in der Gemeindediakonie gab es öfter zusammenarbeit mit gemeinwesenorientierter Sozialarbeit. Die kategoriale Gemeinwesenarbeit der mobilen Jugendarbeit in den 70er Jahren konnte zum Beispiel nur dadurch entstehen, weil Kirchengemeinden und Pfarrer diese Sozialarbeit unterstützten. Dennoch kann Gemeinwesenarbeit noch stärker eingebunden werden. Wichtig bei allen Konzepten, die ich hier vorstelle, ist eine lange und intensive Phase der Evaluation und Begutachtung des Stadtteils, der Kirchengemeinde, der Menschen. Ohne die wirklichen Probleme und Ressourcen vorher genau geprüft zu haben, läßt sich schwer ein Gemeinwesenkonzept durchsetzen. Jeder Mensch und damit jeder Stadtteil und jedes Gemeinwesen ist anders. Für diese Anfangsaufgabe benötigt es professionelle Hilfe, die diakonische Einrichtungen liefern könnten.

Gemeinwesenorientierung
Das Diakonische Werk hat im Jahr 2007 ein gut durchdachtes Eckpunkte Modell herausgegeben dass, beschreibt wie gemeinwesenorientierte Diakonie in der Kirche aussehen könnte. Dieses G2 Modell geht von der folgenden Vorüberlegung aus:
„Die Diakonie verfügt über das fachliche Know-how, um soziale Integration voranzutreiben. Die Kirchengemeinden aber sind das Tor zur zivilen Gemeinschaft der Menschen, in die hinein arme und ausgegrenzte Menschen integriert werden sollen“ (Bruckdorfer, 2007, S. 21). Darum ist also eine entsprechende Vernetzung der beiden Institutionen (Kirchengemeinde und Diakonische Einrichtungen) wichtig. Um die verschiedenen Initiativen und Projekte der Gemeinden zu koordinieren und eine Anlaufstelle zu bieten soll die Allgemeine Sozialarbeit der Diakonie zusätzlich zu der bestehenden Einzelfallhilfe für Personen in sozialen Notlagen, als Koordinierungsstelle fungieren. Die Allgemeine Sozialarbeit der Diakonie ist ein offenes und flexibles Hilfeangebot im Auftrag der Kirchengemeinden. In den Richtlinien hat es bereits die Aufgabe gemeinwesen- und gemeindeorientiert zu arbeiten, so dass das Konzept eine Weiterentwicklung bietet die der Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie gerecht wird. Zwei Förderaufträge gibt das Konzept der Allgemeinen Sozialarbeit auf den Weg:
Der erste ist die Förderung der Diakonie der Gemeinden. Dies soll wiederum in drei Ansätzen geschehen. Der erste Ansatz ist der Förderansatz, hier soll das diakonische Handeln der Gemeinde durch die Allgemeine Sozialarbeit unterstützt werden. Hier wäre die Gemeinde Träger der Maßnahmen und die Allgemeine Sozialarbeit unterstütze die Gemeinde durch Know-how und Personal.
Der zweite Ansatz ist der Projektansatz, hier geht die Gemeinde eine Kooperation mit einem Diakonischen Dienst ein, um ein befristetes, konkretes Projekt durchzuführen. Träger wären hier die Bezirks- oder Kreisdiakonie, die Allgemeine Sozialarbeit würde die Projektleitung und Koordination übernehmen.
Der dritte Ansatz ist der Integrationsansatz, der eine Integration der diakonischen Dienste in die Gemeinde vorantreiben soll. Hierbei würde die Allgemeine Sozialarbeit bei der Koordinierung und Vernetzung mitarbeiten. Träger wäre der jeweilige diakonische Dienst.
Der zweite Förderauftrag ist die Förderung des gemeinde- und gemeinwesorientierten Handelns der sozialen Dienste und Einrichtungen der Diakonie. Hierbei ist die Netzwerkarbeit von großer Bedeutung. Es soll ein Netzwerk entstehen, koordiniert durch die Allgemeine Sozialarbeit, das auch über die Diakonischen Dienste und Kirchengemeinden hinaus sich über gemeinwesenorientierte Initiativen, Aktionen und Projekte abstimmen soll. Durch dieses Netzwerk kommt die Sozialarbeit an aktuelle Informationen, die das Gemeinwesen betreffen und kann Analysieren, Planen und Bericht erstatten über den Sozialraum und kann dementsprechend Empfehlungen ausarbeiten und abgeben zu gemeinwesenorientierten Initiativen, Aktionen und Projekten, die durchgeführt werden könnten und auch selber Projekte initiieren und beraten.
Durch dieses Konzept handelt die Diakonie vernetzt und sieht Kirchengemeinde als Ressource und die Kirchengemeinde bleibt als geistliches Zentrum bestehen und wird aber zum wirklichen Begegnungsort. Die Diakonische Arbeit wird an den Ärmsten der Armen orientiert.
Allerdings würde ich nicht die Allgemeine Sozialarbeit, als Koordinierungsstelle einberufen. Ich bin Außenstehender und kann so nicht den Aufbau der Gemeinde und Diakonie beurteilen, sehe aber, dass die Studie durch die Allgemeine Sozialarbeit durchgeführt wurde und frage mich warum ausgerechnet eine Stelle, die bisher auf Einzelfallhilfe (nun „Sozialraumorientierte Einzelfallhilfe“) eine solche Arbeit übernehmen sollte. Für mich ist die Gemeinde Zentrum eines Stadtteils und auch von dort aus sollte diese Koordination aus gehen. Ich denke nicht dass eine höhere Ebene notwendig ist um vor Ort Netzwerkarbeit zu leisten. Sollte Know-How und Personal in einem bestimmten Bereich fehlen und das tut es sicherlich, durfte die Gemeinde auf die Allgemeine Sozialarbeit herantreten und Hilfe bekommen. Gerade für gemeinwesenorientiertes Arbeiten halte ich ein Bottom-Up organisiertes System für glaubwürdiger und vermittelbarer als ein Top-Down organisiertes System.

Community Organizing
Bei Community Organizing ist es wichtig eine breite Basis von möglichst allen Menschen in einem Stadtteil zusammen zubekommen, um die nötige Kraft zu haben und eine wichtige Stimme für die verschiedensten Anliegen zu haben. Dazu werden im Stadtteil „Schlüsselpersonen“ gesucht. Schlüsselpersonen sind Menschen, die einen größeren Bekannten- und Freundeskreis im betreffenden Stadtteil haben und ihre Meinung in diesem Bekanntenkreis auch Gewicht haben. In Deutschland ist man dazu übergegangen, vor allem auch Institutionen und Organisationen im Stadtteil zu suchen, die großen Einfluß auf den Stadtteil haben. Kirchengemeinden sind neben Sportvereinen ein wesentlicher und wichtiger Akteur in einem Gemeinwesen und sind deshalb immer auch wichtige Träger (als der Kirche zugehörig bekannte Einzelpersonen oder als ganze Organisation) bei allen Community Organizing Projekten. Die Schlüsselpersonen können als Bindeglieder des gesamten Gemeinwesens verstanden werden. Nachdem eine große Zahl dieser vorhanden sind, werden viele dezentrale Treffen organisiert bei denen die Schlüsselpersonen ihren ganzen Bekanntenkreis einladen, so dass also möglichst alle im Stadtteil zu diesen Treffen kommen. Auf diesen Treffen werden Themen gesammelt, die als Missstände im Stadtteil verstanden werden. Diese Themen werden danach angegangen, dazu wird zunächst ein wichtiges, zentrales aber möglichst einfach und schnell zu erreichendes Thema gewählt. Eine Gruppe von Interessierten sammelt alle nötigen Informationen und versucht die verschiedenen Wege zu ergründen, wie dieses Thema am besten realisiert werden kann. Je nach Bedarf werden, dann die Menschen im Stadtteil zu unterschiedlichen Aktionen mobilisiert, um dieses Thema durchzusetzen. Für Community Organizing bedarf es einer professionellen Hilfe. Eine Person muss bezahlt werden, die als Organisation, die verschiedenen Gruppen im Blick behält und ein wenig koordiniert. Diese Person sollte von den Menschen aus dem Stadtteil bezahlt werden, damit diese Plattform unabhängig bleibt.
Für eine Kirchengemeinde ist Community Organizing eine gute Möglichkeit mit relativ wenig Aufwand Flagge zu zeigen und für die Bewohner des Stadtteils einzustehen. Durch die Treffen der Schlüsselpersonen (Kernkreise) und verschiedene Großveranstaltungen entsteht eine Vernetzung der verschiedensten Menschen und Institutionen, die einerseits zu einer Kooperation und Zusammenarbeit führen können, anderseits eigene Veranstaltungen einem breiterem Publikum zugänglich machen und bekannter werden können.

Stadtteilbezogene Gemeinwesenarbeit
In dieser „traditionellen“ Form von Gemeinwesenarbeit wird, wie in ein Beispiel aus Duisburg-Bruckhausen, von einem Ort gestartet, der den Mittelpunkt der Arbeit darstellt. Von diesem Treffpunkt aus werden verschiedene Aktivitäten ausgeführt, die alle aber eine Beteiligung aus dem Stadtteil benötigen.
Für die Kirchengemeinde könnte diese Form von Gemeinwesenarbeit einen größeren Umorganisation erfordern, allerdings sehe ich in dieser Form aber auch die größten Chancen für ein verändertes und integeres Gemeinwesen und eine veränderte und integere Kirchengemeinde.
Die kirchlichen Räume, meist sowieso zentral im Stadtteil, dienen hierbei als Treffpunkt und Versammlungsort aller Menschen des Stadtteils. Im Rahmen eines Cafebetriebes (das Foyer oder zentral gelegene Gemeinderäume) werden hier zunächst einmal auf einer Infotafel verschiedene Aktivitäten angeboten. Dies sollten alle kirchlichen, wie auch nicht-kirchlichen Angebote des Stadtteils sein. Auf diese Weise erfahren die Menschen vor Ort, was ihnen geboten werden kann, so dass sie selbst aktiv werden und die Angebote mitgestalten. Hierbei ist es also wichtig, dass die Mehrheit der Angebote Beteiligung zulassen und Raum für Kritik und Veränderung bieten. Die Gemeinde sollte Räume bereithalten, die für verschiedene Angebote Platz bieten, so dass die Bewohner schnell und einfach eigene Angebote starten können. In regelmäßigen Abständen sollten im Cafe Treffen abgehalten werden, in der alle Bewohner und Beteiligten ihre Belange zur Sprache bringen können und gemeinsam Strategien erarbeitet werden können, größere Probleme des Stadtteils anzugehen, neue Angebote zu installieren oder professionelle Hilfe anzufordern und zu finanzieren.

Gemeinwesenarbeit – Eine neue Option für die Gemeinde!
Die Individualisierung, ökonomische Verwertung und Ausgrenzung großer Teile der Bevölkerung hat nicht nur in der Gesellschaft ihre Auswirkungen gezeigt, sondern auch in den Kirchengemeinden, vor allem aus diesen Gründen gibt es immer weniger Mitglieder.
Anstatt in der Logik der Marktorientierung Kirchen zusammenzulegen und diakonische Einrichtung der Profitmaximierung zu unterwerfen, wird mir und hoffentlich auch dem Leser deutlich, dass gerade in einer solchen Zeit die Menschen Hilfe suchen und brauchen und diese Hilfe in den Kirchen und Diakonischen Einrichtungen finden könnten, wenn Kirche und Diakonie sich anders orientieren wurden.
Gerade seit 1980, also der Zeit ohne größeren Wachstum, sind die Zahlen der freiwillig Tätigen, der Nachbarschaftsvereine, der Hospize gewachsen. Mittlerweile gibt es für jeden Bereich Selbsthilfegruppen. Die Menschen, die nichts zu tun haben, wollen und brauchen das Gefühl für andere da zu sein, dieses ist nicht mehr moralisch bedingt, sondern sie suchen unter anderem auch nach neuen Möglichkeiten ihre Einkommen zu verbessern und arbeiten auf Basis der Aufwandsentschädigung im Sozialen Bereich mit.
Deswegen ist zum Beispiel eine Integration aller Pflege- und Hilfebedürftigen in einzelnen Wohnungen im Stadtteil machbar und nicht kostenintensiver, als eine Konzentration auf einen engen Raum in den Institutionen. Nur durch die freiwilligtätigen Frauen im 19. Jahrhundert konnte die professionelle Soziale Arbeit erst entstehen. Durch die zentralisierten Hilfeangebote wurde, die Arbeit einerseits besser und leistungsfähiger, aber die Hilfebedürftigen, wie die Helfenden wurden dadurch isoliert. Auch die Helfenden haben scheinbar ein wenig das Helfen nötig, den „so macht die psychosoziale Unterlastung die Menschen scheinbar psychotherapiebedürftig“ (Dörner, 2007, S.28). Durch eine Reintegration in den Stadtteil wäre allen geholfen.
Anstatt für die Belange der Mitglieder der Gemeinde zu kämpfen (wie es Gewerkschaften meist immer noch tun), sollte die jeweilige Gemeinde für die gesellschaftlichen Belange kämpfen und damit wird die Kirche gestärkt und erneuert die Gesellschaft. Den meisten Mitgliedern der Gemeinde wird die Hilfe in der Nachbarschaft auch als eine Vereinfachung ihrer Aufgabe vorkommen. Die Gemeinde ist nicht mehr für das Wohl der ganzen Welt verantwortlich, sondern beschränkt sich zunächst auf sein Gemeinwesen. Ein kleineres Feld, dass aber dafür um so intensiver und näher ist.
Abschließend will ich den Bibelvers (Jeremias 29,7) den ich an den Anfang gestellt habe noch einmal erläutern.
Suchet der Stadt Bestes: das Beste ist nicht die aktuelle Politik und Wirtschaft der Herrschenden zu unterstützen, sondern das was am Besten in den Augen der Bewohner ist, dafür sollte der Christ eintreten und Stellung beziehen.
Dahin ich euch habe wegführen lassen: In der Zeit in dem der der Bibelvers geschrieben wurde, handelte es sich um die Stadt Babel, zu der die Ältesten aus Israel weggeführt worden waren und dort in Gefangenschaft lebten. Im übertragenden Sinn kann man das auf ein neutestamentliches Eschatologisches Verständnis führen, die Stadt Babel ist schon immer auch als Sinnbild (vgl. Offb. 14,8) verwandt worden. Als Christ gehört man nicht mehr dieser Welt an (hat Vergebung und Erlösung erfahren), aber man lebt in dieser Welt. Darum kann man von einem „erhabenen“ Posten aus die Probleme angehen und helfen und die Welt nach Gottes Vorstellungen gestalten und bewahren.
Und betet für sie zum HERRN: Gebet ist die wichtigste Grundlage aller christlichen Handlungen. Nur durch das Gespräch mit Gott erreichen wir die nötige Reflexion und Antwort, wie wir zu handeln haben. Gebet ersetzt nicht das Handeln, aber es ist die Voraussetzung für das richtige Handeln.
Denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl: Nur wenn die Interessen aller Bewohner ernstgenommen werden und um diese gestritten wird, können die Interessen der Gläubigen verstanden und umgesetzt werden. Anders gesagt, wenn jemand weiß, dass die Kirchengemeinde sich mit ihm für seine Interessen einsetzt, setzt derjenige sich mit dem Glauben und den Interessen der Kirchengemeinde auseinander, beginnt sich dann auch für die Kirche einzusetzen und kann wieder glauben. Gottes- und Menschendienst gehört (wieder) zusammen und findet seinen Ausdruck in der Gemeinwesenarbeit.

Literaturverzeichnis
Bibelzitate sind der folgenden Bibel entnommen:
Die Bibel (Lutherbibel – Standardausgabe). Revidierte Fassung 1984., durchgesehene Ausgabe, 1999, Stuttgart

Weitere benutzte Literatur:
Anhelm, Dr. Fritz Erich (2001): Rolle und Funktion von Kirchen und Religionsgemeinschaften im Gemeinwesen, Loccum

Bach, Ulrich (1980): Boden unter den Füßen hat keiner. Plädoyer für eine solidarische Diakonie, Göttingen

Bruckdorfer, Matthias; Diakonisches Werk der Evangelischen Kirchen, Hrsg. (2007): Die Rolle der Allgemeinen Sozialarbeit im Rahmen gemeinde- und gemeinwesenorientierten Handelns der Diakonie (G2-Modell), Leinenfelden-Eichterdingen

Götzelmann, Arnd (2003): Kirche für das Gemeinwesen: Szenarien und theologische Ansätze diakonischer Dimensionen christlicher Gemeinde, In: Evangelische Sozialpastoral. Zur diakonischen Qualifizierung christlicher Glaubenspraxis (Praktische Theologie heute 61), Stuttgart

Hinte, Wolfgang; Lüttringhaus, Maria; Oelschlägel, Dieter (2007): Grundlagen und Standards der Gemeinwesenarbeit, 2. aktl. Aufl., Weinheim und München

Kleinert, Ulfrid (2006): Gemeinschaft und Teilhabe, Theologische Perspektiven in der Sozialen Arbeit in Kirchengemeinden, In: Theologie und Soziale Arbeit. Handbuch für Studium, Weiterbildung und Beruf, München

Lorenz, Heinz (1994): Diakonische Gemeinde?, In: Pastoraltheologie 83

Moltmann, Jürgen (1989): Diakonie im Horizont des Reiches Gottes. Schritte zum Diakonentum aller Gläubigen, 2. Aufl. 1989, Neukirchen-Vluyn

Oelschlägel, Dieter (1994): Gemeinwesenarbeit im Armutsquartier, In: Neue Praxis Jg. 1/94

Schnee, Renate (2004): Skriptum Gemeinwesenarbeit,
http://www.telesozial.net/cms/uploads/tx_kdcaseengine/Skriptum_Gemeinwesenarbeit _Renate_Schnee_102004.pdf, zuletzt besucht am 21.03.2008

Vondrasek, Bernhard (2006): Nächstenliebe und Empowerment, Theologische Perspektiven in der Gemeinwesenarbeit, In: Theologie und Soziale Arbeit. Handbuch für Studium, Weiterbildung und Beruf, München

Themen: future., Texte | 4 Kommentare »

  • webby

    Danke, ein guter Beitrag. Nett zu lesen und interessante Gedankenanstöße.

  • adigwe

    Vielen Dank!

  • Anonymous

    Ja, ich finde den Artikel auch recht gut und instruktiv.
    Einen Hinweis möchte ich dir als Rauhhäusler aber noch mitgeben: Gemeinwesenarbeit ist nicht erst in der Settlement-bewegung entstanden, obwohl das in einer großen Zitationsgemeinschaft gern so forttradiert wird, sondern sie hat ebenfalls auch eigene, lang verschüttete Wurzeln und Traditionen in Deutschland, z.B. bei Wichern (vgl. Noack, Gemeinwesenarbeit S. 9).
    Schau dir doch mal den Text Wicherns über den „Bürgerhof“ von 1846 an – darin kann man durchaus einen frühen Ansatz von Gemeinwesenarbeit sehen.

  • Wow, das hier ist wirklich richtig toll gemacht!

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