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	<title>adigwe.de &#187; Texte</title>
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		<title>Von Radikal zu Neoliberal</title>
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		<comments>http://adigwe.de/index.php/future/von-radikal-zu-neoliberal/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Jan 2009 11:34:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adigwe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der Debatte zu Community Organizing kommen neuerdings auch neoliberale Themen zum Vorschein. Wurde Alinsky&#8217;s Idee noch als Radikal abgetan, so möchte ich in diesem Artikel über die neoliberalen Aspekte sprechen: Die Körber Stiftung hat zu einer Veranstaltung eingeladen. Es wird das neue Buch, das Leo Penta herausgegeben hat, vorgestellt „Community Organizing – Menschen verändern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p id="top" />
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">In der Debatte zu Community Organizing kommen neuerdings auch neoliberale Themen zum Vorschein. Wurde Alinsky&#8217;s Idee  noch als Radikal abgetan, so möchte ich in diesem Artikel über die neoliberalen Aspekte sprechen:</p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Körber Stiftung hat zu einer Veranstaltung eingeladen. Es wird das neue Buch, das Leo Penta herausgegeben hat, vorgestellt „Community Organizing – Menschen verändern ihre Stadt“. Warnfried Dettling hält einen Vortrag und im Anschluß gibt es eine Podiumsdiskussion mit Leo Penta.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Der Vortrag von Warnfried Dettling ist auch im Buch veröffentlicht. Er spricht über eine neue Dimension von Demokratie.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Ich paraphrasiere dazu nun den Vortrag von Warnfried Dettling (2007, S.89-98): Einerseits ist die Debatte über eine Bürgergesellschaft in aller Munde, anderseits ist das Thema aber eher marginalisiert. Die Idee der Bürgergesellschaft ist nicht zu einer Leitidee von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft geworden. Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit und Pflege sind nicht in systematischem Kontext mit freiwilligem Engagement gebracht worden. Auch die Beteiligten an der Bürgergesellschaft möchten sich von Staat und Wirtschaft vereinnahmen lassen. Sie möchten nicht, dass sie die Last des weniger werdenden Sozialstaats übernehmen und fordern möglichst wenig von der Politik. Dettling spricht hier von einer „Bürgergesellschaft light“ (Dettling, 2007, S.90) in der Politik, die Aktivitäten der Bürgergesellschaft begrüßt, aber sie nur für etwas Zusätzliches hält; alle übrigen, wichtigen Aufgaben sollen von der Politik erledigt werden. Demokratie soll aber „wo immer möglich, als eine Form der Selbstorganisation der Gesellschaft, als Einmischung der Bürger in ihre eigenen Angelegenheiten“ (Dettling, 2007, S.90) verstanden werden. Dass die Bürger ihr Vertrauen in die Politik verloren haben, liegt nicht an einzelnen Politikern, sondern darin, dass Wahlversprechen nicht mehr eingehalten werden. Mit der Wachstumsstagnation, ist es nicht mehr möglich, wie in der Vergangenheit, eine Politik ohne aktive Bürger zu betreiben. Diese „Politics of Delivery“, in der Menschen glauben der Staat könne alle Probleme für sie lösen und alle Politiker könnten Entscheidungen autonom umsetzen, ist gescheitert. Politiker können nicht mehr versprechen: „Wählt uns. Danach liefern wir“ (Dettling, 2007, S.91). Älter ist die „Politics of Commitment“ die schon Aristoteles vertrat, in der die Politik öffentliche Prozesse fördert und die Ideen und Visionen vorgibt. Die Politik sollte zukünftig gemeinsam mit Bürgern und Unternehmen allgemeine Wertziele vereinbaren und gemeinsam an ihrer Erreichung arbeiten. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Bürgergesellschaft muss dazu die Politik in ihre Schranken weisen. Politik kann nicht alles leisten und darf diesen Anspruch nicht haben. Eine gute Gesellschaft braucht „einen starken, handlungsfähigen Staat, eine starke und erfolgreiche Wirtschaft und eine starke Zivilgesellschaft“ (Dettling, 2007, S.93). Jede dieser drei Parteien muss umdenken. Der Staat muss sehen, dass er zwar verantwortlich für die Gesellschaft und ihre Probleme ist, aber nicht die Lösung präsentieren und durchführen. So ist der Staat verantwortlich dafür, dass keiner schlechtere Chancen wegen seiner sozialen Herkunft hat, aber er muss nicht selbst Schulen und Universitäten betreiben.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Wirtschaft muss sehen, dass auch sie Verantwortung für das Gemeinwesen hat. Zum einen, um die dauerhafte wirtschaftliche Entwicklung zu gewährleisten, zum anderen um das eigene Ansehen und die sozial moralischen Werte in Unternehmen und Gesellschaft zu steigern. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Auch die Bürger müssen mehr Verantwortung übernehmen und sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Es geht darum, nicht als Bittsteller der Politik gegenüber zu stehen und um Zuwendung zu bitten, sondern aktiv und selbstbewusst Rechte und Forderungen zu stellen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Diese Veränderungen gehen mit einem Paradigmenwechsel einher: An statt bei Problemen mehr Geld, mehr Personal und mehr Rechte und Vorschriften einzusetzen, soll dafür gesorgt werden, dass sich das Verhalten der Menschen ändert. Menschen müssen sich um sich und andere kümmern. Aus diesem Grund sollen soziale Einrichtungen freiwilliges Engagement begrüßen und annehmen und nicht abweisen und unterdrücken.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Bürgergesellschaft braucht, um voranzukommen, eine bessere Vernetzung und Zusammenarbeit und muss gegenüber der Politik auf gleicher Augenhöhe agieren können.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Professionelle und Freiwillige müssen gemeinsam zusammenarbeiten und sich austauschen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Bürger selbst müssen in Schule und Ausbildung zu starken Persönlichkeiten erzogen werden, die gelernt haben Eigenverantwortlich und solidarisch zu handeln.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Community Organizing kann zu der Herausbildung der Bürgergesellschaft einen großen Beitrag leisten und erinnert „an die andere Dimension der Demokratie als einer Selbstorganisation der Gesellschaft.“ (Dettling, 2007, S.98)</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><strong>Ist Community Organizing neoliberal?</strong></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Diese Frage mag auf den ersten Blick merkwürdig klingen, aber wenn man betrachtet, dass die aufgeführten Argumente gegen eine Umsetzung von Community Organizing in der Vergangenheit sich darauf beliefen, dass der Wohlfahrtsstaat mit seinen vielfältigen Dienstleistungen und Sozialleistungen die Ausführung von Community Organizing behindern würde, sowie auch der Ideengeschichtliche Hintergrund in den USA ein weniger an Staat, als Voraussetzung zu erkennen gibt und nun die Position von Warnfried Dettling deutlich macht, das sich der Staat von seiner Tätigkeit als umfassender Fürsorger für die Menschen zurückziehen soll und auch eine weitreichende Privatisierung bis hin zu Schulen und Universitäten fordert, wird diese Frage berechtigt, da auch </span><span style="font-family: ">Leo Penta in seinem Buch schreibt „Der Staat, vor allem die Kommunen, sollen folglich ihre Allzuständigkeitsansprüche herunter schrauben“ (Penta, 2007, S.107).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Unter Neoliberalismus verstand man einen Weg zwischen Sozialismus und Kommunismus, der einen Wegbereiter für die Soziale Marktwirtschaft war. Heute bedeutet dieser Begriff aber die volle Orientierung auf den Markt und damit dem Turbokapitalismus vergangener Tage. Die neoliberale Idee ist es, dass sich der Staat zu einem „schlanken Staat“ macht. Das heißt zum einen, Reduzierung des Staates und Förderung des Privatsektors, und eine „systematische Desorganisation des organisierten Kapitalismus“ (Müller-Plantenberg 1997, S.607) </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Gesellschaftlich bedeutet der Liberalismus, dass jeder Mensch „das unveräußerliche Recht auf Freiheit, Leben und Eigentum“ (Doering, 1995, S.26) hat. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Neoliberalismus begrenzt sich nicht auf ökonomische Reformen (Burchart, 2004, S.39). Das Programm des Neoliberalismus ist die Reduzierung des Staates durch Privatisierung und Förderung des Privatsektors, ökonomische Stabilisierung durch restriktive Geld- und Fiskalpolitik und eine Liberalisierung des Außenhandels, der Binnen- und Kapitalmärkte, also Abschaffung der Zölle.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Dabei geht es immer um eine angebotsorientierte Wirtschaft, die oft auf Export setzt und die Kosten der Produktion versucht zu senken und dabei also Löhne drückt<span style="color: #000000;"> (Burchart, 2004, S.39).</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Anfangs wurden das Finanz- und Versicherungswesen und staatliche Firmen privatisiert, dann wurden diese Privatisierungen auf Telekommunikation, Flughafen, Häfen, Energie ausgedehnt und nun schließlich sollen auch Eisenbahn, Straßen, Schulen, Universitäten und Wasser privatisiert werden und damit wird wichtige öffentliche Infrastruktur an private Firmen gegeben, wobei oft das Kapital von ausländischen und inländischen großen Fondsgesellschaften kommt (ebd., S.40).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Anhand von Beobachtungen nach der Einführung der neoliberalen Ideen, die Hans-Jürgen Burchardt in Lateinamerika gemacht hat, mußte er feststellen, dass die Armut in Lateinamerika in erheblichen Maße gewachsen ist, er mußte konstatieren, dass es „nicht vermessen ist, in der sozialen Frage dem Neoliberalismus ein Scheitern zu attestieren“ (ebd., S.41). Bereits industrialisierte Länder, die weit entwickelt waren mußten viele Fabriken schließen, da sie nicht mit dem Weltmarkt und der entsprechend geringen Entlohnung der Arbeiter, konkurrieren konnt<span style="color: #000000;">en (ebd., S.44).</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Der Neoliberalismus lehrt, dass er dem Menschen bessere Lebensbedingungen schafft ihm gut geht und sucht damit ein höheres Einkommen (Weissel, 2000, S.35). Eigentümer wollen ihr Kapital dort ausgeben, wo es am meisten Gewinn bringt und ein Arbeitnehmer will dort arbeiten wo er einen hohen Lohn bekommt. Bei einem vollkommenen Wettbewerb gäbe es keinen Widerspruch zwischen Einzelinteresse und Gesamtinteresse (ebd., S.35). Laut Neoliberalismus dürfte es, wenn es einen wirklich freien Markt gäbe, keine Arbeitslosigkeit geben, da sich Angebot und Nachfrage immer einpendeln würden. Wenn also zu wenig Menschen Arbeit haben, sinkt der Wert der Arbeit und der Lohn sinkt. Arbeitnehmer müßten so jeden Lohn annehmen und da der Staat sich mit seinen Sozialleistungen zurückziehen soll, gäbe es keine Arbeitslosenhilfe mehr (ebd., S.37). Damit wird die Idee des Neoliberalismus deutlich: Es geht darum, dass derjenige mit mehr Kapital und (Geld-) Macht sich durchsetzt und sein Interesse gestärkt wird. Wenn ein durchsetzungsfähiger Staat und jeden Zusammenschluß von Menschen unterbindet, kann es nur zu großen Verlierern und großen Gewinnern kommen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Alinsky sagt, dass Vollbeschäftigung eine wichtige Forderung ist, aber die Arbeit soll nicht nur wirtschaftliche Sicherheit bieten, sondern auch die kreativen Wünsche befriedigen und eine soziale Bedeutung haben (Alinsky, 1999, S.30-31).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Ein solcher Neoliberalismus kann also nicht Sinn und Zweck von Community Organizing sein und ein Zusammenschluß von Menschen ist auch nicht im Sinne des neoliberalen Kerns. Warum stellen dann Warnfried Dittling und Leo Penta die Forderung, dass ein Weniger an Staat wichtig wäre? Leo Penta führt aus, dass es nicht um ein Weniger an Staat im Austausch mit einem Mehr an Eigenverantwortung ginge, was im Sinne des neoliberalen Gedankens wäre, da dies zu einer individualisierten und zersplitterten und privatisierten Gesellschaft führen würde, sondern, dass es um eine freiwillige Bildung von Solidarität ginge, die konkurrenzfähig gegenüber Staat und Markt sein kann (Penta, 2007, S.102). </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Diese Aussagen sind eher dem Kommunitarismus ähnlich. Kommunitarismus entstand, wie auch die Idee zum Community Organizing, aus der Idee heraus, dass in der amerikanischen Ursprungsgesellschaft, die verschiedenen Siedlungen durch verschiedene religöse und andere Gemeinschaften geprägt waren, die das Gemeinschaftsleben durch ihre Wertvorstellungen bestimmten, wie ich es bereits beschrieben habe (vgl. <a href="http://adigwe.de/index.php/future/die-entwicklung-von-community-organizing-in-den-usa/" target="_self">Die Entwicklung von Community Organizing in den USA</a>).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Der </span><span style="font-family: ">Kommunitarismus sagt, dass der Liberalismus sich selbst zerstört, da der Mensch Tradition und Kultur, also Gemeinschaft braucht und der Liberalismus das Gemeinwohl durch ökonomische Nutzenmaximierung und individuelle Selbstverwirklichung zerstört. Dieser Individualismus bedeutet Bindungen zu negieren; aber ein Mensch wird in ein Gemeinwesen geboren und war und ist nie unabhängig. „No Man is an Island“ (John Donne). Er wird durch Wertvorstellungen und Normen zunächst seiner Eltern, dann aber von seinen Lehrern, Kollegen, Nachbarn und Freunden geprägt und ist nie unabhängig in seiner Denkweise (Habermann, 1997, S.14).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Der Kommunitarismus wendet sich aber auch gegen den Staat. Eine Zwangssolidarität von oben macht die Menschen zu passiven Objekten. Nicht politischer Zwang sondern Vorbilder, Appelle und Moral sollen den Menschen als Richtschnur dienen. Die Moral und die gesellschaftlichen Normen und Werte ersetzen dabei oft Polizei, Justiz und staatliche Hilfen. Durch geprägte Moralvorstellungen hat jeder, der in einer solchen Gesellschaft aufwächst, Selbstdisziplin und wird durch soziale Selbstkontrolle gesteuert (ebd.).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Auch der Markt verändert sich dadurch, dass Menschen eine Ware nicht nur mit Bezug auf Preis und Leistung auswählen, sondern auch auf Grund von verschiedenen Wertvorstellungen. So könnten Angebot und Nachfrage auch dadurch bestimmt werden, inwieweit dass jeweilige Unternehmen genügend hohe Löhne zahlt und Umweltstandards genügend achtet (ebd., S.15).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Das Prinzip des Kommunitarismus besagt aber auch wie Friedrich August von Hyek es ausdrückt, dass die Vorraussetzung allgemeiner, gesellschaftlicher Freiheit eine Einschränkung der individuellen Freiheit bedeutet (ebd., S.12). </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Francis Fukuyama behauptet, dass die erfolgreichsten Volkswirtschaften durch kommunitaristische Elemente gekennzeichnet waren. In Amerika waren es die religiösen Gemeinschaften und in Europa die Familie und die Berufsverbände. Kooperation ist oft effektiver als Konkurrenz (Fukuyama, 1995).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><strong><span style="font-family: ">Was aber heißt dann Kommunitarismus in Community Organizing?</span></strong></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Community Organizing versucht die Gesellschaft in Gemeinschaften zusammen zuführen, die ein Sprachrohr gegenüber Politik und Wirtschaft werden. Diese kommunalen Gemeinschaften stellen einerseits Forderungen an Politik und Wirtschaft, aber sie bilden auch Moral und Wertvorstellungen, die andere ausschließen oder bedrängen können. Nur zusammengeschlossene Gemeinschaften finden Gehör und nur Themen, Probleme und Ideen einer Mehrheit kommen so zur Sprache. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Community Organizing setzt dabei nicht dort an, wo schon Bürgerschaftliches Engagement vorhanden ist, sondern geht in die Stadtteile und spricht die Menschen an, die kaum in Berührung mit einem solchen Engagement gekommen sind. Aber der Ansatz den Leo Penta in Deutschland verwirklicht hat, geht genauso wie die Veränderung der IAF dazu über, verschiedene Organisationen anstatt Einzelpersonen zu binden. Diese sogenannte Form von „Broad-Based“-Organizing steht in der Gefahr, nicht unbedingt den Stadtteil abzubilden sondern eine Interessenvertretung von Organisationen aus dem Stadtteil zu sein.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Es geht bei Community Organizing darum, die Stadtteile mit mehr Macht zu versehen, aber nicht damit, dass sich wie im Kommunitarismus, Moral und Disziplin durchsetzt und damit eine Mehrheit eine Minderheit unterdrücken könnte, sondern darum mehr Demokratie zu ermöglichen und einen Rahmen zu schaffen in dem alle sich beteiligen können und Einfluß ausüben können, also dass auch die Minderheiten Anspruch darauf haben, ihren Vorstellungen Gehör zu verschaffen. Es geht auch darum, dass der Staat nicht allein Anspruch auf das gerechte Verteilen von Gütern hat, aber es geht vor allem auch darum, soziale Gerechtigkeit für alle wieder herzustellen. Leo Penta drückt es in einem Spiegel-Interview so aus: „Versorgungsmentalität verdirbt und lähmt nicht nur die Politiker (&#8230;) Es gibt zu wenig Eigeninitiative. (&#8230;)[Aber: Die Politiker] arbeiten für uns, nicht umgekehrt. Wir bezahlen sie. So müssen wir sie auch behandeln“ (Spiegel, 2001).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Community Organizing appelliert auch nicht an die Moral der einzelnen Menschen, sondern setzt wie im Liberalismus auf das Eigeninteresse der Menschen. Nur wird dieses Eigeninteresse nicht individuell durchgesetzt, da Community Organizing den Menschen plausibel verdeutlicht, dass Eigeninteresse nur durch den Zusammenschluß aller Menschen in einem Gemeinwesen die notwendige Macht erreicht, gelingendes Handeln zu ermöglichen. Durch das Konsensprinzip wird dadurch das jeweilige Eigeninteresse gebündelt und es entsteht gemeinschaftliches, solidarisches Handeln.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 0.07in;" align="justify">„<span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: ">Community Organizing ist der Aufbau und die Entwicklung von BürgerInnenorganisationen durch die Schaffung von sozialen Beziehungen, die Macht zum Handeln geben. Die BürgerInnenorganisationen haben die doppelte Zielsetzung: die Veränderung von Machtbeziehungen <span style="text-decoration: underline;">und</span> die unmittelbare Verbesserung der Lebenslage für die betreffende Gemeinschaft, die Community“ (Rothschuh, 2007b)</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><strong>6.2 CO in Aktion</strong></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Nun, da die Hintergründe von Community Organizing aus vielfältiger Betrachtungsweise beleuchtet worden sind. Sollen nochmal die Projekte aus Deutschland herausgestellt werden. Welche Veränderungen sind bereits durch Community Organizing geschehen?</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">In Berlin gibt es seit ungefähr 2001 Organizing Schöneweide. Oberschöneweide, in Ost-Berlin, war früher Berlins größtes Industriegebiet. Nach der Wende gingen hier 25000 Arbeitsplätze verloren und es entstand eine große Industriebrache (Berliner Tagespiegel, 2008). Hier startete auf der Initiative von Leo Penta, die erste Bürgerplattform Berlins. „Inzwischen machen 23 Gruppen und Institutionen bei Organizing Schöneweide mit, vom Betriebsrat von Samsung über den Generationenclub KES, Ortsgruppen für Volkssolidarität, die Gemeinschaft Vietnamesischer Nachbarn bis zu dem Verein der Köche der Hauptstadt und der Gruppe ohne Gruppe“ (Dilk, 2005).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Im Jahr 2005 wurde, nach zahlreichen Gesprächen und Aktionen der Bürgerplattform ein großes Ziel erreicht. Die Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft wird in Oberschöneweide zusammengeführt.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Nun stehen neue Themen auf der Tagesordnung der Plattform. In Zukunft wird sich um Bildung und Verkehr in Schöneweide gekümmert (ebd.).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">In Hamburg haben wir am Anfang bereits von der Gründungsveranstaltung von Impuls-Mitte gehört. Dort hieß es, es würden dezentrale Bürgertreffen veranstaltet um heraus zu bekommen, welche Themen der Bevölkerung wichtig sind. Diese Bürgertreffen wurden nun durchgeführt und die Themen wurden gesammelt. In die engere Auswahl kamen nun drei Themen, die jetzt bearbeitet werden. Zum einen geht es um einen Durch- und Aufgang von einer U-Bahn-Haltestelle, um die Parkplatzsituation und um das Angebot für Kinder und Jugend. Zu diesen drei Themen haben sich Arbeitsgruppen gebildet, die recherchieren und Aktionen planen werden. Diese Gruppen sind offen und jeder aus der Bevölkerung kann an ihnen teilnehmen (Impuls-Mitte, 2008).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><strong><span style="font-family: ">Community Organizing als Form der Organisation der Zivilgesellschaft in Zukunft?</span></strong></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Community Organizing scheint also doch zu funktionieren, wie die beiden Beispiele gezeigt haben. </span><span style="font-family: ">Community Organizing befähigt Menschen dazu, von Machthabern Zugeständnisse zu erkämpfen. Diese sind natürlich nur so weitreichend, wie die Menschen befähigt oder fähig sind diese durchzusetzen und auch in wieweit sie diese selbst auch umsetzen können. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Das heißt aber auch, dass es immer dringend notwendig ist, Experten, seien es Sozialpädagogen oder andere, vor Ort zu haben, die in die Arbeit mit eingebunden werden können und mit ihrer Erfahrung zur Seite stehen können (Wessels, 2004, S.10). </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Im Endeffekt heißt dies, dass Community Organizing sowohl einen starken Staat als auch die Soziale Arbeit braucht. Community Organizing funktioniert also einerseits nur, wenn Menschen nicht einen Staat haben, der ihnen nicht aufzwingt was zu tun ist, sondern der auf sie zu geht und sie unterstützt, und eine Soziale Arbeit, die sozialraumorientiert arbeitet und die Menschen begleitet und unterstützt in ihrem Bemühen ihr Wohlergehen selbstbestimmt zu erhalten und zu schaffen (vgl. Penta, 2007b, S.103).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Somit ist Community Organizing „nicht in sich reaktionär, konservativ, liberal oder radikal, weder inhärent inklusiv und demokratisch noch engstirnig und autoritär. Die heute vorherrschenden Ansätze changieren zwischen diesen Aspekten mit jeweils unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, je nach Organisation, nach aktueller Situation und politisch- historischem Kontext“ (Fischer, zitiert nach Rotschuh, 2007b).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Ich sehe allerdings eine Gefahr der Klüngelbildung, wenn es nicht gelingt, möglichst alle in einem Gemeinwesen beteiligten Personen mit in eine Bürgerorganisation einzubinden. Außerdem ist es möglich, dass gerade die, die von Armut am meisten betroffen sind, in einem solchen Modell auf der Strecke bleiben, wenn sich der Staat aus seiner Verantwortung zurückzieht und es der im Community Organizing organisierten Zivilgesellschaft nicht gelingt, die Verantwortung des Staates wieder einzufordern. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Darum ist es wichtig auf eine Durchlässigkeit in der Struktur zu achten, so wie es durch die regelmäßige Rückbeziehung auf die ganze Bevölkerung durch regelmäßige Problem- und Themensammlung gedacht und durchgeführt wird. Denn nur so kann eine Wiedererneuerung der Bürgerorganisation möglich sein, und so ist die Möglichkeit gegeben, neue Bürger als Schlüsselpersonen mit in die Entscheidungsgremien aufzunehmen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Grundsätzlich möchte ich anmerken, dass die Forderung nach „weniger Staat“ auch für Community Organizing eine ganz falsche Position ist. Es begünstigt zwar ein stärkeres Engagement der Bevölkerung, aber eine solche Forderung geht in die gleiche Richtung wie die Hartz IV – Gesetze: Menschen zu zwingen, sich zu verändern – das kann, meiner Meinung nach, nie der richtige Weg sein. Vor allem da, meiner Meinung nach, eine wichtige Forderung einer Bürgerplattform ist, die Mächtigen ihrer Verantwortung wieder bewußt zu machen und das heißt, dass Wirtschaft und Politik sich mehr um das Gemeinwesen kümmern muß.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Wenn, aus meiner Sicht, aus falschen Beweggründen etwas Richtiges entsteht ist dies nur zu begrüßen und es ist anderseits auch eine gute Taktik, um sich Gehör in der Wirtschaft und der Politik zu verschaffen. Denn mit solchen Argumenten kann man das Eigeninteresse der Mächtigen wecken. So oder so: Menschen, die selbstbewußt und selbstbestimmt ihr Umfeld verändern, arbeiten und leben mit einer neuen Motivation, die auch ihnen dienen kann. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die undogmatische Art Alinskys, seine Taktiken und Gedanken sind inspirierend und rufen dazu auf, eine neue Form der Gesellschaft, die nach dem Neoliberalismus und der Individualisierung entstehen kann, zu entdecken.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><strong>Literatur</strong></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Alinsky, Saul D. (1999):</strong> <a href="http://www.amazon.de/gp/offer-listing/3889775594?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=am2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3889775594">Anleitung zum Mächtigsein. Ausgewählte Schriften</a>, 2. Auflage, Lamuv Verlag, Göttingen.</span></p>
<p><strong>Berliner Tagesspiegel (2008):</strong> vom 04.04.2008, Seite 12.</p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Burchardt, Hans-Jürgen (2004): </strong>Z<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896576100?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3896576100">Zeitenwende: Politik nach dem Neoliberalismus</a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3896576100" border="0" alt="" width="1" height="1" />, Schmetterling Verlag GmbH, Stuttgart.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Dettling, Warnfried (2007):</strong> Eine neue Dimension von Demokratie; In: Penta (Hrsg.) 2007; S.89-98.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Dilk, Anja (2005):</strong> Unter dem Pflaster liegt der Strand. Menschen im Aufbruch – eine changeX Serie. Folge 20 ; Online-Magazin changeX; zuletzt besucht am 13.04.2008 unter <a href="http://changex.de/d_a01923.html" target="_blank">http://changex.de/d_a01923.html</a>.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Fukuyama, Francis (1995):</strong> <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3463402777?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3463402777">Konfuzius und Marktwirtschaft. Der Konflikt der Kulturen</a>, München.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Habermann, Gerd (1997)</strong>: „Kommunitarismus“ oder: Institutionelle Voraussetzungen der Freiheit &#8211; Einige Thesen; in: Chatzimarkakis, Georgios; Hinte, Holger (Hrsg.) <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3932306023?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3932306023">Freiheit und Gemeinsinn. Vertragen sich Liberalismus und Kommunitarismus?</a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3932306023" border="0" alt="" width="1" height="1" />, Lemmens Verlag, Bonn 1997, S.12-13.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Müller-Plantenberg, Urs (1997):</strong> Theorie und Praxis des Neoliberalismus, in: ders.: Vorschläge. Ausgewählte politisch-soziologische Arbeiten 1961-1996, Lit-Verlag, Münster 1997</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Penta, Leo J. (Hrsg.) (2007):</strong> <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896840665?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3896840665">Community Organizing: Menschen verändern ihre Stadt</a>, edition Körber-Stiftung, Hamburg.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Penta, Leo J. (2007a):</strong> Wie entsteht eine funktionierende Bürgerplattform?; in: Penta (Hrsg.) 2007, S. 219-223.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Penta, Leo J. (2007b):</strong> Macht der Solidarität; in: Penta (Hrsg.) 2007, S. 99-108.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Rothschuh, Michael (2007b):</strong> Industrial Areas Foundation (IAF): professionelles Netzwerk für Organisationen des CO, Rothschuh.de, zuletzt besucht am 14.03.2008 unter <a href="http://rothschuh.de/CO_6_IAF.htm" target="_blank">http://rothschuh.de/CO_6_IAF.htm</a>.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Spiegel (2001):</strong> <a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument-druck.html?id=19488549&amp;top=SPIEGEL" target="_blank">Interview: Irgendwann kracht es</a>, 2/2001, S. 44-50</span></p>
<p><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Wessels, Lutz (2004):</strong> Organisieren oder entwickeln lassen. Community Organizing und Community Development, Homepage FOCO, zuletzt besucht am 14.03.2008 unter <a href="http://fo-co.info/Wessels_CO_CD.pdf" target="_blank">http://fo-co.info/Wessels_CO_CD.pdf</a>.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><br />
</span></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die  Entwicklung von Community Organizing in den USA</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Nov 2008 11:39:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adigwe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alinsky, auch als „Radikalinsky“ (Taghizadegan, 2008) verspottet, wurde gerne als Kommunist und Radikaler verschrien. Auch wenn sich Alinsky gegen solche Kritik nicht zur Wehr setzte, da diese ihn bei seinem Erfolg und im Ansehen in der Bevölkerung verbesserten, so bestand Alinsky immer auf eine undogmatischer Arbeitsweise und wollte nicht in eine politische Richtung eingebunden oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p id="top" />
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Alinsky, auch als „Radikalinsky“ (Taghizadegan, 2008) verspottet, wurde gerne als Kommunist und Radikaler verschrien. Auch wenn sich Alinsky gegen solche Kritik nicht zur Wehr setzte, da diese ihn bei seinem Erfolg und im Ansehen in der Bevölkerung verbesserten, so bestand Alinsky immer auf eine undogmatischer Arbeitsweise und wollte nicht in eine politische Richtung eingebunden oder einer zugeordnet werden (Rabe, 1999, S.12). Dennoch kann nicht darüber hinweg gesehen werden, dass Community Organizing eine politische Richtung unterstützt oder auch von anderen genutzt werden kann. Darum ist es mir wichtig, Community Organizing zur Zeit Alinskys bis heute in seinen politischen Werten und Ideen zu untersuchen und herauszufinden welchen Interessen Community Organizing zu seiner Zeit und heute dient und dienen könnte. Community Organizing gibt es sicherlich in vielfältigen Formen und wird durch viele verschiedene Organisationen in Amerika unterstützt und betrieben. Ich möchte mich aber hierbei auf die Organisation, die von Alinsky ins Leben gerufen wurde beschränken. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><strong>Anfänge in den USA</strong></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Auch wenn viele Alinsky als den Erfinder von Community Organizing beschreiben, ist es durchaus zu sehen, dass Alinsky, aus seiner eigenen Biografie heraus, Ideen aus der Gewerkschaftsarbeit und auch der Sozialarbeit entnommen hat, was unter anderem im nächsten Kapitel, in der ich die Biographie Alinskys vorstelle, deutlich wird. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Ideengeschichtlich kann man aber durchaus noch einen Schritt weitergehen und in die geschichtliche Vergangenheit der USA schauen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Rahim Taghizadegan schreibt in seiner Analyse über „Die Ideengeschichtlichen Hintergründe der politischen Lager in den USA“ (Taghizadegan, 2008) für die liberale Gruppierung „Wertewirtschaft“ über die Historie der USA. Dabei wird deutlich welchen Einfluß Community Organizing in den USA hatte, aber auch welchen Einfluß es auf die Idee von Community Organizing aus der Geschichte heraus gab.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Im 18. Jahrhundert, so schreibt Taghizadegan, lebten die meisten Amerikaner in kleinen Siedlungen, die in Gemeinschaften zusammengeschlossen waren. Da viele der Amerikaner wegen religöser Verfolgung aus Europa ausgewandert waren, waren viele dieser Siedlungen von protestantischen Gemeinschaften bestimmt. Diese Gemeinschaften kontrollierten die Lebensweise jedes Einzelnen. Taghizadegan beschreibt dies als eine Form von Kollektiven. Amerika war groß genug, so dass Menschen, die sich nicht mit einer Gemeinschaft zufrieden geben wollten oder mit ihr in Konflikt geraten waren an einer anderen Stelle ein neues Zuhause aufbauen konnten. Diese Form von Gemeinschaft bildete das Idealbild einer amerikanischen Gesellschaft.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Auch aus der Revolution gegen die englische Herrschaft und deren Steuern und Gesetze heraus, erwuchs eine Abneigung gegenüber einer Übermacht des Staates in Amerika (Wessels, 2004, S.7). Mit der Industrialisierung und der Verstädterung verfiel diese Form, besonders in den großen entstehenden Megacities, aber die Idee blieb erhalten und das Hull House von Jane Addams ist ein gutes Beispiel, wie damit umgegangen wurde.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">In der neueren Zeit erhielt die Idee neuen Aufwind im Kommunitarismus, wie ich später erläutern werde. Zunächst will ich nun aber auf das Leben von Saul Alinsky eingehen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><strong>Saul David Alinsky</strong></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Saul Alinsky, wurde geboren am 3. Januar 1909 in Chicago und wächst dort in einem Slum auf. Seine Eltern sind russische Immigranten und jüdisch orthodox. Saul Alinsky studiert mit 17 Jahren Archäologie. Im dritten Studienjahr beteiligt sich Alinksy an Solidaritätsaktionen für Bergarbeiter im Süden Illinois, die sich gegen den radikalen Gewerkschaftsführer John L. Lewis erheben. Er sammelt Lebensmittel um sie den Arbeitern zu bringen. Er wird dabei von einem Sheriff ins Gefängnis gesperrt. 1930 beendet Alinsky sein Studium. Er fand, in der Zeit der großen Depression keinen Job. Er aß Kostproben in Delikatessengeschäften bis er nach einem Monat von Sicherheitsleuten raus geworfen wurde. Alinsky bekommt plötzlich ein Stipendium um eine Doktorarbeit im Kriminologie zu schreiben. Er beginnt die Doktorarbeit in dem er sich mit den Banden von Al Capone anfreundet um ihre Verhaltensweisen zu studieren. Seine Doktorarbeit schreibt er nie zu Ende, gewinnt aber zahlreiche Einblicke in das Leben der Stadt. Er arbeitet danach drei Jahre in einem Gefängnis als Kriminologe. Er kündigt und möchte die Ursachen der Kriminalität bekämpfen. Er sammelt Spenden für die Internationalen Brigaden und beteiligt sich an Streiks von Gewerkschaften, dabei freundet er sich nun mit dem Gewerkschaftsführer John L. Lewis an. Schließlich geht er in den Slum von Chicago zurück um dort die erste Bürgerorganisation aufzubauen. Anstatt an die Moral der Menschen zu appellieren, redet er mit den Menschen über ihre eigenen Interessen. Die Menschen im Viertel „Back of the Yards“, das er organisierte, hatten nichts, aber sie waren viele. Wenn sie organisiert wären und zusammen arbeiten würden, hätten sie die Macht Druck auszuüben. Sie wären nicht mehr Opfer sondern Handelnde. Für diesen Blick wurde Alinsky in den Medien als Radikaler und Rebell verschrien. Er lehnte diese Bemerkungen nicht ab, sie verhalfen ihn nur mehr Menschen in der Bevölkerung zu gewinnen (Rabe, 1999, S.7ff).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Alinsky war kein Kommunist, er war viel mehr Basisdemokrat und stellte dabei „die Menschenrechte weit über die Eigentumsrechte“ (Alinsky, 1999, S.30). Er kämpfte gegen Machtkonzentration und Privilegien und übte mit den Menschen Macht aus, in dem sie Boykotte ausriefen und Streiks und Besetzungen durchführten und ihre Stärke demonstrierten. Er mobilisierte tausende von Bürgern, die sich an der Bürgerplattform beteiligen. Die Reichen verfügen über Macht durch viel Geld. Dadurch, dass sie die Produktionsmittel besitzen, können sie ihre Interessen in der Gesellschaft durchsetzen. Da die Besitzlosen über kein Geld verfügen, können sie sich nur durchsetzen, wenn sie eine andere Form von Macht entwickeln. Diese Form der Macht ist ihre große Zahl von Personen. Eine solche Masse an Menschen kann aber nur organisiert produktiv sein und somit große Errungenschaften einfordern und umsetzen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Alinsky sagt: „Macht ist eine wesentliche Lebenskraft, die immer wirkt, entweder zur Veränderung der Welt oder zur Verhinderung von Veränderung“ (Alinsky, 1999, S.44)</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><strong>Die Industrial Areas Foundation (IAF)</strong></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Nun aber zu der Entwicklung von Community Organizing in den USA. Im Jahr 1940 wird die Industrial Areas Foundation (IAF) gegründet, sie ist heute die älteste und größte Organisation für Community Organizing in den USA. Neben der IAF gibt es noch zahlreiche andere Organisationen, die Community Organizing durchführen. Die IAF ist aber durch Alinsky gegründet, die ursprünglichste und die erfolgreichste. Auch die Vertreter von Community Organizing in Deutschland haben ihre Wurzeln beim Community Organizing der IAF. Deswegen will ich mich bei der Ausführung der Entwicklung von Community Organizing, mit der Beschreibung der IAF begnügen, sie macht die Veränderung auch im allgemeinen deutlich (Mohrlok, 2001, S. 1ff. sowie Rösli, 2006, S20ff.).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Alinsky wollte seine Arbeit als Organizer mit einer eigenen Organisation fortsetzen. Dazu gründete er mit dem katholischen Bischof Bernhard J. Shiel und dem protestantischen Millionär Marshall Field III die IAF. Durch die große Spende von Marshall Field, frei jeglicher Bedingung, konnte die IAF autonom und unabhängig agieren. Wichtigste Aufgabe bis heute ist der Aufbau von Community Organisationen und Trainings und Ausbildung von Organizern. Die Organisation wurde von Alinsky geführt, diese Führung wurde aber von ihm bewusst schwach gehalten und die IAF sollte möglichst unbürokratisch ablaufen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Der Aufbau einer Bürgerplattform sollte in den bereits beschriebenen drei Phasen ablaufen: Gesprächsphase, Phase der Ausbildung der Schlüsselpersonen und die Umsetzungsphase (Mohrlok, 2001, S. 1ff. sowie Rösli, 2006, S20ff.).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Für Alinsky war es wichtig, dass jede dieser Bürgerplattformen nach 3-4 Jahren unabhängig von der IAF wurde und in die Selbständigkeit entlassen wurde. Die IAF wurde in einem Gemeinwesen nur auf Einladung aktiv. Bis zu seinem Tod im Jahre 1972 war Alinsky Direktor der IAF (Rösli, 2006, S20ff.).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><span style="text-decoration: underline;">IAF heute</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Nach dem Tod Alinskys übernahm Ed Chambers die Leitung der IAF. Ed Chambers arbeitete schon seit über 15 Jahren für die IAF und war von Alinsky sehr geschätzt worden. Ed Chambers strukturierte und professionalisierte die IAF.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Um die IAF weiterhin finanziell unabhängig zu halten, wurde mit dem Grundsatz der Entlassung, der einzelnen Bürgerplattformen aus der IAF gebrochen. Die Bürgerplattformen sind heute per Vertrag verpflichtet einen Mitgliedsbeitrag zu leisten und erhalten dafür Unterstützung und Ausbildung seitens der IAF. Meistens ist der Mitgliedsbeitrag der höchste Prozentsatz der Ausgaben der Bürgerplattformen (Mohrlok, 2001, S.2). Die Finanzierung jeder einzelnen Bürgerplattform steht aber nach wie vor Jahr für Jahr auf der Probe und die Mitglieder (meist aber der Organizer selbst) müssen die Finanzierung sicherstellen. Dabei steht die finanzielle Unabhängigkeit der Plattform im Vordergrund. Öffentliche Gelder werden grundsätzlich abgelehnt. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die erste Phase, die Gesprächsphase, die unter Alinsky auch der Themenfindung dienen sollte, wurde zur reinen Beziehungsphase. Dadurch wird der Individualisierung der Gesellschaft entgegen gearbeitet und es wird für diese Phase ein sehr langer Zeitraum eingeräumt. Die erste Phase dauert meist um die zwei Jahre. Ein Organizer soll in dieser Zeit 30 Einzelgespräche pro Woche durchführen (ebd., S.5). In dieser Phase wird bereits eine schriftliche Machtanalyse erstellt.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">In der zweiten Phase wird das Team zusammengestellt. Marion Mohrlok stellt das King County Organizing Projekt (KCOP) aus Seattle vor. Hier besteht das Team aus einem Vorstandsgremium, das sich alle zwei Wochen trifft und das Strategieteam, das aus zwei Repräsentanten pro Mitgliedsorganisation besteht und das sich alle zwei Monate trifft (ebd., S.2).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Um eine Evaluation und eine Kontrollfunktion zu haben hat jeder Organizer und jede Schlüsselperson einen Mentor oder Supervisor, dies zieht sich bis hoch zu Ed Chamber durch. Dies dient zum einen der gegenseitigen Kontrolle und zum anderen der Qualitätssicherung (ebd., S.4).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die IAF hat mittlerweile eine durchgearbeitete Struktur und ist sehr professionalisiert, sie hat genaue Anweisungen und Tipps und Training ausgearbeitet, die den Mitgliedsorganisationen helfen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">War die Ebene auf der Community Organizing zu Zeiten Alinskys arbeitete im lokalen Bereich verankert, so sind es heute mehr und mehr regionale Netzwerke die gebildet werden; dies ist durchaus im Einklang von Alinsky, der dies forderte, aber nie umsetzen konnte.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><span style="text-decoration: underline;">Veränderungen in der IAF</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Dadurch dass die IAF Mitgliedsbeiträge erhebt, kommen nun mehr Kosten für jede Bürgerplattform auf. Die Gefahr die daraus entsteht ist, dass es schwieriger ist genügend Finanzmittel aufzutreiben und so ist es schwieriger für eine Bürgerplattform langfristig gut aufgestellt zu sein.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Ein zu beobachtendes Phänomen ist, dass anders als bei Alinsky weniger konfliktreiche Aktionen gewählt werden und das dadurch, dass die Organisationen bereits einen Namen haben, eher Verhandlungen im Vordergrund stehen. Matthias Rothschuh sieht dies folgendermaßen: </span></p>
<p>„Konfrontative Formen treten in den Hintergrund, Verhandlungen auf der Basis bereits anerkannter Organisationen in den Vordergrund. Damit aber ist die Aktivität der Menschen vor Ort, um die es geht, nicht das alles entscheidende Zentrum, sondern eher etwas, was die Verhandlungsführer stärkt, aber nicht unbedingt erst bemächtigt. Die Aktion beim Bürgermeister hat dann nach meinem Eindruck einen ähnlichen Stellenwert wie ein jubelnder Parteitag: Stärke zeigen, aber mehr die der Führenden als der Mitglieder selbst“ (Rothschuh, 2007b).</p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Veränderung von lokalen zu regionalen Organisationen, hat einerseits Vorteile, da staatliche Verwaltungen, Firmen und Banken nicht auf der lokalen Ebene arbeiten, dadurch können aber auch die lokalen Probleme, die die Menschen beschäftigen eher verloren gehen (Rösli, 2006, S.24).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Einerseits werden die Schlüsselpersonen durch die längere Phase der Beziehungsarbeit besser an das Gemeinwesen zurückgebunden und repräsentieren dementsprechend besser den Stadtteil, anderseits ist es sehr schwierig Einfluß auf die oberen Ebenen der IAF zunehmen. Durch die Bindung der Mitgliedsorganisationen an die IAF und die Zahlung von Mitgliedsbeiträgen, wird aber ein solcher Einfluß zunehmend wichtiger (Rothschuh, 2007a). </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Ob diese Veränderung der IAF auch dazu führt, dass in Deutschland neu von der Idee des Community Organizing gesprochen wird will ich weiterhin untersuchen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><strong>Community Organizing in der heutigen Politik der USA</strong></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Demokraten haben Community Organizing für sich entdeckt. Barack Obama bekennt sich zum Community Organizing, er selbst hat als Organizer in Chicago gearbeitet. Er finanziert seinen Wahlkampf mit kleinen Einzelspenden und hofft auf die Grass-Roots-Bewegungen in Amerika. Hillary Clinton hat eine Arbeit über Community Organizing verfasst und hätte beinahe in der IAF gearbeitet (Taghizadegan, 2008).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Aber auch George Bush hatte bei seinem Antritt ein Programm verabschiedet, das Bürgerinitiativen und religösen Vereinigungen Finanzmittel einräumte und Hoffnungen auf diese Bewegungen setzte (Rothschuh, 2007a).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Damit zeigt sich das Interesse der Politik an Community Organizing und das dementsprechend die Organisationen durchaus Einfluß haben; anderseits zeigt es aber auch, dass die IAF und andere Organisation an ihrer politischen Unabhängigkeit erfolgreich festhalten konnten.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><strong>Literaturverzeichnis</strong></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%; text-align: left;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Alinsky, Saul D. (1999):</strong> <a href="http://www.amazon.de/gp/offer-listing/3889775594?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=am2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3889775594">Anleitung zum Mächtigsein. Ausgewählte Schriften</a>, 2. Auflage, Lamuv Verlag, Göttingen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Mohrlok, Marion (2001):</strong> Politik beginnt bei den Leuten! Organizing im Stile der „Industrial Areas Foundation“, Stadtteilarbeit.de, zuletzt besucht am 13.04.2008 unter <a href="http://212.12.126.151/cms/index2.php?option=com_content&amp;do_pdf=1&amp;id=92" target="_blank">http://212.12.126.151/cms/index2.php?option=com_content&amp;do_pdf=1&amp;id=92</a>.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Rabe, Karl-Klaus (1999):</strong> Vorwort zur 1. Auflage; in: Alinsky, 1999, S. 7-18.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%; text-align: left;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Rösli, Ursula (2006):</strong> Von der „Aktion“ zur Institution – Die Entwicklung der Industrial Areas Foundation; in: Schmid et. al, 2006, S. 20-25.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; text-align: left;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Rothschuh, Michael (2007a):</strong> Community Organizing in den USA, Rothschuh.de, zuletzt besucht am 14.03.2008 unter <a href="http://rothschuh.de/CO_2_USA.htm" target="_blank">http://rothschuh.de/CO_2_USA.htm</a>.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; text-align: left;">
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; text-align: left;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Rothschuh, Michael (2007b):</strong> Industrial Areas Foundation (IAF): professionelles Netzwerk für Organisationen des CO, Rothschuh.de, zuletzt besucht am 14.03.2008 unter <a href="http://rothschuh.de/CO_6_IAF.htm" target="_blank">http://rothschuh.de/CO_6_IAF.htm</a>.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; text-align: left;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Schmid, Sandra; Meyer, Dominique; Rösli, Ursula; Romer, Jann; Müller, Simon; Stössel, Marianne (Hrsg.) (2006):</strong> Sozial Radikal. Saul Alinsky – Auf den Spuren seines Community Organzing, Homepage von FOCO, zuletzt besucht am 14.03.2008 unter <a href="http://fo-co.info/Sozial%20Radikal.pdf">http://fo-co.info/Sozial%20Radikal.pdf</a>.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%; text-align: left;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Taghizadegan, Rahim (2008):</strong> Die ideengeschichtlichen Hintergründe der politischen Lager in den USA, Wertewirtschaft.org, zuletzt besucht am 14.03.2008 unter <a href="http://wertewirtschaft.org/magazin/?id=4618&amp;q=Die+ideengeschichtlichen+Hintergr%C3%BCnde+der+politischen+Lager+in+den+USA" target="_blank">http://wertewirtschaft.org/magazin/?id=4618&amp;q=Die+ideengeschichtlichen+Hintergr%C3%BCnde+der+politischen+Lager+in+den+USA</a>.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%; text-align: left;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Wessels, Lutz (2004):</strong> Organisieren oder entwickeln lassen. Community Organizing und Community Development, Homepage FOCO, zuletzt besucht am 14.03.2008 unter <a href="http://fo-co.info/Wessels_CO_CD.pdf" target="_blank">http://fo-co.info/Wessels_CO_CD.pdf</a>.</span></p>
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		<title>Idee des Community Organizing – Definition, Formen und Merkmale</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Nov 2008 07:57:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adigwe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Was den Menschen zu einem politischen Wesen macht, ist seine Fähigkeit zu handeln; sie befähigt ihn, sich mit seinesgleichen zusammenzutun, gemeinsame Sache mit ihnen zu machen, sich Ziele zu setzen und Unternehmungen zuzuwenden, die ihm nie in den Sinn hätten kommen können, wäre ihm nicht diese Gabe zuteil geworden: etwas Neues zu beginnen.“ (Arendt 2003, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p id="top" />
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; text-align: right;">„<span style="font-family: "><span style="font-size: x-small;"><span style="font-size: x-small;">Was den Menschen zu einem politischen Wesen macht, ist seine Fähigkeit zu handeln; sie befähigt ihn, sich mit seinesgleichen zusammenzutun, gemeinsame Sache mit ihnen zu machen, sich Ziele zu setzen und Unternehmungen zuzuwenden, die ihm nie in den Sinn hätten kommen können, wäre ihm nicht diese Gabe zuteil geworden: etwas Neues zu beginnen.“</span></span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in;" align="right"><span style="font-family: "><span style="font-size: x-small;"><span style="font-size: x-small;">(Arendt 2003, S.81)</span></span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Bevor ich anfing Soziale Arbeit am Rauhen Haus zu studieren, arbeitete ich im Rahmen meines Zivildienstes in Rumänien mit Kindern und Jugendlichen in einem stark heruntergekommenem Stadtteil von Bukarest.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Menschen waren dort auf sich allein gestellt und gehörten zum größten Teil der ethnischen Minderheit der Roma an. Viele der Kinder lebten mit ihren Eltern in von ihnen besetzten, verfallenen Häuserblocks. Die Menschen mussten ihren Strom von den angrenzenden Strommasten abzapfen und führten einen kleinen Kampf gegen den Stromkonzern, der die Kabel immer wieder durchschnitt.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Hier wurde mir bewußt, dass diese Menschen zum einen fähig waren, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, anderseits aber ihnen zusätzliches gemeinschaftliches Denken und Handeln fehlte, welches ihnen mehr Möglichkeiten geboten hätte, gemeinsam gegen die diskriminierenden und verarmenden Strukturen anzugehen. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Während meines Studium lernte ich die Geschichte des Stadtteilzentrums Hull House von Jane Addams kennen (Kunstreich, 2000, S. 92ff.) und merkte, dass hier meine Idee verwirklicht wurde. Später begegnete ich Saul Alinskys Idee des Community Organizing und war überrascht, dass diese Idee in Deutschland als nicht machbar abgelehnt wurde (Kunstreich, 2001, S.135) und war (und bin) entschlossen, eine Kombination von Addams und Alinskys Idee nach meinem Studium in Rumänien durchzuführen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Community Organizing (CO) ist ein Ansatz, Menschen aus einem Gemeinwesen zu befähigen ihre Themen nach außen hin zu vertreten, und dadurch Veränderungen zu bewirken. Die Idee ist nicht neu und wurde in Teilen in der Gemeinwesenarbeit und in den Bürgerinitiativen verwirklicht, doch die wichtigsten Aspekte von Community Organizing wurden nie wirklich in die Tat umgesetzt.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Nun entstehen aber zahlreiche Versuche, dies ohne direkte Umwege genau nach dem amerikanischen Vorbild und dem Programm nach Saul Alinsky umzusetzen und ich war überrascht zu erleben, dass in Hamburg mit einem solchen Aufbau begonnen wurde und dass ich ihn miterleben durfte.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><span style="text-decoration: underline;">Definition</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Eine wirklich knappe und gute Definition von Community Organizing habe ich in der Literatur nicht gefunden, da immer wieder betont wird, dass Organizing keine Methode oder Wissenschaft ist, sondern eine theoriegeleitete Praxis, die sich den jeweiligen Gegebenheiten anpasst (Penta, 2007, S. 220).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Es gibt aber auf jeden Fall Grundsätze die immer ähnlich sind, und darum versuche ich hier eine Definition darzustellen, die sich an Michael Rothschuhs Beschreibungen anlehnt (vgl. Rothschuh, 2007a):</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Community Organizing ist eine Organisation und Selbstorganisation von Menschen in einem Gemeinwesen; dabei ist das Gemeinwesen nicht unbedingt räumlich vorhanden, sondern es basiert auf sozialräumlichen Beziehungen. Diese Organisation möchte die Machtverhältnisse von monetärer Macht (Macht des Geldes) zu Gunsten von Mehrheitsmacht (Macht von Menschen) verändern. Dabei soll ein dauerhafter Zusammenschluß von Menschen entstehen, die eine Koalition bilden und gemeinsam Veränderung im Gemeinwesen erkämpfen oder aber auch (im ungünstigsten Fall) selbst herstellen. Community Organizing entsteht über Beziehungen und stellt zunächst keine zu bearbeitenden Themen und Ideen vor. Der Prozess wird oft von einen bezahlten Organizern unterstützt.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><span style="text-decoration: underline;">Formen</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Bei der Behandlung des Themas Community Organizing beziehe ich mich ausschließlich auf das „Broad-Based“-Organizing, das auf den Aufbau von einer Gemeinschaft durch viele verschiedene im Stadtteil verankerte Institutionen beruht, und das dadurch versucht den gesamten Stadtteil abzubilden. Es gibt auch Formen des „Individual-Based“- (auf Individuelle Personen des Stadtteils basierend), „Faith-Based“- (auf religiöse Vereinigungen basierend) und „Asset-Based“- (auf Menschen vom und außerhalb des Stadtteils basierend) Organizing (Rothschuh, 2007b).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">„<span style="font-family: ">Broad-Based“-Organizing ist die Form, die jetzt auch in Deutschland, durch Leo Penta verstärkt angewendet wird &#8211; so wie auch die beschriebene Gründungsversammlung durch verschiedene Organisationen des Stadtteils gegründet wurde &#8211; und zu dem ich Bezüge herstellen kann.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><span style="text-decoration: underline;">Merkmale</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Damit die Menschen eine positive Veränderung ermöglichen können, müssen sie sich zu einem Bürgerprogramm / einer Bürgerplattform zusammenschließen. Die Menschen leben in Stadtteilen und Vierteln (Communities) aber sie sind nicht vereint: Sie sollen zu einer „Community of Interests“ (Szynka, 2004, S.211) werden, einem Gemeinwesen der Interessen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Dass die Besitzlosen sich nicht organisiert haben, erklärt sich Saul Alinsky, Begründer dieser Idee und US-Amerikaner, damit, dass sie in eine „bodenlose Apathie“ (Alinsky, 1999, S.37) durch die Monotonie der täglichen Arbeit gekommen seien. Sobald die Menschen zu Hause wären, würden sie sich von der Arbeit entspannen und auch zu Hause eine Alltagsroutine leben, die alle Träume und Hoffnungen für die sie kämpfen könnten verschwinden ließe. Das einzige was dann existieren würde, wären finanzielle Sorgen, wenn Kinder geboren werden oder der Ruhestand naht. Durch diese Monotonie würden die Menschen in Anonymität und Isolation geraten. Sie würden empfinden, dass ihre Meinung und ihr Leben keinen Stellenwert hätte. Außer alle vier Jahre ein Kreuzchen zu setzen, würden sie keine Stimme haben, die angehört werden würde und der Beachtung geschenkt würde (Alinsky, 1999, S.37).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Ein Bürgerprogramm muss sobald es sich zusammengesetzt hat gemeinsame Themen finden, diese Themen müssen im Konsens erarbeitet werden. Deshalb bedarf es einer professionellen Organisationsarbeit, die einen langen Zeitraum benötigt. Der Organizer soll von dem Gemeinwesen selbst finanziert werden, um einerseits die vollständige Unabhängigkeit zu gewährleisten und anderseits um die Bevölkerung aus der Apathie zu holen, so dass sie bereit ist sich zu organisieren. Das heißt, das Gemeinwesen muss hinter dem Bürgerprogramm stehen und es so sehr wollen, dass es auch das nötige Geld bereitstellt.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Alinsky geht davon aus, dass Gesellschaft, Macht und Demokratie auf Konflikt beruht. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Diese Gesellschaftstheorie bezeichnet Stoecker, als „Conflict Theory“. Das heißt die Gesellschaft sucht nicht das Gleichgewicht sondern den Konflikt, sie ist instabil und ändert sich auf Grund von Kämpfen einzelner Gruppen und wird stabil sobald eine Gruppe dominiert (Stoeker, 2001). Community Organizing versucht die unterdrückten Menschen zu erheben und den Konflikt zu suchen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">„<span style="font-family: ">Der Aufbau einer Bürger-Organisation ist der Aufbau einer neuen Machtgruppierung. Eine neue Machtgruppierung zu schaffen bedeutet automatisch eine Einmischung in eine Bedrohung für die bestehenden Machtverhältnisse und damit eine Infragestellung des Status quo“ (Alinsky, 1999, S. 128).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Community Organizing basiert nicht „auf „Power through Cooperation”, sondern auf „Power through Fight”” (Wessels, 2004, S.9), also nicht auf Macht durch Kooperation sondern auf Macht durch Kampf oder Konflikte. </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Für diese Form der Gesellschaftstheorie und dafür, dass Alinsky Massen bewegt hatte um Konflikte herzustellen, wurde er von den Medien als, Radikaler und Rebell tituliert. Ihm verhalfen diese Aussprüche zu noch größeren Erfolgen und er entgegnet:</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in;" align="justify">„<span style="font-family: "><span style="font-size: x-small;"><span style="font-size: x-small;">Diejenigen, die in dem Aufbau von Bürger-Organisationen eine Revolution sehen, vergessen auch, daß es sich dabei um eine planmäßige Entwicklung der Beteiligung, des Interesse und der Aktion auf Seiten der Massen des Volkes handelt. Es mag stimmen, daß dies Revolution bedeutet, aber es ist eine friedliche Revolution. Eine friedliche Revolution abzulehnen heißt, vor die teuflische Alternative gestellt zu sein: aufrührerische, plötzliche, stürmische, blutige Revolutionen oder ein weiterer Verfall der auf dem Volk gegründeten Demokratie bis hin zur zwangsläufigen Diktatur. Der Aufbau von Bürger-Organisationen bedeutet friedliche Revolution; es ist der Prozeß, in dem die Menschen langsam, aber unwiderruflich ihren Platz als Bürger in einer Demokratie einnehmen.“ (Alinsky, 1999, S.171)</span></span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><span style="text-decoration: underline;">Phasen</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Für diesen Aufbau von Bürger-Organisation beschreibt Alinskys drei Phasen, die zu durchlaufen sind. Dabei ist es Alinsky immer wichtig, dass der Aufbau einer Organisation immer etwas anders verläuft und diese Phasen nur ein vages Gerüst sind. Darum hält er die Beschreibung der Phasen in seinem Buch möglichst knapp.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die erste Phase ist die Gesprächsphase. In dieser Phase werden Gespräche mit Menschen aus dem Gemeinwesen geführt und es soll dabei herausgefunden werden, wie das Gemeinwesen funktioniert, welche Traditionen und Bräuche in dem Ort eine wesentliche Rolle spielen und wo die Machtlinien verlaufen. In dieser Phase spürt der Organizer mögliche Schlüsselperson auf. Diese Schlüsselpersonen sind Menschen, die für die Menschen im Ort natürliche Vertrauenspersonen geworden sind. Es sind nicht unbedingt Menschen, die das größte Ansehen nach außen besitzen, sondern diejenigen, die viele Beziehungen zu den Menschen im Gemeinwesen haben (Alinsky, 1999, 77-82). Auf die genaue Analyse und Suche nach Schlüsselpersonen gehe ich ein wenig später noch ein.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">In der zweiten Phase werden die gefundenen Schlüsselpersonen befähigt ihre Führungsaufgabe auch öffentlich wahrnehmen zu können. Damit sollen sie lernen ihre Anhänger im Gemeinwesen so zu vertreten, dass diese sich einbezogen fühlen (Alinsky, 1999, 73-76).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">In der dritten Phase begleitet der Organizer, die Schlüsselpersonen bei der Ausarbeitung des Programms und tritt nach und nach immer weiter in den Hintergrund. Die Schlüsselpersonen, müssen sich in dieser Phase auf Themen im Konsens einigen, die auch die breite Bevölkerung unterstützt (Alinsky, 1999, S.106-114).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Schlüsselpersonen werden hierbei nicht ganz alleine gelassen, da der Organizer durch geschicktes Fragen die Schlüsselpersonen zu Lösungen kommen lassen soll. Hierbei stellt sich die Frage in wieweit der Organizer manipuliert oder wirklich die Schlüsselpersonen an den Entscheidungen teilhaben (Schmid, 2006, S.9).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">„<span style="font-family: ">Der Organizer hat jedoch meistens eine recht gute Vorstellung davon, was eine Gemeinde unternehmen sollte, und er wird Anregungen geben, manövrieren und die Gemeinde überzeugen wollen, eine bestimmte Aktion durchzuführen“ (Alinsky, 1999, S.123).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Nachdem die Bürger-Organisation ein Thema ausfindig gemacht hat, geht es um die Durchsetzung des Themas; dies beschreibe ich im nächsten Kapitel, nachdem ich auf die Art der Beziehungen und auf die Machtfrage näher eingegangen bin.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><strong>Beziehungen und Macht – Grundtendenzen im Community Organizing</strong></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Zunächst will ich auf zwei verschiedene Aspekte im Community Organizing eingehen; es sind die „Soft-Skills“ und die „Hard-Skills“ im Community Organizing, also die weichen und die harten Künste im Community Organizing (McNeil, 2007, S.232). Das sind zum einen die Beziehungen untereinander, als weicher Faktor und die Macht nach außen hin, als harter Faktor.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Das wichtigste sind die Schlüsselpersonen oder „Little Joes“ (Alinsky, 1999, S.75), wie Alinsky sie manchmal nennt, zu finden, darum folgende Geschichte:</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><strong>Schlüsselpersonen</strong></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Einzelgespräche werden im Community Organizing zu Hunderten und zu Tausenden geführt. Diese Gespräche sind das Fundament jeder Bürgerplattform.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">In gewisserweise haben diese Gespräche von der Idee her, Ähnlichkeiten zur klientenzentrierten Gesprächsführung, geht es auch bei dieser Form der Beratung nur mit den drei Haltungen, die auch im Community Organizing wichtig sind: positive Wertschätzung und emotionale Wärme, Echtheit sowie einfühlendes Verstehen (Galuske, 2007, S180).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Allerdings handeln sich die Gespräche ganz und gar nicht um Beratungsgespräche, denn es geht darum Beziehungen, und gegenseitiges Vertrauen und Verlässlichkeit herzustellen. Es geht vielmehr darum, wie es Vaclav Havel gesagt hat, dass „wirkliche Demokratie nicht mit Wahlen beginnt, sondern mit Gesprächen“ (zitiert nach Jamoul, 2007, S.228).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">„Es geht nicht so sehr darum, was jemand tut, sondern warum. Was ist die Motivation? Was waren Schlüsselerlebnisse? Woran glaubt sie? Was sind seine Wertvorstellungen? Wo sitzt der Ärger, dessen Ursprung begründet liegt in Verlust, Trauererfahrungen, und der gesehen wird als Antriebskraft für das Handeln? Und letztlich: ist er/sie auch bereit, zu handeln?“ (Mohrlok, 2001, S.6)<span style="font-family: "><br />
Diese Gespräche sind keine Gespräche zwischen Freunden, sondern es handelt sich um öffentliche Beziehungen. Leo Penta spricht hier von „persönlich-öffentlichen Beziehungen“ (mündliche Überlieferung, ähnlich formuliert es Mohrlok, 2001, S.6), in denen man auf persönlicher Ebene spricht, aber in denen es nicht darum geht eine freundschaftliche Beziehung oder eine geschäftliche Beziehung aufzubauen, sondern in der darum, die andere Person kennen zu lernen und diese Person zu respektieren. Es geht also hierbei nicht um das gegenseitige Mögen oder Nichtmögen, sondern nur darum, herauszufinden was das Gegenüber interessiert und was seine Lebensmotivation ist, völlig gleich ob man selbst sie für positiv oder negativ erachtet. Denn jedes Eigeninteresse wird durch gemeinsames Handeln zu Solidarität. Nur ist es wichtig jedes einzelne Eigeninteresse auch wirklich zu kennen, um dieses für das gemeinsame Handeln zu wecken (Alinsky, 1999, S.84-85).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Aus diesen Gesprächen werden Schlüsselpersonen ermittelt. Schlüsselpersonen sind Menschen, die ein Netz von Beziehungen haben, es wird manchmal sieben als Mindestzahl der Beziehungen genannt. Alinsky spricht gar von 30-50 Beziehungen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Schlüsselpersonen sollten auch Ärger in sich tragen, was sie veranlasst für Veränderungen zu kämpfen. Schlüsselpersonen müssen geschult werden und leiten (zumindest nach außen hin) die Bürgerplattform und besuchen daher Trainings. Bei diesen Trainings soll den Schlüsselpersonen mehr Kompetenz gegeben werden, denn sie sollen ihre Beziehungen erweitern und sollen möglichst zu natürlichen Schlüsselpersonen des gesamten Gemeinwesens werden. Die Organizer sind damit die Regisseure und koordinieren die Arbeit, die Schlüsselpersonen aber sollen die Akteure der Bürgerplattform und des Gemeinwesens werden (Mohrlok, 2001, S.8).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Um Einzelgespräche und vor allem Beziehungen stabil zu halten und zu kräftigen braucht man gewisse Kompetenzen, die erlernt werden können; diese bezeichnet McNeil, als „Soft Art of Organizing“, die zu der wichtigsten Aufgabe des Community Organizing zählt neben der „harten“ Seite des Community Organizing, wenn es um die Machtfrage und die Konfliktlösungsstrategie geht, wie ich später erläutern werde.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Diese „Soft-Skills“ müssen von Organizern und Schlüsselpersonen, die diese Gespräche führen einstudiert und reflektiert werden. McNeil nennt dabei das Zuhören, Einfühlen, Mitdenken und die Rituale (McNeil, 2007, S.232-238): </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><span style="text-decoration: underline;">Zuhören</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Beziehungen sind das Fundament von Community Organizing. Nur wenn die Menschen sich gegenseitig kennen, können sie aufeinander aufbauen und sich vertrauen. Nur wenn die Menschen sich kennen, können sie sich vernetzen und wissen wann und in welcher Situation, der Einzelne für eine Aktion zu gewinnen ist und wie er agieren wird. Darum ist das aktive Zuhören ein ganz wichtiges Prinzip im Community Organizing.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Um heraus zu finden wie eine Person „tickt“ ist es wichtig sich bei einem Gespräch nicht auf Community Organizing oder ein anderes Thema zu fixieren und eigene persönliche Bedürfnisse des Fragenden in den Vordergrund zu rücken. Beim Zuhören soll alles darauf ausgerichtet sein zu verstehen, was die andere Person ausmacht, welche Sorgen sie plagen, welche Hoffnungen sie hat, was ihr am meisten bedeutet und was ihr Ärger macht.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Es geht darum echtes Interesse zu zeigen und neugierig auf die andere Person zu sein. Es soll kein oberflächliches Gespräch sein (McNeil, 2007, S.232f.).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><span style="text-decoration: underline;">Einfühlen</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Ein weiteres wichtiges Merkmal im Gespräch ist die Empathie. Es geht darum, die Geschichte des anderen Menschen kennen zu lernen und die Besonderheit jeder einzelnen Geschichte zu erfahren und in Kontext mit der eigenen Geschichte zu stellen (McNeil, 2007, S.233f.).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><span style="text-decoration: underline;">Mitdenken</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Mitdenken bedeutet nach McNeil Einfühlungsvermögen in jeder Situation zu haben. Das heißt überlegtes Handeln und organisierte Strategie. Menschen, die weniger Reden, sollten in Diskussionen mit einbezogen werden, andere Menschen sollen so kritisiert werden, dass es nicht persönlich genommen wird und die Person mit Achtung behandelt wird. Die Menschen der Plattform sollten auf dem Laufenden gehalten werden und die eingebrachte Zeit die diese Menschen einbringen sollte hoch gehalten und respektiert werden und ihnen dafür Anerkennung gegeben werden (McNeil, 2007, S.234).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><span style="text-decoration: underline;">Rituale</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Es gibt bestimmte Übereinkünfte, an die man sich nach McNeil halten soll. Diese Übereinkünfte nennt er Rituale, da diese Übereinkünfte für die Menschen eine Bindung, eine Beziehung darstellen und damit eine zentrale Bedeutung bekommen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Diese Übereinkünfte sind zum Einen straffe, konzentrierte Treffen. Alle Treffen sollten eine genau definierte Anfangs- und Endzeit haben. Dadurch werden die Treffen kurz und bündig und haben ein klares auf Handeln ausgerichtetes Ziel.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Eine weitere Übereinkunft ist der Dreischritt einer jeden Aktion in Planung – Durchführung – Auswertung (McNeil, 2007, S.236). </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><strong>Die Kirche als Schlüsselperson</strong></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Kirchengemeinden sind neben Sportvereinen ein wesentlicher und wichtiger Akteur in einem Gemeinwesen und sind deshalb immer auch wichtige Träger (als der Kirche zugehörig bekannte Einzelpersonen oder als ganze Organisation) bei allen Community Organizing Projekten.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">In den Kirchengemeinden gibt es aber wenig aktive Mitglieder und damit wenig Beteiligung. Gerade durch den Aufbau einer Bürgerplattform, indem durch die vielen Gespräche untereinander Beziehungen aufgebaut werden, gibt es für die Kirche die Möglichkeit, aktive Menschen für ihre Gemeinde zu gewinnen (Chrismon, 2005, S.62).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Vor allem da bei diesen Gesprächen auf das Eigeninteresse eingegangen wird, erfahren die Kirchengemeinden auch viel eher, was ihre Mitglieder bewegt und wo sie sich selbst auch verändern könnten.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Für Gemeinderatssitzungen und andere Veranstaltungen können die im vorherigen genannten Rituale angewendet werden damit die Zeiten begrenzt werden. „Es gibt zum Beispiel immer eine Agenda mit genauem Zeitplan -15 Minuten für diesen Punkt und wenn man mehr Zeit braucht, wird darüber erst abgestimmt“ (Chrismon, 2005, S.62).</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><strong><span style="font-family: ">Macht, Konflikt und Aktion</span></strong></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Macht ist ein schwieriges Wort für die meisten Menschen. Sofort denken viele an Machtmißbrauch, Gewalt und Grausamkeit und Diktatur. Hannah Arendt spricht folgendermaßen von Macht:</span></p>
<p>„ Macht entspricht der menschlichen Fähigkeit, nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln. Über Macht verfügt niemals ein Einzelner; sie ist im Besitz einer Gruppe und bleibt nur solange existent, als die Gruppe zusammenhält.“ (Arendt, 2003, S.45)</p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Für Hannah Arendt bedeutet Macht die Fähigkeit gemeinsam zu handeln und in diesem Sinne handelt auch Community Organizing. Es geht nicht so sehr darum mit Gewalt seine Interessen durchzusetzen, sondern mit einem positiven Verständnis von Macht im gemeinsamen Handeln wieder zu Einfluß zu gelangen (Schraml, 2007). </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify">„<span style="font-family: ">Macht ist eine wesentliche Lebenskraft, die immer wirkt, entweder zur Veränderung der Welt oder zur Verhinderung von Veränderung.“ (Alinsky, 1999, S.44)</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: "><span style="text-decoration: underline;">Konflikt – Die Aktionen im Community Organizing</span></span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Bevor eine Aktion durchgeführt wird, muss zunächst das Thema der Aktion gefunden werden. Ähnlich wie der Aufruf von Impuls-Mitte zu Bürgertreffen zu kommen (Kapitel 2.1), werden auf solchen Treffen zunächst die individuellen Probleme jedes einzelnen gesammelt. Diese Einzelprobleme werden zu Themen verdichtet. Die Schlüsselpersonen treffen sich, wenn diese Themen auf den einzelnen Bürgertreffen gesammelt wurden sind. Diese erörtern die Probleme und erstellen eine Machtanalyse. Hierbei werden die Zielpersonen ausgelotet und gesehen welche Verantwortliche vorhanden sind und über wieviel Macht zur Veränderung diese haben. Eine Machtanalyse erfordert deshalb eine gute Recherche. Entsprechend dieser Analyse wird entschieden welche Themen am ehesten angegangen werden können (Jamoul, 2007, S.227). </span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Wie bereits beschrieben besteht eine Aktion in dem Dreischritt: Planung – Durchführung – Auswertung (McNeil, 2007, S.236). Für die Planungsphase beschreibt Alinsky eine Reihe von Taktiken, die eingesetzt werden können um den Konflikt, der in der Bearbeitung eines Themas entsteht, zu gewinnen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Alinskys Taktiken des Konflikts (Alinsky, 1999, S.140-142):</span></p>
<ol>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Macht ist nicht nur das was du besitzt, sondern auch das was der Gegner meint das du es hättest.</span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Niemals den Erfahrungsbereich der eigenen Leute verlassen, das führt zu Angst, Verwirrung und Zurückhaltung</span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Verlasse immer den Erfahrungsbereich des Gegners</span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Zwinge den Gegner nach seinen eigenen Gesetzen zu leben</span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Spott ist die stärkste Waffe, der Gegner wird wütend und reagiert zu deinem Vorteil</span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Taktiken müssen den Leuten Spaß machen</span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Taktik darf nicht schleppend und müde wirken</span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Der Druck darf nie loslassen und muss aufrechterhalten werden</span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Die Drohung ist abschreckender, als die Sache selbst</span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Es muss eine Strategie gefunden werden, die mit konstantem Druck arbeitet. Druck erzeugt eine Reaktion und konstanter Druck hält die Aktion in Gang</span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in;"><span style="font-family: ">Negatives wird positiv. Alinsky beschreibt hier ein Beispiel in dem der Rassismus gegenüber Schwarzen für die Schwarzen verwandt wird. Schwarze stellen sich vor die Häuser weißer Hausbesitzer, in deren weißen Stadtvierteln, solange bis diese mit den Mieten runtergehen und Reparaturen durchführen, da die Nachbarn, der Hausbesitzer keine Schwarzen in ihren Viertel mehr sehen möchten (Alinsky, 1999, S.152f.). </span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family: ">Es muss dem Gegner immer eine konstruktive Alternative angeboten werden</span></p>
</li>
<li>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in;"><span style="font-family: ">E</span><span style="font-family: ">in Ziel wählen, personalisieren und daran festhalten und die Verantwortung des Gegners nicht auf andere Personen abwälzen lassen</span></p>
</li>
</ol>
<p><strong><span style="font-family: Arial,sans-serif;">Literaturverzeichnis</span></strong></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Alinsky, Saul D. (1999):</strong> <a href="http://www.amazon.de/gp/offer-listing/3889775594?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=am2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3889775594">Anleitung zum Mächtigsein. Ausgewählte Schriften.</a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3889775594" border="0" alt="" width="1" height="1" /><br />
, 2. Auflage, Lamuv Verlag, Göttingen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Arendt, Hannah (2003):</strong> <a href="http://www.amazon.de/gp/product/349220001X?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=349220001X">Serie Piper, Bd.1, Macht und Gewalt</a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=349220001X" border="0" alt="" width="1" height="1" />, 15. Auflage, Piper, München.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Chrismon (2005): </strong>12/2005, Seite 60-62.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><strong>Galuske, Michael (2007)</strong>:<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3779914417?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3779914417">Methoden der Sozialen Arbeit: Eine Einführung<span style="font-family: Arial,sans-serif;">, 7. Auflage, Juventa.</span></a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3779914417" border="0" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Jamoul, Linda (2007):</strong> Handwerkszeug für Community Organizer; in: Penta (Hrsg.) 2007, S. 224-230.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Kunstreich, Timm (2000):</strong> Grundkurs Soziale Arbeit, Bd. 1, 2. korr. Auflg., Kleine Verlag, Bielefeld.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Kunstreich, Timm (2001):</strong> Grundkurs Soziale Arbeit, Bd. 2, 2. korr. Auflg., Kleine Verlag, Bielefeld.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Mohrlok, Marion (2001):</strong> Politik beginnt bei den Leuten! Organizing im Stile der „Industrial Areas Foundation“, Stadtteilarbeit.de, zuletzt besucht am 13.04.2008 unter <a href="http://212.12.126.151/cms/index2.php?option=com_content&amp;do_pdf=1&amp;id=92">http://212.12.126.151/cms/index2.php?option=com_content&amp;do_pdf=1&amp;id=92</a>.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>McNeil, Larry B. (2007):</strong> Beziehungsarbeit – eine sanfte Kunst; in: Penta (Hrsg.) 2007, S. 231-240.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Penta, Leo J. (Hrsg.) (2007):</strong> <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3896840665?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3896840665">Community Organizing: Menschen verändern ihre Stadt</a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3896840665" border="0" alt="" width="1" height="1" />, edition Körber-Stiftung, Hamburg.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Penta, Leo J. (2007a):</strong> Wie entsteht eine funktionierende Bürgerplattform?; in: Penta (Hrsg.) 2007, S. 219-223.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Penta, Leo J. (2007b):</strong> Macht der Solidarität; in: Penta (Hrsg.) 2007, S. 99-108.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Rothschuh, Michael (2007a):</strong> Community Organizing in den USA, Rothschuh.de, zuletzt besucht am 14.03.2008 unter <a href="http://rothschuh.de/CO_2_USA.htm." target="_blank">http://rothschuh.de/CO_2_USA.htm</a>.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Rothschuh, Michael (2007b):</strong> Industrial Areas Foundation (IAF): professionelles Netzwerk für Organisationen des CO, Rothschuh.de, zuletzt besucht am 14.03.2008 unter <a href="http://rothschuh.de/CO_6_IAF.htm">http://rothschuh.de/CO_6_IAF.htm</a>.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Schraml, Christiane (2007):</strong> Community Organizing und die politische Philosophie Hannah Arendts; in: Penta (Hrsg.) 2007, S. 109-120.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Schmid, Sandra (2006):</strong> Community Organizing nach Saul D. Alinsky; in: Schmid et. al, 2006, S. 5-12.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Schmid, Sandra; Meyer, Dominique; Rösli, Ursula; Romer, Jann; Müller, Simon; Stössel, Marianne (Hrsg.) (2006):</strong> Sozial Radikal. Saul Alinsky – Auf den Spuren seines Community Organzing, Homepage von FOCO, zuletzt besucht am 14.03.2008 unter <a href="http://fo-co.info/Sozial%20Radikal.pdf">http://fo-co.info/Sozial%20Radikal.pdf</a>.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Stoecker, Randy (2001):</strong> Crossing the Development &#8211; Organizing Divide: A Report on the Toledo Community Organizing Training and Technical Assistance Program, Toledo.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Szynka, Peter (2006): </strong>Theoretische und empirische Grundlagen des Community Organizing bei Saul D. Alinsky(1909-1972), Akademie für Arbeit und Politik/Bremer Beiträge zur Politischen Bildung 3/2006, Bremen.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;"><span style="font-family: Arial,sans-serif;"><strong>Wessels, Lutz (2004):</strong> Organisieren oder entwickeln lassen. Community Organizing und Community Development, Homepage FOCO, zuletzt besucht am 14.03.2008 unter <a href="http://fo-co.info/Wessels_CO_CD.pdf" target="_blank">http://fo-co.info/Wessels_CO_CD.pdf</a>.</span></p>
<p class="western" style="margin-bottom: 0in; line-height: 150%;">
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		<title>Gemeinde und Gemeinwesen</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Apr 2008 06:07:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adigwe</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Durch vielfältige gesellschaftliche Veränderungen hat sich auch die Kirchengemeinde verändert. Diese Veränderungen müssen berücksichtigt werden und neue Konzepte für die Zukunft ausgearbeitet und immer mit der theologischen Betrachtungsweise überprüft werden. Viele Ideen wie sich Gemeinde verändern könnte wurden in der Vergangenheit beschrieben. Ich halte das Konzept der Gemeinwesenarbeit für ein sehr sinnvolles Konzept, dass sich an den gesellschaftlichen Veränderungen orientiert. Kirchengemeinde ist meiner Meinung nach immer auch eine diakonische Gemeinde und sollte sich an den Bedürfnissen ihrer Mitglieder und aber vor allem um ihrer Nächsten kümmern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p id="top" />Neue Hoffnung für Kirche und Rückbesinnung auf den theologischen Auftag von Kirche trotz sinkenden Mitgliederzahlen und sinkenden Finanzmitteln<strong> </strong></p>
<p><strong>Gemeinwesenarbeit – Eine neue Option für die Gemeinde?</strong></p>
<p ALIGN="right">Suchet der Stadt Bestes,<br />
dahin ich euch habe wegführen lassen,<br />
und betet für sie zum HERRN;<br />
denn wenn&#8217;s ihr wohlgeht,<br />
so geht&#8217;s auch euch wohl.<br />
Jeremia 29,7</p>
<p>Durch vielfältige gesellschaftliche Veränderungen hat sich auch die Kirchengemeinde verändert. Diese Veränderungen müssen berücksichtigt werden und neue Konzepte für die Zukunft ausgearbeitet und immer mit der theologischen Betrachtungsweise überprüft werden. Viele Ideen wie sich Gemeinde verändern könnte wurden in der Vergangenheit beschrieben. Ich halte das Konzept der Gemeinwesenarbeit für ein sehr sinnvolles Konzept, dass sich an den gesellschaftlichen Veränderungen orientiert. Kirchengemeinde ist meiner Meinung nach immer auch eine diakonische Gemeinde und sollte sich an den Bedürfnissen ihrer Mitglieder und aber vor allem um ihrer Nächsten kümmern. Eine Kirchengemeinde kann durchaus Mitgestalter des Gemeinwesens sein und die Soziale Integration aller Menschen fördern. Dabei darf und soll die Kirche nicht säkularisiert werden, sondern die säkularisierte Welt muß mit dem Glauben der Bürger leben. Ich werde untersuchen und erläutern ob Gemeinde diakonisch sein sollte und ob Gemeinwesenarbeit theologisch wie konzeptionell eine stimmige Form von Gemeindearbeit sein kann.<br />
Zunächst will ich die Probleme beschreiben die, die Gesellschaft betreffen und somit auch Auswirkungen auf die Kirchengemeinden und die Diakonie haben und auch diese beschreiben. Dann erläutere ich die Theorie der Gemeinwesenarbeit  und beleuchte die theologische und sozialarbeiterische Sicht dazu zu. Ich stelle konkrete Konzepte für kirchliche Gemeinwesenarbeit vor und fasse am Ende zusammen, in wieweit Gemeinde und Gemeinwesenarbeit möglich ist.</p>
<p><strong>Gesellschaftliche Veränderungen</strong><br />
Trotz des neuerdings angekündigten minimalen Wirtschaftsaufschwungs und die immer wiederkehrenden eindringlichen Beschwörungen der Politiker und Arbeitgeber, dass der Aufschwung allen gelte, kann nichts darüber hinweg täuschen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander fällt und immer mehr Menschen in Deutschland in Armut leben. Dies ist bedingt durch den gewollten Konkurrenzkampf zwischen den Staaten um Standort und Wirtschaftskraft, der sogenannten Globalisierung. Dieser Konkurrenzkampf ist verbunden mit Lohnsenkungen und wird damit auf Kosten der Arbeiter ausgetragen. Diese Profitmaximierung führt auch dazu, dass Firmen ihre Produktion ins billigere Ausland auslagern und ruft in Deutschland eine größere Arbeitslosigkeit hervor. Seit 1980 gab es in Deutschland keinen erheblichen Wachstum mehr.<br />
Die Ursache dieser Globalisierung hat immense Auswirkungen auf die Bevölkerung und geht einher mit soziale Verwerfungen und Spannungen. Da billige Arbeitsplätze unter Konkurrenzdruck sind, da sie sonst ins Ausland ausgelagert werden, aber Manager und Spitzenverdiener immer mehr Geld verdienen. So entsteht ein großes Gerechtigkeitsproblem.<br />
Bildung und Ausbildung wird zum einen immer größeren Kostenfaktor für Familien. Es wird Lehrmittelfreiheit in den Schulen abgeschafft, Studiengebühren in den Universitäten eingeführt. Anstatt zu fördern wird primär selektiert. Mit einem Hauptschulabschluß kann man immer weniger was mit anfangen, da wie schon erwähnt die billigen Arbeitsplätze ins Ausland ausgelagert werden oder es durch den Konkurrenzdruck zu sehr geringen Gehältern führt, sei es durch Zeitarbeitsarbeit, 400€-Basis oder durch Arbeit in Branchen ohne festgelegte Tarife.<br />
Da stellt sich die Frage nach der Zukunft der Erwerbsarbeit. Ist es nötig die Löhne so niedrig zu halten oder wird es in Zukunft dazu kommen, dass unterbezahlte Löhne durch staatlich garantiertes Einkommen ersetzt werden.<br />
Im Moment werden Menschen in Armut durch sanktionierende Maßnahmen im Rahmen von Hartz IV bei der Stange gehalten und müssen fast jeden Job (auch 1 Euro Jobs) annehmen um nicht ihre Mindestsicherung nach SGB II gekürzt zu bekommen.<br />
Eine andere gesellschaftliche Veränderung ist verursacht durch die fortgeschrittene Medizin und dem fehlenden persönlichen Bedarf an Kindern. Es verändert sich die Demographie. Es gibt prozentual immer mehr ältere Menschen, weil die Lebenserwartung stetig steigt und immer weniger Kinder geboren werden, weil der Stellenwert der Familie keinen hohen Rang mehr besitzt. Die Rente basiert darauf, dass die Arbeitnehmergeneration die pensionierte Generation finanziert, durch die Abnahme der Arbeitnehmergeneration und die Zunahme der pensionierten Generation, wird die pensionierte Generation von Politik und Wirtschaft zunehmend als Last bezeichnet.<br />
Menschen, die früher in Milieus lebten, waren oftmals als Nachbarn, Kirchenmitglieder oder Gewerkschaftsangehörige miteinander verbunden und halfen sich aus, diese Zugehörigkeit ist zunehmend von Veränderung betroffen. Durch die veränderten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt (keine lebenslange Jobgarantie, die Erwartung sich flexibel dem Markt anzupassen und umzuziehen) ist eine große Individualisierungstendenz zu beobachten. Menschen fühlen sich weder von Organisationen noch anderen Menschen unterstützt und vertreten. Sie versuchen sich immer mehr im Alleingang sich zu behaupten.<br />
Eine Integration der Kulturen und Religionen ist, seit dem Zuzug vieler Menschen aus verschiedenen Ländern in den 70er Jahren und durch die zunehmende Globalisierung, unabdingbar geworden. Politik und Gesellschaft tut sich hiermit immer noch sehr schwer und das Problem belastet viele der Hinzugezogenen, die nicht vollständig akzeptiert sind und sich nicht der Gesellschaft zugehörig fühlen dürfen.<br />
Alle diese genannten gesellschaftlichen Veränderungen haben einen großen Einfluß auf Kirche und Diakonie, wie ich jetzt erläutern werde.</p>
<p><strong>Evangelische Kirche und Gemeinden</strong><br />
Die evangelischen Kirchen in Deutschland ist mit verschiedenen Aspekten konfrontiert. Einerseits findet eine Entkirchlichung und eine Entchristlichung der Gesellschaft statt, auf der anderen Seite sind viele Menschen auf der Suche nach religöser Orientierung.<br />
Auf Entkirchlichung deuten die sinkenden Mitgliederzahlen hin. Dies hat zur Folge, dass die Überalterung in der Kirche noch stärker zunimmt, als sie es prozentual durch Geburtenrückgang in der Gesamtbevölkerung entwickelt, besonders in ländlichen Gebieten.<br />
Außerdem kann es in vielen Gemeinden zu einer Milieuverengung kommen, da viele Mitglieder der Kirche erhalten bleiben, die zu einem Traditions-Milieu gehören und aus der Familientradition heraus der Kirche treu bleiben.<br />
Zu diesem Milieu gehören vor allem ältere Menschen, das heißt, dass die Überalterung der Gesellschaft in einem besonderen Maße auf die Kirche Auswirkungen hat. Altenarbeit und -hilfe wird einerseits somit zu einem sehr wichtigen Auftrag der Kirche. Das bedeutet aber nicht nur Nachbarschaftshilfe und Pflege sondern auch dass bei den Pensionierten ein hoher Anteil von ehrenamtlicher Arbeit zu erwarten ist, der durch seiner Lebenserfahrung viel potential für eine Kirche bietet. Anderseits ist es umso wichtiger die junge Generation im Blick zu halten und vermehrt darauf zu achten genügend Angebote für Kinder und Familien zu bieten, so dass diese nicht ganz der Kirche verloren gehen.<br />
Diese und die anderen gesellschaftlichen Entwicklungen führen dazu, dass es ein immer kleiner werdender Anteil von Steuerzahlern, als Kirchenmitglieder zur Verfügung stehen.<br />
Für die Kirche bedeutet dieses ein Bedeutungsverlust sowie ein Verlust an Finanzmittel. Dadurch entsteht ein enormer Druck auf den kirchlichen Strukturen und es entstehen zu nehmend Verteilungs- und Konzeptionsdebatten. Dabei gibt es Kämpfe zwischen den  funktionalen, also den übergemeindlichen Diensten und den parochialen, also den kirchengemeindlichen Diensten. Anstatt sich hier gegenseitig auszuspielen, ist eine Integration der jeweiligen Dienste viel wichtiger. Dabei, so Götzelmann (vgl. Götzelmann, 2003, S. 198), sollte man nach dem Prinzip der Subsidiarität vorgehen, das heißt erst die Familie, Nachbarschaft, Selbsthilfegruppe, dann die Gemeinde und erst danach die regionalen oder überregionalen zentralen Dienste.<br />
Die religiöse Suche der Menschen bedeutet für die Kirche, das Vielerorts neue Gemeindeformen entstehen. Kirche wird vielfältig und vielschichtig. Diese Pluralisierung macht die Kirche auf der einen Seite vielleicht schwammig und ihr Profil ist schwer zu erkennen, auf der anderen Seite öffnet sich die Kirche und kann so einer breiteren Masse Halt und Lebensorientierung bieten.<br />
Durch das Auseinanderfallen von Wohn- und Arbeitsort ist die Kirche nicht in der Mitte des Lebens der Menschen. Oft ist der Wohnort nur der Schlafort und an dem Ort wo gearbeitet wird, da wird sich auch getroffen und dort findet auch das Leben statt. Kirche und auch Gemeinwesenarbeit definiert oft den Wohnort zum Lebensort, dies verändert sich und sollte viel stärker berücksichtigt werden.<br />
Die Kirche kann aber weiterhin, auf Grund ihrer vielen sozialen Dienstleistungen der Diakonie, als zivilgesellschaftlicher Akteur eine sehr wichtige Stellung einnehmen und man sieht dadurch wie wichtig die Institutionen der Diakonie sind, es zeigt aber auch was für ein potenzial die einzelne Kirchengemeinde als Sprachrohr des Stadtteils haben kann und es könnte eine Stimme der verarmten im Gemeinwesen sein.<br />
Die Frage bleibt aber ob eine Konzentration nur auf die Mitglieder und und eine Ausrichtung auf die Befriedung ihrer Bedürfnisse und damit verbunden Kürzung aller Hilfen für Nichtmitglieder der Weg aus der Mitglieder- und Finanznot ist. Die Kirche verkommt meines Erachtens so zu einer Interessenvertretung von wenigen, wie es Gewerkschaften sind, die nur den Kreis der Arbeitenden vertreten nicht aber die der Arbeitslosen. Kirche sollte gerade für die suchenden, nicht glaubenden eintreten, (sowie die Gewerkschaften gerade für die Arbeitslosen eintreten sollten). Eine Öffnung der Kirchengemeinde für Außenstehende bedeutet nicht aber Säkularisierung sondern dies soll mit dem biblischen Anspruch und Zuspruch geschehen, dass Gott für alle Menschen einsteht und insbesondere für die die Suchen und Hilfe bedürfen. Dieses werde ich aber im theologischen Teil noch weiter ausführen.</p>
<p><strong>Kirche und Diakonie</strong><br />
Diakonische Einrichtungen gehören zur Kirche und sind spätestens seit der Gründung der Inneren Mission durch Wichern, fester Bestandteil der evangelischen Kirchen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Diakonischen Werke gebildet.<br />
Diakonische Einrichtungen stehen heute einerseits in einem Wettbewerb zu anderen Anbietern und müssen sich dort positionieren. Dies wird weiterhin vehement gefordert, obwohl gesamtgesellschaftlich dadurch großer Schaden entstehen könnte, den unter Kosteneinsparungen, in einem Land in dem kaum Wachstum mehr entsteht, führt so etwas nur zu mehr Not und Armut.<br />
Anderseits ist eine Zusammenarbeit von Gemeinden und Institutionen der Diakonie immer mehr vorstellbar und es wäre konsequent anlässlich der wachsenden Armut der Mitglieder in den Gemeinden. So enstehen viele armutsorientierte Projekte auf Gemeindeebene, wie Tafeln, Kleiderkammern und auch politische Initiativen.<br />
Die Frage ist nur ob eine Konzentration auf staatliche Fördergelder und Zuschüsse richtig ist wo durch dann genau dem politischen Zeitgeist nachgegangen wird und damit auch in Konkurrenz um das billigste Angebot mit anderen Trägern tritt und ein Stechen um Hilfeangebote entsteht, so hat der Staat leichtes Spiel hat Sozialleistungen weiter runter zu kürzen, oder ob ein es angebracht wäre auf Kirchengemeinden zuzugehen. Durch eine Vernetzung der Angebote der Diakonie und der Kirchengemeinde könnten deren Angebote besser gefördert werden und deren ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützt werden und professionalisiert werden.</p>
<p><strong>Gemeinwesenarbeit</strong><br />
Gemeinwesenarbeit beachtet den sozialen Problemen, den strukturellen Hintergrund und versucht sich daher auf die Bedürfnisse der Menschen in einem Gemeinwesen auszurichten. Gemeinwesenarbeit konzentriert sich daher auf die Ressourcen der Menschen und versucht diese zu aktivieren und in Netzwerken zu organisieren um die Anliegen und Interessen der Menschen öffentlich zu machen. In der Gemeinwesenarbeit geht es also um Linderung, Verhinderung oder Beseitigung der Probleme von Menschen zentral durch Aktivierung der Menschen.</p>
<p><strong>Geschichte</strong><br />
Um die Verschiedenartigkeit der vorgestellten Konzepte zu erklären, will ich einen kurzen Ausflug in die Geschichte der Gemeinwesenarbeit machen, da so deutlich wird, das Gemeinwesenarbeit einerseits eine recht alte Idee ist, anderseits aber durchaus unterschiedlich gehandhabt und durchgeführt wurde.<br />
Gemeinwesenarbeit entstand genau genommen zuerst in England. Den Ursprung der Gemeinwesenarbeit kann man in der Settlementbewegung von 1870 sehen, als die Barnetts die Toynbee Hall in London gründeten. Dies war eine Art Nachbarschaftszentrum, in dem die Menschen in einem Londoner Arbeiterviertel zusammen kommen konnten und gemeinsame Aktivitäten durchführen konnten &#8211; allerdings wurden diese oft von den Barnetts oder Studierenden durchgeführt.<br />
1889 gründete Jane Addams das Hull House in Chicago. Das Hull House war ein Zentrum für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Gemeinsam mit Studentinnen gründeten sie Gewerkschaften und leisteten politischen und sozialen Druck auf Politik und Wirtschaft aus. Im Hull House gab es politische Diskussionen, Lesungen und es wurden Streiks organisiert.<br />
Eine etwas andere Form hat Paolo Freire mit seinem Alphabetisierungsprogramm entwickelt. Sein Programm kann durchaus, als Gemeinwesenarbeit verstanden werden, da diese Programm durch gegenseitiges Austauschen und Lernen, Menschen aus ihrer Unterdrückung befreit werden sollten und gemeinsam, von der Gesellschaft gesetzte Grenzen überwinden.<br />
Saul D. Alinsky entwickelte das Community Organizing in Amerika.<br />
Im Jahr 1960 baute Alinsky zunächst in einem Stadtteil in Chicago eine Organisation auf, die alle wichtigen Vertreter der Bewohner, die Einfluß auf den gesamten Stadtteil hatten, versammelte. Diese Organisation konnte gemeinsam gefundene Ziele mit großer Geschlossenheit und damit enormen Druck auf Politik und Wirtschaft, durchsetzen.<br />
In Deutschland gab um es 1900 die Nachbarschaftsheimbewegung, diese Bewegung, die unter anderem Volkshochschulkurse anbot, hatte keinen großen sozialpolitischen Einfluß. 1930 wurden diese Heime von den Nazis geschlossen.<br />
Seit etwa 1960 existiert wieder Gemeinwesenarbeit in Deutschland. Sie entstanden vor allem in Sanierungsgebieten. Es gab und gibt verschiedene Formen der Gemeinwesenarbeit:<br />
1.Die integrative Gemeinwesenarbeit, dessen Verfechter M. Ross ist. Sie ist mit den vorgegebenen Strukturen einverstanden. Chancengleichheit besteht für alle und es versucht mit den Bewohnern Kompromisse zu suchen um ihre Not zu lindern.<br />
2.Die aggressive Gemeinwesenarbeit, vertreten durch Müller (wie auch Alinsky in Amerika), will die Bewohner im Stadtteil aktivieren, sich gegen ungerechte Strukturen zur Wehr zu setzen.<br />
3.Die katalytisch aktivierende Gemeinwesenarbeit, zu denen Hinte zählt, möchte die akuten Probleme beseitigen und auch die strukturellen Probleme langfristig angehen.</p>
<p><strong>Konzepte von Gemeinwesenarbeit</strong><br />
Zu diesen drei Formen gibt es verschiedene Konzepte, von denen ich drei Konzepte für eine  kirchliche Gemeinwesenarbeit vorstellen werde. Aus diesem Grund werde ich diese drei Konzepte hier in der allgemeinen Theorie vorstellen. Es ist die Gemeinwesenorientierung, Community Organizing und Gemeinwesenarbeit als Stadtteilzentrum.<br />
<strong>Gemeinwesenorientierung</strong><br />
Die Gemeinwesenorientierung ist ein Konzept, das Hinte und Oelschlägel propagieren um Gemeinwesenarbeit nicht als ein drittes Standbein zur Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit, sondern als eine Methode zu etablieren, die auf allen Ebenen der Sozialen Arbeit stattfinden kann.<br />
Lüttringhaus hat, unter Rücksprache von Oelschlägel und Hinte folgende Leitstandards der Gemeinwesenarbeit (nach Lüttringhaus, 2007, 277ff) formuliert , und die wichtigsten Prinzipien dieser Methode aufgelistet:<br />
1. Zielgruppenübergreifendes Handeln<br />
Gemeinwesenarbeit arbeit an einem Thema, dass aus den Bedarfen entsteht, dabei trifft dies meist unterschiedliche Menschen im Gemeinwesen. Manchmal kann auch nur eine Zielgruppe an einem Thema betroffen sein.<br />
2. Orientierung an den Bedürfnissen und Themen der Menschen<br />
Gemeinwesenarbeit greift die Themen der Menschen vor Ort auf und orientiert sich nicht an dem was von außerhalb als Problem des Stadtteil gesehen wird.<br />
3. Förderung der Selbstorganisation und der Selbsthilfekräfte<br />
Gemeinwesenarbeit aktiviert und begleitet die Menschen bei der Verwirklichung ihrer Themen.<br />
4. Nutzung der vorhandenen Ressourcen<br />
Die vorhandenen Ressourcen des Stadtteils werden genutzt, aktiviert und gefördert und mit den Ressourcen der Institutionen verbunden.<br />
5. Ressortübergreifendes Handeln<br />
Gemeinwesenarbeit bezieht sich auf alle Bereiche des Lebens im Stadtteil und kümmert sich damit nicht nur um das &#8220;Soziale&#8221;. Gemeinwesenarbeit arbeitet Sektoren übergreifend, in allen Bereichen, dass auf soziale Räume aufbaut.<br />
6. Vernetzung und Kooperation<br />
Gemeinwesenarbeit schafft und stärkt soziale Netzwerke von Bewohnern und Professionellen. Dies ist ein Mittel um in Kooperationen zu Lösungen zu kommen. Durch den Aufbau solcher Netzwerke sollen Bewohner in der Lage sein zu wichtigen Ereignissen mobilisierbar zu sein.<br />
<strong>Community Organizing</strong><br />
Community Organizing ist wiederum eine Methode der Gemeinwesenarbeit, die jedoch älter ist, die sich aber in Deutschland zunächst nicht durchgesetzt hatte, nun aber in Berlin und Hamburg erste Erfolge feiert. Hierbei geht es darum die Menschen im Stadtteil zu Organisieren und durch den hohen Anteil an der Bevölkerung Druck auf Politik und Wirtschaft ausüben zu können und positive Veränderung herbeizuführen. In diesem Ansatz geht es also in erster Linie nicht darum soziale Dienstleistungen anzubieten, sondern es werden Gespräche mit Bewohnern geführt, Beziehungen geknüpft, die zu einem den ganzen Stadtteil umfassenden Netz führen. In einem zweiten Schritt werden, dann von allen Bewohnern Themen zusammengetragen, die ihnen stören und die sie gerne in Angriff nehmen möchten. Diese Themen werden dann gemeinsam diskutiert und behandelt. Dabei unterstützten alle Bewohner jedes dieser Themen, damit genügend Beistand hinter den jeweiligen Anliegen ist. So wurde in einem Stadtteil Berlins, der von Arbeitslosigkeit betroffen war, dafür gesorgt das eine Technische Universität sich in diesem Stadtteil niederlässt und durch diesen Neuzuzug an Studenten und Know-how neue Gewerbe entstehen konnten und neue Chancen sich eröffneten.<br />
<strong>Stadtteilorientierte Gemeinwesenarbeit</strong><br />
Gemeinwesenarbeit, als eine eigenständige Form sozialer Arbeit, wie sie in den 70er Jahren entstanden ist, war und ist eher eine Randerscheinung, obwohl diese von ihrem Konzept her, durchaus in der Lage ist, der Bevölkerung eines Stadtteils aus ihrer Lage herauszuhelfen. Oelschlägel (vgl. Oelschlägel, 1994) beschreibt sehr eindrucksvoll wie stadtteilbezogene Gemeinwesenarbeit in einem Armutsquartier aussehen könnte. Anhand eines Beispieles, dem Nachbarschaftstreff Duisburg-Bruckhausen wird deutlich wie seiner Ansicht nach Gemeinwesenarbeit heute praktiziert werden sollte.<br />
Zunächst stellt er fest, dass anders als viele radikale Linke es erwarten, die Menschen sich nicht erheben, sobald die Armut unerträglich wird. Arme Menschen sind keine passiven Opfer, sie sind Überlebensstrategen &#8211; die sich vor dem Risiko der Veränderung schützen wollen und so die Grenzen nicht überwinden wollen, sondern sie nur ausdehnen. Darum soll Soziale Arbeit die Handlungsfähigkeit erweitern und sichern. Dazu muss auch Gemeinwesenarbeit für die Menschen nutzbare Ressourcen anbieten. Die Menschen wollen und können nur Veränderungen verwirklichen, wenn sie selbst weniger Kosten und mehr Nutzen davon tragen. Wenn sie dieses erfahren, werden sie selbst aktiv und vergrößern dadurch ihre Handlungsspielräume. Dabei spielt die Veränderung der Lebensverhältnisse die tragende Rolle. Oelschlägel hält hierbei Soziale Kulturarbeit für eine wichtige Möglichkeit. Gemeinwesenarbeit muss dann Hilfe leisten wenn die Probleme der Bewohner auf der politischen Ebene öffentlich gemacht werden sollen. Der Gemeinwesen-Arbeiter muss hierbei immer die subjektiven Interessen der Menschen zum Ausgangspunkt und Basis der Veränderung des Stadtteils machen.<br />
Aus diesen Gründen haben Oelschlägel und die Studierenden angefangen mit einigen aktiven im Stadtteil ein Nachbarschaftscafe anzubieten. Das heißt erst wurde den Menschen was nützliches zur Verfügung gestellt. Der Sozialarbeiter stellt seine Ressourcen zunächst dem Stadtteil zu gute. Aus diesem Raum heraus kann dann Gemeinwesenarbeit entstehen. Die Menschen sehen, dass wenn sie sich im Nachbarschaftscafe engagieren, mehr für sie heraus springt. So entsteht in diesem Cafe einerseits Beratung und anderseits Beschäftigungsinitiativen, Mittagstisch und politische Aktionen (als Beispiel wird die Verhinderung der Schließung der Sonderschule angeführt).</p>
<p><strong>Sozialarbeitstheoretische Notwendigkeit</strong><br />
Die Aufgabe von staatlicher sozialer Arbeit ist zum einen Kontrolle und zum anderen Hilfe von sozialbenachteiligten Menschen.<br />
Bis vor Kurzem dachte man Kontrolle und Hilfe am besten durch das herausselektieren<br />
der Probleme eines Menschen und damit durch das Zuführen zu verschiedenen Institutionen für verschiedene Probleme realisiert werden könnte. Dadurch konnten sich die einzelnen Professionen herausbilden und sie konnten sich spezialisieren und wurden zu Experten in einem kleinen abgesteckten Rahmen. Diese Selektion führt jedoch zu einer stärkeren Ausgrenzung der Personen und damit zu größeren Problemen, dies bedeutet immer mehr Kosten und mehr Aufwand.<br />
Breitangelegte Dienste, die immer noch ausgliedern und verweisen können, führen zu einer besseren Konzentration auf eine ganze Bevölkerungsgruppe und fördern die Integration. Selbsthilfegruppen sensibilisieren um ein wesentliches die Motivation und das Engagement des Betroffenen, sein Problem zu lösen und führt zu einer positiven Veränderung. Gemeinwesenarbeit gibt den Bewohnern insgesamt eine Stimme, die also damit zusammenwachsen und gemeinsam für einander einstehen.<br />
Auf der anderen Seite kanalisiert und kontrolliert man dabei natürlich auch die Hilfebedürftigen &#8211; sie sind von der Politik leichter anzusprechen und zu fassen, als wenn man immer eine spezielle Gruppe ansprechen müßte.<br />
Die Kirche mit ihren unabhängigen Geldern und Status kann diese Kontrolle abfedern und damit einen großen Beitrag dazuleisten, dass Bürger wirklich ihre Anliegen durchsetzen können und nicht durch staatliche Gelder kontrolliert und erpressbar sind.<br />
Ich möchte deshalb nun betrachten welche theologischen Grundlagen sich einer Kirchengemeinde für Gemeinwesenarbeit bietet.</p>
<p><strong>Gemeinde und Diakonie (Theologische Aspekte)</strong><br />
Heinz Lorenz stellt in seinem Artikel „Diakonische Gemeinde?“ folgende These auf: „Eine diakonische Gemeinde wird immer wieder gefordert, aber kaum verwirklicht.“ (Lorenz, 1994, S. 333) Für Lorenz ist es wichtig auszudrücken, dass Diakonie ein Element von Christsein und Gemeinde ist. Diakonie kann nur dann eine Chance in der Gemeinde erhalten, wenn es als ein Element von vielen betrachtet wird. Die vierer Formel der Michaelsbruderschaft bringt dieses eindrücklich zur Geltung. Eine Gemeinde sollte immer diese vier Formen gleichmäßig beinhalten: Martyria (Zeugnis, Predigt, Mission, Bekenntnis), Leiturgia (Gebet, Anbetung, Feier, Lob, Gottesdienst, Spiritualität), Koinonia (Gemeinschaft, Kommunikation, Besprechung, Orientierung), Diakonia (Seelsorge, Beratung, Hilfe, Heilung, Politik).<br />
Diese Aussage halte ich für sehr wichtig im Hinblick auf  wie Gemeinde, Diakonie und Gemeinwesen zusammen wirken können.</p>
<p><strong>Geschichte der Diakonie</strong><br />
Im alten wie im neuen Testament ist die „Option für die Armen“ eines der wichtigsten Aussagen der Schriften. Es ist Gott, der die Israeliten aus der Knechtschaft und Sklaverei befreit und aus Ägypten in ein neues Land führt. Viele der Gesetze in den Büchern Moses widerspiegeln, dass für die Armen, Witwen und Waisen sorge getragen werden sollte und nicht unendlich Reichtum angehäuft werden durfte ohne die Armen zu schützen (vgl. 5.Mose 24, 6ff).<br />
Jesus sucht als Wanderprediger, die schlecht gestellten Menschen in der damaligen Gesellschaft auf und zählt diese zu seinen Jüngern. Er kritisiert die hochangesehenen Gelehrten und Reichen Menschen der Zeit und fordert die Liebe zu Gott und zu jeden Menschen. Christus, das heißt Gott selbst, wird schließlich Knecht und stirbt den Verbrechertod, um alle Menschen von aller Schuld zu befreien.<br />
So ist es nicht schwer zu erklären warum die ersten Christen schon sehr früh ein Diakonenamt eingerichtet hatten (vgl. Apg. 6). Durch dieses Amt beginnt allerdings schon früh die Trennung von Hilfe und Gemeinschaft der Gläubigen.<br />
Ab dem vierten Jahrhundert entstehen neben den Kirchen Hospitale für Kranke, Fremde und Obdachlose. Der Diakon erhält neben der Kirche somit ein eigenes Haus und Hausrecht.<br />
Im 19. Jahrhundert wird die innere Mission gegründet, die im 20. Jahrhundert die Wohlfahrtsverbände werden. Dies ist ein großer Einschnitt in der Kirchengeschichte. Dadurch wird die Professionalisierung und die Trennung von Kirche und Diakonie weiter vorangetrieben. Diese gut gemeinte Trennung und Arbeitsteilung in Gottes- und Menschendienst, mit dem Wunsch professionell und effizient helfen zu können, konnte nicht erahnen, wie Dörner es ausdrückt, &#8220;dass somit die Kirche die Erde und die Diakonie den Himmel verlieren würde&#8221; (Dörner, 2007, S.25) und die Kirchengemeinde so langsam an Bedeutung für die Menschen verlor und in den Diakonischen Diensten der Gottesbezug der Mitarbeiter und deren Hilfen oftmals zweitrangig wurde.</p>
<p><strong>Diakonie und Gemeinwesen</strong><br />
Ich will nun den theologischen Aspekt, der für eine Gemeinwesenarbeit der Kirche spricht beleuchten und herausfinden in wieweit Gemeinwesenarbeit theologisch sinnvoll und wichtig ist.<br />
Aus dem alten Testament, gleich zu Beginn in der Schöpfungsgeschichte in 1. Mose 1,27 und 28 heißt es:<br />
„Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. (&#8230;) Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“</p>
<p>Der Mensch ist demnach Gottes Ebenbild und besitzt damit Würde, die unverletzlich ist.<br />
Der Mensch hat außerdem einen Bewahrungsauftrag bekommen, er soll sich um die Welt und damit auch sein Umfeld bewahren und gestalten und die Würde anderer Menschen verteidigen. Nach Ulrich Bach ist es hierbei wichtig, dass es kein Helfenden und Hilfebedürftigen gibt. Die Würde des Menschen achten, bedeutet demnach nach Bach, dass jeder Mensch unterschiedliche Probleme und Hilfe nötig hat, aber jeder Mensch genauso auch unterschiedliche Begabungen hat und nur durch ein Zusammenwirken aller Menschen diese eine Einheit ergeben können. Es entsteht ein Geben und Nehmen aller und keine Hierarchie untereinander. Dieses Konzept nennt er Konzept Leib Christi, es gibt kein Gegenüber sondern ein Miteinander, es ist eine „Kirche im Unten“ (vgl. Bach, 1980).<br />
Dieses Miteinander handeln geht auch aus dem Doppelgebot der Liebe hervor. Es ist die Gottesliebe, Selbst- und Nächstenliebe. Die erfahrene Liebe Gottes wirkt sich unweigerlich auf unser Gegenüber aus und wirkt sich auch darauf aus, eine Gesellschaft entstehen zu lassen, die jeden mit einschließt und gutes Leben allen zuläßt.<br />
Den in Matthäus 25,34 heißt es:<br />
„Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!“</p>
<p>Hier wird deutlich, dass die Menschen durch Jesus Christus eine neue Welt erleben, die Menschen sollen aber an der Gestaltung der neuen Welt mitwirken.<br />
Jürgen Moltmann formuliert es so: „Diakonie im Horizont des Reiches Gottes ist Diakonie in der Nachfolge des Gekreuzigten (&#8230;) Aber Diakonie in der Nachfolge des Gekreuzigten ist Diakonie im Horizont des anbrechenden Reiches Gottes“ (Moltmann, 1989, S.23).<br />
Anders gesagt heißt das, dass eine Gemeinde diakonisch sein sollte damit die Zukunft, die Gott vor hat, beginnen kann. Dieses, so Moltmann, ist eine Parteilichkeit bei den Armen, Kranken und Ausgesetzten. Dabei müssen diese ihre Würde behalten und als Ebenbürtige akzeptiert werden. Wichtig ist ein heilendes Handeln, dass die Barrieren im Menschen, zwischen den Menschen und zwischen Menschen und Gott beseitigt. Darum ist es wichtig, dass die Diakonie durch Gemeinschaft geschieht und das es das allgemeine Diakonat aller Gläubigen gibt. Die Gemeinden müssen in der Lage sein, dass sie nicht ihre Kranken und Opfer in Institutionen wegschafft, wie es die Gesellschaft tut, darin muß die Gemeinde unterstützt werden. Für Moltmann heißt das ein Neuaufbau der Gesellschaft von unten, eine selbstverwaltete und direkte basisdemokratische Gesellschaft und Gemeinschaft, zumindest Teilhabe und Teilgabe.<br />
Eine Abkehr von Gott, ein Leben in Sünde, ist ein Leben, dass an seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Ein Leben, dass bewußt oder meist unbewusst und deswegen fremdbestimmt und unfrei ist, ist unsozial und nimmt den Menschen seine Selbsteinschätzung. „Ihm geht jegliche realistische Selbsteinschätzung verloren und damit auch die Einschätzung und Wahrnehmung des Gegenübers“ (Bruckdorfer, 2007, S. 11).<br />
Der Mensch hat die freie Entscheidung und muss sich in seinem Lebensumfeld verhalten, er kann Geschehnisse ablehnen oder bejahen, sein Umfeld und seine Umwelt beachten und bewahren oder vernachlässigen und zerstören.<br />
Diese Freiheit bedeutet für einen Christen auch Verantwortung für die Welt und das Gemeinwesen. Die Entscheidung nach dem Vorbild Jesus zu leben, bedeutet Verantwortung in der Politik wahrzunehmen, kritisch zu Hinterfragen, Stellung zu beziehen und dementsprechend in Aktion zu treten. Wenn Paulus schreibt (Römer 13) die Christen sollen der Obrigkeit untertan sein, meint er nicht, dass man sich ihr unterwirft, sondern eher das Gegenteil, der Staat und die Politik haben nicht die endgültige Wahrheit und können diese nicht beanspruchen. Letztlich steht Gottes Wort höher und die Politik muß sich an ihr messen.</p>
<p><strong>Theologische Notwendigkeit von Gemeinwesenarbeit</strong><br />
Solange Armut besteht und in einem kapitalistischen System ist Armut unabdingbar um Lohnsenkung herbeizuführen und Produktion und damit Profit zu steigern, ist eine kirchliche Sozialarbeit unverzichtbar. Gott ist allen Menschen zugewandt und gerade für die Armen und Unterdrückten hat die Kirche den Auftrag, sowie im Alten und nochmal verstärkt im Neuen Testament, Hilfe und Unterstützung zu bieten.<br />
Niemand kann allein Christ sein, um Christ zu sein braucht es auch die Gemeinschaft der Gläubigen einerseits und auch die gelebte Lebens- und Glaubenspraxis anderseits. Da ist das Gemeinwesen wie geschaffen für ein Erfahrungs- und Bewegungsfeld, in dem jeder Christ seinen Glauben leben und ausprobieren kann.<br />
Die Geschichte zeigt deutlich, dass von Anfang an Diakonie und Kirchengemeinde getrennt von einander ihre Dienste geleistet haben. Aus theologischer, biblischer Sicht ist es aber unabdingbar, dass jeder Gläubige und damit vor allem in der Gemeinschaft der Kirche zu einem gewissen Teil diakonisch aktiv wird. Gemeinwesenarbeit kann diese scharfe Trennung überwinden und durch eine Vernetzung der gemeindlichen Aktivitäten mit den Diakonischen Institutionen, den theologischen Auftrag gerechter werden.</p>
<p><strong>Konzepte</strong><br />
Da ich nun aufgezeigt habe was Gemeinwesenarbeit ist und heraus gestellt habe, dass die biblischen und geschichtlichen Grundlagen Gemeinwesenarbeit nicht ablehnen, sondern durchaus befürworten, will ich nun die drei vorgestellten Konzepte der Gemeinwesenarbeit an Kirchengemeinden anpassen und beschreiben, wie diese Konzepte in der Realität aussehen könnten. In der Vergangenheit haben Kirchengemeinden und Diakonie schon immer Ansätze von Gemeinwesenarbeit integriert. Vor allem in der Gemeindediakonie gab es öfter zusammenarbeit mit gemeinwesenorientierter Sozialarbeit. Die kategoriale Gemeinwesenarbeit der mobilen Jugendarbeit in den 70er Jahren konnte zum Beispiel nur dadurch entstehen, weil Kirchengemeinden und Pfarrer diese Sozialarbeit unterstützten. Dennoch kann Gemeinwesenarbeit noch stärker eingebunden werden. Wichtig bei allen Konzepten, die ich hier vorstelle, ist eine lange und intensive Phase der Evaluation und Begutachtung des Stadtteils, der Kirchengemeinde, der Menschen. Ohne die wirklichen Probleme und Ressourcen vorher genau geprüft zu haben, läßt sich schwer ein Gemeinwesenkonzept durchsetzen. Jeder Mensch und damit jeder Stadtteil und jedes Gemeinwesen ist anders. Für diese Anfangsaufgabe benötigt es professionelle Hilfe, die diakonische Einrichtungen liefern könnten.</p>
<p><strong>Gemeinwesenorientierung</strong><br />
Das Diakonische Werk hat im Jahr 2007 ein gut durchdachtes Eckpunkte Modell herausgegeben dass, beschreibt wie gemeinwesenorientierte Diakonie in der Kirche aussehen könnte. Dieses G2 Modell geht von der folgenden Vorüberlegung aus:<br />
„Die Diakonie verfügt über das fachliche Know-how, um soziale Integration voranzutreiben. Die Kirchengemeinden aber sind das Tor zur zivilen Gemeinschaft der Menschen, in die hinein arme und ausgegrenzte Menschen integriert werden sollen“ (Bruckdorfer, 2007, S. 21). Darum ist also eine entsprechende Vernetzung der beiden Institutionen (Kirchengemeinde und Diakonische Einrichtungen) wichtig. Um die verschiedenen Initiativen und Projekte der Gemeinden zu koordinieren und eine Anlaufstelle zu bieten soll die Allgemeine Sozialarbeit der Diakonie zusätzlich zu der bestehenden Einzelfallhilfe für Personen in sozialen Notlagen, als Koordinierungsstelle fungieren. Die Allgemeine Sozialarbeit der Diakonie ist ein offenes und flexibles Hilfeangebot im Auftrag der Kirchengemeinden. In den Richtlinien hat es bereits die Aufgabe gemeinwesen- und gemeindeorientiert zu arbeiten, so dass das Konzept eine Weiterentwicklung bietet die der Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie gerecht wird. Zwei Förderaufträge gibt das Konzept der Allgemeinen Sozialarbeit auf den Weg:<br />
Der erste ist die Förderung der Diakonie der Gemeinden. Dies soll wiederum in drei Ansätzen geschehen. Der erste Ansatz ist der Förderansatz, hier soll das diakonische Handeln der Gemeinde durch die Allgemeine Sozialarbeit unterstützt werden. Hier wäre die Gemeinde Träger der Maßnahmen und die Allgemeine Sozialarbeit unterstütze die Gemeinde durch Know-how und Personal.<br />
Der zweite Ansatz ist der Projektansatz, hier geht die Gemeinde eine Kooperation mit einem Diakonischen Dienst ein, um ein befristetes, konkretes Projekt durchzuführen. Träger wären hier die Bezirks- oder Kreisdiakonie, die Allgemeine Sozialarbeit würde die Projektleitung und Koordination übernehmen.<br />
Der dritte Ansatz ist der Integrationsansatz, der eine Integration der diakonischen Dienste in die Gemeinde vorantreiben soll. Hierbei würde die Allgemeine Sozialarbeit bei der Koordinierung und Vernetzung mitarbeiten. Träger wäre der jeweilige diakonische Dienst.<br />
Der zweite Förderauftrag ist die Förderung des gemeinde- und gemeinwesorientierten Handelns der sozialen Dienste und Einrichtungen der Diakonie. Hierbei ist die Netzwerkarbeit von großer Bedeutung. Es soll ein Netzwerk entstehen, koordiniert durch die Allgemeine Sozialarbeit, das auch über die Diakonischen Dienste und Kirchengemeinden hinaus sich über gemeinwesenorientierte Initiativen, Aktionen und Projekte abstimmen soll. Durch dieses Netzwerk kommt die Sozialarbeit an aktuelle Informationen, die das Gemeinwesen betreffen und kann Analysieren, Planen und Bericht erstatten über den Sozialraum und kann dementsprechend Empfehlungen ausarbeiten und abgeben zu gemeinwesenorientierten Initiativen, Aktionen und Projekten, die durchgeführt werden könnten und auch selber Projekte initiieren und beraten.<br />
Durch dieses Konzept handelt die Diakonie vernetzt und sieht Kirchengemeinde als Ressource und die Kirchengemeinde bleibt als geistliches Zentrum bestehen und wird aber zum wirklichen Begegnungsort. Die Diakonische Arbeit wird an den Ärmsten der Armen orientiert.<br />
Allerdings würde ich nicht die Allgemeine Sozialarbeit, als Koordinierungsstelle einberufen. Ich bin Außenstehender und kann so nicht den Aufbau der Gemeinde und Diakonie beurteilen, sehe aber, dass die Studie durch die Allgemeine Sozialarbeit durchgeführt wurde und frage mich warum ausgerechnet eine Stelle, die bisher auf Einzelfallhilfe (nun „Sozialraumorientierte Einzelfallhilfe“) eine solche Arbeit übernehmen sollte. Für mich ist die Gemeinde Zentrum eines Stadtteils und auch von dort aus sollte diese Koordination aus gehen. Ich denke nicht dass eine höhere Ebene notwendig ist um vor Ort Netzwerkarbeit zu leisten. Sollte Know-How und Personal in einem bestimmten Bereich fehlen und das tut es sicherlich, durfte die Gemeinde auf die Allgemeine Sozialarbeit herantreten und Hilfe bekommen. Gerade für gemeinwesenorientiertes Arbeiten halte ich ein Bottom-Up organisiertes System für glaubwürdiger und vermittelbarer als ein Top-Down organisiertes System.</p>
<p><strong>Community Organizing</strong><br />
Bei Community Organizing ist es wichtig eine breite Basis von möglichst allen Menschen in einem Stadtteil zusammen zubekommen, um die nötige Kraft zu haben und eine wichtige Stimme für die verschiedensten Anliegen zu haben. Dazu werden im Stadtteil „Schlüsselpersonen“ gesucht. Schlüsselpersonen sind Menschen, die einen größeren Bekannten- und Freundeskreis im betreffenden Stadtteil haben und ihre Meinung in diesem Bekanntenkreis auch Gewicht haben. In Deutschland ist man dazu übergegangen, vor allem auch Institutionen und Organisationen im Stadtteil zu suchen, die großen Einfluß auf den Stadtteil haben. Kirchengemeinden sind neben Sportvereinen ein wesentlicher und wichtiger Akteur in einem Gemeinwesen und sind deshalb immer auch wichtige Träger (als der Kirche zugehörig bekannte Einzelpersonen oder als ganze Organisation) bei allen Community Organizing Projekten. Die Schlüsselpersonen können als Bindeglieder des gesamten Gemeinwesens verstanden werden. Nachdem eine große Zahl dieser vorhanden sind, werden viele dezentrale Treffen organisiert bei denen die Schlüsselpersonen ihren ganzen Bekanntenkreis einladen, so dass also möglichst alle im Stadtteil zu diesen Treffen kommen. Auf diesen Treffen werden Themen gesammelt, die als Missstände im Stadtteil verstanden werden. Diese Themen werden danach angegangen, dazu wird zunächst ein wichtiges, zentrales aber möglichst einfach und schnell zu erreichendes Thema gewählt. Eine Gruppe von Interessierten sammelt alle nötigen Informationen und versucht die verschiedenen Wege zu ergründen, wie dieses Thema am besten realisiert werden kann. Je nach Bedarf werden, dann die Menschen im Stadtteil zu unterschiedlichen Aktionen mobilisiert, um dieses Thema durchzusetzen. Für Community Organizing bedarf es einer professionellen Hilfe. Eine Person muss bezahlt werden, die als Organisation, die verschiedenen Gruppen im Blick behält und ein wenig koordiniert. Diese Person sollte von den Menschen aus dem Stadtteil bezahlt werden, damit diese Plattform unabhängig bleibt.<br />
Für eine Kirchengemeinde ist Community Organizing eine gute Möglichkeit mit relativ wenig Aufwand Flagge zu zeigen und für die Bewohner des Stadtteils einzustehen. Durch die Treffen der Schlüsselpersonen (Kernkreise) und verschiedene Großveranstaltungen entsteht eine Vernetzung der verschiedensten Menschen und Institutionen, die einerseits zu einer Kooperation und Zusammenarbeit führen können, anderseits eigene Veranstaltungen einem breiterem Publikum zugänglich machen und bekannter werden können.</p>
<p><strong>Stadtteilbezogene Gemeinwesenarbeit</strong><br />
In dieser „traditionellen“ Form von Gemeinwesenarbeit wird, wie in ein Beispiel aus Duisburg-Bruckhausen, von einem Ort gestartet, der den Mittelpunkt der Arbeit darstellt. Von diesem Treffpunkt aus werden verschiedene Aktivitäten ausgeführt, die alle aber eine Beteiligung aus dem Stadtteil benötigen.<br />
Für die Kirchengemeinde könnte diese Form von Gemeinwesenarbeit einen größeren Umorganisation erfordern, allerdings sehe ich in dieser Form aber auch die größten Chancen für ein verändertes und integeres Gemeinwesen und eine veränderte und integere Kirchengemeinde.<br />
Die kirchlichen Räume, meist sowieso zentral im Stadtteil, dienen hierbei als Treffpunkt und Versammlungsort aller Menschen des Stadtteils. Im Rahmen eines Cafebetriebes (das Foyer oder zentral gelegene Gemeinderäume) werden hier zunächst einmal auf einer Infotafel verschiedene Aktivitäten angeboten. Dies sollten alle kirchlichen, wie auch nicht-kirchlichen Angebote des Stadtteils sein. Auf diese Weise erfahren die Menschen vor Ort, was ihnen geboten werden kann, so dass sie selbst aktiv werden und die Angebote mitgestalten. Hierbei ist es also wichtig, dass die Mehrheit der Angebote Beteiligung zulassen und Raum für Kritik und Veränderung bieten. Die Gemeinde sollte Räume bereithalten, die für verschiedene Angebote Platz bieten, so dass die Bewohner schnell und einfach eigene Angebote starten können. In regelmäßigen Abständen sollten im Cafe Treffen abgehalten werden, in der alle Bewohner und Beteiligten ihre Belange zur Sprache bringen können und gemeinsam Strategien erarbeitet werden können, größere Probleme des Stadtteils anzugehen, neue Angebote zu installieren oder professionelle Hilfe anzufordern und zu finanzieren.</p>
<p><strong>Gemeinwesenarbeit – Eine neue Option für die Gemeinde!</strong><br />
Die Individualisierung, ökonomische Verwertung und Ausgrenzung großer Teile der Bevölkerung hat nicht nur in der Gesellschaft ihre Auswirkungen gezeigt, sondern auch in den Kirchengemeinden, vor allem aus diesen Gründen gibt es immer weniger Mitglieder.<br />
Anstatt in der Logik der Marktorientierung Kirchen zusammenzulegen und diakonische Einrichtung der Profitmaximierung zu unterwerfen, wird mir und hoffentlich auch dem Leser deutlich, dass gerade in einer solchen Zeit die Menschen Hilfe suchen und brauchen und diese Hilfe in den Kirchen und Diakonischen Einrichtungen finden könnten, wenn Kirche und Diakonie sich anders orientieren wurden.<br />
Gerade seit 1980, also der Zeit ohne größeren Wachstum, sind die Zahlen der freiwillig Tätigen, der Nachbarschaftsvereine, der Hospize gewachsen. Mittlerweile gibt es für jeden Bereich Selbsthilfegruppen. Die Menschen, die nichts zu tun haben, wollen und brauchen das Gefühl für andere da zu sein, dieses ist nicht mehr moralisch bedingt, sondern sie suchen unter anderem auch nach neuen Möglichkeiten ihre Einkommen zu verbessern und arbeiten auf Basis der Aufwandsentschädigung im Sozialen Bereich mit.<br />
Deswegen ist zum Beispiel eine Integration aller Pflege- und Hilfebedürftigen in einzelnen Wohnungen im Stadtteil machbar und nicht kostenintensiver, als eine Konzentration auf einen engen Raum in den Institutionen. Nur durch die freiwilligtätigen Frauen im 19. Jahrhundert konnte die professionelle Soziale Arbeit erst entstehen. Durch die zentralisierten Hilfeangebote wurde, die Arbeit einerseits besser und leistungsfähiger, aber die Hilfebedürftigen, wie die Helfenden wurden dadurch isoliert. Auch die Helfenden haben scheinbar ein wenig das Helfen nötig, den „so macht die psychosoziale Unterlastung die Menschen scheinbar psychotherapiebedürftig“ (Dörner, 2007, S.28). Durch eine Reintegration in den Stadtteil wäre allen geholfen.<br />
Anstatt für die Belange der Mitglieder der Gemeinde zu kämpfen (wie es Gewerkschaften meist immer noch tun), sollte die jeweilige Gemeinde für die gesellschaftlichen Belange kämpfen und damit wird die Kirche gestärkt und erneuert die Gesellschaft. Den meisten Mitgliedern der Gemeinde wird die Hilfe in der Nachbarschaft auch als eine Vereinfachung ihrer Aufgabe vorkommen. Die Gemeinde ist nicht mehr für das Wohl der ganzen Welt verantwortlich, sondern beschränkt sich zunächst auf sein Gemeinwesen. Ein kleineres Feld, dass aber dafür um so intensiver und näher ist.<br />
Abschließend will ich den Bibelvers (Jeremias 29,7) den ich an den Anfang gestellt habe noch einmal erläutern.<br />
Suchet der Stadt Bestes: das Beste ist nicht die aktuelle Politik und Wirtschaft der Herrschenden zu unterstützen, sondern das was am Besten in den Augen der Bewohner ist, dafür sollte der Christ eintreten und Stellung beziehen.<br />
Dahin ich euch habe wegführen lassen: In der Zeit in dem der der Bibelvers geschrieben wurde, handelte es sich um die Stadt Babel, zu der die Ältesten aus Israel weggeführt worden waren und dort in Gefangenschaft lebten. Im übertragenden Sinn kann man das auf ein neutestamentliches Eschatologisches Verständnis führen, die Stadt Babel ist schon immer auch als Sinnbild (vgl. Offb. 14,8) verwandt worden. Als Christ gehört man nicht mehr dieser Welt an (hat Vergebung und Erlösung erfahren), aber man lebt in dieser Welt. Darum kann man von einem „erhabenen“ Posten aus die Probleme angehen und helfen und die Welt nach Gottes Vorstellungen gestalten und bewahren.<br />
Und betet für sie zum HERRN: Gebet ist die wichtigste Grundlage aller christlichen Handlungen. Nur durch das Gespräch mit Gott erreichen wir die nötige Reflexion und Antwort, wie wir zu handeln haben. Gebet ersetzt nicht das Handeln, aber es ist die Voraussetzung für das richtige Handeln.<br />
Denn wenn&#8217;s ihr wohlgeht, so geht&#8217;s auch euch wohl: Nur wenn die Interessen aller Bewohner ernstgenommen werden und um diese gestritten wird, können die Interessen der Gläubigen verstanden und umgesetzt werden. Anders gesagt, wenn jemand weiß, dass die Kirchengemeinde sich mit ihm für seine Interessen einsetzt, setzt derjenige sich mit dem Glauben und den Interessen der Kirchengemeinde auseinander, beginnt sich dann auch für die Kirche einzusetzen und kann wieder glauben. Gottes- und Menschendienst gehört (wieder) zusammen und findet seinen Ausdruck in der Gemeinwesenarbeit.</p>
<p><strong>Literaturverzeichnis</strong><br />
Bibelzitate sind der folgenden Bibel entnommen:<br />
<a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3438015609?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3438015609">Die Bibel (Lutherbibel &#8211; Standardausgabe). Revidierte Fassung 1984.</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3438015609" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, durchgesehene Ausgabe, 1999, Stuttgart</p>
<p>Weitere benutzte Literatur:<br />
Anhelm, Dr. Fritz Erich (2001): Rolle und Funktion von Kirchen und Religionsgemeinschaften im Gemeinwesen, Loccum</p>
<p>Bach, Ulrich (1980): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3525621841?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3525621841">Boden unter den Füßen hat keiner. Plädoyer für eine solidarische Diakonie</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3525621841" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Göttingen</p>
<p>Bruckdorfer, Matthias; Diakonisches Werk der Evangelischen Kirchen, Hrsg. (2007): Die Rolle 	der Allgemeinen Sozialarbeit im Rahmen gemeinde- und gemeinwesenorientierten 	Handelns der Diakonie (G2-Modell), Leinenfelden-Eichterdingen</p>
<p>Götzelmann, Arnd (2003): Kirche für das Gemeinwesen: Szenarien und theologische Ansätze 	diakonischer Dimensionen christlicher Gemeinde, In: <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3170179039?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3170179039">Evangelische Sozialpastoral. Zur diakonischen Qualifizierung christlicher Glaubenspraxis</a><img STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" BORDER="0" HEIGHT="1" WIDTH="1" SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3170179039" /> 	(Praktische Theologie heute 61), Stuttgart</p>
<p>Hinte, Wolfgang; Lüttringhaus, Maria; Oelschlägel, Dieter (2007): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3779918242?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3779918242">Grundlagen und Standards der Gemeinwesenarbeit</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3779918242" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, 2. aktl. Aufl., Weinheim und München</p>
<p>Kleinert, Ulfrid (2006): Gemeinschaft und Teilhabe, Theologische Perspektiven in der 	Sozialen Arbeit in Kirchengemeinden, In: <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3466367107?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3466367107">Theologie und Soziale Arbeit. Handbuch für Studium, Weiterbildung und Beruf</a><img STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" BORDER="0" HEIGHT="1" WIDTH="1" SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3466367107" />, München</p>
<p>Lorenz, Heinz (1994): Diakonische Gemeinde?, In: Pastoraltheologie 83</p>
<p>Moltmann, Jürgen (1989): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3788707305?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3788707305">Diakonie im Horizont des Reiches Gottes. Schritte zum Diakonentum aller Gläubigen</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2o=3&amp;a=3788707305" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, 2. Aufl. 1989, Neukirchen-Vluyn</p>
<p>Oelschlägel, Dieter (1994): Gemeinwesenarbeit im Armutsquartier, In: Neue Praxis Jg. 1/94</p>
<p>Schnee, Renate (2004): Skriptum Gemeinwesenarbeit,<br />
<a TARGET="_blank" HREF="http://www.telesozial.net/cms/uploads/tx_kdcaseengine/Skriptum_Gemeinwesenarbeit _Renate_Schnee_102004.pdf">http://www.telesozial.net/cms/uploads/tx_kdcaseengine/Skriptum_Gemeinwesenarbeit 	_Renate_Schnee_102004.pdf</a>, zuletzt besucht am 21.03.2008</p>
<p>Vondrasek, Bernhard (2006): Nächstenliebe und Empowerment, Theologische Perspektiven in der Gemeinwesenarbeit, In: <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3466367107?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3466367107">Theologie und Soziale Arbeit. Handbuch für Studium, Weiterbildung und Beruf</a><img STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" BORDER="0" HEIGHT="1" WIDTH="1" SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3466367107" />, München</p>
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		<title>Aktivierung in der Gemeinwesenarbeit &#8211; ein geheimer Auftrag des Sozialarbeiters?</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Mar 2008 09:40:27 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Was heißt Aktivierung in der Gemeinwesenarbeit (GWA)? Wenn jemand mit einem Konzept arbeitet hat er doch schon ein Ziel vor Augen! Wie kann ein Sozialarbeiter von der Aktivierung der Bewohner sprechen? Wozu wird aktiviert? Soll das Konzept der Gemeinwesenarbeit verfolgt werden oder die Ideen der Bewohner?
Darf der Sozialarbeiter Aktivierung offen aussprechen?
Beim Thema Gemeinwesenarbeit haben mich alle diese Fragen beschäftigt und darum möchte ich in dieser Arbeit diese Fragen auf den Grund gehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p id="top" />Was heißt Aktivierung in der Gemeinwesenarbeit (GWA)? Wenn jemand mit einem Konzept arbeitet hat er doch schon ein Ziel vor Augen! Wie kann ein Sozialarbeiter von der Aktivierung der Bewohner sprechen? Wozu wird aktiviert? Soll das Konzept der Gemeinwesenarbeit verfolgt werden oder die Ideen der Bewohner?<br />
Darf der Sozialarbeiter Aktivierung offen aussprechen?<br />
Beim Thema Gemeinwesenarbeit haben mich alle diese Fragen beschäftigt und darum möchte ich in dieser Arbeit diese Fragen auf den Grund gehen.<br />
Zunächst muß aber erst geklärt werden was Gemeinwesenarbeit eigentlich ist, woher sie kommt und was für verschiedene Arten es gibt. Dann beschäftige ich mich mit der Aktivierung im Kontext der unterschiedlichen Formen der GWA und der Motivation der Beteiligten an Aktivierung, um dann der Antwort auf die Frage zu kommen:<br />
Ist Aktivierung ein Geheimauftrag des Sozialarbeiters?</p>
<p><strong>Was ist Aktivierung?</strong><br />
Da ich von Aktivierung in der Gemeinwesenarbeit schreibe, müssen wir erst einmal diese beiden Begriffe erläutern. Zunächst was ist Aktivierung?<br />
In der Psychologie wird Aktivierung als „eine beobachtbare Bereitschaft zur Tätigkeit oder zu geordneten Handlungen mit ihr entsprechenden erlebnismäßigen Erregungen und einem Gefühl (-&gt; Emotion) der Anspannung“ (Tewes, 1992, S. 16) definiert. Aktivierung ist also eine Bereitschaft zum Handeln. Damit ist nicht das Handeln definiert, es kann jedes Handeln bedeuten, darum kann man grundsätzlich sagen jeder Mensch ist in gewisser weise aktiv. Wenn man also in der Gemeinwesenarbeit von Aktivierung spricht, möchte man Menschen zu einem bestimmten Handeln aktivieren. Zu welchem Handeln, das erkläre ich nachdem ich die Gemeinwesenarbeit vorstelle.</p>
<p><strong>Gemeinwesenarbeit</strong><br />
Gemeinwesenarbeit sieht in den sozialen Problemen, den strukturellen Hintergrund und versucht sich daher auf die Bedürfnisse der Menschen in einem Gemeinwesen auszurichten. GWA konzentriert sich daher auf die Ressourcen der Menschen und versucht diese zu aktivieren und in Netzwerken zu organisieren um die Anliegen und Interessen der Menschen öffentlich zu machen. In der GWA geht es also um Linderung, Verhinderung oder Beseitigung der Probleme von Menschen zentral durch Aktivierung der Menschen. Es gab und gibt verschiedene Formen der GWA:<br />
Die integrative GWA, deren Verfechter M. Ross ist, ist mit den vorgegebenen Strukturen einverstanden, das Chancengleichheit für alle besteht und versucht mit den Bewohnern Kompromisse zu suchen um ihre Not zu lindern.<br />
Die aggressive GWA, vertreten durch Müller, aber auch Alinsky (zu dem ich noch kommen werde), will die Bewohner im dazu Stadtteil aktivieren, sich gegen ungerechte Strukturen zur Wehr zu setzen.<br />
Die katalytisch aktivierende GWA, zu denen Hinte zählt, möchte die akuten Probleme beseitigen und auch die strukturellen Probleme langfristig angehen.</p>
<p><strong>Ursprung der Gemeinwesenarbeit</strong><br />
Gemeinwesenarbeit entstand genau genommen schon in England. Ursprung der Gemeinwesenarbeit kann man die Settlementbewegung von 1870 sehen. Die Barnetts gründeten die Toynbee Hall in London, dies war eine Art Nachbarschaftszentrum, in dem die Menschen in einem Londoner Arbeiterviertel zusammen kommen konnten und gemeinsame Aktivitäten durchführen konnten &#8211; oft allerdings durchgeführt von den Barnetts oder Studierenden.<br />
1889 gründete Jane Adams das Hull House in Chicago. Das Hull House war ein Zentrum für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Gemeinsam mit Studentinnen gründeten sie Gewerkschaften und leisteten politischen und sozialen Druck auf Politik und Wirtschaft aus. Im Hull House gab es politische Diskussionen, Lesungen und es wurden Streiks organisiert.<br />
Eine etwas andere Form hat Paolo Freire mit seinem Alphabetisierungsprogramm entwickelt. Sein Programm kann durchaus, als Gemeinwesenarbeit verstanden werden, da diese Programm durch gegenseitiges Austauschen und Lernen, Menschen aus ihrer Unterdrückung befreit werden sollen und gemeinsam, von der Gesellschaft gesetzte, Grenzen überwinden.<br />
Saul D. Alinsky entwickelte das Community Organizing in Amerika. Im Jahr 1960 baute Alinsky zunächst in einem Stadtteil in Chicago eine Organisation auf, die alle wichtigen Vertreter aller Bewohner, die Einfluß auf den gesamten Stadtteil hatten, versammelte. Diese Organisation konnte gemeinsam gefundene Ziele mit großer Geschlossenheit und damit enormen Druck auf Politik und Wirtschaft, durchsetzen.<br />
In Deutschland gab um es 1900 die Nachbarschaftsheimbewegung, diese Bewegung, die unter anderem Volkshochschulkurse anbot, hatte keinen großen sozialpolitischen Einfluß. 1930 wurden diese Heime von den Nazis geschlossen.<br />
Seit etwa 1960 existiert wieder Gemeinwesenarbeit in Deutschland und entstand vor allem in Sanierungsgebieten.</p>
<p><strong>Formen der Gemeinwesenarbeit heute</strong><br />
Über die Jahre haben sich die unterschiedlichsten Formen von Gemeinwesenarbeit herausgebildet. Ich möchte hier drei davon herausgreifen und beleuchten. In meinen Augen sind diese einer der wichtigsten Methoden der heutigen Zeit.<br />
Comunity Organizing<br />
Community Organizing ist wiederum eine Methode der Gemeinwesenarbeit, die jedoch älter ist, sich aber in Deutschland zunächst nicht durchgesetzt hatte, nun aber in Berlin und Hamburg erste Erfolge feiert. Hierbei geht es darum die Menschen im Stadtteil zu Organisieren und durch den hohen Anteil an der Bevölkerung Druck auf Politik und Wirtschaft ausüben zu können und positive Veränderung herbeizuführen. In diesem Ansatz geht es also in erster Linie nicht darum soziale Dienstleistungen anzubieten, sondern es werden Gespräche mit Bewohnern geführt, Beziehungen geknüpft, die zu einem den ganzen Stadtteil umfassenden Netz führen. In einem zweiten Schritt werden, dann von allen Bewohnern Themen zusammengetragen, die sie stören und die sie gerne in Angriff nehmen möchten. Diese Themen werden dann gemeinsam diskutiert und behandelt. Dabei unterstützten alle Bewohner jedes dieser Themen, damit genügend Beistand hinter den jeweiligen Anliegen ist. So wurde in einem von Arbeitslosigkeit betroffenen Stadtteil Berlins, dafür gesorgt das eine Technische Universität sich in diesem Stadtteil niederlässt und dadurch das Studenten zuziehen und so neues Know-how und neue Gewerbe entstehen können und neue Chancen sich eröffnen.<br />
Stadtteilorientierte Gemeinwesenarbeit<br />
Oelschlägel (vgl. Oelschlägel, 1994) beschreibt sehr eindrucksvoll wie stadtteilbezogene Gemeinwesenarbeit in einem Armutsquartier aussehen könnte. Anhand eines Beispieles, dem Nachbarschaftstreff Duisburg-Bruckhausen wird deutlich wie seiner Ansicht nach Gemeinwesenarbeit heute praktiziert werden sollte.<br />
Zunächst stellt er fest, dass anders als viele radikale Linke es erwarten, die Menschen sich nicht erheben, sobald die Armut unerträglich wird. Arme Menschen sind keine passiven Opfer, sie sind Überlebensstrategen &#8211; die sich vor dem Risiko der Veränderung schützen wollen und so die Grenzen nicht überwinden wollen, sondern sie nur ausdehnen. Darum soll Soziale Arbeit die Handlungsfähigkeit erweitern und sie sichern. Dazu muss auch Gemeinwesenarbeit für die Menschen nutzbare Ressourcen anbieten. Die Menschen wollen und können nur Veränderungen verwirklichen, wenn sie selbst weniger Kosten und mehr Nutzen davon tragen. Wenn sie dieses erfahren, werden sie selbst aktiv und vergrößern dadurch ihre eigenen Handlungsspielräume. Dabei spielt die Veränderung der Lebensverhältnisse die tragende Rolle. Oelschlägel hält hierbei Soziale Kulturarbeit für eine wichtige Möglichkeit. Gemeinwesenarbeit muss dann Hilfe leisten wenn die Probleme der Bewohner auf der politischen Ebene öffentlich gemacht werden sollen. Der Gemeinwesen-Arbeiter muss hierbei immer die subjektiven Interessen der Menschen zum Ausgangspunkt und Basis der Veränderung des Stadtteils machen.<br />
Aus diesen Gründen haben Oelschlägel und die Studierenden angefangen mit einigen aktiven im Stadtteil ein Nachbarschaftscafe anzubieten. Das heißt erst wurde den Menschen was nützliches zur Verfügung gestellt. Der Sozialarbeiter stellt seine Ressourcen zunächst dem Stadtteil zu gute. Aus diesem Raum heraus kann dann Gemeinwesenarbeit entstehen. Die Menschen sehen, dass wenn sie sich im Nachbarschaftscafe engagieren, mehr für sie heraus springt. So entsteht in diesem Cafe einerseits Beratung und anderseits Beschäftigungsinitiativen, Mittagstisch und politische Aktionen (als Beispiel wird die Verhinderung der Schließung der Sonderschule angeführt).<br />
Stadtteilmanagment<br />
Das Stadtteilmanagement oder auch Quartiersmanagment ist dem Bund-Länder Programm „Soziale Stadt“ entsprungen. Ziel dieses Programm ist es, in benachteiligten Regionen der Städte, der Ausgrenzung und Verarmung entgegenzuwirken.<br />
Je nach Region wird dieses Programm anders verstanden und umgesetzt. Mal sind es City-Kaufleute, die ihr Stadtteilimage aufbessern wollen, Sicherheitsdienste, die Quartiersmanagement als einer ihrer Dienstleistung anbieten und sozialpädagogische Betreuungsangebote, die sich Stadteilmanagement zuschreiben lassen.<br />
Meistens sind es Unternehmensberatungen, Wohnungsbauunternehmen,<br />
Stadtentwicklungsgesellschaften und kommunale Einrichtungen, die Quartiersmanagment vorwiegend im Zusammenhang mit Stadtentwicklungsprogrammen einrichten.<br />
Angestellt werden dazu Architekten, Stadtplaner, Freiraumplaner, Soziologen, Biologen, Lehrer und viele andere tätig, unter anderem auch Sozialarbeiter, die sich dann teilweise Gemeinwesenarbeiter nennen.<br />
Es werden grundsätzlich lokale Ideen entwickelt und auch umgesetzt. Die Bürger sollen mitentscheiden, so dass es ein Gremium gibt, dass auch von Bewohnern besetzt wird. Grundsätzlich werden viele der Entscheidungen im Stadtteil gefällt, auf lokalpolitische Ebene. In den von Bürgern mit besetzen Gremien gibt es oft auch einen eigenen Verfügungsfond, in dem Gelder für Maßnahmen unbürokratisch vergeben werden können.<br />
Kritisch betrachtet wird, dass zu wenig ExpertInnen für soziale, Kommunikations- und Beteiligungsprozessen eingebunden sind.<br />
Kritik wird auch am „Management“-Begriff geübt. Geht es um das Management, das Verwalten unterschiedlicher Interessensgruppen oder um die Aktivierung und Unterstützung von benachteiligten Menschen und Gruppen?</p>
<p><strong>Aktivierung in der GWA</strong><br />
Aktivierung war schon von Anfang an zentraler Bestandteil von Gemeinwesenarbeit. Eine Definition von Aktivierung in der Gemeinwesenarbeit bietet uns Oelschlägel:<br />
„Gemeinwesenarbeit sieht (..) ihren zentralen Aspekt in der Aktivierung der Menschen in ihrer Lebenswelt. Sie sollen zu Subjekten aktiven Handelns und Lernens werden und zunehmend Kontrolle über ihre Lebensverhältnisse gewinnen. Dazu sollen sie vor allem in gemeinsamen Aktionen der Problembearbeitung bis hin zum Widerstand Kompetenzerfahrungen machen“ (Oelschlägel, 2003, S.2)<br />
Hier wird deutlich worum es in der Aktivierung in der GWA geht: Die Menschen sollen wieder Kontrolle über ihre Lebensverhältnisse bekommen.<br />
Die Frage ist natürlich, haben die Menschen keine Kontrolle, sind sie nicht selbstbestimmt? Wollen die Menschen überhaupt die Kontrolle über ihre Lebensverhältnisse?<br />
Die letzte Frage, ob die Aktivierung den wünschen der Menschen entspricht, beantwortet Oelschlägel im gleichen Text wenn er von die Erfahrung der ersten GWA-Versuche in den 70er Jahren spricht. Damals ging man davon aus, dass die Menschen sich nicht ihrer Lebensbedingung und den gesellschaftlichen Zusammenhängen bewußt waren und deshalb nicht in der Lage waren ihre Situation zu verändern und zu verbessern. Damit bestand Aktivierung in Aufklärung und Bewusstseinsbildung. Die Menschen blieben und lebten aber dennoch in ihrer Situation und wollten keine Veränderung. Diese politische Inaktivität wurde von den GWAern, als generelle Passivität der Menschen erklärt.<br />
Oelschlägel meint aber, dass gerade in Armutssituationen ist eine große Aktivität erforderlich um über die Runden zukommen. Die Menschen sind aktiv, aber nicht wie es die GWAer sich wünschen.<br />
Damit scheint die Frage, ob die Menschen eine Aktivierung, wie es die GWA versteht wünschen zunächst mit einem „Nein“ zu beantworten. Doch bevor wir damit einfach das Kapitel abschließen, will ich genauer hinschauen.<br />
Sind die Menschen in Armutssituationen selbstbestimmt? Dazu will ich kurz die Lebenswelt der Menschen betrachten. Lebenswelt ist der Ausschnitt, in dem sich die individuellen Erklärungssysteme von Wirklichkeit miteinander überschneiden (vgl. Oelschlägel, 2003, S.7) oder anders gesagt Lebenswelt ist die selbst konstruierte Welt in der ein Individuum mit anderen Menschen interagiert. Dies klingt zunächst selbstbestimmt, aber jeder Mensch erlebt diese Welt nicht nur als frei sondern, dadurch dass sie sich ja mit anderen Menschen überschneidet, ist sie sehr stark durch Werte, Normen, erlernte Kenntnisse, Gesetze, Eltern, Nachbarn, Arbeit, Schule und anderen Menschen geprägt.<br />
Wenn man die Menschen in ihrer Lebenswelt betrachtet, erkennt man einerseits, dass die Menschen selbst sich Grenzen auferlegen durch bestimmte eigene Standpunkte und Handlungen, anderseits ist ihre Lebenswelt stark durch die Gesellschaft und dem System beeinflusst. Die Lebenswelt wird von Geld (z.B. Hartz IV) und Recht (z.B. Mietrecht) gesteuert ohne, dass sich die jeweiligen Menschen sich dazu äußern können und eigene Vorstellungen entwickeln können.<br />
Das heißt also die Menschen haben in der Lebenswelt durchaus die Möglichkeit zu Veränderung, aber sie sind schwer erreichbar und darum sind sie in gewisser Weise „fremdgesteuert“. Gemeinwesenarbeit will die Handlungsspielräume erweitern und dazu Bedarf es der Aktivierung. Handlungsspielräume erweitern heißt Selbstbestimmung ermöglichen. Selbstbestimmung erreichen heißt Emanzipation und Empowerment und in der GWA Aktivierung ist die Methode, dies zu erreichen.<br />
„Emanzipation heißt die Befreiung der Subjekte (&#8230;) aus Bedingungen, die ihre Rationalität und das mit ihr verbundene gesellschaftliche Handeln beschränken.“ (Mollenhauer, 1968, S.27) Dies beschreibt trefflich, die Lage in der die Bewohner stecken. Sie sind in ihrer Handlungsfähigkeit beschränkt und um dies zu verändern Bedarf es Unterstützungsarbeit.<br />
Man könnte diese Unterstützungsarbeit oder Aktivierung aber auch dementsprechend Einmischung nennen, Oelschlägel teilt diese Einmischung in drei Bereiche ein:<br />
1. Prozesse anregen: Dazu werden die im Stadtteil vorhandenen Probleme aufgegriffen und thematisiert. Dabei geht es um Information und Skandalisierung der Probleme und die Auseinandersetzung mit ihnen. Die Methode der aktiven Befragung, die ich noch erläutere, dient hierzu.<br />
2. Prozesse moderieren: Hier ist die Netzwerkarbeit unter den Bewohnern von großer Bedeutung. Eigene Netze mit Nachbarn, gleichgesinnte und Professionelle führen zu erweiterten formellen und informellen Beziehungen. Wichtig hierbei ist inwieweit diese Netzwerke Unterstützung und Solidarität bieten.<br />
3. Prozesse unterstützen: Unterstützung durch Logistik und Beratungen, durch Politisches Know-how, Gremienarbeit und Schulungen.<br />
Ich will jetzt aus der Theorie der drei vorgestellten Konzepte der Gemeinwesenarbeit die Passagen herausarbeiten, in denen Aktivierung geschieht und sehen welche Prozesse berücksichtigt werden.</p>
<p><strong>Aktivierung nach Alin</strong><strong>sky</strong><br />
Bei Community Organizing stehen die einzelnen Beziehungen im Stadtteil im Vordergrund, deswegen werden die akuten Probleme im Stadtteil zunächst zurückgestellt und es geht um einen Aufbau eines großen, den gesamten Stadtteil abbildendes Netz. Dieses Netz soll aus sozialen Beziehungen bestehen. In Einzelgesprächen wird heraus gefunden, wie die Person „tickt“. Was für Interessen hat die Person und mit wie vielen Menschen steht die Person in Kontakt. Den die einzelnen egoistischen Interessen führen zum Allgemeininteresse des Stadtteils. Es wird also versucht herauszufinden, warum der Einzelne ein Interesse haben könnte gemeinsame Sache mit dem Stadtteil zu machen.<br />
Das heißt der einzelne wird dadurch aktiviert, dass er weiß warum er mitmachen sollte. Im Gespräch soll für ihn deutlich werden, wenn er mitmacht gewinnt er. In diesen Einzelgesprächen werden aber zunächst Schlüsselpersonen herausgesucht. Menschen, die viele Freunde und Bekannte im Stadtteil haben, so dass ein kleinerer Kreis am Ende doch irgendwie den ganzen Stadtteil abbildet. Diese Schlüsselpersonen treffen sich im Kernkreis und dienen später als Aktivierer ihrer Freunde und Bekannte, wenn es um größere Mobilisierungsaktionen geht und der gesamte Stadtteil gebraucht wird.</p>
<p><strong>Aktivierung nach Oelschlägel und Hinte</strong><br />
Nach Oelschlägel zu Folge sind die Bewohner eines Stadtteils nicht unaktiv, sondern sie bewegen sich in ihren gegebenen Strukturen und haben sich mit denen abgefunden. Es ist keine Passivität. Aktivierung demzufolge gilt der politischen Inaktivität. Diese Inaktivität soll durch Aktivierung  zu Aktivität führen. Hier ist es wichtig Einfluß auf die Kosten-Nutzen Analyse der Bewohner zu nehmen. Dies geschieht in dem auf der einen Seite neue Ressourcen zur Verfügung gestellt werden und auf der anderen Seite durch die Erweiterung der Netzwerke der jeweiligen Bewohner.<br />
Hinte geht mit seiner Sozialraumorientierung einen etwas anderen Weg. Die Erweiterung der Ressourcen der Menschen ist ihm auch wichtig, aber er plädiert darauf Ressourcen unauffällig zur Verfügung zustellen.<br />
Bei der aktivierenden Befragung ist ihm wichtig, die Menschen aufzurütteln. Die Frage, die sie den Bewohnern stellen ist: „Was wollen Sie hier ändern?“ Dies soll die Entrüstung der Menschen befördern, aber auch ihre Interesse (ihr „wollen“) von den Wünschen trennen.<br />
Ausführlich beschreiben Treß und Hinte (vgl. Hinte/Treß, 2007, S.30 ff.) den Unterschied zwischen den Wunsch und dem Willen etwas zu verändern. Der Wunsch ist demnach passiv – „das sollen andere tun“; der Wille aktiv – „das will ich verändern“.<br />
Sie kommen zu dem Schluß, dass innerhalb der Befragung der Wunsch vom Willen selektiert werden soll und so finde ich, dem Sozialarbeiter, die Chance und das Risiko geben, willkürlich zu beschließen und zu behaupten: „Das ist nur ein Wunsch“ oder „Das ist doch nicht der echte Wille“ – es gibt ja den „Willen hinter dem Willen“ (Hinte/Treß, 2007, S.33) und fügen hinzu, dass wenn „Menschen nichts wollen, sind sie als Klient/innen für soziale Arbeit ziemlich ungeeignet“ (Hinte/Treß, 2007, S.33). Damit soll aber auch ausgedrückt werden, dass Menschen Veränderung wollen müssen, da ihnen nichts aufgezwungen werden soll, sondern danach gesucht werden soll, was jeder Mensch in seiner Situation mit Hilfe seiner Ressourcen leisten kann, um seine Situation zu verbessern.<br />
Aktivierungsmethoden<br />
Hinte und Oelschlägel nennen zahlreiche Aktivierungsmethoden, die sie verwenden und die ich nun kurz vorstelle. Die bekannteste ist die aktivierende Befragung, die gemeinwesenbezogene Probleme thematisiert, mit dem Ziel das Engagement von Betroffenen zu fördern.<br />
Die Problembereiche werden meist in einer Gemeinwesenbeobachtung erhoben. Dabei werden die vorhandenen Daten wie demographische genauso erhoben, wie der infrastrukturelle Ausbau eines Gemeinwesens (Geschäfte, Verkehrsverbindungen, soziale und kulturelle Einrichtungen, usw.).<br />
Außerdem können Expertengespräche mit Schlüsselpersonen und öffentlichen Personen geführt werden.<br />
Bei der Aktivierung der Bevölkerung werden meist aktivierende Versammlungen, Veranstaltungen, Feste und Öffentlichkeitsarbeit, wie Stadtteilzeitungen uä. durchgeführt. Zu Anfang wird eine Initiativgruppe oder einen Kernkreis gebildet, die gemeinsam mit den Gemeinwesenarbeitern weitere Arbeitsschritte entwickelt.</p>
<p><strong>Aktivierung im Stadtteilmanagement</strong><br />
Aktivierung ist, meiner Einschätzung nach, gar nicht wesentlicher Bestandteil des Stadtteilmanagements. Im Vordergrund steht die Gremienarbeit zu der viele Experten aus der Politik, Wirtschaft und dem Sozialen Bereich mit einigen wenigen, oft ausgewählten, eingeladenen Bürgern  zusammenarbeiten und Verbesserungsvorschläge diskutieren und zur weiteren Erarbeitung durch höhere Gremien abstimmen. Die Sitzungen sind öffentlich und durch Mitteilungsblätter wird die Bevölkerung informiert und kann so zu den Sitzungen kommen und mit reden und diskutieren. Abstimmungsberechtigt sind sie jedoch nicht.</p>
<p><strong>Motivation</strong><br />
Verschiedene Interessen spielen eine Rolle, bei der Arbeit im Gemeinwesen. Was möchten die einzelnen Vertreter erreichen und warum werden sie aktiv oder nutzen die Möglichkeit der Aktivierung? Ich will dazu die Motivationen der Sozialarbeiter, Bewohner und des Staates exemplarisch herausgreifen und beschreiben. Diese Beschreibungen sind natürlich nur Beispielhaft, da jeder Mensch anders denkt und tickt. Ich versuche mich in die Lage der einzeln hineinzuversetzen und ein homogenes Bild dessen abzugeben.</p>
<p><strong>Motivation des Sozialarbeiters</strong><br />
Da wie gesagt verschiedene Sozialarbeiter, verschiedene Sicht- und Denkweisen haben ist diese Motivationsbeschreibung nicht unbedingt vollständig und richtig. Ich gehe hier einfach von mir als Sozialarbeiter aus. Was wäre meine Motivation?<br />
Es geht darum Bewohner zu ermächtigen eigenständige, selbstbewußte Menschen zu sein, die ihren Stadtteil formen und ihn zu einem für sie selbst lebenswerten Ort zu machen und dabei Politik und Wirtschaft zu herauszufordern mehr für dieses Ziel gemeinsam zu investieren. Das heißt ich gehe davon aus, dass die Bewohner dies auch für sich erhoffen und träumen, aber dies aus vielen Gründen nicht tun können und wollen.<br />
Ich nutze Aktivierung um den Menschen ihre Handlungsspielräume zu verdeutlichen, ihnen klar machen zu können, dass gemeinsam mehr möglich ist und ihre Träume erreichbar wären. Aktivierung soll also Grenzen überwinden und Visionen eröffnen.<br />
Aktivierung muß etwas emotionales sein. Dabei ist es natürlich wichtig immer wieder die Grenzen und Schwierigkeiten auf dem Weg zu einer Lösung zu verdeutlichen und wahrzunehmen.</p>
<p><strong>	Motivation der Bewohner</strong></p>
<p>Um es wieder mit Oelschlägel auszudrücken, sind die Bewohner bereits aktiv. Ihre Motivation ist es sich den gegebenen Umständen anzupassen und das Beste für sich dabei heraus zubekommen ohne allzu großen Aufwand zu verursachen. Zu politischer Aktivität lassen sie sich nur hinreißen, wenn die Kosten-Nutzen Analyse einen größeren Nutzen erbringt. Sollte es also einen Weg geben leichter zu ihren Interessen zu kommen, in dem jemand anderes es für sie tut, so erweisen sich die Bewohner, als „klug agierenden Klientenschaft, die diese Hilfsbereitschaft in pfiffiger Weise für sich nutzen weiß“ (Hinte/Treß, 2007, S.35) und so ihre Handlungsfähigkeit nicht erweitern und in ihrem Alltagstrott verharren.</p>
<p><strong>Motivation des Staates</strong><br />
Die Schlagwörter „Aktivierender Staat“ und „fördern und fordern“ haben die Amtszeit Gehard Schröders mit der Einführung von Hartz IV geprägt. Anders als die Aktivierung der GWA handelt es sich hierbei um einen obrigkeitsstaatlichen Eingriff in die individuelle Lebensplannung. Da wird durch Sanktionen aktiviert. Eine solche Erpressung ist das genaue Gegenteil zur Einmischung der GWA.<br />
Es gibt keine diskursive Lösungsstrategie, keine partnerschaftliche Zusammenarbeit oder eine parteiliche und engagierte Interessenvertretung aus der Bewohnerperspektive.<br />
Partizipation, also Machtabgabe, damit auch Bewohner ihre Lebenswelt gestalten können gibt es nur soweit, dass sich die Politik eine weitere Legitimation holen kann. Das Argument, ihr habt uns gewählt, reicht zunehmend, wahrscheinlich dank der geringen Wahlbeteiligungen, nicht mehr aus. Das Programm der „Sozialen Staat“ mit ihrem Stadtteilmanagement bietet die Plattform, in der Politiker mit Experten in einer erhöhten der Öffentlichkeit diskutieren und so ihre Entscheidungen besser wahrgenommen und verstanden werden können. Wenn Bewohner aber gegensätzliche Interessen, als die der Politik haben, so haben diese wenig Einfluß und so erhöht sich die Politikverdrossenheit der Bewohner um so mehr.</p>
<p><strong>Fazit</strong><br />
Aktivierung ist in meinen Augen eine der menschlichen Natur entgegengestellte Aktion. Die Motivation der Bewohner zeigt, dass sie sich mit den Lebensumständen schnell zu recht finden und nicht eine Verbesserung anstreben.<br />
Als Geheimauftrag würde ich die Aktivierung dennoch nicht beschreiben. Der Sozialarbeiter geht zwar nicht zu den Menschen und sagt: „Hey, ich möchte dich jetzt aktivieren“, aber in allen Formen der GWA versteckt der Sozialarbeiter seine Haltung der Einmischung nicht. Gerade in der aktivierenden Befragung wird mit der Frage „Was wollen Sie hier ändern?“ die Erwartungshaltung des Sozialarbeiters nicht kaschiert sondern direkt angesprochen. Aber es wird deutlich, das Aktivierung bedeutet nicht unbedingt die Interessen der Menschen zu vertreten, sondern an ihren Interessen entlang zu arbeiten. Veränderung und Verbesserung heißt immer auch zunächst Opfer zu bringen, dies kostet Überwindung und Kraft. Der Gemeinwesenarbeiter muß also auch in gewisser weise fordern. Aber in eine andere Richtung, als der aktivierende Staat. Anstatt sich an die gegebenen Umstände anzupassen, soll der Mensch die Umstände nach seinen Vorstellungen verändern.<br />
Der Gemeinwesenarbeiter kämpft mit Aktivierung entgegen der menschlichen Natur der Anpassung, die Form und der Begriff Aktivierung ist dabei nicht geheim, aber es muß bewußter und deutlicher genannt werden, dass diese Form von den Menschen zunächst nicht gewollt ist.<br />
Die Gefahr, die ich sehe, ist vielmehr die der Entmündigung der Bewohner. Einerseits durch den Sozialarbeiter, wenn er mit seiner Hilfsbereitschaft, die Menschen doch umsorgt und nur für ihre Interessen kämpft, ihnen aber nicht die Möglichkeit gibt selbst zu überlegen und zu handeln und anderseits durch den aktivierenden Staat, der versucht eine Unterstützung seiner Politik durchzusetzen und nicht den Menschen mehr Handlungsspielräume einräumt sondern die Bevölkerung nur für seine Zwecke mißbraucht.</p>
<p><strong>Literaturverzeichnis</strong></p>
<p>Alinsky, Saul D. (1999): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3889775594?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3889775594">Anleitung zum Mächtigsein. Ausgewählte Schriften.</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3889775594" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, 2. Aufl., Göttingen</p>
<p>Hinte, Wolfgang; Treß, Helga (2006): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3779917769?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3779917769">Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe (Basistexte Erziehungshilfen)</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3779917769" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Weinheim und München</p>
<p>Hinte, Wolfgang; Lüttringhaus, Maria; Oelschlägel, Dieter (2007): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3779918242?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3779918242">Grundlagen und Standards der Gemeinwesenarbeit</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3779918242" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, 2. aktl. Aufl., Weinheim und München</p>
<p>Mollenhauer, Klaus (1968): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/B0000BSPRY?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0000BSPRY">Erziehung und Emanzipation</a><img STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" BORDER="0" HEIGHT="1" WIDTH="1" SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B0000BSPRY" />, München</p>
<p>Oelschlägel, Dieter (1994): Gemeinwesenarbeit im Armutsquartier, In: Neue Praxis Jg. 1/94</p>
<p>Oelschlägel, Dieter (2004): Selbstständig in der Lebenswelt – der Beitrag der 	Gemeinwesenarbeit, <a HREF="http://www.asfh-berlin.de/hsl/docs/3025/selbststaendigkeit.pdf" TARGET="_blank">http://www.asfh-berlin.de/hsl/docs/3025/selbststaendigkeit.pdf</a>, 	zuletzt besucht 25.03.2008</p>
<p>Oelschlägel, Dieter (2006): Beteiligung und Aktivierung in der Stadtgesellschaft, 	<a HREF="http://212.12.126.151/cms/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=97&amp; Itemid=253" TARGET="_blank">http://212.12.126.151/cms/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=97&amp; 	Itemid=253</a>, zuletzt besucht 25.03.2008</p>
<p>Penta, Leo; Hrsg. (2007): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3896840665?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3896840665">Community Organizing. Menschen verändern ihre Stadt (Amerikanische Ideen in Deutschland)</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3896840665" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Hamburg</p>
<p>Schnee, Renate (2004): Skriptum Gemeinwesenarbeit, <a HREF="http://www.telesozial.net/cms/ uploads/tx_kdcaseengine/Skriptum_ Gemeinwesenarbeit _Renate_Schnee _102004.pdf" TARGET="_blank">http://www.telesozial.net/cms/uploads/tx_kdcaseengine/Skriptum_ Gemeinwesenarbeit _Renate_Schnee_102004.pdf</a>, zuletzt besucht 25.03.2008</p>
<p>Tewes, U.; Hrsg. (1992): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3486252291?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3486252291">Psychologie-Lexikon</a><img STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" BORDER="0" HEIGHT="1" WIDTH="1" SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3486252291" />, Wien</p>
<p>Wendland, Anja (2002): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3893703667?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3893703667">Mitbestimmung oder Beteiligung im Laufstall? Zur Diskussion um Partizipation in der sozialen Stadtentwicklung</a><img STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" BORDER="0" HEIGHT="1" WIDTH="1" SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3893703667" />, Bielefeld</p>
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		<title>Sozialpolitik Rumäniens &#8211; regierte Kultur der Armut</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Jan 2008 19:32:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adigwe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rumänien]]></category>
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		<description><![CDATA[Rumänien hat meiner Meinung nach den rasantesten Wandel durchgemacht, als alle anderen Ostblockländer. Rumänien war nach dem Fall des Kommunismus, als armes Land bekannt mit vielen Berichten über Straßenkindern in den Medien. In Rumänien ist mittlerweile der purste Kapitalismus eingeführt worden. Vielleicht keine gute Quellenangabe, aber laut Wikipedia zählt Rumänien zu „den am stärksten deregulierten und privatisierten Volkswirtschaften der Welt“. Mit einem Wachstum von 6,7% kann es starke Zahlen vorweisen und die Arbeitslosigkeit ist extrem zurückgegangen. Aber ist es wirklich alles so toll in Rumänien? Was bedeutet purer Kapitalismus für die Rumänische Bevölkerung? Das läßt sich mit der Sozialpolitik, denke ich, deutlich machen. Dabei werde ich weniger die Zahlen betrachten, als nach dem wieso und warum fragen und herausfinden, wie sich ein System für die Bevölkerung darstellt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p id="top" /><a title="Bukarest - Sozialpolitk" href="http://adigwe.de/blog/wp-content/uploads/2008/03/referat-sozialpolitik-rumanien_html_497789c1.jpg"><img src="http://adigwe.de/blog/wp-content/uploads/2008/03/referat-sozialpolitik-rumanien_html_497789c1.thumbnail.jpg" alt="Bukarest - Sozialpolitk" align="left" /></a> Warum habe ich die Sozialpolitik Rumäniens mir ausgesucht? Klar, ich hab meinen Anderen Dienst im Ausland dort ausgeführt und bin nun mit einer rumänischen Frau verheiratet. Aber es gibt noch viel interessantere Grunde, warum ich dieses anderen Land vorstellen möchte. Gerade Rumänien hat meiner Meinung nach den rasantesten Wandel durchgemacht, als alle anderen Ostblockländer. Rumänien war nach dem Fall des Kommunismus, als armes Land bekannt mit vielen Berichten über Straßenkindern in den Medien. In Rumänien ist mittlerweile der purste Kapitalismus eingeführt worden. Vielleicht keine gute Quellenangabe, aber laut Wikipedia zählt Rumänien zu „den am stärksten deregulierten und privatisierten Volkswirtschaften der Welt“. Mit einem Wachstum von 6,7% kann es starke Zahlen vorweisen und die Arbeitslosigkeit ist extrem zurückgegangen. Aber ist es wirklich alles so toll in Rumänien? Was bedeutet purer Kapitalismus für die Rumänische Bevölkerung? Das läßt sich mit der Sozialpolitik, denke ich, deutlich machen. Dabei werde ich weniger die Zahlen betrachten, als nach dem wieso und warum fragen und herausfinden, wie sich ein System für die Bevölkerung darstellt. <strong></strong></p>
<p><strong>Aktuelle wirtschaftliche und soziale Daten zu Rumänien</strong></p>
<p>Rumänien ist zentral regiert (nach französischen Vorbild) und in 41 Landkreisen plus Hauptstadt Bukarest eingeteilt, dadrunter sind 2.686 Kommunen und 265 Städte, die gewählte Bürgermeister und ein „Consil Local“ besitzen. Laut Weltbank leben 2006 21,5 Millionen Menschen in Rumänien (im Vergleich  82,3 Millionen in Deutschland). Rumänien hat ein Wirtschaftswachstum von 6,7% und ist einer der größten Produzenten von Halbleiter-Anwendungen wie PC-Hauptplatinen, Notebooks und WLAN-Komponenten.</p>
<p>Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2000 noch bei 10,5 % und ist im Dezember 2005 nur noch bei 5,9 %. Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei $5.633 / Einwohner im Jahr 2005 (BRD $36.975; 2006). Die Inflationsrate ist mit 9,0% im Jahr 2005 sehr hoch (BRD 2,0%; 2005). Der Staat gibt einen gesetzlichen Mindestlohn von 130 Euro vor. Der Durchschnittslohn lag im Oktober 2007 bei 1471 lei RON brutto / 1084 lei RON netto = 307,10 € brutto / 226,30 € netto, also nicht unwesentlich höher, als der Mindestlohn. Aus diesem Grund ist die Zahl der rumänischen Arbeitssuchenden in anderen Ländern, vor allem in Spanien und Italien immer noch hoch.</p>
<p>In Rumänien wird Rumänisch zu 89,5% gesprochen, zu 6,6% Ungarisch und zu 2,5% Romani, die Sprache der Roma. Weitere Minderheiten (unter 0,3%) sind Deutsche, Ukrainer, Polen, Slowenen, Türken, Russen und Tataren. Rund 87% der Bevölkerung sind Rumänisch-Orthodox, 6,8% Protestanten jeglicher Fasson, 5,6% (meist Ungarn) sind Römisch-Katholisch und nur 0,2% (trotz kommunistischer Vergangenheit) sind Atheisten oder Konfessionslos.</p>
<p>Mit offiziell zwei Millionen Einwohnern ist Bukarest Dreh- und Angelpunkt Rumäniens mit steigenden Einwohnerzahlen in den angrenzenden Dörfern und Städten im Kreis Ilvov. Die Städte Brasov, Cluj-Napoca, Constanta, Craiova, Iasi, Galati und Timisoara, können als die &#8220;regionalen Hauptstädte&#8221; bezeichnet werden, haben jeweils nur rund 300.000 Einwohnern. Rumänien ist seit 2004 in der NATO und seit 2007 in der EU. (vgl. Quellen: Wikipedia, INSSE, Weltbank) <strong></strong></p>
<p><strong>Die vier europäischen Modelle von Sozialpolitik</strong></p>
<p>Um die Sozialpolitik von Rumänien zu verstehen, möchte ich kurz die vier vorherrschenden Modelle von Sozialpolitik und deren Charakteristika vorstellen. Diese Darstellung ist natürlich stark vereinfacht. Es ist das Skandinavische, Bismarksche, Angelsächsische und das Latinische Modell.</p>
<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="4" width="100%" bordercolor="#000000">
<tbody>
<tr valign="TOP">
<td width="20%"></td>
<td width="20%">Skandinavisch</td>
<td width="20%">Bismarkisch</td>
<td width="20%">Angelsächsisch</td>
<td width="20%">Latino</td>
</tr>
<tr valign="TOP">
<td width="20%">Regierungsstil</td>
<td width="20%">Modern</td>
<td width="20%">Institutionalisiert</td>
<td width="20%">Residual</td>
<td width="20%">Rudimentär</td>
</tr>
<tr valign="TOP">
<td width="20%">Charakteristika</td>
<td width="20%">- Förderung von Beschäftigung</p>
<p>- Arbeitgeber, in letzter Instanz ausgleichend</td>
<td width="20%">-totaler &#8220;Wachstum&#8221;</p>
<p>- Ausgleichend, in letzer Instanz Arbeitgeber</td>
<td width="20%">- totaler Wachstum</p>
<p>- Arbeitsplätze durch den Markt, in letzter Instanz ausgleichend</td>
<td width="20%">- &#8220;Nachzügler&#8221;</p>
<p>- Wohlstand als Versprechen (halb institutionalisiert)</td>
</tr>
<tr valign="TOP">
<td width="20%">Recht auf:</td>
<td width="20%">- Arbeit</td>
<td width="20%">- Soziale Sicherung</td>
<td width="20%">- Einkommens-transfer</td>
<td width="20%">- Arbeit und Wohlstand</td>
</tr>
<tr valign="TOP">
<td width="20%">Entwicklung der untersten Einkommen</td>
<td width="20%">- Gesteuert, kann &#8220;Kompakte Einkommen&#8221; herstellen</td>
<td width="20%">- kann Einkommen von Arbeit &#8220;trennen&#8221;</td>
<td width="20%">- kann einen &#8220;normalen&#8221; Wohlstand fördern</td>
<td width="20%">- kann einen normalen Wohlstand fördern</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>(Quelle: Leibfried, 1993, S.142)</p>
<p><!--adsensestart--><strong>Transformation vom Kommunismus zum Kapitalismus</strong></p>
<p>Die jetzige Sozialpolitik kann man nur verstehen und erklären, wenn man die Zeit des Kommunismus und den Übergang beschreibt. Deacon (vgl. Deacon, 1993, S. 179) hat die Vorteile und Nachteile der Sozialpolitik im Kommunismus beschrieben, damit möchte ich deutlich machen welche dramatischen Veränderungen auf die Bevölkerung nach 1989 zu kam: Jeder Mensch hatte Anspruch auf einen und bekam einen Arbeitsplatz, dadurch gab es aber kaum bis keine Arbeitslosenhilfe für diejenigen die trotzdem nicht arbeiteten. Die Gehälter der Arbeiter war im Vergleich zum Durchschnittslohn hoch, es gab aber versteckte Privilegien für die Verwaltung von Staat und Partei. Es gab kostenlose Krankenleistungen, die jedoch nur durch Geschenke und Bestechung ausgeführt worden, es gab kaum präventive Maßnahmen und es herrschte eine hohe Sterblichkeitsrate. Außerdem gab es bis zu drei Jahre Urlaub bei Mutterschaft, dafür waren Frauen gezwungen zu Arbeiten und  die Jobs wurden in Frauen- und Männerspezifische Jobs zugeteilt. Wohnungen wurden massiv subventioniert, die Einteilung wurde aber ungerecht durchgeführt. Die Renten wurde vom Staat organisiert, diese waren aber inadäquat.</p>
<p>Nach 1980 verschlechterte sich die Lage, da Rumänien die Staatsschulden abzahlte, alles auf Export setzte und die Bevölkerung dazu ausbluten lies. Da die Löhne gleich hoch ausfielen und die Preise für Konsumgüter vom Staat gering gehalten wurden, gab es kaum noch Lebensmittel und Konsumgüter in den Geschäften. Es wurden Lebensmittelkarten eingeführt, die den Verbrauch rationierten. Der Schwarz Markt stieg dadurch. Arbeitslosigkeit wurde versteckt, in dem Menschen in Urlaub geschickt oder halbe Löhne gezahlt wurden. Durch den Verbot von Verhütung und Abtreibung wuchs die Bevölkerung und auch die Zahl der vernachlässigten und institutionalisierten Kinder rapide, sowie eine große Kindersterblichkeit und eine gestiegene Zahl von Kindern mit Behinderungen (eine Folge von Unterernährung / schlechter Medizinischer Versorgung und privaten mißglückten Abtreibungen).</p>
<p>Nach 1989 gab es drei Etapen der Sozialpolitik: Die erste Etape war Wiederherstellung von Sozialpolitik. Dies beinhaltete den Stop des Exports von Lebensmitteln und Verteilung von Hilfen aus dem Ausland im Land, das Beenden der versteckten Arbeitslosigkeit, Legalisierung der Abtreibung, vereinzelte Entschädigungen für politisch Verfolgte im Kommunismus und Senkung von Lebensmittelpreisen. Diese Maßnahmen kosteten den Staat extrem viel Geld und waren nur auf kurzfristige Verbesserung der Lage aus. Diese Etappe dauerte bis zur Wahl im Mai 1990.</p>
<p>Die zweite Etape (1991-2000) war die Herstellung und Institutionalisierung von Organen der Sozialpolitik für eine Marktwirschaft. Dies bedeutete, dass es der Bevölkerung viel kostete, viel mehr als die Regierung zunächst angenommen hatte. Der rumänische Staat zog sich weit aus seiner Verantwortung zur Schaffung von Wohlstand zurück und die Familien mußten diese Belastungen tragen. Karitative Einrichtungen versuchten mit zu helfen, aber deren Hilfe war ungerecht verteilt. Die Klasse der Reichen und die Klasse der Armen wuchs und damit auch der gesellschaftliche Unterschied. Diese Entwicklung war zum einen zu erwarten, da auch in den Ex-Kommunistischen Nachbarstaaten, die Wirtschaft um 20-40% bei der Transformation gesunken war, allerdings war der Niedergang von allen Staaten am größten und Rumänien zahlte erheblich weniger vom Bruttoinlandsprodukt in die Sozialpolitik. Preda sagt (2007, S.115-116), dass weder die vorhandene rumänische Ökonomie, also isolierte Lage, veraltete Technologie, noch die Weltbank und der IWF, die, durch ihre an Bedingungen geknüpften Gelder, das Amerikanische Modell, des Sozialstaates auf Rumänien übertragen wollten eine Erklärung für dieses Phänomen sein könnten, da alle anderen Ex-Kommunistischen Staaten, das gleiche Schicksal traf.</p>
<p>Viel mehr führt er es auf folgende Punkte zurück:</p>
<p>Die letzen Jahre des Kommunismus waren viel härter, als in den Nachbarstaaten, der Staat forderte hier die Familien auf für ihre Probleme selbst zu sorgen, so dass der Staat einerseits nach 1989 nicht mehr Fürsorge für nötig hielt und die Bevölkerung auch mehr hinnahm als in den anderen Staaten.</p>
<p>Die gewaltvolle Revolution führte, im Gegensatz zu den friedlichen Revolution in den Nachbarstaaten, zu größeren Abspaltungen innerhalb der Bevölkerung und führte zu größeren sozialen Spannungen und einer reduzierten Bereitschaft für soziale und weitgehend Einkommen ausgleichende Reformen.</p>
<p>Die dritte und letzte Etappe war dann die eigentliche Transformation zum Kapitalismus, die ab 2001 statt fand, Ausdruck ist unter anderem die Einführung Flat-Tax, der NATO beitritt, und die Ökonomische Erholung und der darauf folgende Wirtschafts-Boom.</p>
<p><strong>Faktoren, die die Sozialpolitk in Rumänien bestimmen</strong></p>
<p>Laut Deacon (1993), der die Sozialpolitik in Osteuropa charakterisiert hat gibt es sechs Faktoren, die eine Sozialpolitik bestimmen. Marian Preda (2007, S.135 ff) hat diese Faktoren auf Rumänien übertragen und ausgeführt. <strong></strong></p>
<p><strong>1. Ideologische, politische Faktoren</strong></p>
<p>Die Ideologien der Parteien scheinen nach 1989 kaum einen Einfluss auf die Sozialpolitik gehabt. Die Sozialdemokratischen Parteien, die zunächst regierten (1989-1996) hatten keine wirklichen sozialen Programme. Ihre Sozialen Ausgaben lagen mit 14-16% des Bruttoinlandsprodukts, weit unter den Ausgaben der Nachbarstaaten oder den sozialdemokratisch geführten Staaten im Westen. Diese Ausgaben waren auch nicht anders als die Konservativen und Liberalen regierten (1996-2000). Der Einfluß von sozialen Bewegungen oder Organisationen der ethnischen Minderheiten war extrem gering. Nur die Roma Organisationen, obwohl sehr schlecht organisiert, konnten sich manchmal Gehör verschaffen. <strong></strong></p>
<p><strong>2. Kulturelle Faktoren</strong></p>
<p>Die kulturellen Faktoren waren sehr wichtig. Die Arbeitsmoral z.B. war, durch den Kommunismus, der die Gleichheit aller Propagierte und für gleiche Bezahlung sorgte, extrem reduziert. Die Arbeit war garantiert und der Staat sorgte für die Soziale Sicherung. Dies führte nach 1989 dazu, dass viele Menschen den Staat als Fürsorger sahen. So wurden im Kommunismus viele Kinder mit und ohne Behinderungen dem Staat in seinen Institutionen überlassen. Dies war vor dem Kommunismus ganz unüblich. Dieser Transfer des Individuum und der Familie auf den Staat wurde im letzten Jahr von Ceausescu und im erheblichen Masse nach 1989 drastisch zurück gefahren. Die Familie hat in vielen Punkten nun die wichtigste Aufgabe, da der Staat sich zurückgezogen hat:</p>
<p>1. Ein großes Problem sind Wohnungen für junge Familien, da der Staat keinen (besser: kaum) staatlichen Wohnungsbau betreibt und Rentner kaum noch auf das Land ziehen um ihre Wohnungen den Jüngeren zu überlassen. So kommt es manchmal vor, dass junge Familien eine ältere Person (meist irgendwie verwandt) pflegen, damit sie später in die Wohnung ziehen können und erfüllen so die Pflege von älteren Menschen, die der Staat total ignoriert und kaum für Pflege bezahlt.</p>
<p>2. Das Erziehen und Pflegen von kleinen Kindern liegt in weiten Teilen auch in den Händen der Familien. Der Staat hat das Kindergeld drastisch reduziert und keine Angebote für Kinder von 0-3 Jahren geschaffen. So muß oft die Oma die Erziehung übernehmen, so dass die Mutter für das Geld sorgen kann. Auch so werden zwei vernachlässigte Dinge des Staates kompensiert: Die geringe Rente und die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes der Mutter nach der Schwangerschaft.</p>
<p>3. Die Eltern (vor allem aus ländlichen Gebieten) müssen viele Ressourcen (meist Lebensmittel) für ihre Kinder (Studenten, Schüler, jungverheiratete in der Stadt) abgeben. Während im Kommunismus in der Stadt die Lebensmittel durch Lebensmittelkarten rationiert waren und so die Landbevölkerung aushalf, sind die (neuerdings Supermarkt-) Regale voll, aber erheblich teuer und unerreichbar und Menschen benötigen weiterhin Hilfe der Landbevölkerung.</p>
<p>4. Der Staat gibt viele Ausgaben der Schulbildung in die Hände der Familien. Um Prüfungen zu bestehen müssen Familien für Nachhilfe zahlen. Es gibt Klassenfonds, Ausgaben für Schulmittel und Geschenke für Lehrer, Eintrittsgelder, Gelder für Zeugnisse, Strafgelder für nichtbestandene Prüfungen. Private Hochschulen sind sehr gefragt (staatliche dementsprechend schlecht) und müssen von den Eltern getragen werden. Es gibt immer mehr private Kindergärten. Aus diesem folgt, dass die Chancengleichheit rapide sinkt und gerade aus ländlichen Gegenden immer weniger Kinder höhere Klassen und Schulen besuchen.</p>
<p>5. Obwohl es eine Krankenversicherung gibt, die alle Kosten deckt, müssen immer noch, wie im Kommunismus Geschenke und Gelder an Ärzte und Personal gezahlt werden. Oftmals Summen, die sich viele Familien nicht leisten können.</p>
<p>6. Da die Situation in den Institutionen für behinderte Menschen kaum geändert hat, müssen viele Familien für ihre Angehörigen selbst sorgen.</p>
<p>7. Es gibt kein Programm für junge Familien um sich günstige Kredite zu leihen, darum sind sie auf Familienangehörige angewiesen.</p>
<p>8. Durch den Wegzug vieler junger Menschen vom Land in die Stadt, leben zunehmend ältere Menschen in den Dörfern, die von einigen Angehörigen gepflegt werden. Diese Beispiele in denen die Familie dem Staat entgegen tritt, sind auf der einen Seite gern gesehen, aber dadurch fallen viele die doch allein oder in Institutionen sind heraus. <strong></strong></p>
<p><strong>3. </strong><strong>Strukturelle Faktoren</strong></p>
<p>Gegenüber den klassischen Modellen der Sozialpolitik, ist in Rumänien, obwohl ein Sozialstaat, ein großer Unterschied zu verzeichnen. Die Unterschicht ist in Rumänien um ein vielfaches höher, als in den westlichen Ländern und die Mittelschicht kaum vorhanden. Der Begriff Unterschicht und Armut ist relativ, in dem bisher geschriebenen, kann man aber davon ausgehen, dass die Rumänische Unterschicht sehr, sehr arm ist und nicht von einer Unterschicht sondern von einer untersten Schicht gesprochen werden kann. Zu dieser Schicht gehören Arbeitslose, nichtqualifizierte Arbeiter und Handwerker, von denen viele auf dem Schwarzmarkt arbeiten, viele Roma, alte Menschen ohne oder mit geringer Rente, Straßenkinder und Obdachlose, größere Teile von alleinerziehenden, Familien mit vielen Kindern.</p>
<p>Die Unterschicht ist von rund 25% im Jahr 1995 auf 41% im Jahr 1999 (Tesliuc, Pop, Tesliuc, 2001) gestiegen und zeigt wie es trotz (oder wegen) der ökonomischen Stärke in Rumänien zugeht. Dies bedeutet auch, dass vom Staat mehr soziale Sicherung erwartet wird und weniger zu seiner Finanzierung beigetragen wird, da dies zum größten Teil von der Mittelschicht finanziert wird. <strong></strong></p>
<p><strong>4. Ökonomische Faktoren</strong></p>
<p>Die Ökonomischen Faktoren sind sehr wichtig. Die kommunistische Vergangenheit, die gewaltvolle Revolution und dessen Wirkungen, waren wichtige Einflüsse für die Richtung der Ökonomie und den Lebensstandard der Menschen. Der wichtigste Grund, warum wenig Geld in das Sozialsystem gegeben wurde, ist weil das Bruttoinlandsprodukt nach 1989 dramatisch gesunken war (75%-76% in den Jahren 1992 – 1999 zu 1989).</p>
<p>Die meisten der großen staatlichen Betriebe, die im Kommunismus viel für die Sozialsysteme beisteuerten verloren unheimlich viel an ihrem Gewinn und erwarteten vom Staat, dass ihre Schulden gelöscht würden. Sie erhielten bis 2000 viel Geld als erneute Kredite und Subventionen. Dadurch wurde den Sozialsystemen wenig Geld zur Verfügung gestellt. Aufgrund dieser Unterfinanzierung gab es keine Soziale Dienste in den ländlichen Gebieten, die die Probleme sehen und zusammenführen hätten können, sondern nur in größeren Städten, wobei auch hier zu wenige und qualitativ schlecht waren. Außerdem sind rund 10% der Familien Alleinerziehend und für diese gibt es keine besonderen Hilfen, sowie es für 2-3 jährige Kinder nichts gibt, obwohl Eltern wieder anfangen müssen zu arbeiten. Jugendliche, die mit 18 Jahren Heime verlassen müssen, werden ganz auf sich gestellt. Menschen ohne Dokumente (vor allem Roma), bekommen keine Sozialen Leistungen, auch für diese gibt es keine Hilfen. <strong></strong></p>
<p><strong>5. Weitere interne Faktoren</strong></p>
<p>Die Gewerkschaften waren immer eine Bremse für Reformen in Rumänien, schreibt Marian Preda (2007, S.152). Die Gewerkschaften konnten und können nur für ihre Mitglieder eintreten, also für diejenigen die ihren Job retten konnten und für diese Privilegien herausholen. Sie kämpfen aber nicht für die soziale Sicherung aller Bürger (wie in Schweden) und verlieren damit ihre Glaubwürdigkeit und die Unterstützung der Bevölkerung. So wurden viele Gelder für Subventionen, Kürzungen von Schulden für Staatliche Firmen ausgegeben, anstatt diese in das Sozialsystem zu investieren. Es gibt viele Fußballmannschaften in den ersten Ligen, die von den Gewerkschaften und den Staatsfirmen mit Milliardensummen finanziert werden (mindestens eine Million Dollar pro Jahr kostet eine Fußballmannschaften).</p>
<p>Die Kirche hat im Westen oftmals eine tragende Rolle im Sozialsystem. Die Orthodoxe Kirche in Rumänien hatte und hat ein paar gemeinnützige Aktionen, doch diese sind wenig und kaum organisiert. Kaum einen Einfluß auf die Sozialpolitk hatten die Initiativen nach 1989, Soziale Arbeit in die theologische Fakultät mit einzufügen und der Aufbau von sozialen Diensten in den Kirchen. Obwohl die katholische und evangelischen Kirchen weniger Mitglieder in Rumänien haben, haben diese, vor allem durch ausländische Gelder, eine Vielzahl von sozialen Projekten gestartet. Insgesamt kann man aber sagen ist der Einfluß, obwohl die Kirchen eine große Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung genießen, auf die Sozialpolitik bescheiden und haben nicht für die Institutionalisierung der Hilfen beigetragen.</p>
<p>Die Rolle Akademiker und Spezialisten auf die Sozialpolitik war zunächst gering, da auf der einen Seite nach 1989 wenig ausgebildete Menschen auf dem Gebiet existierten und auf der anderen Seite die ökonomischen und politischen Argumente immer stärker Gehör fanden. Mittlerweile arbeiten die Spezialisten mit und sind ein wichtiger Teil beim ausarbeiten der Sozialpolitik, wie es auch in anderen Staaten normal ist. <strong></strong></p>
<p><strong>6. Internationale Faktoren</strong></p>
<p>Rumänien hat durch verschiedene Organisationen immens wichtige Hilfen (Militärisch-Politisch: EU, NATO, UNICEF, Vereinte Nationen; Ökonomisch-Finanziell: FMI, Weltbank, OECD, GATT; Internationale NGOs: Save the Children, World Vision, Rotes Kreuz ua.) bekommen und eingesetzt. Probleme dabei sind die Bedingungen, die nicht mit weitsichtiger Strategie durch die Rumänische Politik durchgeführt worden sind. Oftmals sind Bedingungen und Erwartungen der Organisationen verschieden (IWF: liberal, basierend auf die amerikanische Ökonomie; Weltbank: Moderat, mit sozialer Sicherung im Blick; EU: sozialdemokratisch), so dass den jeweiligen Organisationen Versprechungen gemacht wurden, die oftmals sich sogar ausschlossen und nicht erfüllbar sind. <strong></strong></p>
<p><strong>Bereiche der rumänischen Sozialpolitik</strong></p>
<p>Da ich nun vorgestellt habe wie die Geschichte Rumäniens war und welche Faktoren eine Rolle gespielt haben, beim Aufbau der Sozialpolitik und auch ein paar Beispiele angeführt habe, will ich nun kurz, die verschiedenen Bereiche der Sozialpolitik darlegen. Die rumänische Sozialpolitik wird im Prinzip vom Ministerium für Arbeit und Soziale Solidarität ausgearbeitet und ausgeführt. Die Aktivitäten wurden zum größten Teil dezentralisiert, dh. auf die 41 Landkreise und Bukarest angeordnet, die lokale Ebene wird aber zum größten Teil (vor allem finanziell) ignoriert.</p>
<p>Ein schematischer Überblick soll kurz erläutern, wie die Sozialpolitik in Rumänien aussieht. Auf diesen ersten Blick erkennt man zunächst keinen großen Unterschied zu Deutschland, wenn ich aber danach in die einzelnen Bereiche hineinschaue, sieht man das die Maßnahmen aber mehr als dürftig sind und nicht im geringsten eine wirkliche Unterstützung darstellen.</p>
<p align="center"><a title="Sozialpolitik" href="http://adigwe.de/blog/wp-content/uploads/2008/03/referat-sozialpolitik-rumanien_html_m79896073.jpg"><img src="http://adigwe.de/blog/wp-content/uploads/2008/03/referat-sozialpolitik-rumanien_html_m79896073.thumbnail.jpg" alt="Sozialpolitik" /></a></p>
<p align="center">(Quelle: Preda, 2007, S. 147) <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Soziale Sicherung</strong> <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>1. Arbeitslosenhilfe</strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong></strong>Eine Nationale Agentur zum Beschäftigen von Arbeitskräften (ANOFM) gibt es in jedem der 41 Landkreise und soll die Nationalen Strategien zur Beschäftigung und zur Professionellen Weiterbildung, sowie die soziale Sicherung der arbeitslosen Menschen durchführen und einen sozialen Dialog zur Beschäftigungspolitik implementieren. Dies tut die Agentur durch Beratungsgespräche für Arbeitssuchende und Selbstständige, Subventionieren von Arbeitsplätzen und Gehältern, Weiterbildungen und Schulungen, sowie durch Kreditvergabe an Selbstständige. Die Arbeitslosenhilfe (Gesetz 76/2002) betrug 75% des Mindestlohns (97,50 €). Seit 2005 bekommt ein Arbeitsloser, wenn er für mindestens drei Jahre beschäftigt war und in alle Versicherungen (Kranken-,Renten und Arbeitslosenversicherung) eingezahlt hat, 10% seines letzen Einkommens zusätzlich, um den Begriff der Versicherung nachzukommen und Anreiz zu schaffen einzuzahlen. Arbeitslosengeld bekommt man für ein Jahr und seit 2005 wird außerdem überprüft, dass man während seiner Tätigkeit alle Versicherungen bezahlt hat &#8211; so soll Schwarzarbeit verhindert werden. <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>2. </strong><strong>Rente</strong></p>
<p style="text-align: left;">In Rumänien ist die Rente ausschließlich staatlicherseits organisiert und jeder Arbeitende ist verpflichtet einzuzahlen. Der eingezahlte Fond wird innerhalb der Rentengeneration (Mindestrenten unabhängig vom eingezahlten Satz und gekappte Höchstrenten, evtl. weniger Geld als man eingezahlt hat) und zwischen den Generationen (die Arbeitende Generation zahlt für die Rentnergeneration) verteilt. In Rumänien ist für die Rentenversorgung das Nationale Haus für Renten und andere soziale Versicherungen (CNPAS) zuständig. Die CNPAS ist lokal und regional mit vielen Agenturen vertreten. <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>3. Sozialhilfe</strong></p>
<p style="text-align: left;">Der Sozialhilfesatz wird nach den Personen im Haushalt gestaffelt gezahlt. Ein ein  Personenhaushalt bekommt 740.000 lei ROL (altes System, entspricht 74 lei RON = 21 Euro, Zahl aus dem Jahr 2003).</p>
<p style="text-align: left;"><strong>4. Kindergeld</strong></p>
<p style="text-align: left;">Kindergeld gibt es für alle Kinder bis 16 Jahren, sowie für Kinder in Ausbildung bis 18 Jahren. Behinderte Kinder bekommen Kindergeld bis 18 Jahre. Im Jahr 2003 lag das Kindergeld bei 210.000 lei ROL (dh. ca. 6 Euro) im Monat. <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>5. Unterstützungsgelder</strong></p>
<p style="text-align: left;">Weitere Unterstützungsgelder werden je nach Bedarf gezahlt. So gibt es zusätzliche Gelder für Familien, Gelder für Kinder in Pflegefamilien, für neugeborene Kinder, für Familien, dessen Väter den obligatorischen Militärdienst leisten, für Beerdigungen, für Flüchtlinge, für Heizkosten in den Wintermonaten, für Kriegsveteranen und einen Fond für Krisensituationen. <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Soziale Dienste</strong></p>
<p style="text-align: left;">Dieser Bereich gliedert sich wiederum in drei Bereich auf. Soziale Dienste für Kinder und Jugendliche, für behinderte und für ältere pflegebedürftige Menschen. Die Hilfe ist nach dem Subsidiaritätsprinzip aufgebaut, dh. zu erst soll die Familie helfen, dann das Gemeinwesen und als letztes der Staat. Der Staat betrachtet dabei die Einkünfte der Personen und hilft bis zu einem Limit aus. Da der Staat bisher nicht in der Lage ist die nötigen finanziellen Hilfen bereitzustellen, versucht er folgende Strategie: Im ersten Schritt zieht er sich aus der Rolle heraus Dienste bereitzustellen und finanziert sie nur noch, anfänglich komplett. Im zweiten Schritt zieht er sich aus Finanzierung allmählich zurück und finanziert nur noch die Hälfte. Aus diesem Grund sind die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ein wichtiger Faktor der sozialen Arbeit in Rumänien. Von Anfang an haben diese immer wieder vorgemacht, dass sie effektiver und kostengünstiger sind als die verkrusteten staatlichen Institutionen. Ihre Geldgeber kamen aus dem Ausland, aber immer mehr müssen sie versuchen Geldquellen im Inland aufzutun. <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>1. Kinder- und Jugendarbeit</strong></p>
<p style="text-align: left;">Die kreislichen und lokalen Behörden müssen für die Durchsetzung der Kinderrechte sorgen und können autonom folgende Leistungen selbst oder durch Partner (NGOs) anbieten: Wohngemeinschaften (viele der alten Kinderheime wurden zu solchen Familiengemeinschaften umgebaut), Beratungsstellen zur Schwangerschaft, Kinderheime für schwerstbehinderte Kinder, Psychotherapeutische Zentren, Beratungs- und Umerziehungsstellen zur Reintegration von Straffällig gewordenen Jugendlichen, Informationszentren gegen Mißbrauch von Kindern. Außerdem können für Kinder in extremen Bedingungen Tageszentren zur Betreuung und Erziehung und Kinderheime geschaffen werden. Ausführen tun diese Dienste oft die zahlreichen NGOs in Rumänien. <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>2. Behindertenhilfe</strong></p>
<p style="text-align: left;">Das Ministerium für Gesundheit und Familie ist für diesen Bereich zuständig und  schließt durch den Staatssekretär für Menschen mit Behinderungen, auf lokaler Ebene Verträge mit verschieden Organisationen, die Pflegezentren, Tageszentren, Lebensgemeinschaften uä. gründen. <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>3. Altenpflege</strong></p>
<p style="text-align: left;">Sozialpädagogen führen eine Soziale Untersuchung/Befragung (ancheta social) durch und bestimmen in Absprache je nach Resultat die folgenden Hilfen für ältere Menschen durch: ambulante, temporäre Pflege; temporäre oder permanente Pflege in einem Altenheim; Pflege in Tageszentren, Altenclubs, Sozialwohnungen uä. Sollte die Person nicht selbst in der Lage sein seine Meinung kund zutun, so bestimmen die sozialen Dienste des lokalen Konsils in Absprache mit dem Familienarzt und Angehörigen. Diese Beratungsgespräche sind für alle kostenlos, die weiteren Dienste sind nur kostenlos, wenn ihr Einkommen fünf mal kleiner ist, als die anzurechnenden Einkommen für die Sozialhilfe. Ansonsten werden die Preise vom lokalen Konsil festgelegt. Die Dienste werden vom lokalen Konsil organisiert, die NGOs oder andere Personen beauftragen dürfen. Übernehmen Verwandte die Pflege haben sie Recht darauf ihre Arbeitsstelle auf eine Halbtagsstelle zu reduzieren und bekommen für die zweite Hälfte den Lohn eines Sozialpädagogen im ersten Jahr. Menschen in Pflegeheimen müssen je nach Pflegebedarf sich an den Kosten beteiligen, jedoch nicht mehr als 60% des monatlichen Einkommens. <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>4. Krankenversicherung</strong></p>
<p style="text-align: left;">Jeder Bürger zahlt abhängig vom Einkommen in die Krankenversicherung ein. Sämtliche Arztkosten werden offiziell von der Krankenversicherung übernommen, allerdings ist es üblich den Ärzten und dem Personal Geschenke und Geld zu bezahlen. Es gibt viele Private Praxen und Kliniken, da die öffentlichen Praxen und Krankenhäuser nicht ausreichend sind und ihre Leistungen nicht den Standards genügen. <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Fazit – Kultur der Armut</strong></p>
<p style="text-align: left;">Wenn wir nun zusammenführen was ich bereits ausgeführt habe erkennen wir folgendes: Ich habe zu Anfang die vorherrschenden Modelle der europäischen Sozialpolitik vorgestellt. Laut Zamfir wäre Rumänien demnach ein „stat minimalist al bunastarii, bazat pe valorile muncii“ (Zamfir, 2000, S.29) In etwa übersetzt: Minimaler Wohlfahrtsstaat, der Wert auf Arbeit legt. Dies würde dem angelsächsischen Modell entsprechen, allerdings so Preda (2007, S.157) muß herausgestellt werden, dass es in Rumänien, im Gegensatz zu England und den USA, kein ausgereifte Sozialsystem und kein Anreizsystem für den Arbeitsmarkt gibt und kein solides System von kirchlichen oder lokalen Organisationen, die dass auffangen was der Staat nicht tut. Die USA zahlen wesentlich mehr Prozente ihres Bruttoinlandsprodukt für den Sozialstaat als es Rumänien tut, obwohl die Probleme in Rumänien wesentlich größer sind. Darum würde Preda Rumänien dem Modell der Latino-Staaten zuordnen und sagt, dass das System unter dem minimalen Standards ist und nicht komplett ist. Preda nutzt den Begriff von Oscar Lewis („Kultur der Armut“, Lewis, 1959) und sagt das Rumänien eine regierte Kultur der Armut („culturii guvermentale a saraciei“, Preda, 2007, S.157) sei. Während Oscar Lewis, die Kultur der Armen in einer Gesellschaft voll Armut beschreibt, geht Preda darauf ein, dass in Rumänien die Regierung und der Staat selbst arm ist und damit die Gesellschaft beeinflusst. Die Regierungen, vor allen von 1990 – 2000, sind extrem arm, da sie limitierte finanzielle Ressourcen besitzen, so können sie die sozialen Probleme nicht lösen, haben eine geringe Autorität und müssen sich mit einer ungeordneten Ökonomie und einem ungeordneten Sozialwesen abfinden, dass sich in Streiks, nicht bezahlten Löhnen, Mißbrauch von staatlichen Organen und hohen Kriminalitätsraten ausweist. International sind die Regierungen marginalisiert und oft ausgeschlossen von Internationalen Organisationen, sie sind finanziell abhängig und von Geldgebern und ausländischen Investoren kontrolliert. Aus diesen Gründen versuchen die Regierungen die jetzigen Probleme schnell zu lösen, anstatt langfristige Strategien auszuarbeiten und große Reformen anzugehen. Dies hat immense Auswirkungen auf die Bevölkerung und führt zu einer Kultur der Armut für Familien und Individuen. Meine Vermutung ist aber die, dass der Staat genau diese Armut braucht um Aufschwung und Wachstum zu schaffen. Nur wenn genug Menschen arm sind, sind sie bereit auf dem Billiglohnsektor zu arbeiten und Rumänien kann eine Alternative zu China und anderen Billiglohnländern sein. Nur so ist zu erklären warum so viele Firmen in Rumänien investieren und hohe Gewinne einfahren können. Trotz Korruption ist dank Flat-Tax eine Investition gewinnbringend. Eine Verbesserung der Sozialpolitik wäre kontraproduktiv, Verbesserungen der Infrastruktur ist viel wichtiger und wird vorangetrieben.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Literaturverzeichnis</strong></p>
<p style="text-align: left;">Deacon, Bob, 1993, „Developments in East European Social Policy“, in Jones, Catherine (Hrsg.), <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0415070414?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0415070414">New Perspectives on the Welfare State in Europe</a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=0415070414" border="0" alt="" width="1" height="1" />, Routledge, London.</p>
<p style="text-align: left;">Leibfried, Stephan, 1993, Towards an European Welfare State?, in Jones, Catherine (Hrsg.), <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0415070414?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0415070414">New Perspectives on the Welfare State in Europe</a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=0415070414" border="0" alt="" width="1" height="1" />, Routledge, London.</p>
<p style="text-align: left;">Lewis, Oliver, 1959, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0465097057?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0465097057">Five Families, Mexican Case Studies in the Culture of Poverty</a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=0465097057" border="0" alt="" width="1" height="1" />, Panther, London</p>
<p style="text-align: left;">Pasa, Florin; Pasa, Luminita, 2003, Cadrul juridic si organizatoric al asistentei sociale in Romania, Polirom, Iasi.</p>
<p style="text-align: left;">Preda, Marian, 2007, Politica sociala romaneasca intre saracie si globalizare, Polirom, Iasi.</p>
<p style="text-align: left;">Zamfir, Elena, Badescu, Ilie, Zamfir, Catalin (Koord.), 2000, Starea societatii romanesti dupa 10 ani de tranzitie, Expert, Bukarest. <strong></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Quellenangaben</strong></p>
<p style="text-align: left;">INSSE, <a href="http://www.insse.ro/cms/rw/news/item346.ro.do">http://www.insse.ro/cms/rw/news/item346.ro.do</a>, zuletzt besucht am 10.12.2007</p>
<p style="text-align: left;">Wikipedia, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rumänien">http://de.wikipedia.org/wiki/Rumänien</a>, zuletzt besucht am 06.01.2008</p>
<p style="text-align: left;">Weltbank, <a href="http://www.worldbank.org.ro/WBSITE/EXTERNAL/COUNTRIES/ECAEXT/ROMANIAEXTN/0,,contentMDK:20636934~menuPK:287302~pagePK:141137~piPK:141127~theSitePK:275154,00.html">http://www.worldbank.org.ro</a>, zuletzt besucht am 06.01.2008</p>
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		<title>Altes und neues Ehrenamt &#8211; und mögliche Veränderungen in der sozialen Arbeit</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Nov 2007 06:55:37 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ehrenamt bzw. Bürgerschaftliches Engagement wird immer öfter von führenden Politikern hoch gehalten und "geadelt". Es wurden endlich Studien veröffentlicht und Ehrenamt wird als wichtige Säule eines Staates dargestellt. Ist Ehrenamt ein neues Phänomen oder warum wächst es in der Politikergunst? Hat diese Neuorientierung der Politiker einen Einfluss auf die soziale Arbeit? Muss, kann oder wird sich die soziale Arbeit durch das heraufbeschwören der guten Tugend der freiwilligen Arbeit verändern? Diese Fragen möchte ich versuchen nachzugehen und zu klären.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p id="top" />Es gibt aus verschiedenen gesellschaftlichen Richtungen und Position, verschiedene Begriffe, die alle aber etwas ähnliches meinen:<br />
Ehrenamt, freiwilligen Dienst, Bürgerschaftliches Engagement, Bürgerarbeit oder Selbsthilfe sind in Mode gekommene Wörter.<br />
Ehrenamt bzw. Bürgerschaftliches Engagement wird immer öfter von führenden Politikern hoch gehalten und „geadelt“. Es wurden endlich Studien veröffentlicht und Ehrenamt wird als wichtige Säule eines Staates dargestellt. Ist Ehrenamt ein neues Phänomen oder warum wächst es in der Politikergunst? Hat diese Neuorientierung der Politiker einen Einfluss auf die soziale Arbeit? Muss, kann oder wird sich die soziale Arbeit durch das heraufbeschwören der guten Tugend der freiwilligen Arbeit verändern? Diese Fragen möchte ich in diesem Text versuchen nachzugehen und zu klären.<br />
Zunächst will ich dafür, den Ursprung von Ehrenamt nachgehen und so auch die tatsächliche gesellschaftliche Dimension begutachten, dann die neuen Forderungen oder Aufforderungen der Politik betrachten und von ihnen erhofften Konsequenzen, um dann tatsächlich mögliche Konsequenzen, auch im Hinblick auf aktuelle Studien und Zahlen, für die soziale Arbeit zu durchleuchten, um schließlich mit einem Fazit zu schließen, dass sowohl negative, als auch positive Effekte der Veränderung aufzeigen soll. Anschließen soll Raum für Diskussionen sein.</p>
<p><strong>Definition Ehrenamt</strong><br />
Ich will zunächst aber eine Definition für das Ehrenamt finden. In der Literatur findet man dazu sehr wenig passende Definitionen, einen Versuch hat Teresa Bock:<br />
„Ehrenamtlich / freiwillig Tätige sind Bürgerinnen und Bürger, die sich, ohne durch verwandtschaftliche Beziehungen oder durch ein Amt dazu verpflichtet zu sein, unentgeltlich oder gegen geringfügige Entschädigung, die weit unterhalb der tariflichen Vergütung liegt, für soziale Aufgaben zur Verfügung stellen“ (Bock, 1997, S. 241)<br />
Rauschenbach unterscheidet zwischen einer Definition nach der Norm: „wie es sein soll“ und einer Funktion: „wie etwas ist“.<br />
Ehrenamt SOLL demnach eine:<br />
„Form des sozialen, gemeinwohlorientierten Engagements umschreiben, das in einem organisierten Kontext aus freien Stücken, relativ zweckfrei, bar jeder finanziellen Motivation und zeitlich unbestimmt für Dritte, für eine Idee oder eine Organisation erbracht wird, ohne rechtsverbindliche Vereinbarung &#8211; gewissermaßen per Handschlag – ohne Gewähr einer Rückstattung und jenseits fachlicher Kompetenz.“ (Rauschenbach, 2001, S.346)<br />
Ehrenamt IST demnach:<br />
„eine Form der gesellschaftlich- sozialen Tätigkeit, die weit unterhalb tariflicher Entlohnung überwiegend in milieugeprägten oder milieuerzeugenden, lokalen Vereinen, Verbänden und Initiativen aus unterschiedlichsten Motiven von Menschen aller Altersgruppen – im sozialen Sektor insbesondere von Frauen – ausgeübt wird, ohne Vertrag und ohne zeitliche Verpflichtung, aber auch ohne Gewährleistung einer gewissen Qualität des Handelns, mit einer Rückerstattungserwartung, die vorrangig an immateriellen, symbolischen, in jüngerer Zeit aber auch zunehmend an indirekten materiellen Gratifikation ausgerichtet ist“. (Rauschenbach, 2001, S. 346)</p>
<p><strong>Ursprung (altes Ehrenamt)</strong><br />
Der Begriff „Ehrenamt“ entstand im 19. Jahrhundert, als Amt z.B. als Vorsitzender eines Vereins oder als Vertreter oder Delegierter eines Verbandes oder Organisation. Ein gewähltes Amt mit Ehre und Anerkennung. Erst durch das Ehrenamt konnten gemeinnützige Organisationen entstehen. Der gesamte „Dritte Sektor“ wäre so, ohne Ehrenamt nicht zu denken, anderseits gäbe es ohne den „dritten Sektor“ auch kein Ehrenamt. Viele der ursprünglich Ehrenamtlich organisierten Verbände und Organisationen sind inzwischen zum größten Teil verberuflicht und haben sich in marktfähige Organisationen gewandelt. Als Beispiel nennt Rauschenbach (2001, S.347) den Deutschen Caritasverband. 1931 waren von den 82000 Mitarbeitern mehr als 73000 Ordenierte, die laut Rauschenbach ein gewisses Ehrenamthaftes in sich trugen und 9000 beruflich angestellt. 2001 sind 476000 Mitarbeiter beruflich angestellt, von denen nur noch 12000 als Ordenierte angestellt sind. Allerdings arbeiten nun rund 500000 Ehrenamtlich in der Caritas. Insgesamt stieg die Zahl der Erwerbstätigen in Sozialen Berufen von 246.434 im Jahr 1978 auf 712.282 in 1998 (vgl. Rauschenbach, 1999).</p>
<p><strong>„Neues Ehrenamt“ &#8211; alles neoliberal?</strong><br />
Das bisher beschriebene gilt für die vielen organisierten Menschen in Verbanden und Institutionen. Mittlerweile arbeiten viele Menschen aber freiwillig ohne sich an eine Organisation gebunden zu fühlen, darum spreche ich hier vom neuen Ehrenamt. Hierfür gibt es zahlreiche neue Begriffe mit unterschiedlichen Deutungsmustern. Ich will hier auf zwei eingehen: Freiwilligenarbeit und Bürgerschaftliches Engagement.</p>
<p><strong>Freiwilligenarbeit</strong><br />
Mit diesem Begriff wird seit den 90er Jahren ein milieuunabhangiges Engagement von Menschen gemeint, die spontan und individuell sind und keine Wertvorstellungen für ihr Handeln besitzen.<br />
Sie agieren nach Lust und Laune, Selbstverpflichtung oder Kontakt- und Selbstverwirklichung.<br />
Rauschenbach schreibt dazu:<br />
„Während Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement immer auch eine mehr oder minder starke Revitalisierungsidee sozialer Gemeinschaften im Auge haben – beim Ehrenamt eher innerhalb tradierter Vereins- und Milieustrukturen, beim bürgerschaftlichen Engagement vor allem außerhalb tradierter Vereinsstrukturen im lokalen Milieu – und damit einem drohenden Verlust an Geborgenheit, an Gemeinschaft und „Heimat“ etwas indirekt entgegenzusetzen versuchen, setzt Freiwilligenarbeit – und in gewisser Weise auch Selbsthilfe – ungleich stärker auf die Unabhängigkeit und Autonomie sich engagierender Einzelsubjekte, d.h. auf so etwas wie eine nicht so sehr wertgebundene „individualisierte Solidarität“ &#8211; ohne den dezidierten Rückgriff auf das Wir-Gefühl in Form von Gemeinschaft und Milieu.“ (Rauschenbach, 2001, S. 352)<br />
Dennoch ist „Vorsicht“ geboten: Freiwilligenmessen, wie in Hamburg „aktivoli“, haben sich bürgerschaftliches Engagement in ihr Konzept geschrieben und wollen so gesehen durch den Begriff Freiwilligenarbeit Menschen, die nach Lust und Laune etwas suchen, langfristig binden und Gemeinschaft und eine neue engagierte Zivilgesellschaft fördern.</p>
<p><strong>Bürgerschaftliches Engagement</strong><br />
Dieser Begriff steht für die Revitalisierung eines lebendigen, unterstützenden Gemeinwesens, die Zivilgesellschaft. Aktive Bürgerinnen und Bürger die sich in der Demokratie engagieren und im eigenen Sozialraum aktiv sind.<br />
Der Kommunitarismus dient hier als Leitbild. Kommunitarismus sagt das der Liberalismus sich selbstzerstört, da der Mensch Tradition und Kultur, also Gemeinschaft bedürfe und der Liberalismus das Gemeinwohl durch ökonomische Nutzenmaximierung und  individuelle Selbstverwirklichung zerstört.<br />
Die Förderung der Zivilgesellschaft ist ein wichtiges Ziel des aktivierenden und ermöglichenden Staates. Im Freiwilligen-Survey 2004 wird es ganz deutlich:<br />
„Eine Gesellschaft, die der Leitidee der Zivilgesellschaft verpflichtet ist, stützt sich auf Bürgerschaftlches Engagement und eröffnet Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten für selbst organisierte Mitgestaltung und Beteiligung“  ( BMFSFJ, 20041, S.26)<br />
und weiter:<br />
„Zukünftig wird Deutschland auf bürgerschaftliches Engagement noch mehr angewiesen sein. Die Zivilgesellschaft im Sinne einer neuen Verantwortungsteilung zwischen Staat, Wirtschaft und den dritten Sektor bildet ein geeignetes gesellschaftspolitisches Leitbild für eine soziale Reformperspektive. Bürgerinnen und Bürger, aber auch die tragenden Sektoren unserer Gesellschaft werden mehr öffentliche Verantwortung übernehmen. (&#8230;) Vorrangige Aufgabe des Bundes wird es sein, das Leitbild des ermöglichenden Staates zu verwirklichen und eine Engagement fördernde Infrastruktur aufzubauen. Aber auch die Verwirklichung der Leitbilder „ermöglichende Wirtschaft“ und „ermöglichender Dritter Sektor“ schaffen Gelegenheitsstrukturen für eine zivilgesellschaftliche Reformpolitik. Die Zivilgesellschaft ist längst Koproduzent sozialer Leistungen geworden. Der Wandel des Sozialstaates in Deutschland macht die Notwendigkeit der synergetischen und kooperativen Erbringung sozialer Leistungen durch Staat, Wirtschaft, Dritten Sektor und Familien (Welfare Mix) deutlich.“  (BMFSFJ, 20041, S.27-28)<br />
Aus diesem Grund hat die Politik bereits für wesentliche Verbesserungen für Ehrenamtliche Arbeit gesorgt. So gibt es Haftpflichtversicherungen und Krankenversicherungen, die von den Bundesländern für alle ehrenamtlich Aktive abgeschlossen wurde, die in Initiativen oder anderen Organisationen ohne Rechtlichen Status engagiert sind. Verbände und Vereine müssen ihre eigenen Versicherungen abschließen, diese gelten aber meist sowohl für Angestellte sowie für Ehrenamtliche. (siehe <a HREF="http://www.engagement.hamburg.de" TARGET="_blank">www.engagement.hamburg.de</a>)<br />
Ehrenamtliche können auf Aufwandsentschädigung bis zu 2100 Euro im Jahr steuerfrei dazu verdienen.</p>
<p><strong>Das neue und alte Ehrenamt im Vergleich</strong><br />
Wir wollen kurz den Wandel im Ehrenamt beschreiben und die zwei Formen des Ehrenamts vergleichen. Im allgemeinen gibt es zwei Voraussetzungen, damit jemand Ehrenamtlich tätig werden kann. Er braucht Zeit und Geld.<br />
Zeit, die die Person zur Verfügung stellen kann um ehrenamtlich tätig zu sein. Aus diesem Grund waren es die gutbürgerlichen Frauen die Ende 19. Jh. ehrenamtlich aktiv wurden und das Standbein der Sozialen Arbeit schuffen. Darum sind heute viele Ehrenamtliche Jugendliche und Rentner, allerdings laut dem Freiwilligensurvey 2004 gar nicht im erheblichen Maße mehr als andere Personengruppen.<br />
Geld ist eine indirekte Voraussetzung, nur wer sich leisten kann unentgeltlich zu arbeiten und trotzdem über die Runden zukommen, kann ehrenamtlich tätig werden.<br />
Rauschenbach unterscheidet zwischen „Noch-Nicht-Erwerbstätige, Erwerbstätige, vorübergehend Nicht-Erwerbstätige und Nicht-Mehr-Erwerbstätige“ (Rauschenbach, 2001, S. 348) Jugendliche haben Zeit brauchen aber oft Geld, Erwerbstätige haben Geld brauchen aber Zeit und finden diese häufig am Abend, Arbeitslose müssen sich um Jobsuche kümmern und nicht erwerbstätige Mütter werden meist aufgrund ihrer Kinder ehrenamtlich tätig. Rentner haben Zeit und Geld und müßten somit das Rückgrat des Ehrenamts sein – dies ist aber noch nicht der Fall. Die Tendenz zeigt aber das ein bewußtsein dafür geschaffen wurde und die Zahl der aktiven Rentner gegenüber 1999 gestiegen ist.</p>
<p><strong>Motivation</strong><br />
Im Freiwillgensurvey 2000 und 2004 der Bundesrepublik wurde in einer Repräsentativen Umfrage die Motive von Ehrenamtlichen befragt. 36% der Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren engagieren sich freiwillig im Jahr 2004, das sind 2% mehr als 1999. Ob diese Zahl nun bedeute, dass mehr oder weniger Menschen ehrenamtlich aktiv sind, läßt sich aus den Studien nicht schließen, da es vor 1999 keine Umfassenden Studien gab.<br />
Die Motivation ist die folgende (1994/2004 in Prozent):<br />
1.Dass die Tätigkeit Spaß macht (4,5/4,4)<br />
2.Anderen Menschen helfen (4,1/4,1)<br />
3.Was für das Gemeinwohl tun (4,1/4,1)<br />
4.Mit sympathischen Menschen zusammenkommen (4,2/4,0)<br />
5.Eigene Kenntnisse und Erfahrungen erweitern (3,9/3,8)<br />
6.Eigene Verantwortung und Entscheidungsmöglichkeit haben (3,5/3,5)<br />
7.Anerkennung für die Tätigkeit (3,4/3,3)<br />
8.Berechtigte eigene Interessen vertreten (2,8/2,8)<br />
9.Eigene Probleme selbst in die Hand nehmen und lösen (2,6/2,6)<br />
10.Nutzen für die eigene berufliche Tätigkeit (2,2/2,2)<br />
(vgl. BMFSFJ, 20041, S.56)<br />
Der Wert „mit sympathischen Menschen zusammenkommen“ ist der einzige Wert der etwas gesunken ist. Man geht davon aus, dass der Wert „Spaß“ erst in den letzten Jahren so gestiegen ist und mit dem neuen Ehrenamt in Verbindung steht. Wichtig ist hierbei anzumerken, das Arbeitslose vermehrt die Werte „Anerkennung“, „Kenntnisse erweitern“ und „Nutzen für berufliche Tätigkeit“ angegeben haben.<br />
Faßt man die Motivationen zu drei Erwartungshaltungen zusammen, so ergeben sich 35% Interessenorientierte, 34% Gemeinwesenorientierte und 31% Geselligkeitsorientierte im Jahr 2004, gegenüber 36% Geselligkeitsorientierte, 32% Interessenorientierte und 32% Gemeinwesenorientierte im Jahr 1999. Damit wird deutlich wie Milieu bedingt engagierte sich zu eigenen Interessenorientierte Ehrenamtliche gewandelt haben und stärker Gratifikationserwartungen im Mittelpunkt stehen (vgl. BMFSFJ, 20042, S. 107).</p>
<p><strong>Qualifikation</strong><br />
Auf Grund vieler Sparmaßnahmen im dritten Sektor und Marktfähigen Steuerungsprozessen von Organisationen werden auch immer mehr Qualifikationen von den ehrenamtlich Tätigen gefordert. Gerade auf Freiwilligenbörsen und im Freiwilligenzentrum der Caritas werden Menschen gezielt auf Grund ihrer Qualifikation angeworben und ausgesucht.<br />
Wer mehr Qualifikation einfordert ist bereit und wünscht sich auch mehr Wertschätzung und Fortbildung und auch Bezahlung der Ehrenamtlichen durchzuführen und bindet den Freiwilligen dann an sich.<br />
Leider hat der Freiwilligen-Survey nicht die Erwartungen der Organisationen an die Freiwilligen abgefragt, so dass die vermehrte Qualifikationserwartung nicht mit zahlen belegbar ist.</p>
<p><strong>Zusammenfassende Tabelle</strong></p>
<p>Altes Ehrenamt: gekoppelt und gebunden an Institutionen (NGO), Nächsten Liebe, Werte, lokal verankert, selbstlos, Zeit und Geld, Amt gebunden</p>
<p>Neues Ehrenamt: Individualisiert, Spaß und Rückerstattung, Zeit und Geld, Qualifikationen</p>
<p><strong>Auswirkungen für die soziale Arbeit</strong><br />
Durch die vorangeschrittene Professionalisierung, die von Politik, auf Grund von Effektivitätssteigerung gefordert und gefördert wurde und die Veränderung durch verstärkte  Anpassung der Arbeitnehmer an Markt und Konkurrenz (wegen Globalisierung und EU) entstandene Individualisierung wurden viele Menschen aus ihren Mileus und natürlichen, sozialen Hilfesystemen entwurzelt und durch die professionale, effektive aber entpersonalisierten Sozialarbeit zugeführt. Aus diesem Grund wird die soziale Arbeit auch in der „Rolle der Zerstörerin des Gemeinwohls“ (Lindenberg, 2004, S.5) gesehen.<br />
Aus diesem Grund soll sich soziale Arbeit in Zukunft stärker mit der Unterstützung und Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements befassen. (vgl. BMFSFJ, 20041, S.31-32)<br />
Folgende vier Punkte, werden laut Michael Lindenberg auf die Soziale Arbeit in Zukunft bei der Arbeit mit Ehrenamtlichen wichtig sein:<br />
1.Vermittlung zwischen Ehrenamtlichen und Klient<br />
Anstatt sich direkt mit dem Klienten zu beschäftigen, soll der Sozialpädagoge die Vermittlerrolle übernehmen. Kein unmittelbarer Kontakt, sondern Anleitung und Begleitung von ungeschulten aber motivierten Ehrenamtlichen.<br />
2.Wertschätzung der Ehrenamtlichen<br />
Anerkennung und Wertschätzung sind wichtige Faktoren für Ehrenamtliche, laut Lindenberg wird es eines der wichtigen Aufgaben des Sozialpädagogen sein, diese Anerkennung glaubhaft weiterzugeben und zu vermitteln.<br />
3.Bildungsauftrag für Ehrenamtliche<br />
Sozialpädagogen werden zunehmend Bildungsangebote für Ehrenamtliche durchführen und dafür sorgen müssen, dass ehrenamtlich Tätige ihre Klienten verstehen lernen und mit ihnen Umgehen können. Sozialpädagogen müssen also vermehrt ihre gelernte Theorie vermitteln und Supervision leisten.<br />
4.Unterstützung der Ehrenamtlichen sowie politisch als auch finanziell<br />
Als Vertreter für die Ehrenamtlichen werden Sozialpädagogen in öffentlichen Gremien sich einsetzen müssen, dass Ehrenamtliche Rechte und Ansprüche gewährleistet bekommen.<br />
(vgl. Lindenberg, 2004, S.6-7)<br />
Für die Klienten hat das zurückziehen des Staates aus den Dienstleistungen (ermöglichender Staat) zur Folge, dass sie ihre Rechtsansprüche verlieren könnten und auf eine unterstützende Zivilgesellschaft angewiesen werden sein müssen. Betteln um Almosen anstatt einstehen für die eigenen Rechte heißt dem entsprechend Verlust von Selbstbewußtsein. Das Selbstbewußtsein wird von den Klienten gestärkt, die durch Ein-Euro Jobs und Aufwandsentschädigung andere wiederum unterstützen.<br />
Es heißt aber auch das z.B. einmalige Leistungen des SGB wie für Hochzeit, Geburt und Beerdigung nicht mehr enthalten sind und Menschen auf Umsonstläden und Kleiderkammern angewiesen sind.<br />
Auf der anderen Seite erwirkt der Staat durch viele Zwangsmaßnahmen (aktivierender Staat) wie Ein-Euro Jobs und andere, dass Klienten sich engagieren müssen. Ob dies Empowermet oder Partizipation ist – es dienst am ende dem Aufbau der Zivilgesellschaft.<br />
Dies ist auch im Interesse vieler GWA-Vertreter, da die Bevölkerung (nun halt gezwungener Maßen) angesichts des Elends sich selbst organisiert und für Veränderungen sorgt.</p>
<p><strong>Fazit und Diskussion</strong><br />
Das Modell Ehrenamt soll zwei verschiedene Gesellschaftliche Zusammenhänge verändern:<br />
1.unerwünschte Begleiterscheinungen der Moderne auffangen, d.h. einerseits steigende Kosten der sozialen Dienstleistungen entgegenwirken und anderseits Solidarität und Werte wiedererstarken, wo Individualisierung und Distanz und Gleichgültigkeit erzeugt wurde<br />
2.den Aufbau einer Zivilgesellschaft, die nicht nur auf Kosten und Nutzen sondern auf Verantwortung für das Gemeinwesen achtet, voranbringen. Eine Gesellschaft die entgegen der materialistisch und individualisierten Ökonomie lebt, diese aber voll anerkennt.<br />
(vgl. Rauschenbach, 2001, S.359)<br />
Ob diese Ziele realistisch sind und durch das neue Ehrenamt umgesetzt werden können ist fraglich. Fakt ist aber die Politik ist sehr darauf aus diese Veränderungen durchzusetzen. Ob die Freiwilligentätigkeit gestiegen, gleichgeblieben ist läßt sich durch die Studien nicht belegen und so müssen weitere abgewartet werden. Durch Aufwandsentschädigung und Ein-Euro Jobs, Freiwilligenbörsen, Versicherungen und Absicherungen sind viele Methoden geschaffen worden, die ein Anwachsen und damit sicher auch eine Veränderung bewirken werden.<br />
Bürgerschaftliches Engagement plus aktivierender Staat ist nicht eine Liberale Idee, sondern liegt dem Quer. Es ist der Versuch Liberalismus in Wirtschaft und Politik umzusetzen und durch Zivilgesellschaft dem ganzen ein netteres anderes Antlitz zu geben. Aus diesem Grund können alle führenden politischen Parteien dem etwas abgewinnen und es herrscht gesellschaftlicher Konsens in dieser Hinsicht.</p>
<p><strong>Literaturverzeichnis</strong></p>
<p>Bock, Teresa (1997): Ehrenamtliche / freiwillige Tätigkeit im sozialen Bereich. In: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge (Hrsg.): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3832918256?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3832918256">Fachlexikon der sozialen Arbeit</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3832918256" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Frankfurt am Main, 4. Aufl., S. 241- 244</p>
<p>Bundministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (20041): Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999 – 2004, Kurzfassung, <a HREF="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/RedaktionBMFSFJ/Arbeitsgruppen/Pdf-Anlagen/freiwilligen-survey-kurzfassung,property=pdf,bereich=,sprache=de,rwb=true.pdf">http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/RedaktionBMFSFJ/Arbeitsgruppen/Pdf-Anlagen/freiwilligen-survey-kurzfassung,property=pdf,bereich=,sprache=de,rwb=true.pdf</a><br />
- zuletzt besucht: 19.11.07</p>
<p>Bundministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BM FSFJ) (20042): Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999 – 2004, Langfassung, <a HREF="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/RedaktionBMFSFJ/Arbeitsgruppen/Pdf-Anlagen/freiwilligen-survey-langfassung,property=pdf,bereich=,sprache=de,rwb=true.pdf">http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/RedaktionBMFSFJ/Arbeitsgruppen/Pdf-Anlagen/freiwilligen-survey-langfassung,property=pdf,bereich=,sprache=de,rwb=true.pdf</a><br />
- zuletzt besucht: 19.11.07</p>
<p>Engagement.Hamburg.de: Versicherungsschutz für Ehrenamtlichtätige in Hamburg, <a HREF="http://adigwe.de/blog/wp-admin/http:/fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/soziales-familie/hamburg-engagiert-sich/versicherungsschutz/start.html">http:/fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/soziales-familie/hamburg-engagiert-sich/versicherungsschutz/start.html</a> – zuletzt besucht: 19.11.07</p>
<p>Rauschenbach, Thomas (2001): Ehrenamt. In: Otto; Thiersch (Hrsg) (2001): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3497018171?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3497018171">Handbuch Sozialarbeit / Sozialpädagogik</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3497018171" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Neuwied, 2. völlig überarb. Aufl., S. 344 &#8211; 360</p>
<p>Rauschenbach, Thomas (1999): „Dienste am Menschen“ &#8211; Motor oder Sand im Getriebe des Arbeitsmarktes. Die Rolle der Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe in einer sich wandelnden Arbeitsgesellschaft. In: neue praxis, 2, 130-146</p>
<p>Lindenberg, Michael (2004): Manage mich! Sieben Thesen zur Zukunft Sozialer Arbeit im aktivierenden Staat, In: FORUM für Kinder- und Jugendarbeit 3/2004, Hamburg</p>
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		<title>Horn spielend mobilisieren &#8211; GWA im Bollerwagen</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Sep 2007 18:37:25 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Im März 2007 rollt ein Bollerwagen von Spielplatz zu Spielplatz. Im Gepäck zahlreiche Spielgeräte und vorne ran Sozialpädagogen, die sich Gemeinwesenarbeit (GWA) auf die Fahnen geschrieben haben. Was aber versteht man unter GWA und ist dies mit einem Bollerwagen realisierbar und wurde dies in den nur vier Monaten ansatzweise realisiert? - Diesen Fragen möchte ich in dieser Arbeit nachgehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p id="top" />
<p ALIGN="center"><em>Eine Auswertung des Bollerwagen-Spielmobil-Projektes</em></p>
<p><strong>Um was es sich dreht</strong></p>
<p>Im März 2007 rollt ein Bollerwagen von Spielplatz zu Spielplatz. Im Gepäck zahlreiche Spielgeräte und vorne ran Sozialpädagogen, die sich Gemeinwesenarbeit (GWA) auf die Fahnen geschrieben haben. Was aber versteht man unter GWA und ist dies mit einem Bollerwagen realisierbar und wurde dies in den nur vier Monaten ansatzweise realisiert? &#8211; Diesen Fragen möchte ich in dieser Arbeit nachgehen.</p>
<p><strong>Die Fragen</strong></p>
<p>Das Arbeitsprinzip Gemeinwesenarbeit ist wichtiger Bestandteil des Verbundes Horn. Die Möglichkeit dies Anhand der Ausgestaltung eines Stadtteilzentrums in Form eines Eisenbahnwaggons auszuprobieren reizte mich so sehr, dass ich diesen Verbund wählte. Nachdem klar wurde das eine Realisierung nicht möglich war und ich auf die praktische Anwendung der Gemeinwesenarbeit nicht verzichten wollte, musste ich etwas finden, dass in der nur noch sehr kurzen Zeit durchführbar wäre und GWA beinhalten würde.</p>
<p>Es war die Idee der Kontinuität des Gedankens Horner Express &#8211; der Gedanke Räume zu schaffen (zur Not halt virtuell), die Stadtzentrumsidee in Form eines Waggons, der irgendwie auch  Bewegung und damit Veränderung  implizierte und schließlich das Wortspiel &#8220;Waggon &#8211; Wagen&#8221; (das mich bei Präsentationen auch dann regelmäßig heimsuchte), die mich an meine Zeit kurz vor dem Studium erinnern ließen, in der ich freiwillig im Jesus Center tätig war. Dort besuchten wir mit einem Bollerwagen unterschiedliche Spielplätze &#8211; und auch wenn Gemeinwesenarbeit kein ausgeschriebener Bestandteil war, fielen mir viele Merkmale ein, die an Gemeinwesenarbeit erinnerten. Etwas verändert wäre es durchaus Gemeinwesenarbeit, war mein erster Gedanke.</p>
<p>Aber konnte man dies in Horn durchführen und konnte man damit Gemeinwesenarbeit betreiben, die weiterging, als nur nach dem Arbeitsprinzip &#8211; also GWA, die Stadtteilarbeit und damit die Bewohner selbst ernst nahm? Das waren von Anfang an meine Bedenken, die aber, meiner Meinung nach, zunächst theoretisch erfüllbar waren. Bewahrheitet sich dies in der Praxis? Diese Frage, die immer mit schwang will ich nun versuchen nachzugehen.</p>
<p>Zunächst aber was ist überhaupt das Arbeitsprinzip GWA und was ist Gemeinwesenarbeit?</p>
<p><strong>Die Theorie der GWA</strong></p>
<p>Gemeinwesenarbeit entstand genau genommen schon in England. Ursprung der Gemeinwesenarbeit kann man die Settlementbewegung von 1870 sehen. Die Barnetts gründeten die Toynbee Hall in London, diese war eine Art Nachbarschaftszentrum, in dem die Menschen in einem Londoner Arbeiterviertel zusammen kommen konnten und gemeinsame Aktivitäten durchführen konnten &#8211; oft allerdings durchgeführt von den Barnetts oder Studierenden.<br />
1889 gründete Jane Addams das Hull House in Chicago. Das Hull House war ein Zentrum für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Gemeinsam mit Studentinnen grundeten sie Gewerkschaften und leisteten politischen und sozialen Druck auf Politik und Wirtschaft aus. Im Hull House gab es politische Diskussionen, Lesungen und es wurden Streiks organisiert.</p>
<p>Eine etwas andere Form hat Paolo Freire mit seinem Alphabetisierungsprogramm entwickelt. Sein Programm kann durchaus, als Gemeinwesenarbeit verstanden werden, da diese Programm durch gegenseitiges Austauschen und Lernen, Menschen aus ihrer Unterdrückung befreit werden sollen und gemeinsam, von der Gesellschaft gesetzte, Grenzen überwinden.</p>
<p>Saul D. Alinsky entwickelte das Community Organising in Amerika.<br />
Alinsky baute zunächst in einem Stadtteil in Chicago eine Organisation auf, die alle wichtigen Vertreter aller Bewohner, die Einfluß auf den gesamten Stadtteil hatten, versammelte. Diese Organisation konnte gemeinsam gefundene Ziele mit großer Geschlossenheit und damit enormen Druck auf Politik und Wirtschaft, durchsetzen.</p>
<p>In Deutschland gab um es 1900 die Nachbarschaftsheimbewegung, diese Bewegung, die unter anderem Volkshochschulkurse anbot, hatte keinen großen sozialpolitischen Einfluß. 1930 wurden diese Heime von den Nazis geschlossen.<br />
Seit etwa 1960 existiert wieder Gemeinwesenarbeit in Deutschland und entstand vor allem in Sanierungsgebieten.</p>
<p><strong>Stadtteilbezogene Gemeinwesenarbeit</strong></p>
<p>Oelschlägel (Oelschlägel, 1994) beschreibt sehr eindrucksvoll wie Stadtteil bezogene Gemeinwesenarbeit in einem Armutsquartier aussehen könnte. Anhand eines Beispieles, dem Nachbarschaftstreff Duisburg-Bruckhausen wird deutlich wie seiner Ansicht nach GWA heute praktiziert werden sollte.</p>
<p>Zunächst stellt er fest, dass anders als viele radikale Linke es erwarten, die Menschen sich nicht erheben, sobald die Armut unerträglich wird (dies musste ich in Rumänien erfahren in einem Slum von Bukarest). Denn arme Menschen sind keine passiven Opfer. Sie sind Überlebensstrategen &#8211; die sich vor dem Risiko der Veränderung schützen wollen und so die Grenzen nicht überwinden wollen, sondern sie nur ausdehnen. Darum soll Soziale Arbeit die Handlungsfähigkeit erweitern und sichern. Dazu muss auch GWA für die Menschen nutzbare Ressourcen anbieten. Die Menschen wollen und können nur Veränderungen verwirklichen, wenn sie selbst weniger Kosten und mehr Nutzen davon tragen. Wenn sie dies erfahren, werden sie selbst aktiv und vergrößern dadurch ihre Handlungsspielräume. Dabei spielt die Veränderung der Lebensverhältnisse die tragende Rolle. Oelschlägel hält hierbei Soziale Kulturarbeit für eine wichtige Möglichkeit. GWA muss dann Hilfe leisten wenn die Probleme der Bewohner auf der politschen Ebene öffentlich gemacht werden sollen. Der GWA-Arbeiter muss hierbei immer die subjektiven Interessen der Menschen zum Ausgangspunkt und Basis der Veränderung des Stadtteils machen.</p>
<p>Aus diesen Gründen haben Oelschlägel und die Studierenden angefangen mit einigen aktiven im Stadtteil ein Nachbarschaftscafe anzubieten. Das heißt erst wurde den Menschen was nützliches zur Verfügung gestellt. Der Sozialarbeiter stellt seine Ressourcen zunächst dem Stadtteil zu gute. Aus diesem Raum heraus kann dann Gemeinwesenarbeit entstehen. Die Menschen sehen, das wenn sie sich im Nachbarschaftscafe engagieren mehr für sie raus springt. So entsteht in diesem Cafe einerseits Beratung und anderseits Beschäftigungsinitiativen, Mittagstisch und politische Aktionen (als Beispiel wird die Verhinderung der Schließung der Sonderschule angeführt).</p>
<p>Lüttringhaus hat, unter Rücksprache von Oelschlägel und Hinte folgende Leitstandards der GWA (nach Lüttringhaus, 2007, 277ff) formuliert , die dies noch einmal verdeutlichen sollen:</p>
<p><strong>1. Zielgruppenübergreifendes Handeln</strong><br />
GWA arbeit an einem Thema, dass aus den Bedarfen entsteht, dabei trifft dies meist unterschiedliche Menschen im Gemeinwesen. Manchmal kann auch nur eine Zielgruppe an einem Thema betroffen sein.</p>
<p><strong>2. Orientierung an den Bedürfnissen und Themen der Menschen</strong><br />
GWA greift die Themen der Menschen vor Ort und orientiert sich nicht an dem was von außerhalb als Problem des Stadtteil gesehen wird.</p>
<p><strong>3. Förderung der Selbstorganisation und der Selbsthilfekräfte</strong><br />
GWA aktiviert und begleitet die Menschen bei der Verwirklichung ihrer Themen.</p>
<p><strong>4. Nutzung der vorhandenen Ressourcen</strong><br />
Die vorhandenen Ressourcen des Stadtteils werden genutzt, aktiviert und gefördert und mit den Ressourcen der Institutionen verbunden.</p>
<p><strong>5. Resortübergreifendes Handeln</strong><br />
GWA bezieht sich auf alle Bereiche des Lebens im Stadtteil und kümmert sich damit nicht nur um das &#8220;Soziale&#8221;. GWA arbeitet sektorenübergreifend, in allen Bereichen, dass auf soziale Räume aufbaut.</p>
<p><strong>6. Vernetzung und Kooperation</strong><br />
GWA schafft und stärkt soziale Netzwerke von Bewohnern und Professionellen. Dies ist ein Mittel um in Kooperationen zu Lösungen zu kommen. Durch den Aufbau solcher Netzwerke sollen Bewohner in der Lage sein zu wichtigen Ereignissen mobilisierbar zu sein.</p>
<p><strong>Arbeitsprinzip GWA</strong></p>
<p>Das &#8220;Arbeitsprinzip GWA&#8221; wurde als Konzeption von Oelschlägel eingeführt, um eine Grundlage für alle Berufsfelder der sozialen Arbeit zu schaffen. Hinte brachte dann den Begriff und das Konzept &#8220;Stadtteilbezogene Soziale Arbeit&#8221; im Umlauf um den bereits schwammig gewordenen Begriff der GWA zu umgehen. Dieses Konzept heißt heute &#8220;Sozialraumorientierung&#8221;. Dieses Konzept versucht Erkenntnisse und Prinzipien der GWA zu präzisieren und für alle Felder der Sozialen Arbeit umsetzbar zu machen. Es geht dabei immer darum Lebenswelten und Verhältnisse (Hinte spricht von Arrangements) der Betroffenen zu gestalten, so dass Menschen mit ihrem Lebensumfeld zurecht kommen.  Zu kritisieren ist hierbei, dass das Verändern zu einem neuen besseren Umfeld weggelassen wird.</p>
<p>Die fünf Prinzipien der Sozialraumorientierung sind folgende (nach Hinte/Treß, 2006):</p>
<p><strong>1. Der Wille/die Interessen der Menschen</strong><br />
Dabei soll zwischen dem Wunsch des Gefragten und seinem Willen unterschieden werden. Der Wille, so Hinte, ist aktiv und der Wunsch passiv. So soll bei der Befragung die Aktivität des Befragten sichergestellt sein und seine Haltung vom Betroffenen zum Gestalter verändert werden. Am Ende, so jedoch meine Vermutung, entscheidet der Fragende was Wunsch und Wille ist und wohin gestaltet wird und der Befragte wird gezwungen Gestalter zu sein (dies ist aber Thema einer weiteren Arbeit von mir).</p>
<p><strong>2. Aktivierung vor Betreuung</strong><br />
Menschen sollen soweit wie möglich selbst ihr Leben in die Hand nehmen, der Sozialarbeiter leistet Unterstützungsarbeit.</p>
<p><strong>3. Ressourcenorientierung</strong><br />
Der Sozialarbeiter soll sich nicht an den Defiziten der Menschen sondern an ihren Ressourcen orientieren und diese stärken. Ressourcen sind hierbei vor allem auch Netzwerke. Hier soll der Sozialarbeiter helfen die potenziale zu sehen. Die Gefahr, die ich hierbei sehe, ist den Klienten nicht mehr zum Bittsteller des Staates sondern der eigenen Bekannten zu machen und ihn dabei zu begleiten diese Schamgrenze zu überwinden.</p>
<p><strong>4. Zielgruppen und Bereichsübergreifend</strong><br />
Soziale Arbeit soll sich auch wenn sie sich auf eine Zielgruppe spezialisiert nicht nur auf diese fokussiert sein. Wer mit Kindern arbeitet soll auch mit deren Eltern arbeiten, wer mit Arbeitssuchenden auch mit Firmen.<br />
Soziale Arbeit soll nicht nur im sozialen Bereich und mit einer Zielgruppe arbeiten, sondern den gesamten Stadtteil im Blick haben.<br />
Auch Unternehmen, Politik, Vereine, Kirchen und Gewerbetreibende gehören dazu und sollten in die Arbeit mit eingebunden werden. Gesetze und Bürokratie zergliedert die Stadtviertel und Problemlagen in viele kleine Bereiche. Aufgabe der GWA ist diese wieder zusammen zuführen, da die Probleme meist aus verschiedenen Faktoren entstanden sind und auch nur durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise und Ressourcennutzung lösbar sind.</p>
<p><strong>5. Vernetzung und Kooperation</strong></p>
<p>Vergleicht man die verschieden Texte der Gemeinwesenarbeit untereinander &#8211; (vor allem z.B. Oelschlägel, 1994 mit Hinte, 2007) so erkennt man doch erhebliche Differenzen. Zwar versuchen Hinte und Oelschlagel mit dem Reader zur GWA (Hinte, Lüttringhaus, Oelschlägel, 2007) diese Unterschiede zwischen einander auszuräumen dennoch gibt es diese (evtl. nur zeitlich bedingt). Zum einen geht es Hinte zunächst nur um die aktiven Menschen des Stadtteils, den Aktivierung geht vor Betreuung, zum anderen würde er den Menschen im Stadtteil keinen Raum anbieten &#8211; sie müßten den Willen selbst äußern. Oelschlägel hingegen läßt auch die nicht aktiven am Nachbarschaftscafe teilhaben, die ja erst Kosten und Nutzen abwägen müssen und gibt die Idee des Raumes relativ vor. Oelschlägel geht es auch um eine Veränderung auf politischer Ebene, Hinte nur um die Veränderung der Arrangements, die sich Menschen im Stadtteil geschaffen haben.</p>
<p>Im Endeffekt kann man aber sagen, das Hinte die wichtigen Punkte der Gemeinwesenarbeit schlicht und einfach schärfer und konsequenter ausformuliert und durchführt. Oelschlägel in seinem Beispiel aber mehr mit alten Standards der Sozialen Arbeit &#8211; der Unterstützung und Versorgung &#8211; vermischt. Es wird deutlich, dass sehr oft eine radikale Umsetzung eines Konzept oft nicht die Resultate birgt die man sich erhofft, besser ist es wirklich daran festzuhalten, dass zu suchen und immer zu hinterfragen, was wirklich mein gegenüber für Sorgen und Nöte aber auch Stärken und Interessen hat und gemeinsam einen möglichen Weg auszuhandeln.</p>
<p><strong>Bollerwagen und GWA</strong></p>
<p>Wenn man sich die Geschichte der GWA anschaut, so erkennt man, dass GWA meist aus einem Raum aus agiert. Ein, wie es heute heißen würde, Stadtteilzentrum dient als Versammlungsraum. Irgendwo müssen sich die vielen Menschen treffen, um ihre Ideen und Probleme zu äußern. Das war ja auch ein Ausgangspunkt für den Eisenbahnwaggon, den &#8220;Horner Express&#8221;. Zwar lag eine (nicht repräsentative) Umfrage der Annahme zu Grunde, dass im Stadtteil Horn ein Versammlungsraum am meisten fehlte. Aber wenn man sich die zahlreichen Beispiele von Stadtteilbezogener GWA anschaut, dann steht dieser Raum am Anfang der Aktion. Nachdem Scheitern des Eisenbahnwaggons, mußte also eine andere Möglichkeit des Raumes gesucht werden. Es gab einige unter uns, die einen Raum mieten wollten, aber diese Möglichkeit schien mir nicht in dieser Zeitspanne realisierbar &#8211; und in der Tat brachte auch dieser Versuch keinen Erfolg. Außerdem wollte ich nicht den Anfang der GWA sehen sondern auch weitergehende Erfahrungen sammeln. Ein Cafebetrieb in anderen Räumen in Kooperation mit anderen Institutionen wäre ein sehr gangbarer und leicht realisierbarer Weg gewesen &#8211; viele Einrichtungen haben in Horn tatsächlich noch zeitweise freie Räume (Timotheusgemeinde, Bienenkorb (Rauhes Haus), Kirchgemeinde Horn uva.) und ich wundere mich heute warum keiner von uns diesen Weg versucht hatte &#8211; war die Kreativität der Studenten durch das &#8220;Scheitern&#8221; versiegt oder wäre ein Nutzen von vorhandenen Räumen der totale Ausverkauf gewesen? Nach dem Motto: &#8220;Horn braucht doch auch kein Waggon?!&#8221;</p>
<p>Ich wollte irgendwie etwas neues schaffen &#8211; GWA, die im übertragenen Sinn virtuelle Räume schafft oder die vorhandenen virtuellen Räume nutzt. Wo treffen sich die Menschen im Stadtteil Horn? Wenn nicht alle, dann wenigstens ein Teil der Bevölkerung. Ein wichtiger Teil der Bevölkerung sind Familien und die treffen sich an Spielplätzen! Da ich die Vorerfahrung des Bollerwagens im Kopf hatte und die Assoziation &#8220;Waggon &#8211; Wagen&#8221; auch eine gewisse Kontinuität in meinem Kopf wiederspiegelte überlegte ich wie ich mich an den Interessen der Menschen orientieren könne und wie ich den Bedarf ermitteln könne. Wir machten eine Analyse der Spielplätze. Da es Winter war, war an den Spielplätzen keiner anzutreffen und hier passiert ein sehr schwerwiegender Fehler. Anstatt an Schulen, Kindergärten oder einfach an Haustüren Menschen zu befragen und ihre Interessen zu klären, haben wir nicht nur einfach die Professionellen im Stadtteil befragt sondern ihnen gleich unsere Idee präsentiert und sie gefragt ob sie diese Idee gut und sinnvoll finden.</p>
<p>Nach Oelschlägel aber können wir uns ein wenig rüber retten in dem wir unsere eigenen Ressourcen zunächst angeboten haben, um den Eltern den Nutzen zu bringen, der sie zu Aktivität ermuntert und laut Oelschlägel muß unsere Arbeit nun mehr sich am Sozialraum orientieren, damit wir das Arbeitsprinzip wenigstens erfüllen.<br />
Ausgehend von den sechs Punkten der Leitstandards der GWA möchte ich herausstellen welche Punkte wir daran beachtet haben und welche Auswirkungen wir dabei mit unserer Arbeit erlebt haben. Zum Teil dienen hier auch Befragungen, die wir am Ende des Projektes durchgeführt haben und quantitative Beobachtungen als Beleg hierfür. Zu einem großen Teil sind es natürlich auch eigene Subjektive Wahrnehmungen, mit denen ich unser Ergebnis reflektiere.</p>
<p>Zum ersten Prinzip: Wir, als Studenten, machten ein Bedarf aus und organisierten darum unser Thema und versuchten darum unsere Zielgruppen zu suchen. In dieser Hinsicht kann man also zwar von einem Zielgruppenübergreifendes Handeln sprechen, da wir unter anderem weder eine wirkliche Altersbeschränkung der Kinder vornahmen, die am Bollerwagen teilnehmen durften und auch die Eltern, Großeltern und älteren Jugendlichen versucht haben mit einzubinden, aber im Sinne der GWA hätten wir die Menschen direkt fragen müssen und uns nach ihrem Bedarf und Thema richten müssen.</p>
<p>Deswegen komme ich direkt auf das zweite Prinzip: Wie schon erwähnt haben wir nur die Professionellen mit unserer Idee konfrontiert und uns dann mit ihnen zusammengesetzt und versucht das Projekt durch zu führen. Dadurch haben wir zwar einerseits versucht uns in die Menschen vor Ort hineinzuversetzen und haben uns vorgestellt was für Interessen und Bedarfe die Kinder und Eltern haben werden, auch haben wir Spielgeräte nach und zusätzlich angeschafft je nach dem was gut ankam. So haben wir mehr Bälle, wie Basketball, Fußball, Volleyball- und Tischtennissets gekauft und weniger Jongliersets nachgekauft. Aber wir haben immer wieder versäumt die Eltern und Kinder direkt auf ihre Bedürfnisse anzusprechen und ihre Interessen abzufragen.</p>
<p>Zu 3: Ziel unseres Projektes war eine Selbstorganisation des Bollerwagens nach unserer Praktikumszeit. Darauf wollten wir von Anfang an aufbauen. Außerdem wollten wir den Austausch zwischen den Eltern und den Kindern fördern und damit zur Selbsthilfe animieren. Wir hatten erhofft, das der Kontakt zwischen den Kindern, die ja die Spielsachen des Bollerwagens nun gemeinsam nutzen würden auch den Kontakt zwischen den Eltern intensivieren würde.<br />
Wir haben am Ende unseres Praktikums eine Umfrage bei den Eltern gemacht und müssen feststellen, dass beide dieser Ziele nicht verwirklicht werden konnten. Die Mehrheit der Eltern wünscht sich laut unserer Umfrage Kontakt zu anderen Eltern und sagen, dass dies einigermaßen Möglich ist, aber durch unsere Arbeit konnte diese Möglichkeit nicht erweitert werden.<br />
Der Bollerwagen wird nicht weiterrollen. Wir haben es nicht geschafft Eltern dafür zu gewinnen, dieses Projekt weiterzuführen. Wir sagen uns das wir zu wenig Zeit hatten, dieses Ziel an Eltern heranzutragen.<br />
In unserer Umfrage sagen &#8230; von &#8230; , dass selbst wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, sie den Bollerwagen nicht übernehmen hätten wollen, obwohl &#8230; von der Idee sehr angetan sind.<br />
Hier ist wahrscheinlich wieder der Fehler zu entdecken, nicht die Bewohner nach ihren Interessen und ihren Ressourcen gefragt zu haben. Wenn von vorne rein klarer erkennbar gewesen wäre, dass obwohl wir unsere Zeit zur Verfügung stellen, wir nicht für sondern mit den Eltern etwas machen möchten, hätten wir eventuell ein anderes Ergebnis erzielt.</p>
<p>Zu 4: Wir haben die Ressourcen des Stadtteiles erheblich gesucht und genutzt – nicht aber die Ressourcen der Bewohner selbst!<br />
Wir haben Spielplätze aufgesucht und damit auf vorhandenen Ressourcen zurück gegriffen. Wir haben das Geld für den Bollerwagen aus dem Fördertopf der Horner Geest geschöpft und die Lagerräume der Timotheusgemeinde genutzt um unseren Bollerwagen und die Spielgeräte abzustellen. Wir haben im Spielhaus Horner Landstraße Beratung und Kaffee genießen können und jede Menge Spielsachen von der Elternschule Horner Geest bekommen können.<br />
Die Ressourcen der Bewohner konnten wir leider bis auf ein Ereignis – ein Vater brachte einen riesen Sack Sandspielzeug vorbei &#8211; nicht nutzen.</p>
<p>Zu 5: Wir wollten durch einen Sponsorenvertrag auch diejenigen mit einbeziehen, die für das Wohnumfeld in Horn maßgeblich verantwortlich sind: Die Wohnungsbaugenossenschaften und -gesellschaften. Leider brachten Telefonate und Briefe nicht das erhoffte Ergebnis. Der Versuch auch andere Bereiche mit einzubeziehen war also gegeben, darauf lag aber nicht unser Hauptaugenmerk und wurde deshalb nicht so intensiv verfolgt.</p>
<p>Zu 6 : Vernetzung und Kooperation sollte ein wichtiger Standard in unserer Arbeit sein und so gingen wir Kooperationen mit etlichen Institutionen ein: Beirat Horner Geest, Timotheusgemeinde, Pflegen &amp; Wohnen, Elternschule Horner Geest und das Spielhaus Horner Landstraße. Diese Kooperationspartner halfen uns in vieler Hinsicht bei der Bewältigung unseres Projektes und standen uns tatkräftig zur Seite. Durch dieses Netzwerk konnten wir einiges schneller Probleme erkennen und Lösungen finden. Hätte unser Projekt länger angehalten hätten wir durch dieses Netzwerk sicher auch gemeinsam mit den Bewohner Lösungen finden können, wenn sie mit ihren Problemen zu uns gekommen wären, dazu war aber die Nähe noch nicht vorhanden. Durch Pflegen und Wohnen haben wir für den Spielplatz Spliedtring einen Nachfolger finden können. Die Mobile Spielaktion führt unsere Arbeit dort fort und kann auf unseren Früchten aufbauen.</p>
<p><strong>Ein Fazit</strong></p>
<p>Wir wurden von einigen anfangs belächelt und der Horner Spielexpress, als Spielzeug abgetan, dass nur dazu dienen sollte die Zeit nach dem Waggon abzusitzen. Aber auch wenn ich nun in dieser Arbeit eine harsche Kritik an der Durchführung des Bollerwagenprojektes ausformuliert habe, da ich hohe Erwartungen an mich und an ein GWA-Projekt stelle, bin ich fest davon überzeugt:<br />
Ein Bollerwagen voll mit Spielgeräten kann GWA sein und kann ein  kreatives, kostengünstiges, nützliches und eindrucksvolles Werkzeug sein, Menschen zu befähigen sich für Veränderungen im Stadtteil einzusetzen und zwanglose Netzwerkarbeit leisten. Hätten wir versucht die Menschen von vorn herein mehr einzubinden, hätten wir eventuell auch noch bessere Resultate erzielt, dass Argument der kurzen Zeit ist aber durchaus nicht zu wiederlegen und so bin ich auch so sehr zu frieden mit dem was wir mit dem Bollerwagen erlebt und erreicht haben.</p>
<p><strong>Literaturverzeichnis</strong></p>
<p>Hinte, Wolfgang; Lüttringhaus, Maria; Oelschlägel, Dieter (2001): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3779918242?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3779918242">Grundlagen und Standards der Gemeinwesenarbeit</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3779918242" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, 2. aktl. Aufl. 2007, Weinheim und München</p>
<p>Hinte, Wolfgang; Treß, Helga (2006): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3779917769?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3779917769">Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3779917769" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Weinheim und München</p>
<p>Oelschlägel,Dieter (1994): Gemeinwesenarbeit im Armutsquartier, in: np 1/94,</p>
<p>Schnee, Renate (2004): Skriptum Gemeinwesenarbeit,<br />
<a HREF="http://www.telesozial.net/cms/uploads/tx_kdcaseengine/Skriptum_Gemeinwesenarbeit_Renate_Schnee_102004.pdf" TITLE="Skriptum Gemeinwesenarbeit">http://www.telesozial.net/cms/uploads/tx_kdcaseengine/Skriptum_Gemeinwesenarbeit_Renate_Schnee_102004.pdf</a></p>
<p><strong>Anhang</strong></p>
<p>Auswertung der Fragebögen zum Abschluß des Projektes. 24 Eltern, ältere Geschwister und Großeltern wurden hierzu an den drei Spielplätzen Stengelestraße, Horner Landstraße und Pflegen &amp; Wohnen Spliedtring befragt.</p>
<p><em>Anhang wird später hinzugefügt </em></p>
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		<title>Mediation unterstellt Partizipation</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jul 2007 20:13:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adigwe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[social.]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
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		<description><![CDATA[In unserem Seminar zum Thema Partizipation haben wir viel über die politische Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern gesprochen. In wie weit sie sich beteiligen können oder müssen. Wir haben anhand des Partizipationsbegriff rausgearbeitet das es immer etwas mit Macht zutun hat und das unterschieden wird zwischen teilhabe und teilnahme. 

In unserem Text gehen wir nun auf das partizipatorische Handeln in einem Konfliktlösungsansatz ein. Wir stellen dazu zunächst verschiedene Konfliktlösungsansätze vor und vertiefen uns dann auf das Verfahren der Mediation. Wir beschreiben die vorteile gegenüber anderer Konfliktlösungsansätzen. Wir versuchen zu erklären, in wie weit Mediation Partizipation unterstellt und verwenden hierzu das Beispiel von Beteiligung von Schülern an Schulen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p id="top" />
<p ALIGN="center"><em>Ein gemeinsamer Text von Janina Lürßen und Andreas Pilot </em></p>
<p><strong>Mediation unterstellt Partizipation</strong></p>
<p>In unserem Seminar zum Thema Partizipation haben wir viel über die politische Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern gesprochen. In wie weit sie sich beteiligen können oder müssen. Wir haben anhand des Partizipationsbegriff rausgearbeitet das es immer etwas mit Macht zutun hat und das unterschieden wird zwischen der Teilhabe und der Teilnahme.<br />
In unserem Text gehen wir nun auf das partizipatorische Handeln in einem Konfliktlösungsansatz ein. Wir stellen dazu zunächst verschiedene Konfliktlösungsansätze vor und vertiefen uns dann auf das Verfahren der Mediation. Wir beschreiben die Vorteile gegenüber anderen Konfliktlösungsansätzen. Wir versuchen zu erklären, in wie weit Mediation Partizipation unterstellt und verwenden hierzu das Beispiel von Beteiligung von Schülern an Schulen.</p>
<p><strong>Konliktlösungsstategien</strong></p>
<p>Menschen leben in und zwischen verschiedenen Systemen, denen sie sich nur schwer entziehen können. In diesen handeln, lieben, arbeiten sie, dort leben sie zusammen. Sie begegnen sich in Gruppen und Verbänden, kommunizieren oder politisieren sich. Dass es in diesen Systemen zu Sachproblemen oder Beziehungskonflikten kommt, welche Spannungen und Schwierigkeiten mit sich bringen, ist normal. Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie man mit diesen Umgeht und verfährt.</p>
<p>Daher, und um später zu verdeutlichen was die Besonderheiten von dem Verfahren der Mediation sind, stellen wir zunächst einige gesellschaftsübliche Konfliktlösungsstrategien vor. Wir möchten aber zunächst verdeutlichen, das bei jeder Art von Konfliktbewältigung der eigenen Einsatz, eine mal starke und mal schwache Beteiligung die Voraussetzung ist. Ein Konflikt kann nicht geklärt, überwindet oder verschoben werden, wenn keine eigene Beteiligung, sei es in Form eines Streitgespräches, einer Anzeige oder mit der Anwendung von körperlicher Gewalt, mitgeht.</p>
<p><strong>Das Gerichtsverfahren</strong></p>
<p>Im Blickpunkt des Gerichtsverfahrens steht die Vergangenheit und die Bewertung, wer im Recht ist und wer nicht. Es muss ein Schuldiger gefunden werden. Es gibt am Ende einen Gewinner und einen Verlierer, der durch die dritte Instanz, dem Gericht entschieden wird.</p>
<p><strong>Der stärkere gewinnt  </strong></p>
<p>Viele Konflikte werden körperlich ausgetragen. Wer stärker ist, wer besser und gezielter zuhaut gewinnt. Auch bei diskussionsreichen Konflikten geht es so: wer die stärkeren oder oft auch lauteren und unfairen Argumente bringt, gewinnt.</p>
<p><strong>Kompromisse eingehen</strong></p>
<p>Die Strategie, Kompromisse zu schließen, ist von der Rücksichtsnahme auf die Wünsche des anderen geprägt. Hier geht es um Verhandlungen und darum, innerhalb eines abgesteckten Rahmens einen Kompromiss zu erarbeiten. Wie beim Verdrängen oder beim „der Stärkere gewinnt“ bleibt aber die Ursache des Konflikts weiter bestehen. Der Konflikt wird nur verschoben denn oft ist die Lösung mit dem Gefühl verbunden, nicht das bestmögliche Ergebnis erzielt zu haben.<br />
<strong>Verdrängen</strong><br />
Der Konflikt wird nicht ausgetragen und die Situation bleibt unverändert erhalten.<br />
<strong>Das Mediationsverfahren</strong></p>
<p>Bei der Mediation handelt es sich um einen freiwilligen Prozess, in dem die Beteiligten durch einen strukturierten Verhandlungsprozess durch einen neutralen und allparteilichen Vermittler zu einem Interessenausgleich und einer Konsensfindung gelangen.</p>
<p><strong>Mediation</strong></p>
<p>Mediation bedeutet wörtlich Vermittlung oder auch vermittelndes Dazwischentreten. Derzeitig wird mit dem allgemeinen Begriff Mediation die „Vermittlung im Konflikt“ verstanden.</p>
<p>Mediation bezeichnet ein Konfliktregelungsverfahren. Es ist ein Prozess der auf wechselseitige Kommunikation und Kooperation ausgelegt ist. Die Grundgedanken hierbei sind die Freiwilligkeit am Prozess, die Autonomie und die Selbstverantwortlichkeit der Parteien. Die Streitpartner arbeiten an einer einvernehmlichen, außergerichtlichen Konfliktregelung. Hierbei werden sie von einem neutralen und allparteilichen Vermittler, dem Mediator unterstützt. Er wirkt in einem Konflikt zwischen mehreren anwesenden Streitenden vermittelnd und eingreifend. Er macht ein Verhandeln zwischen den Konfliktparteien wieder möglich und verhindert eine weitere Eskalation. Er hält sich aus inhaltlichen Fragen heraus.</p>
<p ALIGN="center"><em>Das hier an dieser Stelle zugehörige Schaubild wird später zugefügt.</em></p>
<p><strong>Das Ziel</strong></p>
<p>Das Ziel eines Mediationsverfahrens ist die von den Konfliktpartnern Selbstbestimmte Entwicklung rechtsverbindlicher, zukunftsorientierter Lösungen. Alle Parteien sollen das Ergebnis des Verfahrens als Gewinn für sich sehen.</p>
<p><strong>Anwendungsgebiete</strong></p>
<p>Mediation ist sowohl in persönlichen Streitfällen als auch in Gruppenkonflikten und politischen Konflikten anwendbar.</p>
<p>Bisherige Anwendungsbereiche von Mediation in Deutschland sind:</p>
<p>Ehe und Familie (z.B. Gewalt in der Ehe, Unterhaltsfragen)<br />
Wirtschaft (z.B. Arbeitskämpfe)<br />
Kommunalpolitik (z.B. bau von Wohnheimen)<br />
Mietkonflikte<br />
Nachbarschaft/Stadtteil (z.B. Kinderlärm)<br />
Umweltschutz (z.B. Standorte von Mülldeponien)<br />
Schule/Universität<br />
Verkehrspolitik<br />
Rassistisch-ethnische Konflikte<br />
Soziale Konflikte (z.B. Vertragseinhaltung)<br />
Justiz/Kriminalität (z.B. Täter-Opfer-Ausgleich)<br />
Parlament</p>
<p><strong>Der Prozess</strong></p>
<p>Mediation ist immer eine Kurzzeitintervention ohne festgelegte Sitzungszahl.<br />
Es ist ein mehrstufig strukturierter Prozess, der von einer einführenden Orientierung zur Vertrauensbildung über die Darstellung und Erörterung der unterschiedlichen Interessen und Emotionen zur Erarbeitung und zum Vollzug der gemeinsam erarbeiteten Konfliktregelungsstrategien führt. Die für eine Konfliktregelung notwendigen Informationen werden von den Streitpartnern selbst und interessenbezogen eingeholt und in die Mediation eingeführt.</p>
<p><strong>Die Phasen</strong></p>
<p>Im Laufe der Jahrzehnte haben sich verschiedene Phasenmodelle der Mediation entwickelt. Es wird meistens zwischen drei und sieben Phasen unterschieden die auch verschieden benannt sind. Im folgenden möchten wir das Phasenmodell von Christoph Besemer vorstellen. Er hat ein vielseitiges Beispiel, aus den vielen verschiedenen Modellen, die in der Literatur zu finden sind, zusammengestellt.</p>
<p><strong>Die Einleitung</strong></p>
<p>In der Einleitungsphase findet zunächst eine Vorstellung aller Beteiligten statt. Es werden die Erwartungen der Teilnehmer abgefragt und anschließend wird das Verfahren der Mediation erklärt. Es wird ermittelt wie die Bereitschaft der Teilnehmer ist, sich auf das Mediationsverfahren einzulassen, wobei Widerstände ernst genommen werden.</p>
<p><strong>Die Sichtweisen der einzelnen Konfliktparteien</strong></p>
<p>Die Konfliktparteien erzählen in der zweiten Phase die Fakten des Konfliktes aus ihrer Sicht sowie ihre Gefühle zum Streitverlauf. Nach der anschließenden Zusammenfassung durch den Mediator, findet eine Rückmeldung durch die Gegenseite statt. Es soll eine direkte Kommunikation zwischen den beiden Kontrahenten erfolgen. Hinterher hält der Mediator die Gemeinsamkeiten und die Differenzen fest.</p>
<p><strong>Die Konflikterhellung / Vertiefung</strong></p>
<p>In der Phase der Vertiefung befragt der Mediator beide Konfliktseiten im Wechsel zu den einzelnen Problem. Bisher nicht genannte Interessen und Gefühle werden herausgearbeitet. Es wird die Reaktion der gegnerischen Seite erfragt.</p>
<p><strong>Die Problemlösung / Entwurf von Lösungen</strong></p>
<p>Es werden Lösungsmöglichkeiten, Brainstormartig gesammelt. Wenn es sich als schwer gestaltet, bringt der Mediator weitere Vorschläge mit ein. Die Vorschläge werden Bewertet und Ausgewählt.</p>
<p><strong>Die Übereinkunft</strong></p>
<p>Es wird sich auf eine, die für alle beste Lösung geeinigt und formuliert. Es wird außerdem geklärt, wie mit der Umsetzung und der Kontrolle umgegangen wird sowie künftige Probleme geklärt werden soll. Die Vereinbarung wird unterzeichnet.<br />
Ein Abschluss soll, wenn möglich mit einer versöhnenden Geste und einem Dank an die Beteiligen geschehen.</p>
<p><strong>Zur Entwicklung der Mediation</strong></p>
<p>Der Begriff Mediation ist als feststehender Fachbegriff aus dem Amerikanischen übernommen worden. Mediation hat eine lange Tradition in unterschiedlichen Kulturen und unterschiedlichen sozialen Kontexten.<br />
In Deutschland hat sich Mediation ab 1988, insbesondere aus US-amerikanischen Erfahrungen, zur außergerichtlichen, autonomen Streitregelung bei Trennung und Scheidung, besonders bei Debatten um die elterliche Sorge und das Umgangsrecht, entwickelt. Praktische Erfahrungen mit Mediation konnten in Deutschland in den 1900er Jahren gewonnen werden, zum größten Teil in der Kinder- und Jugendhilfe.</p>
<p><strong>Zur Gesetzgebung</strong></p>
<p>In Deutschland gibt es für das Mediationsverfahren bislang keine gesetzliche Regelung.<br />
In Österreich dagegen sind am 1. Mai 2004 das Zivilrechts-Mediations-Gesetz und die Zivilrechts-Mediations-Ausbildungsverordnung in Kraft getreten. Das Gesetz definiert Mediation und legt Rahmenbedingungen über den Umfang der Ausbildung dar.</p>
<p>Auf der Sitzung des Niedersächsischen Landtags am 25. April 2007 haben die Fraktionen der CDU und der FDP einen Entwurf für ein Gesetz über die Einführung eines Mediations- und Gütestellengesetzes eingebracht. Dieser Entwurf setzt gesetzliche Mindeststandards und knüpft die Anerkennung zum Staatlich anerkannten Mediator an eine Zusatzausbildung von 150 Std. sowie weitere Voraussetzungen. Das Gesetz aber ist bis heute nicht in Kraft getreten.</p>
<p><strong>Die Besonderheiten von Mediation gegenüber anderen Konfliktlösungen</strong><br />
Wir möchten die Besonderheiten, die wir oft als Vorteile gegenüber anderen gebräuchlichen Konfliktlösungswegen sehen, verdeutlichen. Die im folgenden aufgeführten Beispiele sind vorwiegend nicht mit allen anderen Lösungsansätzen in den Vergleich zu setzen, am deutlichsten werden die wichtigsten Merkmale der Mediation bei der Gegenüberstellung mit dem juristischen Verfahren.<br />
Zwei entscheidende Punkte die in der aktuellen Literatur vermehrt als Vorteile genannt werden, sind das Zeitersparnis und die Reduzierung der Kosten gegenüber einem Gerichtsprozess. Es geht in der Regel schneller ein Mediationsverfahren in die Wege zu leiten und der Verlauf dauert kürzer. Ein Gerichtsverfahren dagegen kann durch mehrere Instanzen gehen und sich über Jahre hinziehen. Die Streitparteien müssen also bei der Methode der Mediation im Ganzen kürzer mit dem Konflikt leben. Die Betroffen tragen nicht das Risiko, viel bezahlen zu müssen, wie etwa bei einer verlorenen Klage.<br />
Ein weiterer erheblicher Vorteil für die Betroffenen bei der Mediation ist es häufig, dass die Sitzungen nicht öffentlich sind. Kein Außenstehender erfährt, was zwischen Ihnen und Ihrem Konfliktpartner besprochen wird. Dies sichern sich die Betroffenen in einem rechtsverbindlichen Vertrag zu. Die Vertraulichkeit wird daher gewahrt. Das verringert die Gefahr einer Rufschädigung sehr.<br />
Als die ausschlaggebendste Besonderheit der Mediation gegenüber anderen Konfliktlösungen, bei denen es darum geht, was als generell korrekt und gerecht gilt, sehen wir, dass alle Aspekte des Konfliktes und Ansichten der Betroffenen berücksichtigt werden. Es geht nicht nur um rechtlich relevante Fragen sondern auch um Gefühle und Einschätzungen der Streitenden. Wenn das Verfahren aber nun eingesetzt wird als Alternative zum juristischen Verfahren, müssen die Gesetzte natürlich berücksichtigt werden. Dennoch, in der Mediation können die Streitenden über alles verhandeln und alle Dinge ansprechen, die für Sie in Ihrem Konflikt eine Rolle spielen. Jeder bekommt Zeit seine Anschauungen darzulegen. Es werden Lösungen möglich, die für beide Seiten zufrieden stellend sind und die dem Alltag entsprechen.<br />
Auch die Lösungsfindung gestaltet sich abweichend von anderen Ansätzen. Es entscheidet nicht eine dritte Instanz darüber, was die beste Lösung für alle ist sondern sie wird gemeinsam mit dem Mediator erarbeitet. Die Lösung soll zukunftsorientiert sein. Wenn beide Konfliktparteien gemeinsam eine Lösung finden, hat diese auch Aussicht auf langfristige Akzeptanz. Dies kann die Beziehung für die Zukunft positiv beeinflussen. Es soll eine Grundlage geschaffen werden, auf der die Konfliktpartner und der Mediator bei Bedarf auch weiter zusammenwirken können.<br />
Die Erfolgsquote hinsichtlich der nachhaltigen Zufriedenheit mit dem Verlauf und den Ergebnissen des Mediationsverfahrens soll bei etwa 80% liegen. (<a HREF="http://www.wikipedia.org/wiki/Mediation">http://www.wikipedia.org/wiki/Mediation</a>, 2. Juli 2007)<br />
<strong>Partizipation</strong></p>
<p>Um heraus zu finden wie weit Mediation Partizipation sein kann, wollen wir zunächst kurz klären was Partizipation bedeutet.<br />
„Partizipation bezeichnet die aktive Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen bei der Erledigung der gemeinsamen (politischen) Angelegenheiten bzw. der Mitglieder einer Organisation, einer Gruppe, eines Vereins etc. an den gemeinsamen Angelegenheiten.<br />
Spez.: 1) P. bezeichnet die Teilhabe der Bevölkerung an politischen Willensbildungsprozessen, insbesondere an Wahlen und Referenden. 2) In einem rechtlichen Sinne bezeichnet P. die Teilhabe der Bevölkerung an Verwaltungsentscheidungen.“ (Schubert, Klaus/Martina Klein, 2006)</p>
<p>Diese aktive Beteiligung kann auf mehren Arten von statten gehen, sie kann von staatlicher oder anderer höherer Instanz gesteuert, gefordert und erzwungen sein oder aus freier Entscheidung von Bürgerinnen und Bürgern geschehen und dies auch oft gegen ein Interesse von höheren Instanzen gerichtet sein. Bürger müssen und sollten nicht zwangsläufig Staatsbürger sein, sondern sind alle Menschen die in einem Bereich Einfluss nehmen möchten oder sollen.</p>
<p><strong>Mediation und Partizipation</strong></p>
<p>Wir haben versucht deutlich zu machen was Mediation und Partizipation bedeuten, nun stellt sich die Frage ob Mediation ein Partizipationsmodell sein kann.<br />
Mediation ist ein Prozess in dem Beteiligte freiwillig zu einem Interessenausgleich und zu einer Konsensfindung kommen. Dies geschieht durch einen Vermittler. Mediation wird in Situationen eingesetzt die einen dringenden Handlungsbedarf erfordern, die Verhandlungspartner müssen mit Macht und Kompetenzen oder mit Betroffenheit und berechtigtem Interesse ausgestattet sein. Es muss das Vertrauen geschaffen werden das eine Zusage verbindliche Wirkung hat.<br />
Nur wenn diese Rahmenbedingungen stimmen, es also gewährleistet werden kann, das jede Partei von seinem Interesse ein Stück abrücken kann und wird und nicht von oben herab sondern auf Augenhöhe verhandelt werden kann, kann man Mediation als ein Partizipationsmodell verstehen. Mediation ist aber vor allem eine Technik, ein Instrument das verwendet werden kann wenn Konflikte entstehen. Mediation passt in eine partizipative Kultur, da sie die Konfliktpartner als Subjekte ihrer Problemlösung begreift. Außerdem kann Mediation die Entwicklung von größerer Partizipation unterstützen, wenn diese gewollt wird. Wenn Partizipation von  einer Institution zu einem wesentlichen Funktionsmerkmal gehört, kann das Mediationsverfahren dies in vermehrter Form fördern, da sich alle an der Konfliktlösung beteiligen müssen.<br />
<strong><br />
Mediation als Alibi für Partizipation an Schulen?</strong></p>
<p>Wir wollen diesen Standpunkt an Hand vom Beispiel Schule verdeutlichen. Hier ist in den letzten Jahren verstärkt Mediation eingeführt worden. Nicht immer hat dies die Partizipation gefördert, wir wollen sehen warum.<br />
Dazu wollen wir uns folgendes Beispiel an schauen:<br />
„Eine Fachraumtür, die nur von innen zu öffnen ist, war ins Schloss gefallen. Die Schülerin T. hätte sie von innen für ihre draußen klopfenden Mitschüler/innen öffnen können, sie klopfte jedoch zurück und ließ die Anderen außen davor „zappeln“. Nach einem kurzen Wortwechsel öffnete sie schließlich. Als erster trat der Schüler U. ein und machte eine Bemerkung, für die er von T. eine Kopfnuss bekam. U. „rastete“ daraufhin „aus“ und schlug ziemlich heftig auf T. ein, die sich vor Schmerzen krümmte. Der Mediator, der direkter Zeuge des Vorfalls war, hat die Streitenden unterbrochen und ein Gespräch direkt nach der Stunde angesetzt. Beide Streithähne waren dazu bereit und beruhigten sich auch relativ schnell wieder. Nach der Stunde erklärte der Mediator kurz die Regeln für das nun stattfindende Gespräch, vor allem, dass er nicht vorhatte, einen Schuldigen zu finden. Beide schilderten nacheinander ihre Sicht der Auseinandersetzung. U. hatte nicht den Eindruck, so sehr zugeschlagen zu haben, dass es für T. so schlimm wurde, wie sie selbst darstellte. Dass T. die Tür nicht öffnete, war für sie ein Spaß, der nicht böse gemeint war, sie hatte sich über die Bemerkung von U. geärgert, deshalb die Kopfnuss. U. fühlte sich durch diesen Spaß provoziert und ausgeschlossen.<br />
Zur Frage, weshalb U. so heftig reagierte, schilderte er die Situation in der Klasse, in der öfter „Späße“ gemacht würden, mit denen er nicht klar komme. Er fühle sich regelmäßig dadurch ausgeschlossen. T. hörte dies mit Erstaunen; sie bestätigte die Stimmung in der Klasse mit ihren bisweilen derben Späßen, die ihr selbst allerdings nichts ausmachten, im Gegenteil, sie fand den Umgang untereinander eher in Ordnung. U. betonte, dass ihm diese Art des Kontakts untereinander fremd sei und er sich einfach nicht gut fühle. Als T. dies so hörte, entschuldigte sie sich spontan. U. räumte ein, dass seine Reaktion, die wohl seine unguten Gefühle in der Klasse insgesamt zum Ausdruck brachten, doch etwas heftig gewesen sein könnten, und entschuldigte sich seinerseits.<br />
Auf die Nachfrage des Mediators hin, welche Ideen sie denn hätten, um in Zukunft die Situation zu verbessern, schlugen beide vor, aufmerksamer aufeinander zu achten. T. wollte daran denken, dass ihre Späße bei U. nicht gut ankommen, U. nahm sich vor, nicht jede Aktion auf die Goldwaage zu legen. Dieses Gespräch, das die wichtigsten Merkmale einer Mediation aufweist, dauerte genau 15 Minuten, so lange wie die große Pause.“ (Rosenkranz, 2006, S.3)</p>
<p>Viele Beispiele wie dieses zeigen, hier wird ein Konflikt der evtl. zwischen Schülern selbständig gelöst werden können, wird vom Mediator übernommen. Dies hat natürlich große Vorteile, so wird das Problem von einem Außenstehenden betrachtet und es wird auch eine gründlichere und langfristigere Lösung gefunden. Anderseits wird die Verantwortung übertragen und Partizipation entsteht, wo Selbständigkeit bestand.<br />
Positiv formuliert heißt das:<br />
„Der Inhalt einer demokratischen &#8220;Erziehung zur zivilen Gesellschaft&#8221; ist die Vermittlung von Kompetenzen, die für die Partizipation und Teilhabe an zivilen Prozessen konstitutiv sind. Unmittelbar sind dies Fähigkeiten zur diskursiven Klärung von Interessen, Verhandeln von Dissens, Lösen von Konflikten unter Interessenausgleich; gemeinsames Planen und Durchführen von Projekten zur Lösung identifizierter Probleme – alles Kompetenzen, Befähigungen und Haltungen, die in partizipatorischer Praxis eingeübt werden. (&#8230;) Ziel ist (&#8230;) die informierte Überzeugung, dass für die Lebenswelt gegen alle Sachzwänge gerade im Rahmen von Institutionen stets auch politische Gestaltungsspielräume bestehen.“ (Edelstein/Fauser, 2001, S.34)</p>
<p>Da soll das Kind erzogen werden, dass durch Verhandeln und Abwägen und das Begreifen, dass es doch so viele andere Interessen gibt und es doch weniger Macht hat, es besser ist klein bei zu geben. Die Schüler partizipieren dementsprechend daran sich nur mit Hilfe von Worten auf eine Lösung einzulassen, der sie nicht unbedingt zugesagt hätten. Da aber auch die Schule einen kleinen Kompromiss eingeht, wird dem Schüler aber deutlich das Gestaltungsspielräume dennoch vorhanden sind.<br />
Nun, wie dem auch sei, welche Gestaltungsspielräume bestehen denn in der Institution Schule wirklich?</p>
<p><strong>Grenzen von Partizipation im Modell Schule</strong></p>
<p><strong>Möglichkeiten der Mitwirkung</strong></p>
<p>Die Klasse kann den Klassensprecher wählen, darf eine Aussprache zur Form des Unterrichts halten, die Arbeit der Schülervertretung und der Klassenschülerversammlung kommentieren und begleiten, darf Vorschläge für die Klassenschülerversammlung verabschieden; in manchen Bundesländern gibt es eine direkte Wahl des Schülersprechers und die Möglichkeit der Aussprache in einer Schülerversammlung.<br />
Der Schülerbeirat (Teilnehmer sind die Klassensprecher der Klassen) kann Vorschläge und Anträge an Gremien stellen, Aussprachen mit der Schulleitung halten, beratend teilnehmen an Elternvertretung und Lehrerkonferenz, Mitwirkung in Schulkonferenzen und an überschulischen Organen der Schülermitwirkung. Wahl der Vertrauenslehrer, Kassenwart, Schülersprecher, Vertreter in Gremien.<br />
Den schulischen Gremien ist es bis heute nicht erlaubt über den Unterricht zu entscheiden. Die Regelungen der Mitwirkung der Schüler sind aber erheblich ausgeweitet worden.</p>
<p>Laut einer Studie (Grundmann/Kötters-König/Krüger, 2003, S.171) zu Partizipationsmöglichkeiten an Schulen in Sachsen-Anhalt werden den Schülern oftmals neue Formen der direkten Demokratie eingeräumt, der Stimmenanteil in der wichtigen Schulkonferenz aber wurde nicht erhöht. Bei der Gestaltung des Schullebens können Schüler zwar mitwirken, aber aus Sicht der Schüler haben die Gremien kaum eine größere Bedeutung. Nur die Hälfte der Schüler können bei der Auswahl von Lehrinhalte und Unterrichtsmethoden mitbestimmen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass gravierender Reformbedarf besteht, nicht nur aus Demokratie-theoretischen Argumenten, das heißt die Schule als erster Lern ort für das Leben in einer demokratischen Gesellschaft, sondern auch weil sich die Motivation und Bereitschaft sich für den Schulalltag einzusetzen verbessert sobald mehr Partizipation stattfindet. Sie können sich mit ihrer Schule identifizieren, da sie sich durch ihre Mitwirkung als Teil der Schule verstehen. Es ist ihr „geschaffenes Werk“.</p>
<p><strong><strong>Möglichkeit der Mitwirkung im Schulleben</strong></strong></p>
<p>Bei der Studie zeigte sich das die Schüler überwiegend Freiräume bei der Gestaltung des Schullalltags sahen. Sie sahen Möglichkeiten der Mitbestimmung bei der Organisation von Schulveranstaltungen und Ausflügen, der Ausgestaltung der Schule und der Klassenräume, der Auswahl von Freizeitangeboten und Projekten.<strong><br />
<strong><br />
Mediation bis an diese Grenzen implementieren</strong></strong></p>
<p>Mediation findet hauptsächlich in der Konfliktlösung auf der Schülerebene statt. Schüler partizipieren dementsprechend vor allem bei der Lösung von Konflikten, die sie zuvor eigenständig gelöst haben.<br />
Grundsätzlich könnte Mediation auch andere Resultate erzielen und dafür sorgen, dass Schüler mehr eigene Mitwirkung im Schulalltag erleben könnten. Dies kann aber nur geschehen wenn die Interessen der Schüler wirklich ernst genommen werden, ihre Forderungen angehört werden und sie auf Augenhöhe mit den Lehrern, Behörden und Eltern kommunizieren können. Ihnen muss also eine gewisse Macht zugesprochen werden können. Dazu können vor allem diese flankierenden Maßnahmen von großer Bedeutung sein.<br />
<strong><br />
Flankierende Maßnahmen der Mediation</strong></p>
<p>Es gibt außer der eigentlichen Mediation fünf weitere Maßnahmen, die die Mediation flankieren. Diese sind wichtig damit Mediation in der Schule tatsächlich zu einem Erfolg führen kann und zu langfristigen Ergebnissen führt.1. Fortbildung des Kollegiums: Zu Anfang müssen in Basistrainings ausreichend viele Lehrer mit der Mediation vertraut gemacht werden. Hier ist es auch wichtig, Verständnis für die Konfliktlösung zu erlernen. Lehrer müssen ja von ihrer Entscheidungsmacht abgeben. Wichtig ist außerdem, dass sich eine Projektgruppe bildet die aus einer Person der Schulleitung, zwei Lehrern und eines Vertrauenslehrer besteht, die für eine Kontinuität sorgen. So lastet das Programm nicht auf nur einer Schulter eines engagierten Lehrers.</p>
<p>2. Prävention: An Projekttagen werden Schülermediatorengruppen ausgebildet die die Methode der Mediation erlernen und so in Konflikten schnell als Moderator eingreifen können und Streitschlichten können.</p>
<p>3. Soziale Lernziele im Unterricht: Im Unterricht müssen Themen wie Teamfähigkeit oder Kommunikationsfähigkeit behandelt werden.</p>
<p>4. Verankerung im Schulprogramm: Einbindung der Mediation als „konstruktive Konfliktbearbeitung“ ins Schulprogramm.</p>
<p>5. Öffnung der Schule: Kooperation der Schule mit anderen Trägern zum Thema Konfliktbearbeitung<br />
(Systemische Verankerung der Mediation als Hexagon, aus: Faller, 1998)</p>
<p><strong>Fazit</strong><br />
<strong><br />
Mediation unterstellt Partizipation?</strong></p>
<p>Diese  Frage kann man fast eindeutig mit „Ja“ beantworten. Bei nahezu allen Konfliktlösungsstrategien kann eine Lösung nur dann erreicht werden, wenn die beteiligten Personen sich an den Prozess beteiligen, d.h. mitwirken. Partizipation, das haben wir bereits erläutert, heißt immer dass eine höhere Instanz Mitwirkung genehmigt und zulässt. Bei Mediation muss meist davon ausgegangen werden, dass eine solche Instanz existiert, die den Mediator einschaltet, der oft auch selbst von dieser Instanz ausgebildet wurde.</p>
<p><strong>Grenzen der Partizipation</strong><br />
Zunächst einmal wollen wir feststellen, dass Partizipation auf Gesellschaftspolitische Grenzen stößt. Partizipation kann oft nur dann stattfinden wenn diese von höheren Instanzen gewährt wird.<br />
Dennoch sind diese Grenzen noch lange nicht erreicht, dieser mögliche Spielraum sollte genutzt werden, denn durch partizipatorisches Handeln können auch Grenzen in Frage gestellt werden und verändert werden.</p>
<p><strong>Mediation als Maßnahme</strong><br />
Mediation kann im Zusammenspiel von bestimmten flankierenden Maßnahmen ein wichtiger Teil von Partizipation sein.<br />
Bei vielen politischen Mediationsverfahren konnte es passieren, das die Argumente der Bevölkerung angehört wurden und für eine bessere Verteidigung der Politischen Entscheidungen genutzt wurde. Kompromisse wurden oft nicht umgesetzt.<br />
Wenn Bürger aber eine Machtstellung erreichen können, eine breite Plattform von Bewohnern eines Stadtteils, können sie selbst bei der Politik Mediation einfordern, die dann wirklich auf Augenhöhe agieren kann, da die Bewohner eine eigene Macht besitzen. Dieses Verfahren, Community Organizing genannt, wurde von Saul Alinsky in den 60. Jahren in den USA entwickelt und entsteht nun auch in Deutschland.<br />
Oft aber werden Kontrahenten aufgefordert an Mediation teilzunehmen, dies widerspricht der Freiwilligkeit der Mediation. Das Mediation als Freiwillige Maßnahme ausgegeben wird, stimmt oft sowie so nicht. Meistens gibt es außer der Mediation keine bessere Möglichkeit, sei es ein teurerer Gerichtsprozess oder die körperliche Gewalt des Klassenkameraden, die zur Alternative angeboten wird. Der letzte Schritt der Mediation ist die Unterzeichnung der Beteiligten an einem gemeinsamen Vertrag. Dieser Vertrag muss dann eingehalten werden. Das kann wertvoll für den Schwächeren sein, der dann auf die Vertragspunkte verweisen kann, kann aber auch negativ sein, wenn  der Schwächere unter Zugzwang stand und nun auf Einhaltung aufgefordert wird. Hier müsste die Mediation Nachverhandlungen anbieten können. Diese Zwänge aber entsprechen der Partizipationsidee des Staates. Wenn Partizipation, ohne großen Machtverlust oder großen Kompromissen, aber mit Kostenersparnis zusammen geht, dann wird Partizipation nicht nur gefördert sondern gefordert.<br />
<strong>Literaturverzeichnis </strong></p>
<p>Böhme, Jeanette / Kramer, Rolf-Torsten (Hrsg.) (2001): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3810029424?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3810029424">Partizipation in der Schule</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3810029424" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Opladen</p>
<p>Faller, K. (1998): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3860723413?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3860723413">Mediation in der paedagogischen Arbeit. Ein Handbuch fuer Kindergarten, Schule und Jugendamt</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3860723413" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Mülheim</p>
<p>Hurrelmann, Klaus / Palentien, Christian (Hrsg.) (2003): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3472034378?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3472034378">Schülerdemokratie. Mitbestimmung in der Schule</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3472034378" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Neuwied</p>
<p>Mehta, Gerda / Rückert, Klaus (Hrsg.) (2003): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3896704028?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3896704028">Mediation und Demokratie. Neue Wege des Konfliktmanagements in größeren Systemen</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3896704028" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Heidelberg</p>
<p>Rosenkranz, Peter (2006): Mediation in der Schule,<br />
<a HREF="http://www.mediation-partizipation.de/Rosenkranz- Mediation_in_der_Schule-neu.pdf">http://www.mediation-partizipation.de/Rosenkranz-    Mediation_in_der_Schule-neu.pdf</a>, zuletzt besucht: 4.7.07</p>
<p>Schubert, Klaus / Martina Klein (2006): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/380120359X?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=380120359X">Das Politiklexikon</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=380120359X" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" /> 4., aktual. Aufl.,   Bonn</p>
<p>Sievers, Nadja (2001): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3631372787?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3631372787">Mediation als Alternative Konfliktlösungsmöglichkeit auch in Deutschland?: Eine rechtsvergleichende Untersuchung am Beispiel der argentinischen mediación previa</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3631372787" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Frankfurt am Main</p>
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		<title>EU-Förderung</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jun 2006 23:08:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>adigwe</dc:creator>
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		<category><![CDATA[future.]]></category>
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		<category><![CDATA[EU-Förderung]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit diesem Text möchte ich einen kurzen Einblick geben, wie die EU Projekte fördert, welche Schwerpunkte sie hat und was man beachten muß um ein Projektantrag zu stellen. Ich hoffe deutlich zu machen an welche Stellen man sich wie wenden muß. Konkrete Informationen zu einzelnen Förderprogrammen kann ich in dieser kurzen Zeit leider nicht bieten, aber ich kann die Informationssuche ein wenig erleichtern. Zunächst muß ich aber den Aufbau der EU erläutern, damit klarer wird an wen man sich wenden muß.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p id="top" />	Mit diesem Text möchte ich einen kurzen Einblick geben, wie die EU Projekte fördert, welche Schwerpunkte sie hat und was man beachten muß um ein Projektantrag zu stellen. Ich hoffe deutlich zu machen an welche Stellen man sich wie wenden muß. Konkrete Informationen zu einzelnen Förderprogrammen kann ich in dieser kurzen Zeit leider nicht bieten, aber ich kann die Informationssuche ein wenig erleichtern. Zunächst muß ich aber den Aufbau der EU erläutern, damit klarer wird an wen man sich wenden muß.<br />
<strong>Aufbau der EU</strong><br />
<a HREF="http://adigwe.de/blog/wp-content/uploads/2008/03/eu-organe.jpg" TITLE="EU-Aufbau"><img SRC="http://adigwe.de/blog/wp-content/uploads/2008/03/eu-organe.thumbnail.jpg" ALT="EU-Aufbau" ALIGN="left" /></a>Die Europäische Union ist kein Staat sondern ein „Verbund der Völker Europas“. Sie hat aber einen staatsähnlichen Aufbau. Die Macht wird auf mehrere Institutionen aufgeteilt. Diese Gewaltenteilung wollen wir uns genauer anschauen, da sie von großer Bedeutung ist.<br />
Dazu möchte ich die fünf wichtigsten Institutionen kurz vorstellen.</p>
<p><strong>Der Europäische Rat &#8211; „EU-Gipfel“</strong><br />
Der Europäische Rat ist formal das höchste Entscheidungsgremium. Es entstand 1969 aus unregelmäßigen Gipfeltreffen und wurde 1974 in Paris schließlich institutionalisiert. Seitdem treffen sich alle 6 Monate zum ende der jeweiligen Präsidentschaft der EU, die Staats- und Regierungschefs sowie die Außenminister der Mitgliederstaaten. Außerdem ist der Kommissionspräsident und ein Kommissionsmitglied ohne Stimmberechtigung anwesend. Vorsitz hat das Gastgebende Land, das auch den Vorsitz im Ministerrat hat.<br />
Die Funktion dieses Gremiums ist eine Leitlinie der EU auszuarbeiten. Der Europäische Rat besitzt eine Richtlinienkompetenz und ist dem Ministerrat übergeordnet und weisungsberechtigt.<br />
Die ausgearbeiteten politischen Leitlinien für Wirtschaft und soziales dienen zur Orientierung der Mitgliedsstaaten und der EU-Organe und haben keinen rechtliche bindenden Charakter.<br />
Alljährlich wird ein Bericht zu den „Fortschritten der Union“ verfasst.<br />
Der EU-Gipfel dient auch als Schlichter zwischen den Staaten, sollten diese Prozeße scheitern, dann entscheidet der Europäische Gerichtshof darüber.<br />
In diesem Gremium werden alle Beschlüsse durch Konsens erzielt, oft durch „give und take“, also Verhandlungen im Hinterstübchen. Ein weiteres Problem ist das die versammelten Staatsvertreter oberste der Exekutive sind und in diesem Gremium Repräsentanten der Legislative sind.<br />
<strong>Rat der Europäischen Union &#8211; „Ministerrat“</strong><br />
Der Rat der Europäischen Union ist der zentrale Gesetzgeber. Er arbeitet innerhalb der Leitlinien des EU-Gipfels und versucht diese Bestimmungen umzusetzen. Mitglieder des Ministerrats sind die einzelnen Fachminister der Mitgliedsstaaten, je nach Themen. Es gibt 20 verschiedene Besetzungen. Der Allgemeine Rat koordiniert diese Besetzungen und wird von den Außenministern der Mitgliedsstaaten gebildet. Ein Mitgliedsstaat übernimmt für sechs Monate die Präsidentschaft. Wenn nicht anders festgelegt werden Abstimmungen durch eine einfache Mehrheit (jedes Land eine Stimme) durchgeführt. Meistens wird aber eine qualifizierte Mehrheit oder Einstimmigkeit gefordert. die qualifizierter Mehrheit hat jedes Land je nach Einwohnerzahl eine gewisse Anzahl an Stimmen (Deutschland: 29 Stimmen).<br />
Auch in diesem Gremium kann von Gewaltenteilung nicht gesprochen werden, da Minister mit exekutiv Funktionen, legislative Aufgaben übernehmen.<br />
<strong>Europäische Komission</strong><br />
Für uns, da wir uns mit Fundraising beschäftigen, ist das wichtigste Gremium die Europäische Komission Die Komission wird von den Mitgliedsstaaten eingesetzt und vom Parlament abgesegnet. Die 25 Mitglieder  üben Kontroll-, Initiativ-, und Exekutivfunktionen aus.<br />
Kontrollfunktionen: Wacht über die Einhaltung und Umsetzung der Verträge in Unternehmen und Mitgliedsstaaten.<br />
Initiativfunktionen: Die Kommission hat das alleinige Initiativrecht. Sie macht Vorschläge zur Entwicklung der EU. Somit ist die Kommission die stärkste Institution der EU (Herz,1999, S. 116)<br />
Exekutivfunktionen: Die Kommission ist sozusagen die Exekutive der EU, sie ist für die Umsetzung der Verträge verantwortlich. Sie ist dem Parlament nur eingeschränkt Rechenschaft schuldig und wird nur  im Einzelfall vom Ministerrat überwacht. Die Kommission darf Abkommen mit Drittländern aushandeln und hat ein Mandat in der Welthandelsorganisation (WTO).<br />
<strong>Europäisches Parlament</strong><br />
Das EU-Parlament ist das einzige direkt demokratisch legitimierte Gremium der EU. Hatte es 1967 zunächst keine Mitbestimmungs- oder Entscheidungsrechte ist es mittlerweile mit Kompetenzen ausgestattet. Das Parlament kann bei vielen Gesetzen zustimmen und Mitentscheiden: in den Bereichen der Beschäftigungspolitik der Verkehrspolitik und weiten Teilen der Sozialpolitik. Dennoch ist seine Zustimmung in einigen Bereichen nicht erforderlich (Agrar- und Steuerpolitik).<br />
Das Parlament kontrolliert alle Organe der EU. Die Kommission kann durch ein Mißtrauensantrag zum Rücktritt gezwungen werden. Das Parlament fordert einen Jahresbericht und entlastet den Haushaltsplan der Kommission. Deutschland stellt 99 Abgeordnete, die Europäische Volkspartei (EVP) hat 268 Sitze und die Sozialdemokratischen Parteien Europas (SPE) haben 200 Stize.<br />
<strong>Europäischer Gerichtshof</strong><br />
Der Gerichtshof ist die höchste rechtliche Instanz der Union. Der Europäische Gerichtshof ist zuständig bei Streitigkeiten zwischen Mitgliedsstaaten, den Organen der EU und zwischen Bürgern und der EU.<br />
<strong>Weitere Organe</strong><br />
Der Europäische Rechnungshof kontrolliert die Abwicklung der Einnahmen und Ausgaben der EU.<br />
Im Wirtschafts- und Sozialausschuss sind Mitglieder der verschiedensten Interessengruppen vertreten.  Arbeitgeber-, Arbeitnehmervertreter und viele Nichtregierungsorganisationen.<br />
Der Ausschuß der Regionen vertritt die Regionen und Städte der EU.<br />
<strong>Sozial- und Regionalpolitik der EU und Nationale Beihilfen</strong><br />
Die Europäische Union hat das Ziel „durch die Errichtung eines Gemeinsamen Marktes und einer Wirtschafts- und Währungsunion (&#8230;) ein hohes Beschäftigungsniveau und ein hohes Maß an sozialem Schutz, die Gleichstellung von Männern und Frauen, (&#8230;) ein hohes Maß an Umweltschutz. (&#8230;) die Hebung der Lebensqualität, den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern“ (Art. 2 EGV). Aus diesem Grund stellt die EU nicht nur den freien Warenverkehr und freie Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Unternehmen in den Mitgliedsstaaten sicher, sondern versucht auch gleiche Lebensbedingungen für alle zu schaffen.<br />
Dies versucht sie durch eine Regionalpolitik in der sie benachteiligte Regionen unterstützt.<br />
Das Grundprinzip der Regionalpolitik ist die nationalen Förderpolitiken zu koordinieren und Transferleistungen an rückständige Regionen zu leisten. Für dies gibt es die Strukturfonds, in denen verschiedene Ziel-Gebiete gefördert werden.<br />
Gemäß Artikel 87 Europäischer Gemeinschaftsvertrag (EGV) sind allerdings Beihilfen jeglicher Art mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar so weit sie den Handel mit den Mitgliedsstaaten beeinflussen. Absätze 2 und 3 des Artikels 87 lassen folgende Ausnahmen zu:<br />
Beihilfen sozialer Art an einzelne, ohne Diskriminierung nach Herkunft<br />
Beihilfen zur Beseitigung von Schäden durch Naturkatastrophen oder außergewöhnlichen Ereignissen<br />
Beihilfen für die Wirtschaft in bestimmten Gebieten, soweit Ausgleich der wirtschaftlichen Nachteile erforderlich sind<br />
Förderung wichtiger Vorhaben von europäischen Interesse oder beachtlichen Störung im Wirtschaftsleben<br />
Förderung gewisser Wirtschaftszweige<br />
Kultur und Erhalt von Kulturellem Erbe<br />
Außerdem sind Beihilfen möglich, wenn der EU-Rat mit qualifizierter Mehrheit für ein Vorhaben  eintritt und der Vorschlag aus der Komission kam. Staatliche Unterstützung wird also als politisches Instrument  akzeptiert wo die Kommission eine Förderung anstrebt, somit ist es politisches Ermessen, wann Beihilfen akzeptiert werden.<br />
<strong>Föderarten</strong><br />
Die EU bietet eine Reihe von Förderprogrammen. Es gibt die Strukturfonds, Gemeinschaftsinitiativen (GI), Förderprogramme im Bereich der Bildung, Jugendarbeit und der Kultur.<br />
Bei den Strukturfonds ist für uns der Europäische Sozialfonds (ESF) und der Europäische Fond für Regionale Entwicklung (EFRE) von Bedeutung. Desweiteren gibt es noch  den Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL – Entwicklung des Ländlichen Raums, Fördermaßnahmen für Landwirte und Marktorganisation), Finanzinstrument für die Ausrichtung der Fischerei (FIAF) sowie Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS).<br />
Generell werden die Strukturfonds nach drei Ziel Gebieten gefördert.<br />
<a HREF="http://adigwe.de/blog/wp-content/uploads/2008/03/esf-foerdergebiete.gif" TITLE="ESF-Fördergebiete"><img SRC="http://adigwe.de/blog/wp-content/uploads/2008/03/esf-foerdergebiete.thumbnail.gif" ALT="ESF-Fördergebiete" ALIGN="left" /></a>Ziel 1-Gebiete (rot): Dies sind Regionen, die wirtschaftlich deutlich hinter dem EU-Durchschnitt zurückbleiben, deren Bruttoinlandsproduktes (BIP) pro Kopf weniger als 75 % des EU-Gesamtdurchschnitt ausmacht. In Deutschland sind dies in der laufenden Förderperiode die fünf neuen Bundesländer sowie Berlin-Ost.<br />
Ziel 2-Gebiete (blau/grün): Ziel 2-Regionen sind  die erhebliche Anpassungsprobleme haben, z.B. ehemalige Kohle- oder Stahlreviere, oder ländlich geprägte Gebiete die nur wenige Arbeitsplätze verfügen. Unterstützt wird die wirtschaftliche und soziale Umstellung dieser Gebiete.<br />
Ziel 3-Gebiete (sowohl weiß als auch blau/grün): Dies sind alle Regionen, die nicht Ziel 1 sind, jedoch eine Förderung der Beschäftigung und Anpassung der Bildungs- und Ausbildungssysteme benötigen.<br />
Bund und Länder haben Einheitliche Programmplanungsdokumente (EPPD) für Ziel 2 und Ziel 3 Gebiete und Operationelle Programme (OP) geschaffen, die die Maßnahmen von ESF und EFRE detailliert beschreiben und je nach Region andere Anforderungen und Problemstellungen, sowie das genaue Vergabeverfahren und die Mittelanteile beinhaltet.<br />
Diese Dokumente wurden von der Kommission genehmigt und sind seitdem die Grundlage von jeder ESF oder EFRE Förderung in Deutschland.<br />
195 Mrd. Euro, das sind 94% der EU-Fördermittel, stehen im Zeitraum von 2000 – 2006 für Strukturfondsmittel zur Verfügung, davon ca. 30 Mrd. Euro für Deutschland. Bund und Länder müssen je nach Ziel-Gebiet 25% &#8211; 50% durch eigene Mittel erhöhen.</p>
<p><strong>Europäischer Sozialfonds</strong><br />
Der Europäische Sozialfond ist das beschäftigungspolitische Instrument der EU. Er fördert die Eingliederung von Arbeitslosen und benachteiligten Bevölkerungsgruppen, vorallem durch die Finanzierung von Ausbildungsmaßnahmen. Projekte werden in sechs Bereichen gefördert:<br />
A.Entwicklung und Förderung aktiver Arbeitsmarktpolitken<br />
B.Förderung der Chancengleichheit<br />
C.Förderung und Verbesserung der beruflichen Bildung<br />
D.Förderung von qualifizierten, ausgebildeten und anpassungsfähigen Arbeitskräften<br />
E.Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs von Frauen am Arbeitsmarkt<br />
F. Kleinprojekten die die Beschäftigungsfähigkeit und die lokale/soziale Entwicklung fördern<br />
Hamburg gilt bein ESF als Ziel-3 Gebiet, die Lawaetz-Stiftung führt im Auftrag der Freien und Hansestadt Hamburg die Beratung für den Europäischen Sozialfonds durch.<br />
<strong>Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung</strong><br />
Unterstützt Investitionen zur Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen zugunsten von Unternehmen sowie lokalen Entwicklungsprojekten.  In Deutschland wird in Ost-Deutschland als Ziel-1 Gebiet die Infrastruktur gefördert. In Hamburg wird St. Pauli als Ziel-2 Gebiet gefördert. Rund 50% (6000 Mio. Euro) stellt der Europäische Fonds zur Verfügung. Ziel ist die Fördrung von unternehmerischen Aktivitäten und deren Grundlagen zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen, sowie technische Hilfe.</p>
<p><strong>Gemeinschaftsinitiativen</strong><br />
Gemeinschaftsinitiativen werden ausschließlich von der Kommission ins Leben gerufen und sind Länder übergreifend. Die Verwaltung und Vergabe der Mittel erfolgt allerdings auf nationaler Ebene (dh. Bund, Länder und Kommunen). Diese Programme wurden von 15 auf 4 reduziert.<br />
Es gibt folgende Gemeinschaftsinitiativen:<br />
LEADER – Sozioökonomische Entwicklung ländlicher Gebiete<br />
EQUAL – Entwicklung neuer Methoden zur Bekämpfung von Diskriminierung und Ungleichheiten 	      im Arbeitsmarkt<br />
INTERREG – Förderung grenzübergreifender, transnationaler und interregionaler Zusammenarbeit<br />
URBAN – Wirtschaftliche und soziale Wiederbelebung der Städte und Stadtrandgebiete<br />
10 Mrd. Euro, davon 1,53 Mrd. Euro für Deutschland (EQUAL 484 Mio., INTERREG 737 Mio., URBAN 140 Mio.), sind für die Gemeinschaftsinitiativen vorgesehen.<br />
Für Deutschland gibt es die Programme INTERREG III B – Ostseeraum, Nordwesteuropa und Nordseeraum.<br />
<strong>Förderprogramme</strong> (Jugend, Bildung und Kultur)<br />
Zahlreiche Förderprogramme existieren für die Bereiche Jugend, Bildung und Kultur. Einige wichtige nenne ich hier kurz (Zahlen sind pro Programm für vier bis fünf Jahre in Euro):<br />
Aktionsprogramm m Bereich der Öffentlichen Gesundheit (300 Mio): Förderung von Massnahmen zur Verbesserung der Gesundheit, Schutz vor Erkrankungen, Beseitigung von Ursachen für Erkrankungen.<br />
Bekämpfung und Vermeidung von Diskriminierung (98,4 Mio): Förderung des Informations- und Erfahrungstauschs bei der Bekämpfung von Diskriminierung.<br />
JUGEND (520 Mio): Förderung des Jugendaustauschs, der Freiwilligenarbeit und Jugendinitiativen<br />
KULTUR: Förderung des kulturellen Dialogs, Verbreitung der Kultur und des Kulturerbes, der Mobilität von Künstlern.<br />
LEONARDO DA VINCI (1,15 Mrd.): Förderung der Grenzüberschreitenden Mobilität<br />
LIFE (317 Mio): Förderung natürlicher Lebensräume und die Entwicklung umweltschonender Technologien<br />
SOKRATES (1,55 Mrd.): Förderung der Allgemeinbildung auf unterschiedlichen Ebenen (Schule, Universität, Bildungsbehörden ua.) und verschiedenen Bereichen (Erwachsenenbildung, Fernlehre, offener Unterricht ua.). Förderung der Chancengleichheit und des transnationalen Zugangs zu Bildung. Umfasst auch Erasmus (Auslandsstudium) und Comenius (Schulbildung).<br />
Eine gute Auflistung der Projekte und deren Bedingungen und Ansprechpartner gibt es unter <a HREF="http://www.europa-foerdert-kultur.info" TARGET="_blank">http://www.europa-foerdert-kultur.info</a> und <a HREF="http://www.eurodesk.org" TARGET="_blank">http://www.eurodesk.org</a>.<br />
<strong>Europäische Investitionsbank und -fonds</strong><br />
Die Europäische Investitionsbank und der Europäische Investitionsfonds geben Gründungs- und Investitionsdarlehen für kleine und mittlere Unternehmen, zu günstigen Konditionen. Die Mittel werden an nationale Banken weitergegeben und können dort beantragt werden.<br />
<strong>Anforderungen und Plannung eines EU-Projektes</strong><br />
Inhaltliche Anforderungen:<br />
Helle Becker und Dietrich Rometsch schreiben in der Broschüre der Bank für Sozialwirtschaft über die Anforderungen eines EU-Projektes: „Der verlangte „Europäische Mehrwert“ eines Projektes muss aus der Zielsetzung (&#8230;) hervorgehen“ (Becker/Rometsch,2001,S.28). Das heißt das die aktuellen Ziele der EU gewußt und genutzt werden müssen. Oftmals werden transnationale Projekte gefördert, die dann eine echte Kooperation aus anderen Mitgliedsstaaten verlangen.<br />
Oftmals werden andere Partner oder Berater gewünscht und gefordert. Das Projekt sollte etwas innovatives bieten, beispielhaft sein und Akuente setzen. Schließlich ist es wichtig die Zielgruppe des Projektes genau zu definieren und deren Beteiligung zu erläutern.<br />
Formale Anforderungen:<br />
Nur Antragsberechtigte dürfen die Antragsstellung vornehmen – es gibt Förderberechtigte die bezuscusst werden können, aber nicht den Antrag stellen dürfen (z.B. ein Träger und Antragsteller sind dessen Jugendliche). Wichtig ist eine Mischfinanzierung zu organisieren und im Antrag darzustellen, da die meisten Projekte nur Teilfinanziert werden. Ein Projekt ist nicht auf Dauer angelegt, das Projekt muß auf die Förderdauer zugeschnitten sein und nach der Förderung Ergebnisse vorweisen.<br />
Plannung eines Projekts:<br />
1.Eine Projektidee wird geboren<br />
2.Die aktuellen Förderprogramme ansehen (www.eurodesk.org) und erste Überschneidungen suchen<br />
3.Ein oder zwei Programme aussuchen, die besonders gut zur Idee passen<br />
4.Systematisch alle Voraussetzungen prüfen, wie z.B. Fristen, Fördergegenstand, Empfänger der Zuschussmittel, länderübergreifende Kooperation usw.<br />
5.Aus der Projektidee die schriftliche Skizze eines Projekts erstellen, das in das gewählte Förderprogramm passt<br />
6.PotentielleKooperationspartner ansprechen, um deren Interesse festzustellen<br />
7.Kontakt mit der Einrichtung aufnehmen, die das Programm betreut, um aktuelle Unterlagen zu bekommen und Details über tatsächliche Vergabepraxis zu erfahren<br />
8.Überlegen externe Beratung für die Projektentwicklung in Anspruch zu nehmen<br />
9.Gegebenenfalls mit Kooperationspartnern, eine ausführliche Projektbeschreibung ausarbeiten<br />
10.Antrag stellen. Viel Erfolg!<br />
(Die 10 Punkte verändert von <a HREF="http://www.socialnet.de/materialien/0206eu_pag.html" TARGET="_blank">http://www.socialnet.de/materialien/0206eu_pag.html</a> entnommen)<br />
<strong>Vergabeverfahren</strong><br />
Es gibt zwei verschiedene Verfahren bei der Vergabe von EU-Fördermitteln:<br />
1.Vergabe über die nationalen Behörden vor Ort<br />
Bei den Strukturfondsmitteln müssen die Länder durch Eigenanteil die Projekte Kofinanzieren, darum wird hier ein umständliches Verfahren angewendet, damit die Programme gemeinsam erarbeitet werden:<br />
Kommission und Mitgliedsstaaten erstellen eine Liste der Fördergebiete im Rahmen von Ziel 1 &amp; Ziel 2. Innerhalb von 4 Monaten nach Konsultation der Lokal- und Regionalbehörden sowie der Sozial- und Wirtschaftspartner legen die Mitgliedstaaten der Komission Entwicklungspläne &amp; Bezugsrahmen für Ziel 3 vor.<br />
Die Kommission prüft die Entwicklungspläne auf Vereinbarkeit mit den Zielen der Strukturfonds- und ESF-Verordnungen, den Nationalen Aktionsplänen für Beschäftigung und dem Bezugsrahmen für Ziel 3.<br />
Die Mitgliedsstaaten legen der Kommission ein Gemeinschaftliches Förderkonzept (GFK – für Ziel 1) und Einheitliche Programmplanungsdokumente (EPPD – für Ziel 2) vor. Die Mitgliedsstaaten verhandeln mit der Kommission über das GFK und den EPPD.<br />
Nach der Genehmigung der GFK/OP/EPPD durch die Kommission informieren die Verwaltungsstellen potentielle Projektträger und starten einen Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen. Die Verwaltungsstellen wählen Projekte aus, genehmigen und überwachen sie (aus <a HREF="http://ec.europa.eu/employment_social/esf2000/flowchart_de.html" TARGET="_blank">http://ec.europa.eu/employment_social/esf2000/flowchart_de.html</a> entnommen und verändert).<br />
Verwaltungsstellen können vom jeweiligen Bundesland beauftragte Dienstleister oder Behörden sein. Die Sozial-, Arbeits- oder Wirtschaftsministerien in den Ländern geben Auskunft, ob sie sebst oder welche Stelle zuständig ist.<br />
2.Vergabe über den EU-Haushalt, die Komissonsverwaltung in Brüssel oder Nationale Agenturen:<br />
Förderprogramme werden direkt von der EU-Kommission ins Leben gerufen – hier muss die Kofinanzierung über Eigenmittel geschehen. Die Komission beauftragt die Mitgliedsstaaten die Verwaltung zu übernehmen, diese wiederum rufen Nationale Agenturen oder Koordinierungsstellen ins Leben. Die meisten Fördergelder muss man daher nicht direkt bei der Komission sondern in diesen Agenturen beantragen. Die EU-Kommission gibt aber Auskunft an wen man sich wenden sollte.<br />
<strong>Beispielantrag</strong><br />
Zur Verdeutlichung habe ich als Beispiel einen Antrag im Anhang beigefügt. Hierbei handelt es sich um ein Multiplikatorentraining in Berlin, das ehemalige EIRENE-Freiwilligen zum Aufbau eigener Aktionen in Deutschland befähigen will. Diese Projektidee urde im Mai 2006 im Rahmen des JUGEND-Programmes in der Kategorie: Aktion 3 – Jugendinitiativen von Wolfgang Stuppert, Michael Eichholz, Therese Ramolla, Dorothee Storcks, Julian Gröger und mir ausgearbeitet. Zum 06.06. wurde uns statt gegeben und uns werden 7500 Euro zur Verfügung gestellt.</p>
<p><em>Anhang wird auf Anfrage per Email zugeschickt </em><br />
<strong>Literatur- und Quellenverzeichnis</strong><br />
Literatur:<br />
Becker, Dr. Helle / Rometsch, Dr. Dietrich: <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3932559010?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3932559010">EU-Förderung für die Sozialwirtschaft</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3932559010" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Köln 2001<br />
Böhm, Wolfgang / Otmar Lahodynsky: <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3209050074?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3209050074">EU for you! So funktioniert die Europäische Union</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3209050074" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Wien 2005<br />
Herz, Dietmar (Hrsg.): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3596142474?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3596142474">Europäische Union. Politik, Recht, Wirtschaft.</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3596142474" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Frankfurt/Main 1999<br />
Stähr, Hans-Christoph: <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3927466875?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3927466875">Euro-Lexikon 2004: Rund um die Europäische Union</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3927466875" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Bonn 2004<br />
Weidenfels, Werner / Wessels, Werner (Hrsg.): <a HREF="http://www.amazon.de/gp/product/3832925694?ie=UTF8&amp;tag=adigwedesigns-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3832925694">Europa von A bis Z</a><img SRC="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=adigwedesigns-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3832925694" WIDTH="1" HEIGHT="1" BORDER="0" STYLE="border:none !important; margin:0px !important;" />, Bonn 2002</p>
<p>Internetquellen:<br />
Subventionsberater <a HREF="http://www.subventionsberater.de/" TARGET="_blank">http://www.subventionsberater.de/</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Europäisches Jugendforum der EU <a HREF="http://europa.eu.int/youth/index.cfm?l_id=de" TARGET="_blank">http://europa.eu.int/youth/index.cfm?l_id=de</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Webforum Jugend – Nationale Agentur für das Programm JUGEND <a HREF="http://www.webforum-jugend.de/" TARGET="_blank">http://www.webforum-jugend.de/</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Europäische Kommission – Europäischer Sozialfonds  und <a HREF="http://ec.europa.eu/employment_social/esf2000/flowchart_de.html" TARGET="_blank">http://ec.europa.eu/employment_social/esf2000/flowchart_de.html</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Europäische Kommission – Regionalpolitik <a HREF="http://ec.europa.eu/comm/regional_policy/index_de.htm" TARGET="_blank">http://ec.europa.eu/comm/regional_policy/index_de.htm</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Datenbank Internationale Jugendarbeit <a HREF="http://www.dija.de/" TARGET="_blank">http://www.dija.de/</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Europäische Informations- und Verlagsgesellschaft <a HREF="http://www.europa-kontakt.de/" TARGET="_blank">http://www.europa-kontakt.de/</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Lawaetz-Stiftung: ESF in Hamburg <a HREF="http://www.esf-hamburg.de/" TARGET="_blank">http://www.esf-hamburg.de/</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Kulturpolitische Gesellschaft – Europa fördert Kultur <a HREF="http://www.europa-foerdert-kultur.info/index.php" TARGET="_blank">http://www.europa-foerdert-kultur.info/index.php</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Bundesministerium für Arbeit und Soziales – ESF <a HREF="http://www.bmas.bund.de/BMAS/Navigation/Europa-International/Europa/Europaeischer" TARGET="_blank">http://www.bmas.bund.de/BMAS/Navigation/Europa-International/Europa/Europaeischer</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Sozialnet – Materialien zur EU-Förderung <a HREF="http://www.socialnet.de/materialien/0206eu_pag.html" TARGET="_blank">http://www.socialnet.de/materialien/0206eu_pag.html</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Youth for enterprises e.V. <a HREF="http://www.youth2002.de/Home.htm" TARGET="_blank">http://www.youth2002.de/Home.htm</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Internationaler Jugendaustausch- und Besucherdienst der Bundesrepublik Deutschland (IJAB) e.V.  <a HREF="http://www.contact-eurodesk.de/" TARGET="_blank">http://www.contact-eurodesk.de/</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Europäisches Informationszentrum <a HREF="http://www.eurodesk.de/" TARGET="_blank">http://www.eurodesk.de/</a> letzter Zugriff am 06.06.06<br />
Europäisches Informationszentrum (Englisch) <a HREF="http://www.eurodesk.org:8080/edesk/Infocentre.do?go=2" TARGET="_blank">http://www.eurodesk.org:8080/edesk/Infocentre.do?go=2</a> letzter Zugriff am 06.06.06</p>
<p>Bildquellen:<br />
Bild 1: Böhm, Wolfgang / Othmer Lahodynsky: EU for YOU, Wien 2005, Seite 16 (modifiziert)<br />
Bild 2: Der ESF 2000 – 2006 Deutschland. (Broschüre Hrsg. EU)</p>
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